:: Comic-Kritik: Spirou oder die Hoffnung Band 1 – 4

Es ist Sommer 2022, ich habe Urlaub, und ich habe endlich den letzten Band der vierteiligen Comicreihe Spirou oder die Hoffnung gelesen; es war eine lange Reise, seit die Serie 2018 begann – ja, vier Jahre lang, und die Reise hat sich gelohnt. Zeit für eine Rezension.

Vielleicht zuerst eine Erklärung: Spirou oder die Hoffnung ist u.a. das Resultat einer Tendenz, die sich schon länger im frankobelgischen Comicmarkt etabliert hat; nämlich die Schaffung von Hommagen, teilweise auch Umdeutungen alter Helden und Heldinnen. Unabhängig davon, ob Serien noch laufen oder nicht, nehmen sich unterschiedliche Autorïnnen und Zeichnerïnnen der bekannten Figuren an, um ihre eigene Version dieser Ikonen zu schaffen. Diese Neufassungen laufen außerhalb der „normalen“ Serien (meist unter dem Übertitel Le Spirou de …, Le Valerian de … etc., bei Carlsen auf deutsch meist als „Spezial“). Sie kommen manchmal als Hommage daher, wie Ralph Königs jüngstes Lucky Luke-Album, manchmal aber auch als komplette Neufassung oder Umdeutung. Der kommerzielle Hintergrund ist natürlich der, daß die betreffenden Serien entweder offiziell eingestellt sind und man anders kein neues Material herausbringen kann, oder daß sie, falls sie noch laufen, so oft „modernisiert“ wurden, daß inzwischen erwachsene Fans sie nicht wiedererkennen (während die Originalfolgen heutzutage altbacken oder überholt wirken). Man will also erwachsene Leserïnnen, Nostalgikerïnnen, vielleicht auch neue Fans ansprechen, die mit dem alten Material nichts anfangen könnten.

Im Fall von Spirou und Fantasio äußert sich das so, daß manche Autorïnnen und Zeichnerïnnen voll auf der Retroschiene fahren. Z.B. verlegen Schwartz & Yann mit Die Leopardenfrau und Der Meister der schwarzen Hostien die Abenteuer der beiden Helden zurück in die Nachkriegsjahre, nah an ihren Ursprung (Spirou entstand 1938, also ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs); der Zeichenstil imitiert nicht direkt den von Spirou-Erfinder Rob Velter, sondern wirkt wie eine moderne Fassung des Strichs des sehr frühen Franquin, und damit zugleich authentisch und aktuell.

An sich bin ich kein Freund solcher Aktivitäten. Verlagsseitig drückt sich darin (auch) ein inzwischen typisches, kapitalistisches Ausschlachtungsinteresse aus, das noch den letzten Tropfen Leben aus jedem Gut herausquetschen will; das gewissermaßen das neoliberale Mantra von Erfolgs-Coaches umformuliert zu „Wenn dein Pferd tot ist, steig nicht ab“. Was sich z.B. auch im Bereich von TV-Serien und Filmfranchises zeigt (wo es uns in jüngerer Zeit ein so erbärmliches Schauspiel wie Star Trek: Picard beschert hat). Das Ganze ist dennoch mehr als ein bloßes Geschäftsmodell; denn es gibt Kreativen Gelegenheit, ihren Enthusiasmus für ikonische, vielleicht in der Kindheit geliebte Figuren auszudrücken und der eigenen Phantasie freien Lauf zu lassen. Manchmal stecken echte Begeisterung, und gute Ideen dahinter; wenn das der Fall ist, kann man sich nur freuen.

Die Ergebnisse solcher Experimente fallen also unterschiedlich aus – manchmal sind sie ganz amüsant, manchmal interessant; und manchmal großartig. Womit wir endlich zu Spirou oder die Hoffnung kommen.

Autor und Zeichner Émile Bravo unternimmt hier ein gewagtes Unterfangen: Er verlegt die Abenteuer von Spirou und Fantasio in die Zeit der deutschen Besatzung Belgiens – in den zweiten Weltkrieg. In eine sehr düstere Zeit also, die eine angemessene Erzählweise und Perspektive verlangt; wobei aber andererseits die Markenzeichen der Serie – Abenteuer und Humor – doch zu ihrem Recht kommen müssen.

Dieser Spagat gelingt ihm mit Bravour. Was den Humor angeht, ist er stellenweise deutlich schwarz und makaber: Im ersten Band herrscht im Hotel, in dem Spirou als Page arbeitet, eine Bombenstimmung, und Fantasio – der hier teilweise noch unbeherrschter, prahlerischer und dabei inkompetenter erscheint als in Franquins frühen Erzählungen – ist auf skurrile Weise mitverantwortlich für die Eroberung der belgischen Festung Eben-Emael durch die Deutschen; dennoch gelingt es Bravo, Tragik und Leid zu zeigen, ohne sie durch den Humor abzuschwächen, vielleicht auch, weil dieser Humor eine bittere, doch gerade darum mitfühlende Note erhält.

