:: Warum es Herrn Sathom (wenn auch nicht völlig) an Begeisterungsfähigkeit mangelt

Es gibt stehende Wendungen und Vorstellungsbilder, Auslöserworte, Sprach- und Denkmarksteine, an denen sich, durch häufige Verwendung ins öffentliche Bewußtsein implementiert, bestimmte Interpretationen aktueller Geschehnisse wie auch der Vergangenheit, der Geschichte, entlang hangeln; ihre beständige Wiederholung dient dazu, diese Interpretationen immer wieder aufs Neue zu aktualisieren, und sie sowohl sich selbst als auch dem Publikum als Realität, als die richtige Deutung, zu bestätigen.

Einer dieser Eckpfeiler für „Erinnerung“ und Interpretation, der in Bezug auf Zweiten Weltkrieg und Drittes Reich häufig begegnet, ist die Aussage, daß Hitler die deutschen „verführt“ habe (mit anderen Worten, Adolf war’s, wir können nix dafür, und irgendwie – lustige Übernahme der Nazipropaganda – war Versailles schuld, sonst hätte er uns gar nicht… na ja, wir waren eben passive Opfer des Ganzen); ein anderer kam Herrn Sathom heute einmal mehr beim Hineinzappen in eine Dokumentation zum Thema U-Boot-Krieg (ZDF-History-Style, Sie wissen schon) unter.

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:: Gedanken zur aktuellen „Bild“-Werbekampagne

Herr Sathom hatte sich ja bereits zu deren Beginn einmal ereifert über die immer noch laufende Werbekampagne einer gewissen Postille, darin schamlose Gestalten, Prominente genannt, ihre Meinung zu dem Blatte äußern und dies dazu sogar noch kritischerweise tun dürfen sollen (wie „kritisch“ diese Meinungen dann noch sein können, zeigte bisher unter Anderem der reichlich lauwarme Versuch des Herrn Kerner, nicht zu reden von ähnlichem Scheitern Gregor Gysis oder Thomas Gottschalks); damals fragte Herr Sathom, moralinsauer altmodisch wie er ist, wie sie nur können, und sann über mögliche Erklärungen nach.

Gründe für solch schändliche Zusammenarbeit, bei welcher eine Hand die andere wäscht und sich darob erst recht beschmutzt, zeigte ja bereits dereinst der Herr Wallraff in seinem „Aufmacher“ auf, und auch hier findet man Antworten auf diese Frage, noch ergänzt um den Hinweis, daß manche auch aus purer Not mit den Wölfen der Regenbogenpresse heulen müssen (oder zu müssen meinen), so sie nicht das Rückgrat haben, sich gegen an Erpressung grenzende Methoden oder eigenen Interessendruck, gerichtet auf das Bedürfnis nach wohlgesonnener Presse, zu verwahren (was ironischerweise genau das ist, womit die „Bild“ in der aktuellen Werbekampagne auch noch arrogant prahlt, wenn manche ihrer prominenten Propagandisten davon schwadronieren, daß man an dem Blatt eben nicht vorbei käme; denn so sicher ist man sich der eigenen, verhängnisvollen Medienmacht, daß man sie so burschikos wie skrupellos auch noch demonstrativ als Vorzug herauskehrt). Da kann’s schnell passieren, daß wie im Falle einer Frau Sibel Kekilli nach verweigertem Interview das Bildungsblatt einem das Familienleben zu zerstören sucht, oder daß einer Frau Charlotte Roche mit schlechter Presse gedroht wird, so sie nicht Einzelheiten über tragische innerfamiliäre Ereignisse ausplaudert, wie insgesamt hier nachzulesen ist.

Jedoch, nachdem Zeit ins Land gegangen und eine Promimeinung der nächsten gefolgt ist, drängt sich Herrn Sathom eine ganz andere Frage auf. Neulich im Bus (wie Don Martin gesagt hätte), wie schon seit Tagen und Wochen zum wiederholten Male vorbeifahrend an den allüberall ausgehängten Elaboraten einer Frau Schöneberger, eines Herrn Schweiger, eines Pseudo-Goth, Bill Kaulitz geheißen, und eines Herrn Philipp Lahm (welch ein Name für einen Sportler), drängte sich Herrn Sathom ein ungeheuerlicher Verdacht auf.

