:: Mars-Migranten? Morlocks? Nach „Hobbits“ jetzt Khazad-dûm entdeckt?

Herr Sathom staunte nicht schlecht: „Alien-Alarm?“ fragte diese Woche (am 25.08.) die „Bild“ suggestiv auf ihrer Titelseite, und zeigte dazu das Abbild von etwas, das von einem mumifizierten Säugling über einen fossilen Hominiden bis hin zu einem billigen Special Effect aus „Embryo des Yog-Sothoth“ oder „Shub-Nigguraths Töchter gegen Godzillas Bandwurm“ alles mögliche sein kann; Herrn Sathom beschäftigen zwar ganz andere Fragen, etwa welcher Koprophile welcher die Konsequenzen seines Handelns nicht bedenkende Mensch eigentlich diese Art von Toilettenschüsseln erfunden hat, die trichterförmig in ein direkt unterm Hintern liegendes Wasserloch münden, aus dem bei Anwendung alles nach oben spritzt (eine außerirdische Verschwörung?), er fragt aber dennoch zurück: wieso eigentlich Alien-„Alarm“? Diese Xenophobie immer, findet er, wird langsam ermüdend. Aber war ja an sich zu erwarten, ist ja von jeher das Credo erzkonservativer Presse, Politiker und auch deren Klientel: „Deutschland ist kein Einwanderungsland, nein, nein, und meine Suppe ess’ ich auch nicht“. Was geschähe, landeten wirklich Außerirdische in unseren klimagefährdeten Gefilden, kann sich Herr Sathom somit lebhaft vorstellen. Da würde selbiger an deren Stelle auch sicherheitshalber einen durchgeladenen Disruptor parat halten.

Aber ernsthaft: die Idee, auf welche ihn diese Forendiskussion zum „Bild“-Artikel brachte, daß es sich bei dem gefundenen Leichnam (so es einer ist und nicht etwa nur ein cleverer Fake) um den eines Angehörigen einer bisher unbekannten, unterirdischen Hominidenspezies handeln könnte, findet Herr Sathom nicht unbedingt realistischer, aber immerhin eingedenk der Geschichten des seligen Arthur Machen über solch schröckliche Kreaturen anregend unheimlich (vielleicht hätte Herr Sathom – aber dazu hätte er das Blatt kaufen müssen, was ihm noch schröcklicher wäre – den Artikel sich verschaffen sollen, um ihn als handout bei einer Call of Cthulhu-Runde zu verwenden – doch wie gesagt, der Kauf, allein der Gedanke an den daraus resultierenden SAN loss legt Herrn Sathoms Nervensystem lahm); die Echtheit des Fundes hypothetisch voraussetzend (immerhin fand man ja auch vor einiger Zeit die popularisierend als „Hobbits“ titulierte Spezies), wäre eine ernsthafte paläontologische bzw. anthropologische Erörterung jedoch sicherlich interessanter als irgendwelche Alien-Märchen (der Nachricht Echtheit betreffend hat Herr Sathom etwas recherchiert, die Geschichte des Anthropologen James McKenna, auf den „Bild“ sich bezieht, jedoch nur in solch ominösen Blogs wie diesem oder beispielsweise auch in der Rezension eines japanischen Horrorfilms wiedergefunden, wobei letztere zu den als Zeugen für die mögliche Existenz unterirdischer Alien-Nachfahren genannten „respectable folks“ lustigerweise auch die Nazis zählt, von denen ja einige (vornehmlich in Himmlers „Ahnenerbe“) der verpeilten Hohlwelttheorie und anderen ariosophischen Albernheiten anhingen. Immerhin auch an die Morlocks gemahnte Herrn Sathom eines der angeblichen Indizien für die Existenz solcher Wesen, doch will er den Spaß beim Selberlesen nicht vorwegnehmen. Herr Sathom – ohne behaupten zu wollen, seine Recherche hätte nicht ausführlicher sein können – fand jedenfalls keine aktuellen Berichte über Funde wie den, der hier Herrn McKenna (so dieser existiert) zugeschrieben wird. Sämtliche von Herrn Sathom gefundenen Hinweise auf die angebliche Entdeckung des seltsamen Subterranen geben übrigens durch die Bank nicht an, wann der Fund erfolgt sein soll, sind jedoch augenscheinlich schon einige Jahre alt, womit die „Nachricht“ als solche also keineswegs, wie „Bild“ suggeriert, aktuell ist. Vielmehr scheint man sich, so weit Herrn Sathoms derzeitige Recherche reicht (und mehr behauptet er nicht), auf eine schon seit Jahren in esoterischen Kreisen gehandelte Groß- und Kleinstadtlegende zu beziehen, die irgendwie auch mal in der russischen „Pravda“ vorkam (ob dort zuerst, hat zu ermitteln Herr Sathom sich nicht die Mühe gemacht). Was „Bild“ jedoch nicht hindert, ganz dem hohen Ethos des Investigativjournalismus nacheifernd am Ball zu bleiben und weitere Neuigkeiten zu liefern, das Thema ausquetschend, wie’s schon Herr Wallraff einst im „Aufmacher“ für solche Fälle demonstrierte: am 27.08. (Herr Sathom gesteht’s, er hat in der U-Bahn kurz in das von einem Mitreisenden gelesene Exemplar geschmult) legte man nach mit der schockierenden Enthüllung, die erneut abgebildete Kreatur verfüge über keine irdische DNA – was Herrn Sathom wiederum beruhigt, da es ihn wahrhaftig verstört hätte, wenn eine Gummipuppe, deren grobkörnige Ablichtung am PC nachbearbeitet wurde, überhaupt irgendwelche DNA aufwiese, sei es nun irdische, rigelianische oder sonst welche.