:: Onkel Rolf und Onkel Rudolf

Ach ja, Fi** und Fo**i. Richtig, ich kann mir diesen pornographischen Pennälerwitz nur halb verkneifen. Aber mir ist grad so, aus Gründen, die gleich folgen.

Also jetzt ganz ernsthaft: Man weiß ja schon seit geraumer Zeit, daß Rolf Kauka, Verleger der zwei halbstarken Fuchsbengel, politisch ein eher dubioser Charakter war (oder sagen wir es offen: Er war stramm rechts). Aber wie das so ist, wenn Leute nachforschen, neues Material zutage fördern und dann Bücher schreiben – manchmal zeigt sich dann: Es ist alles noch viel schlimmer.

Also, Rolf Kauka. Mal wieder. Schon als Kind hegte ich eine Art Haßliebe zu Fix & Foxi, einer notdürftig mit frankobelgischen Comics aufgehübschten Ramschpublikation (in der auch schon mal frech behauptet wurde, Comics wie Spirou und Fantasio (dort: Pit und Pikkolo) oder Lucky Luke stammten tatsächlich aus Kaukas Feder – wohl, um seinen Ruf als „deutscher Walt Disney“ zu mehren). Was mich aber wirklich zeitweise verstörte, waren die einleitenden Grußworte von „Onkel Rolf“ an seine „Lieben Freunde“ (heute würde man Editorial dazu sagen).

Daß er die DDR meinte, wenn er in einem dieser Ergüsse von deutschen Brüdern und Schwestern sprach (oder so ähnlich, die Erinnerung verschwimmt), die nebenan quasi in Sklaverei gehalten würden, habe ich mit sechs Jahren nicht mal verstanden; frage mich aber bis heute, was dieser apokalyptische Text, mag man ihm auch zustimmen, in einer Publikation für kleine Kinder zu suchen hatte. „Onkel“ Rolf war, was seine Art angeht, sich an das gerade schulfähige Lesepublikum zu wenden, manchmal regelrecht wie entfesselt – völlig distanzlos und ohne realistische Einschätzung, was man Kindern zumuten kann. Oder würden Sie wollen, daß ein fremder „Onkel“ zur Tür hereinspaziert und ihren Kindern erzählt, daß gleich die roten Gruselmonster kommen, um sie aufzufressen?

Nach dem Motto „Das erklären wir dir, wenn du größer bist“ bzw. „das verstehst du noch nicht“ wurden wir ja damals noch zur Ahnungslosigkeit erzogen – wußten also als Fünf- bis Sechsjährige vermutlich nicht einmal, wovon genau die Rede war. Kauka, den das nicht zu kümmern schien, fiel mit Wortgewalt über seine unschuldige Leserïnnenschaft her, um sie früh zu indoktrinieren. Dazu gleich noch mehr; aber jetzt zum Eigentlichen.

Daß Kauka die gallischen Helden Asterix und Obelix zu Germanen namens Siggi und Babarras umsynchronisierte, war ja schon bekannt; was an sich nicht so schlimm wäre (nur irgendwie scheiße), hätte er es dabei belassen. Aber nichts da. Den Römern wurde ein anglo-amerikanischer Akzent verpaßt, um sie den von Kauka so gesehenen „Besatzern“ anzuähneln, Obelix‘ (bzw. Babarras‘) Hinkelstein in einem Dialog als „Schuldkomplex“ gedeutet, den man in Germanien endlich mal loswerden müßte, und unsympathische bzw. verräterische Gestalten durch eine „jiddische“ (oder was die Redakteure dafür hielten) Sprechweise als Juden dargestellt. Das führte zu einem Skandal, der den Entzug der deutschen Rechte an der Serie zur Folge hatte – und Asterix-Erfinder Goscinny veranlaßte, die erste von Gudrun Penndorf für den Ehapa-Verlag übersetzte Asterix-Folge ins Französische rückübersetzen zu lassen, nur um sicherzugehen, was die Boches da womöglich wieder trieben.

Aber das wußte man alles schon – das Meiste davon jedenfalls. Auch, daß Kauka – womit wir wieder beim lieben Onkel wären – in einem Weihnachtsgruß kaum verhüllt (er redet von „unschuldig Gefangenen in Spandau“) den Wunsch nach Freilassung von Rudolf Heß äußerte.

Aber jetzt ist da dieses Buch. Es fügt dem Bekannten einiges hinzu; einiges, das auch über die Person Kaukas hinaus bedeutend ist, indem es ein politisches Sittenbild der damaligen Bundesrepublik zeichnet.

Was steht drin?

:: R.I.P. Nichelle Nichols

„Yes, Ms. Nichols, I am your greatest fan.“
Martin Luther King

Dies hier ist ein Artikel, den ich nicht gerade heute zu schreiben erwartet habe – obwohl das Ereignis, das er behandelt, irgendwann eintreten mußte. Die Nachricht hat mich dennoch unvorbereitet getroffen, und so sitze ich hier, unvorbereitet, und tippe einen Artikel, den ich eigentlich nicht schreiben will.