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:: TV-Tipp: The Nomi Song

Herr Sathom stolperte kürzlich beim Zappen und New Avengers-Gucken mehrfach über einen Trailer des Senders arte, darin derselbe seine Summer of the 80ies-Serie bewarb, und stutzte ob der kurz zwischen der unvermeidlichen Madonna und anderen Ikonen der Zeit aufflackernden Erscheinung eines seltsamen Mannes, Klaus Nomi geheißen, von welchem eine der Sendungen handeln sollte. Vage wehte es Herrn Sathom an – ein Gefühl wie das einer verschwommenen Erinnerung, als rühre das Erscheinungsbild des Seltsamen, mit zu V-förmiger Frisur gelierten Haarspitzen und ebenfalls dreieckigem Outfit, gar selbst so zugespitzt geschminktem Mündchen, an etwas einst Gesehenes und Vergessenes, seltsam bekannt, doch nicht einzuordnen. Mehr zufällig sah Herr Sathom dann wirklich die ausgestrahlte Dokumentation The Nomi Song (Wiederholungstermine unten), und siehe, tatsächlich: der Pubertät noch nicht entronnen hatte Herr Sathom ihn einst gesehen, zu Beginn jener 80er, kurz paradierend über den Fernsehschirm, wahrscheinlich in einer Folge der Bananas oder der Formel 1, sicher zu des Herrn Sathoms Eltern ungläubig-belustigtem Entsetzen. Nur bruchstückhaft erreichte dieses Sängers Ruhm, nachdem er von den USA aus Frankreich erobert, auch hiesige TV-Schirme, ehe ein zu frühes Ende ihn der Welt entriß als eines der ersten Opfer jener damals noch mysteriösen, unheimlichen neuen Krankheit, die für Entsetzen und Gerüchte sorgte; so bruchstückhaft, daß ein Thomas Gottschalk (wohl anläßlich eines Auftritts in „Na sowas“, vermutet Herr Sathom angesichts einer Referenz im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel), frech grinsepitternd damals schon, dreist dem Publikum weismachen konnte: „Wir haben ihn entdeckt!“ (nun ja, vielleicht in der Art, wie nach europäischer Lesart Kolumbus Amerika, und andere Europäer sonstwelche Gegenden „entdeckten“, wiewohl deren Bewohner diese ja an sich schon vorher gefunden hatten. So man dies gelten läßt, warum auch nicht jene „Entdeckung“ des bis dahin im Lande der Nachzügler Unbekannten).

Herr Sathom, zunächst nur einige Minuten zuschauen wollend, um den mysteriösen Charakter einordnen zu können, verblieb gebannt vor dem flimmernden Schirm. Die Dokumentation der kurzen Karriere des falsettsingenden Kontertenors, beginnend in der schrillen New Wave-Szene New Yorks, ward ihm zur Zeitreise zurück zu Bekanntem wie auch damals nur randständig Wahrgenommenem, ließ jene Zeit ihm wieder auferstehen.

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:: Kurras-Nachlese oder: kleiner medienanalytischer Exkurs

Der Herr Sathom möchte, damit einer Debatte, welche die Medien – von ihren linken bis zu den bürgerlich-konservativen Vertretern – bereits wieder zu den Akten der Geschichtserledigung gelegt zu haben scheinen, zugegebenermaßen hinterherjuckelnd – ja, durchaus schon wieder als Rückblick oder Nachtrag – an dieser Stelle auch noch einmal seinen Senf zu den vor einiger Zeit mit viel Bohei durch den Mediendschungel getragenen Erkenntnissen über die Stasi-Tätigkeit des Herrn Kurras, seinerzeit berüchtigt als derjenige, welcher den Todesschuß auf Benno Ohnesorg abgab, loswerden. Wobei sich Herr Sathom, der den diesbezüglichen Aufruhr, welcher mittlerweile anderen Aufregern – tatsächlichen wie vermeintlichen – wieder gewichen ist, sorgfältig beobachtete, sich betreffs seiner arbeitsstreßbedingten Nachzügelei damit tröstet, daß eine kleine, in aller Ruhe reflektierte und recherchierte Nachlese vielleicht gehaltvoller sein dürfte als die eilig zusammengeschreibselten Elaborate, vermittels derer die Journaille und die üblichen Deutungshoheitsexperten – und auch sonst ein jeder, der irgendwie irgendwo etwas zu melden haben meint – in solchen Fällen flugs und hektisch jedweden Unsinn daherkrähen, der ihnen gerade aus dem hohlen Bauch kommt, nur um noch schnell dabei gewesen zu sein, ehe das nächste Thema das Ultrakurzzeitgedächtnis der Öffentlichkeit wieder überschreibt. [Weiterlesen]