:: Filmtipp Casshern

Herr Sathom plant, an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen auch Filme vorzustellen, die er für empfehlenwert hält, und an denen es aber auch rein gar nichts (oder nur weniges) zu meckern gibt; er macht den Anfang mit Casshern (J 2004) von Kazuaki Kiriya, einem wunderbaren Film, der ihm kürzlich unterkam.

Was an diesem Epos zuerst beeindruckt, ist seine ungewöhnliche visuelle Kraft, die Freunde der Werke von Jeunet und Caro ebenso an deren Schaffen erinnern wird, wie sie stellenweise durch grobkörnige Schwarzweißbilder an andere japanische Filme wie Tetsuo gemahnt; was Nachahmung oder Zitat wäre, würde es dem Film ncht gelingen, solche und ähnliche visuelle Elemente zu etwas Ureigenem zu verschmelzen und dabei über erkennbare Vorbilder und Inspirationen hinauszugehen, ja sie zu transzendieren zum glaubwürdigen Eindruck einer fremdartigen, phantastischen Realität. Diesen verstärken weitere Elemente, die teils an qualitativ hochwertiges Comic-Artwork franko-belgischer und angelsächsicher Schule, an Malerei, dann wieder in Szenengestaltung und „Feeling“ an modernste Computerspiele gemahnen. Wobei Herr Sathom auch nicht umhin kann, betreffs der Wirkung des Films Ähnlichkeiten mit den phantastisch-unrealistischen Szenerien der tschechischen Filme des meisterlichen Karel Zeman (dessen Auf dem Kometen, ein Werk, das in des Herrn Sathom Kindertagen seine Phantasie sehr bewegte, und das er zu gerne wieder einmal sähe) zu bemerken, wobei Casshern keineswegs auf dessen Einsatz gemalter, an viktorianische Stiche gemahnender Kulissen zurückgreift, sondern eine ähnliche emotionale Wirkung erzielt – was ihm einerseits dadurch gelingt, daß er durch den parallelen Einsatz der oben genannten, unterschiedlichen Darstellungsmittel einen surreal-verfremdenden Eindruck schafft, andererseits aber auch durch einen bei allem Aktionsreichtum kunstvoll kreierten Eindruck der erzählerischen Langsamkeit und Ruhe (was sich etwa dem gemächlichen Tempo im Hintergrund agierender Luftflotten oder gar aufmarschierender Roboterheere verdankt). Dies, gepaart mit den oft (wie für japanische Filme typisch) emotional pathetisch, aber zugleich authentisch und ergreifend agierenden Darstellern, hebt Casshern wiederum trotz der visuellen Magie und Künstlichkeit wohltuend vom Radaubrimborium spezialeffektlastiger, einem tumben Teeniepublikum zugedachter hollywoodesker Machwerke ab.

Man lasse sich im Übrigen durch Herrn Sathoms obige Vergleiche nicht täuschen, deren bloße Aufzählung nur eine hilflose Andeutung der visuellen Wucht des Werks vermittelt, das aus den zum Vergleich herangezogenen und eigenen Stilmitteln etwas schafft, das Herr Sathom seit Jahren immer seltener zu sehen bekommt: etwas eigenes, originäres, das mehr ist als die Summe dieser Teile, und diese überwindet, um etwas in dieser Form nie gesehenes, neues zu schaffen. Tatsächlich wagt Herr Sathom die Behauptung, daß Casshern in Hinsicht auf ungewöhnliche, verfremdete Visualität einen Vergleich mit Filmen wie Sin City (ebenfalls mittels Greenscreen– und Digital Backlot-Technik gedreht) nicht zu scheuen braucht, ja sogar den letztgenannten visuell, atmosphärisch und in bezüglich der Handlung übertrifft. Die archaisch anmutende Technologie, welche die in Casshern geschilderte Zukunftswelt prägt und assoziativ sowohl an die Weltkriege wie auch das 19. Jahrhundert erinnert, trägt ein übriges dazu bei, die ganz eigene Atmosphäre dieses Werks zu prägen – das insgesamt ein atemberaubendes ist, wobei die oben von Herrn Sathom gemachten Reminiszenzen nicht über die ganz eigene Kraft dieses Werkes, wiewohl dessen Inspirationsquellen erkennbar sind, hinwegtäuschen sollen.

Damit nicht genug, entfaltet Casshern eine epische Geschichte, die grundlegende ethische Fragen wie auch tiefe menschliche Wünsche und Sehnsüchte behandelt, dabei auch nicht mit griechischer Tragik für den Wahrheiten erkennenden Helden spart, und ist somit sowohl spannend und actionreich wie auch von erzählerischer Tiefe, die auch den in dieser Hinsicht anspruchsvollen Zuschauer, wie Herr Sathom einer ist, nicht unbefriedigt läßt. Herr Sathom jedenfalls kann dieses erfrischende Machwerk nur empfehlen und rät jedem, seiner habhaft zu werden.

Ein Schmankerl zum Schluß: angesichts der Rüstung des Helden des hier besprochenen Films fiel Herrn Sathom auf, woher das standardmäßige Header-Bild des WordPress-Themes „Neo-Sapien“ stammt (siehe im oben verlinkten Wikipedia-Artikel das mittlere Bild der oberen Reihe auf dem Filmplakat).
😉

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