An sich wollte ich solche Nachrufe überhaupt nicht mehr schreiben. Einmal, weil seit 2015, als das große Sterben alter Größen in einer regelrechten Explosion begann, die Zahl der Abschiede nach und nach überforderte; zum Anderen, weil mich das Gefühl beschlich, daß der Nachruf ein eigenes, unterschwelliges Bedürfnis nach Selbstdarstellung befriedigt, das den Verstorbenen unangemessen, und pietätlos ist.

Es ist also nichts, das ich schreiben will; aber muß. Denn uns trifft Verlust, der nicht unangesprochen bleiben darf.

Nichelle Nichols, bekannt als Lt. Uhura aus der originalen Star Trek-Serie, ist am Samstag, dem 30.07.2022, im Alter von 89 Jahren verstorben.

Photo by Alan Light; gemeinfrei (s.u.)

Nichelle Nichols 1979

Es ist ein schmerzlicher Verlust für viele Menschen weltweit, und sicherlich der schwerste für ihre Freunde und Angehörigen, denen mein tiefes Mitgefühl gilt.

Doch warum ist Nichols so wichtig?

Natürlich unter Anderem, weil ihr Auftreten in Star Trek ein starkes Statement gegen Rassismus war; so stark, daß ihr Martin Luther King persönlich ausredete, die Serie zu verlassen, um eine Broadway-Rolle anzunehmen. Das war gewiß nicht allein ihr Verdienst, denn die gesamte Serie – in der Kirk einen mehrfach auftretenden schwarzen Admiral als Vorgesetzten hatte – war daraufhin konzipiert, eine Welt zu entwerfen, in der Angehörige verschiedenster Völker friedlich zusammen leben und arbeiten. So, wie sie auch – innerhalb der Grenzen, die Geldgeber bzw. Senderbosse erlaubten – Frauen in gehobenen Rängen und hochqualifizierten Tätigkeiten zeigte (auch wenn man Uhura „nur“ am Funkgerät sitzen sah, war sie immerhin Lieutenant, und damit teil der höheren Kommandokette). Doch um die Botschaft zu vermitteln, benötigte man gerade damals eine hervorragende Botschafterin – und wer hätte diesen Anspruch besser erfüllen können als Nichelle Nichols?

Immerhin reden wir von einer Zeit, in der unsympathische schwarze Protagonistïnnen die rassistischen Vorurteile eines weißen Publikums automatisch bestätigt hätten; Uhura zeigte ein durchweg positives Bild einer schwarzen Frau, und das in mehrfacher Hinsicht: Kompetent, sympathisch, intelligent und fähig. Man kann das als Zugeständnis an den damaligen Rassismus werten; doch vermutlich war die Botschaft nicht anders zu vermitteln. Daß Nichelle Nichols schön war – und ich meine keineswegs nur attraktiv, sexy oder etwas dergleichen – half dabei sicherlich; und war durchaus keine oberflächlicher Faktor.

Um die Wirkung und Bedeutung ihrer Darstellung zu verdeutlichen, muß ich nun doch von mir erzählen; davon, welchen Eindruck Nichelle Nichols auf das fünfjährige Kind machte (denn ich war fünf, als ich sie das erste Mal sah; die Serie wurde vom ZDF ab 1972 ausgestrahlt). Ich war fasziniert von Raumschiff Enterprise und der für mich oft unheimlichen Handlung, die ich meist nur halb verstand (den Tech Babble verstand ich gar nicht, und folglich auch die Lösung mancher Probleme nicht – warum zum Teufel konnte die Enterprise den Klingonen entkommen, weil Scotty ein Stück Halskette einer Alien-Prinzessin in den Antrieb montierte?); doch ich saß wie gebannt vor dem Bildschirm, wann immer Nyota Uhura ins Bild kam. Schlicht, weil ich es nicht fassen konnte, wie schön diese Frau war. Oder wie es überhaupt jemanden geben konnte, der so schön ist. Dieser Eindruck transzendiert für mich bis heute ihre ungeheure Attraktivität; denn sicherlich sah sie schön aus, doch diese Art Anziehungskraft ist nichts, das einen Fünfjährigen interessiert. Etwas in Nichols‘ Auftreten, Habitus, Darstellung vermittelte den Eindruck einer Frau, die auch innerlich schön war – einer Person, der man, würde man ihr begegnen, unmittelbar vertrauen würde. Den einer starken, positiven Persönlichkeit, ohne daß ich begründen könnte, woher dieser Eindruck rührte. Ich weiß nur, daß ich jetzt, fünfzig Jahre später, wieder fünf Jahre alt bin – und es noch immer nicht fassen kann. Nyota Uhura wirkte wie eine Fee aus der Zukunft; eine Frau, die man als Kind nur bestaunen, und später nur bewundern konnte.

