:: Wenn’s zischt und kracht

Der Herr Sathom, wiewohl sonst die Denkerstirn in krause Falten gezogen oder sich manisch seinem kreativen Schaffen widmend, ergibt sich dennoch auch oft und gern vollkommen unproduktiv Erbaulichkeiten in Gestalt sinnlosen, zur Zeitvergeudung ladenden Tands, ein Lebensinhalt, welchem unter anderem lustige Flash-Games trefflich zu dienen wissen. Getrieben von dem Wunsch, seine liebsten Vehikel erfreulich-entspannender Kurzweil auch mit anderen zu teilen, hat er sich entschlossen, sie von nun an unregelmäßig, denn der Herr Sathom ist undiszipliniert, auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Den Reigen beginnen möchte er mit zwei Spielen aus dem Bereich strategischer Ballerei, die ihm viel Freude und durchwachte Nachtstunden beschert haben. Alsdann:

Onslaught, vom Herrn Sathom erst kürzlich entdeckt, dünkt der oberflächlichen Betrachtung zunächst lediglich eine optisch aufgehübschte, strategisch-taktisch weniger anspruchsvolle Variante des Klassikers Vector Attack, doch trügt der Schein – denn das Spiel weiß durch einige mehr als hübsche Neuerungen und Raffinessen zu überzeugen, die Spieler oder Spielerin lange in ihren Bann schlagen können. Um welche es sich dabei handelt, dazu unten mehr.

Zunächst zum Ziel des Spieles: dieses gleicht dem des Vorbilds – es gilt, auf diversen Spielfeldern herandrängende feindliche Scharen, die sich entlang vorgezeichneter, oft labyrinthischer Straßen der Verwirklichung ihrer unheilvollen Pläne (hier: die Area 51 zu entvölkern) entgegenwälzen, in ihrem Vordringen aufzuhalten. Zu diesem Zwecke befleißigt man sich der Errichtung automatischer Wehrtürme, selbige zwecks Erfüllung ihrer Aufgabe mit vielerlei Feuerwerk gerüstet, die nach strategischen Gesichtspunkten postiert werden müssen. Dahingeraffte Angreifer wandeln sich, gleich welcher Magie auch immer, zu Geld, mittels dessen weitere Türme oder eine bessere Ausstattung derselben angeschafft werden können; die Gegner selbst werden, wie es sich gehört, von Runde zu Runde widerstandsfähiger und unaufhaltsamer.

Zu den erwähnten Raffinessen Onslaughts, die es von seinem Vorgänger abheben, zählt die Möglichkeit (und Notwendigkeit, denn anders läßt sich die gestellte Aufgabe nicht bewältigen) aus Waffentürmen gleicher oder auch unterschiedlicher Gattung Cluster – sogenannte Combos – zu bilden, deren Einzelgeschütze sich in ihrer Wirkung verstärken oder gar durch Vereinigung ihrer Eigenschaften neue, ungeahnte Effekte zeitigen. Sobald mindestens zwei Geschütztürme, die nahe genug beieinander liegen (Herr Sathom empfiehlt, vor dem ersten Spielen das Tutorial zu konsultieren, was Details wie die Feststellung solcher Nähe angeht), bezüglich ihrer Feuerkraft auf den Maximalwert gebracht wurden, entfaltet die so entstandene Gruppe neben der weiterhin stattfindenden gewohnten Tätigkeit der individuellen Türme zusätzliche Aktivitäten, die kunterbunt und effektvoll anzuschauen sind. Diese unterscheiden sich je nachdem, welche und wie viele Exemplare gleicher oder unterschiedlicher Waffengattungen vereint wurden, und sind durch entsprechendes Experiment zu erkunden. Da eine Combo aus mindestens zwei, maximal allen verfügbaren Waffengattungen bestehen kann, ist dem Ausprobieren verschiedener Zusammenstellungen und der Effekte, die diese zeitigen, kein frühes Ende gesetzt, und allein dadurch weiß das Spiel unterhaltsam zu faszinieren und zu fesseln. Die zusätzlichen Auswirkungen einer Combo können dabei durchaus multipel sein, sofern mehr als zwei Arten von Kriegswerkzeug an ihr beteiligt sind, umso mehr, als Combos sich überschneiden – einzelne ihrer Angehörigen also mehreren Combos zugeordnet sein – können. Für weitere Variationsmöglichkeiten sorgen zahlreiche Add-Ons, welche mehrere in ihrem Umfeld stehende Geschütze beeinflussen oder gar als eigene solche in Erscheinung treten können, welche dann mit buntschillernder Wucht auf das Gewusel der Gegner einwirken. Auch dies alles ist, da nicht en detail dokumentiert, durch Ausprobieren zu ergründen (was beispielsweise das Combonly macht, fand der Herr Sathom erst nach geraumer Zeit heraus, muß es doch an der richtigen Stelle plaziert werden, um nahegelegene, individuelle Waffentürme zu völlig neuen Waffen zu verschmelzen, deren Wirkung einer Combo gleicht, ohne jedoch deren Platz zu beanspruchen. Offenbar, dies als Tipp, vermag das Combonly nur Waffen zu einer neuen Einheit zu verschmelzen, die bereits Bestandteil einer Combo sind – wodurch es diese allerdings der Combo entzieht, welche dann erneut aufgestockt werden muß). Ein abschließendes Highlight ist in Herrn Sathoms Augen der Mapping Mode, der dem oder der geneigten Spieler(in) ermöglicht, eigene Spielfelder zu erstellen, was dieses kurzweilige Kleinod gelungen abrundet.

