:: Mediale Interpretationen, die Zweite

Ein Beispiel für die mediale Interpretation von Umfrageergebnissen, sowie die ungeprüfte Verbreitung von Unfug (der auch hier nicht das Verschulden der Studienersteller ist) durch Agenturtexte bzw. gegenseitiges Abschreiben, wie sie Herr Sathom in seinem vorangegangenen Artikel erwähnte, ist übrigens auch hier zu finden. Das ist nämlich, was dabei herauskommt, wenn Journalisten voneinander abschreibenRealitätsproduktion, die nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ das hervorbringt, was ihre Rezipienten für Wissen halten (Arbeitslose faul, Gorbatschow sagt: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, usw.), während es keinerlei Tatsachen, sondern lediglich die Fiktion der Kenntnis solcher beinhaltet, in der sich dann alle gegenseitig wunderbar bestätigen (wie schon Gustave Flaubert wußte, als er sein Wörterbuch der gemeinen Phrasen verfaßte). Herr Sathom meint – und behauptet, da er sich an den Wortlaut nicht genau erinnert, und weil die Quelle ihm aktuell nicht vorliegt, nicht, es zu wissen – daß Herr Klaus Theweleit irgendwo in seinen „Männerphantasien“ sinngemäß dereinst schrieb, Sätze, die mit Formulierungen wie „es ist allgemein bekannt“ oder „jeder weiß doch…“ beginnen, pflegten meist mit Blödsinn zu enden; und die Produktion von Realität – sozialer und gesellschaftlicher – welche in Wirklichkeit Blödsinn ist, schlägt genau diesen Weg ein. Quellenkritik, Leute – das wurde dem Herrn Sathom in Studium eingebleut; allein, der geneigte Medienrezipient kann diese nicht immer leisten, weshalb die Journaille ja auch gern die Meinungsbildung im Internet disst, weil hier nicht von qualifizierten Experten mittels gründlicher Recherche eine solche vorgenommen worden sei – was manchmal stimmt, manchmal nicht, aber von den Journalisten selbst nicht beherzigt wird, weshalb die Gegenöffentlichkeit des Web nach Herrn Sathoms Auffassung notwendig sei.

Daß die unhinterfragte Abschreiberei böse Absicht sei, glaubt Herr Sathom übrigens in all diesen Fällen nicht einmal; sondern eher das Ergebnis selektiver Wahrnehmung aufgrund vorgefaßter Urteile oder von Wunschdenken, die aber gerade jemand reflektieren und vermeiden können müßte, der ein Journalist im positiven Sinne des Wortes sein will.

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