Die Wucht, mit der sie mich als Kind traf, hat nie ganz nachgelassen; und es war eine Wucht, die den noch ungeformten Geist eines kleinen Kindes vielleicht nicht völlig, aber doch immens davor schützte, rassistisches Ideengut überhaupt zu entwickeln, oder von den Erwachsenen zu übernehmen. Und was immer ich später über sie hörte und las, hat mir nur bestätigt, daß sie eine beeindruckende Persönlichkeit war.

Bild ursprünglich von Super Festivals auf Flickr gepostet; gemeinfrei (s.u.)

Nichelle Nichols 2019

Nichelle Nichols war sicherlich mehr als nur Lt. Uhura. Sie war Sängerin, Tänzerin, später auch Produzentin und Choreographin, Synchronsprecherin für Animationsserien, und auch nach Star Trek weiterhin schauspielerisch tätig; und sie arbeitete mit der NASA an einem höchst erfolgreichen Projekt, Frauen und Angehörige von Minderheiten für die Space Agency zu rekrutieren. In den 1980ern engagierte sie sich darüber hinaus beim National Space Institute, einer Non-Profit-Organisation, die sich für die Erforschung des Weltalls einsetzt. Daß ein Asteroid nach ihr benannt wurde, ist eine verdiente Anerkennung solcher Leistungen.

Auch der Tod anderer Darsteller der Originalserie hat mich getroffen, und wenn ich es – aus den genannten Gründen – versäumt habe, ihnen Nachrufe zu widmen, möchte ich das hier nachholen: R.I.P. De Forest Kelley, R.I.P. James Doohan; und noch einmal einen Gruß an Leonard Nimoy, der damals noch einen Nachruf erhielt.

Dieser hier ist keiner, den ich schreiben will; aber muß. Eine traurige Pflicht: Einer Frau, die auf mein leben und das Vieler eine solche Wirkung hatte, die Ehre zu erweisen.

Ihr Tod hat mich schwer getroffen, und sicherlich viele Andere, die ihr Nahestehenden am Meisten; ihre Bedeutung läßt sich kaum in Worte fassen.

Live long and prosper, heißt es bei Star Trek; heute aber muß es heißen: Lebwohl, Nichelle Nichols. Lebe für immer. In unseren Herzen.


Urheberrechtsnotiz:

Nichelle Nichols 1979:
Quelle: https://www.flickr.com/photos/alan-light/4505899674/
Photo by Alan Light; Nutzung gestattet bei Nennung des Photographen

Nichelle Nichols 2019:
Quelle: https://www.flickr.com/photos/superfestivals/49134192366/
Bild ursprünglich von Super Festivals auf Flickr gepostet; Nutzung lizensiert unter Creative Commons Attribution 2.0 Generic License (CC BY 2.0)

:: Web-Tipp: Willkommen beim Browser-Ballett

So, hier der erste der versprochenen Kurzbeiträge. Wenigstens einer. Ob ich mehr schaffe, weiß ich nicht. 🙄

Ich hatte vor einiger Zeit einen Artikel mit „Wieso wußte ich nicht, daß es das gibt?!?“ betitelt; wäre die Überschrift nicht schon verbraucht, könnte ich sie auch über das hier setzen.

Also: Wieso wußte ich bis vor Kurzem nichts vom Browser Ballett?!?

Sicher – ich bin ein „Alter Weißer Mann“(TM) und nicht immer auf dem Laufenden, auch wenn ich mich bemühe; und ich glaube, ich bin auf den Namen Browser Ballett (ehemals Bohemian Browser Ballett) sogar einige Male gestoßen, und habe bloß nie wirklich darauf geachtet. Aber trotzdem.

Jedenfalls hab ich erst neulich mal auf eines der Videos geklickt, weil es in YouTubes Vorschlagsliste erschien.

Was soll ich sagen? Ich bin vor Lachen vom Stuhl gefallen. 😀

„Was darf Satire?“ fragte einst Kurt Tucholsky, und das Browser Ballett brüllt die Antwort „Alles!“ mit 100-Millionen-Watt-Lautsprechern zurück. Die Videos sind umwerfend komisch, treffen immer ins Schwarze und dabei manchmal so genau, daß es eigentlich aufhört, komisch zu sein, man aber – vielleicht gerade deswegen – hilflos kichernd zusammensackt. Dabei wird nichts und niemand verschont, und jede politische Fraktion oder gesellschaftliche Gruppe bekommt ihr Fett ab. Ob es die katholische Kirche ist („Jesus – Katholische Kirche Edition“) oder gleich ein bißchen Blasphemie („Die Ostergeschichte nach Browser Ballett“), ob Nazis, Bundeswehr oder auch die Gaming-Szene, Spieleproduzenten, oder linksgrün bewegte Leute – für jeden ist etwas Spott dabei. Sogar sich selbst als Satirikerïnnen verschonen die Ballettleute nicht. Das gab und gibt natürlich auch Ärger, z.B. mit der AfD; das ist aber eher ein Ritterschlag.