Strategisch wirkt Onslaught zunächst tatsächlich weniger anspruchsvoll als Vector Attack, da die strategischen Details weniger zahlreich und subtil sind, hat jedoch andere, zumindest den Herrn Sathom als Spieler ansprechende Qualitäten. Anders als das Vorbild appelliert es eher an Spieltrieb und Experimentiertfreude, welche sich dem Herausfinden der verschiedenen Combo-Kombinationsmöglichkeiten verdanken, die für immer neue Überraschungen gut sind. Das kunterbunte Feuerwerk, das sich auf dem Bildschirm entfaltet, bereitet zudem schon an sich Freude daran, dem aus den eigenen Setzungen resultierenden Treiben im Browserfenster zeitweilig auch einfach nur zuzuschauen.

Zum geringeren Anspruch ist allerdings auch einschränkend zu sagen, daß individuelle Einstellmöglichkeiten (etwa für die Zeitdauer der Angriffswellen, deren Geschwindigkeit sich dadurch steigern läßt) selbst auf den unteren Schwierigkeitsgraden sehr anspruchsvolle Situationen geschaffen werden können, die für bereits gespielte Maps völlig neue Strategien erforderlich machen – das weniger anspruchsvolle strategische Element ist also ein relatives, da man sich durch geringfügige Änderungen der Spielparameter echte Herausforderungen zu schaffen vermag.

Vector Attack hingegen, der Veteran, der oben genanntem Zeitvertreib als Vorbild dient, präsentiert sich anders als dieser visuell spartanisch; das Erscheinungsbild geprägt von Vektorgrafiken, die an selige Computerfrühzeiten erinnern, liegt hier ein größeres Gewicht auf dem strategisch-taktischen Element, das einen hohen Schwierigkeitsgrad aufweist. Dies verdankt sich vielfältigeren Unterschieden der Gegner, die je nach Aussehen und Farbe unterschiedlich stark von den verwendbaren Waffen beeinflußt werden, was die die Notwendigkeit, die Zusammenstellung des eigenen Abwehrarsenals auf alle daraus resultierenden Eventualitäten abzustimmen, mit sich bringt; ebenso sind die Einflußmöglichkeiten des Spielers durch eine geringere Anzahl von Add-Ons herabgesetzt, zugleich aber auch subtiler: so läßt sich der Zuwachs an Geldmitteln, welchen das Besiegen der Gegner beschert, durch Bestimmung eines Zinssatzes steuern, wofür man allerdings wiederum zunächst pekuniäre Mittel opfern muß, die ansonsten anderen Bonus-Add-Ons hätten zugeführt werden können. Gerade Fehlkalkulationen in diesem Bereich können, ganz wie im realen Leben, erst viel später in todbringende Sackgassen führen, da sich die eigene Aufrüstung nicht mehr dem gegnerischen Zuwachs an Zähigkeit anpassen läßt.

Vector Attack ist ein hochanspruchsvolles, zugleich aber auch unterhaltsames Spiel, das dem planerischen Denken der Spieler/innen einiges abverlangt; wenn überhaupt, so hätte Herr Sathom an diesem Spiel lediglich auszusetzen, daß sich anfängliche Fehleinschätzungen, wie bereits erwähnt, oft erst viel später auswirken und dann nicht mehr korrigierbar sind, was dann einer schon lang andauernden Spielrunde ein jähes Ende setzen kann. Da bei beiden Spielen das Speichern der Spielstände nicht möglich ist, sich Vector Attack jedoch extrem lang hinziehen kann, so man eine Map ganz durchzuspielen wünscht, führte dieser Umstand beim Herrn Sathom schon gelegentlich zur Frustration, umso mehr, als gerade die lange Spieldauer oft dagegen spricht, dann noch einmal von vorn zu beginnen. Alles in Allem jedoch kann Herr Sathom taktisch gesonnenen Knoblern beide Spiele ans Herz legen und empfiehlt, sie einfach einmal auszuprobieren.

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Next: Avengers auf arte (und bunt!)

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