Das Browser Ballett hat auch einige satirische Computerspiele produziert, von denen ich allerdings jetzt noch keines getestet habe; die Videos selbst sind oft aufwendig und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Neben Easter Eggs für Leute, die sich auskennen (z.B. im Gaming-Bereich) enthalten sie oft versteckte Gags, die erst bei nochmaligem oder sehr aufmerksamem Sehen auffallen (achtet mal auf das „5G“-Schild in „Impfgegner im Mittelalter“). Außerdem treten immer wieder Prominente von inner- und außerhalb des Web als Gäste auf.

Na, was soll ich noch sagen. Das Browser Ballett macht derzeit auch Sommerpause, aber der Kanal enthält tonnenweise Material. Da die Videos meist unter vier Minuten lang sind, kann man sie leicht zwischendurch schauen oder sogar wegbingen, und es bleibt immer noch genug für weitere Besuche.

Bei so viel Produktion schwankt die Qualität natürlich, bleibt aber selbst bei schwächeren Videos hoch. Persönliche Empfehlungen fallen schwer, da ich fast alle Beiträge sehr gut finde; aber wenn ich welche abgeben müßte, wären es z.B. „Kopftuchstreit im Nazi-Shop“, „Rich Lives Matter“, „Selber schuld – wenn das Kleid zu kurz ist“ und das schon erwähnte Mittelalter-Video.

Fazit: Browser Ballett nicht gucken ist wie in Berlin wohnen und noch nie bei „Gutes Wedding – Schlechtes Wedding“ gewesen sein; daher Glotz- und Lachbefehl.


P.S. Wieso das „Bohemian“ im Namen irgendwann weggefallen ist, weiß ich nicht; Wikipedia auch nicht. Und für mehr Recherche bin ich zu faul.

:: Die Weizenlüge

Oder: Wie man eine Krise – in diesem Fall Krieg – als Ausrede nutzt, um die eigene politische Agenda durchzusetzen.

Arbeitsbedingt bin ich zwar einige Zeit lang nicht zum Bloggen gekommen, weshalb der konkrete Anlaß (Medienberichte) für diesen Artikel schon etwas zurückliegt (siehe dazu und zur erzwungenen Sommerpause auch hier); aber da er sich gut eignet, die Methode zu illustrieren, mit der in solchen Fällen vorgegangen wird, veröffentliche ich ihn dennoch (zumal die beschriebene Kampagne sicher weiterhin läuft).

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs nämlich pushen konservative Politiker und Agrarlobby – kürzlich gerade wieder der Bauernverband, aber auch Hersteller von Düngemitteln und Pestiziden – verstärkt eine Idee. Sie lautet: Massiver Ausbau der Intensiv-Landwirtschaft. Flächen, die bisher zwecks Umwelt- und Artenschutz von der Landwirtschaft freigestellt waren, sollen wieder bewirtschaftet werden – nämlich, um Weizen anzubauen. Und zwar in industriellen Ausmaß; es sollen also alle Beschränkungen für den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die in den letzten Jahren mühselig eingeführt wurden, wieder fallen. Natürlich nur vorübergehend (im Klartext: Wenn die Krise vorbei ist, sieht man mit neuen Ausreden weiter).

Das ökologische Desaster, das daraus folgen würde, kann man sich vorstellen. Das längst katastrophale Artensterben unter Insekten und Vögeln würde ebenso verstärkt wie der Klimawandel, wie die Gefährdung des Grundwassers, wie Bodenverdichtung und damit langfristige Unfruchtbarkeit. Das alles – so die Rhetorik – tritt angesichts der dringenden Notwendigkeit, so zu handeln, in den Hintergrund. Denn: Es gilt, Hungerkatastrophen, vor Allem in der sogenannten „Dritten Welt“, abzuwenden.

Tatsächlich klingt die Begründung zunächst plausibel. Bedingt durch den russischen Angriffskrieg liegen Tonnen von Weizen in der Ukraine fest, die nicht auf den Weltmarkt gelangen, weil die russische Schwarzmeerflotte den üblichen Export auf dem Seeweg verhindert. Der ukrainische Weizen fehlt also schon an sich auf den Weltmärkten; zudem treibt diese Lieferlücke die Preise hoch. Ärmere Länder, zumal in Afrika, können sich also den dringend benötigten Weizen nicht leisten, sofern er überhaupt auf den Markt kommt (erschwerend kommt hinzu, daß einige andere Weizenproduzenten, z.B. Indien, sich angesichts der Lage entschlossen haben, ihren Weizen aktuell nicht zu exportieren, sondern zu horten).

Daraus stricken die Befürworter ein moralisches Argument; eines , das sich zunächst tatsächlich unabweisbar anhört. Wer sich nämlich jetzt sträubt, lautete es, die von der EU bereits abgesegnete Linie umzusetzen, sei mitverantwortlich für Hungertod und Massensterben. So warf der AfD-Abgeordnete Stephan Protschka etwa kürzlich dem Landwirtschaftsminister Cem Özdemir – den man nicht mögen muß – vor, er sei „Schuld für [sic!] die Bilder der hungernden Kinder aus Afrika“.

Ich weiß gerade nicht, was mich an dieser Äußerung mehr aufregt – die pausbäckige Blödheit, mit der hier ein Klischee reproduziert wird, mit dem man sonst Kinder zum Aufessen bewegen will, die semantische Unfähigkeit (ist Herr Özdemir schuld am Hunger der Kinder, oder Schuld an den Kindern, oder schuld an den Bildern von diesen Kindern, die er ja wohl nicht selbst geknipst haben wird?) oder die geheuchelte Moralität – denn das Moralargument scheint unabweisbar, ist jedoch in Wirklichkeit besonders perfide, wie sich noch zeigen wird.

Okay. Was hat das mit dem eingangs genannten Thema zu tun? Nun – zwei Dinge. Erstens, was hier als Maßnahme gefordert wird, trüge zur Problemlösung überhaupt nicht bei; und zweitens, es werden ganz andere Ziele verfolgt, als die behaupteten. Also – was passiert hier?

:: Ein Wort in eigener Sache

Hallo. Ich muß mich hier einmal kurz zur aktuellen Situation diesen (dieses?) Blog betreffend äußern. Es ist Euch ja bestimmt aufgefallen, daß ich den ganzen Juni über nichts gepostet habe; auch im Mai gab es nur drei Beiträge, nachdem ich gerade noch im März und April sehr viel veröffentlicht hatte (meist den Ukraine-Krieg betreffend).

Kurz und gut: Das wird im Juli nicht besser werden. Vor August dürft Ihr leider nicht mehr mit allzuviel rechnen.

Der Grund ist natürlich der ewig gleiche: Arbeit.

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, dem es so geht – jedenfalls scheint die Lage, wenn ich mich so umhöre, in vielen Branchen ähnlich; überall (oder fast überall) herrscht akute Personalknappheit. Da braucht nur irgendwer krank zu werden, wenn noch jemand im Urlaub ist, und schon schrubben alle Überstunden; besonders, wenn der Laden schon im Normalbetrieb eigentlich unterbesetzt ist.

Leider ist das genau die Lage, in der ich mich aktuell befinde. Im Juni zwangen mich Krankheitsfälle im Kollegïnnenkreis fast ständig ins Sklavenlager an die Werkbank, und aktuell steht ein längerer Urlaub eine Kollegin mit Kind bevor; und wir sind seit geraumer Zeit sogar dann schon zu wenige, wenn alle gesund sind und niemand urlaubt.

So etwas ist auch früher schon vorgekommen, aber ich wollte mich wenigstens einmal nicht erst nachträglich dazu äußern. Das (der?) Blog geht also in eine unfreiwillige Sommerpause.

Wobei, nicht ganz: Anfang Juni hatte ich einen Artikel angefangen, dessen aktueller Anlaß zwar verstrichen ist, sich jedoch gut eignet, ein allgemeines Problem von Politik und Marktwirtschaft zu beleuchten; ich werde ihn in den nächsten Tagen nachschieben, weil er im Grunde fertig ist und nur noch eine Schlußredaktion braucht. Außerdem werde ich versuchen, gelegentlich Kurzbeiträge zu produzieren. Wenn ich auf interessante oder m.E. wichtige Themen stoße, werde ich Links zu den betreffenden Artikeln oder Videos posten, die nur von ein paar erläuternden Worten (was, wer, und warum wichtig) statt meinen eigenen, üblicherweise langen Volksreden begleitet werden. (Ja, vielleicht sollte ich das ohnehin öfter tun; andererseits will ich ja bloggen und keinen Newsticker betreiben. Ich muß da mal über eine gesunde Balance nachdenken.)

Alle umfangreicheren Texte liegen auf Halde; z.B. hatte ich ja schon vor längerer Zeit – im Zuge meines nostalgischen Rückblicks auf das in den 1970ern erschienene Comic-Magazin Kobraangekündigt, einen Comic namens Black Beth – Vengeance be thy Name zu besprechen, den ich damals vorbestellt hatte; der Sammelband ist Anfang Juni eingetroffen, aber ich konnte bisher keine Zeit finden, ihn einmal in Ruhe zum Vergnügen zu lesen, geschweige denn, ihn noch ein zweites Mal ganz nüchtern für eine Rezension zu analysieren. (In der kurzen verfügbaren Zeit kommen einem dann noch Streß, Erschöpfung und entsprechend verringerte Konzentrationsfähigkeit in die Quere. Versuche, nach kurzem Überfliegen eine Kritik mit heißer Nadel zu stricken, haben leider nur zu ziemlich inkohärenten Texten geführt, weshalb ich das lieber auf den August verschiebe).

Und weil ich gerade bei vollmundigen Ankündigungen bin: Nach einem Providerwechsel wollte ich ja endlich ein selbst gehostetes (hab mich jetzt für „es“ entschieden) Blog bauen, in dem ich eigenes CSS, Plugins, und ggf. Page Builder wie Elementor, Beaver Builder o.ä. Einsetzen kann; mit Recherchen, z.B. um die Page Builder zu vergleichen, hatte ich bereits begonnen, aber nun läuft auch das unter dem Motto „Hier ist ein Märchen von Übermorgen“.

Außerdem warten wir wegen der Lieferkettenprobleme jetzt schon seit letzten Herbst auf eine Wärmepumpe, die nun vielleicht erst nächstes Jahr kommt, weshalb ich schon wieder sauteuer Öl nachbestellen muß, MACH DA MAL WAS DRAN, HABECK, WENN DU NE ENERGIEWENDE WILLST! *Ähem.*

Verzeihung. Das kam plötzlich einfach über mich. Na wie auch immer – im Augenblick bleibt mir nur, mich für das Schweigen im Walde zu entschuldigen und zu versprechen, das im Augst wieder alles besser wird. Bestimmt.

:: Deniz, Christoph und die wirren Haare

An dieser Stelle eine kleine Randbemerkung zu einem Phänomen, das mir schon öfter aufgefallen ist – nämlich wann immer ich Fotos oder Talkshowauftritte (männlicher) Intellektueller sehe. Äußern wollte ich mich dazu auch schon gelegentlich, nur irgendwie habe ich es dann immer vergessen.

Ich will hier also nicht auf den jüngsten Radau um Deniz Yücel als (inzwischen zurückgetretenen) PEN-Präsidenten eingehen – hauptsächlich, weil es mir wurscht ist; es handelt sich also um reinen Zufall, daß mich ein Bild von Yücel und Christoph Nix (wer immer das ist) im oben verlinkten Spiegel-Artikel an das Thema erinnert hat.

Beide haben nämlich etwas gemeinsam, das sie mit anderen Intellektuellen teilen, ob die nun Giovanni di Lorenzo, Peter Sloterdijk oder Richard David Precht heißen. Der Titel deutet es an: Sie sind, na sagen wir, nachlässig frisiert. Und manchmal schlecht rasiert. Und haben den Hemdkragen offen. (Wie der oben genannte Herr Nix demonstriert, müssen nicht alle Details zutreffen, aber die Aussage „Ich hab die Haare wild“ ist meist dabei; allerdings zeigt Herr Nix ein anderes, seltenes, aber nicht völlig unbekanntes Accessoire: die neckische Fliege.)

Das klingt bedeutungslos, als Kritik vielleicht sogar spießig; ist es aber nicht. Warum?

Also zunächst: Die scheinbar schlampige Frisur und das ggf. dazu passende optische Gesamtbild sind natürlich nicht hingeschlampt, sondern sorgsam inszeniert; es gibt einen Grund, daß diese Männer sich so zeigen. Sie machen damit eine Aussage.

Genauer gesagt, zwei.

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:: Die Zeit drängt: Petition gegen Assange-Auslieferung

Wer noch nicht hat (Herr Sathom hat schon), sollte noch schnell: In wenigen Tagen entscheidet das britische Innenministerium über die Auslieferung von Julian Assange an die USA.

Es bleibt also nur wenig Zeit für die Unterzeichnung einer schon länger online gestellten Petition von Reporter ohne Grenzen, mit der an die britische Innenministerin appelliert wird, Assange nicht auszuliefern und seine Freilassung einzuleiten. In den USA drohen Assange anderenfalls 175 Jahre Haft, was bedeutet, daß er das Gefängnis voraussichtlich nie mehr verlassen würde – und das, nachdem er bereits über Jahre unter Bedingungen gefangen gehalten wurde, die u.a. vom UNO-Sonderberichterstatter Nils Melzer als Folter bezeichnet werden.

Die Affäre um Julian Assange (zu den Details siehe auch hier) wirft die Frage auf, wie weit wir eigentlich von russischen Verhältnissen entfernt sind; weit vermutlich, da die Unterdrückung der Presse dort und in anderen Diktaturen weitaus umfassender, und flächendeckender stattfindet. Andererseits hält uns das einen Spiegel vor – es ist auch entlarvend, wie wenig man sich bei uns an solchen Vorgängen stößt, während die Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit in anderen Ländern – zurecht – kritisiert wird. Andererseits – die Gefahr droht eben immer, auch in westlichen Demokratien. Immerhin plant die EU-Kommission aktuell Maßnahmen zu massenhafter Online-Überwachung, die auch die genannten Grundrechte gefährden würde; und es ist noch gar nicht so lange her – bis in die 1970er Jahre nämlich – daß der BND Journalistïnnen und Redaktionen ausspionierte (sogar Journalistïnnen dafür anheuerte, ihre Kollegen auszuspionieren). Der Blick in den Spiegel zerstört das Framing, daß wir fraglos „die Guten“ sind.

Es ist an der Zeit, zu demonstrieren, daß wir als Bevölkerung solche Machenschaften nicht wünschen – und Zeichen dagegen zu setzen, daß sie weiter um sich greifen (sonst wird es eben irgendwann wie aktuell in Ungarn oder Rußland). Und die britische Regierung sollte den Druck spüren – merken, wie es seitens des Deutschen Journalisten-Verbands heißt, daß es nicht nur ein paar Vereinzelte sind, die sich ein bißchen aufregen.

Wer sich also jetzt verpflichtet fühlt, sich zu engagieren (was man ja derzeit noch mühe- und gefahrlos kann): Hier noch einmal der Link zur Petition.

:: TV-Tipp: Willkommen in Gravity Falls

Ich hatte ja kürzlich berichtet, daß ich mit einiger Verspätung die Serie Star gegen die Mächte des Bösen entdeckt habe. Inzwischen konnte ich nun auch eine weitaus gravierendere Bildungslücke schließen: Denn Willkommen in Gravity Falls (im Original schlicht Gravity Falls) lief bereits von 2012 bis 2016. Ja, das sind sechs Jahre seit dem Serienfinale.

Und das, obwohl Gravity Falls keine Serie ist, die ich übersehen oder zuvor nie wahrgenommen habe – schon vom Start der Originalfassung bei Disney an ist mir die Aufregung, die die Serie bei Nerds in Online-Foren auslöste, keineswegs entgangen. Daß sie erwachsene Fans von Populärkultur anspräche, an Mystery-Formate wie Akte X erinnere, und unheimlich clever gemacht sei – das habe ich durchaus bemerkt; sie wurde als regelrecht bahnbrechend beschrieben und gilt tatsächlich bis heute als Blaupause, die Serien wie Star, Steven Universe, Willkommen im Haus der Eulen, Amphibia und nicht zuletzt Rick und Morty mindestens inspiriert, wenn nicht ermöglicht hat.

Das sind eine Menge Lorbeeren; und es war eher Mangel an Zeit und Gelegenheit, die mich jahrelang hinderten, einen Blick auf die Serie zu werfen. Bis jetzt. Also – sind die Lorbeeren gerechtfertigt?

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:: Retrogaming: Atomraketen und Despoten

Copyright © 1989 New World Computing, Inc.

So gut gelaunt wurde man begrüßt, wenn man 1989 einen Amiga oder PC, und das Computerspiel Nuclear War besaß. Ein Spiel, in dem man gegen so illustre Gegnerïnnen wie Ronnie Raygun, P.M. Satcher, oder Infidel Castro antreten konnte – Karikaturen damals bekannter Politikerïnnen natürlich, mit bis zur Wiedererkennbarkeit veralberten Namen.

Und ich sitze gerade hier und frage mich: Wen würde ein Spiel wie Nuclear War uns wohl heute entgegenstellen? Vielleicht Don da Con („Don der Gauner“), wie die Amis ihren Ex-Präsidenten liebevoll nennen; und natürlich dürfte Vladimad Pootin nicht fehlen, oder auch Randy Recep, Kim Il Dump, Xi Kapwing und so weiter.

Falls jemand heute ein Remake dieses Spiels wagen würde. Angesichts der aktuellen Lage würden diejenigen vermutlich wegen Geschmacklosigkeit gekreuzigt, und geschmacklos – aber auch gnadenlos makaber, und eben deswegen saukomisch – war das Spiel schon damals. Und daß ich ausgerechnet jetzt mit einer Rezension anreite, könnten Manche wohl auch als, gelinde gesagt, unangemessen werten. Aber manchmal ist Lachen angesichts des Entsetzlichen eben auch eine Möglichkeit, sich vom Grauen nicht überwältigen zu lassen.

Damals, als es 1989 für den Amiga und später auch für den PC erschien, haben wir es jedenfalls gespielt – auch bei vorhandener Antikriegshaltung. Daß man es (vermute ich) aktuell schlimmer fände, hat vielleicht auch damit zu tun, daß die damals zeitgleich ablaufenden realen Kriege irgendwo weiter weg, und nicht zwischen „zivilisierten“ Ländern voller Weißer unseres „Kulturkreises“ stattfanden. Zudem profitierte Nuclear War vielleicht auch davon, daß es gegen Ende des Kalten Krieges erschien, und das Schreckensszenario eines Atomkriegs ziemlich schnell zur (scheinbarer) Vergangenheit wurde. Aber wie auch immer – ich glaube tatsächlich, ein Grund, daß man sich ein satirisches Spiel wie Nuclear War gibt (oder Filme wie Doktor Seltsam ansieht), besteht darin, daß man den Irrsinn in all seiner Irrsinnigkeit betrachten kann, ohne ihn erleben zu müssen; und aus dieser sicheren Distanz über den Wahnwitz eben – lachen kann. Und über die vorkommenden Diktatoren, die ja, ehrlich gesagt, tatsächlich irgendwie komisch sind: Putin wirkt im Fernsehen inzwischen wie ein angeschwollener Muppet, dem jemand einen Menschenkopf angenäht hat. Ein Clown, hielte er nicht so viel reale Macht in Händen.

Genug gelabert. Kommen wir zur Sache.

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Des Herrn Sathom Meckerecke