Viel interessanter und weitaus vielsagender fand Herr Sathom jedenfalls, wovon die Printausgabe der „Bild“ vom gleichen 25.08., an welchem die Alien-Saga ihren Lauf nahm, hingegen nicht berichtete (am Folgetag berichtete sie dann doch, dies allerdings auf ebenfalls recht bemerkenswerte Weise).

Und weil Herr Sathom gerade mal wieder das „Bild“-kritische BILDblog verlinkt hat (Achtung Themenwechsel): in der Online-Ausgabe des Qualitätsmediums „Welt Online“ fand Herr Sathom neulich einen Artikel eines gewissen Herrn Henryk M. Broder, der gar fürchterlich den Machern des BILDblog die Leviten liest – oder sich dies zumindest zu tun einbildet (daß Herrn Broders Geschreibsel bereits vom Februar 2008 datiert, hat Herr Sathom übrigens wohl bemerkt, aufgeregt hat es ihn aber dennoch). Herrn Broders eigentliche Leistung besteht nämlich darin, nebenbei eigentlich jeden, der irgendwas, egal was, einer rationalen Kritik unterzieht, krankhafter Antriebe zu bezichtigen und somit jegliche Kritik per se verdächtig zu machen; ja, es gelingt ihm, quasi nebenher eine antikritische Theorie als solche zu kreieren. Zur Zeichnung des vermeintlichen Psychogramms eines Mitherausgebers des BILDblog gelangt Herr Broder dabei über eine abenteuerliche Kette von Gedankensprüngen und Assoziationen, die den „Bild“-Kritikus im Speziellen, aber auch den Kritiker im Allgemeinen gleichsetzt mit lüsternen alten Greisen, die Herr Broder in seiner Jugend als angebliche Tugendwächter, stets auf der Jagd nach Unsittlichem, erlebte – kurzum, er setzt eine Klientel, die in Wirklichkeit wohl eher zum schnell empörten Leserstamm der „Bild“ gehört, und sich bei deren Lektüre erregt über Bluttaten und sexuelle Entgleisungen, nach denen es sie doch in Wahrheit gelüstet, in abenteuerlichem logischen Salto den Kritikern des Blattes gleich, vertauscht diese mit jenen. So ist denn Herrn Broders Pamphlet gekennzeichnet durch eine plumpe Dumpfheit der „Argumentation“ und ein amalgamisierendes Denken, das die vulgärste Fehlanwendung halb- und mißverstandener psychoanalytischer Erkenntnis ist, welche Herrn Sathom seit langem begegnet, laienhafte Westentaschenpsychologie, gebraut aus Vorurteilen und Projektionen, daß es nur so brodert brodelt im Hexenkessel; so daß der den Artikel einleitende Text der „Welt“, demzufolge Herr Broder die BILDblogger als „treue Freunde“ (= bildophile Junkies, die vor sich selbst eine Ausrede dafür brauchen, das Springer-Produkt zu goutieren) der „Bild“-Zeitung „erkennt“, eine blanke Verhöhnung jedes Begriffs von Erkenntnis ist. Wie weit es mit deren Qualität her ist, zeigt auch der Umstand, daß Herr Broder sich selbst fröhlich widerspricht, verweist er doch darauf, daß im BILDblog oft Dank gesagt wird für Hinweise auf „Bild“-Artikel, welche des Blogs Betreiber ja gar nicht nötig hätten, läsen sie wie von ihm unterstellt selbst tagein, tagaus das Springerblatt mit speichelnder Anteilnahme. Kurz, Herrn Broders Artikel verrät Herrn Sathom doch recht gut, was er von diesem zu halten hat, die allgemeine Zustimmung vieler „Welt“-Leser im zum Artikel gehörigen Forum zudem, was er über der „Welt“ Leserschaft wissen muß; daß ein solches Machwerk veröffentlicht wurde hingegen teilt ihm mit, was von dem „Qualitätsmedium“ zu denken ist, darin das Elaborat sich findet (daß zufällig die „Welt“ aus demselben Hause Axel Springer stammt wie die „Bild“, honni soit qui mal y pense). Und ach ja: daß man bei der Online-Ausgabe der „Bild“ offenbar das BILDblog als kostenlose Auskunftei zwecks Korrektur eigener schlusiger Recherche verwendet, enthält uns Herr Broder auch gleich noch vor.

So, und was gab’s sonst noch diese Woche, wenn Herr Sathom schon angesichts des immer noch ginnungagaphaft gähnenden Sommerlochs wahllos über alles bloggt, was ihm unterkommt? Vielleicht noch, daß er unter den Printmedien die „Berliner Zeitung“ ganz gern mag, dieweil sie immer noch seinen Erwartungen an ein Qualitätsmedium wenigstens einigermaßen gerecht wird, daß ihn aber die orthographischen Fehler, falschen Anschlüsse und Endungen, die ihm hier (wie auch in anderen Printmedien) zugemutet werden, manchmal die Fußnägel aufrollen. Daß bei sich bietender Gelegenheit auch der Genitiv einmal mehr massakriert wird, versteht sich da von selbst: so fand Herr Sathom am 26.08. in der Rezension eines mit Goethe und Schiller befaßten Buches von Herrn Safranski, eines weiteren unserer Diskurs-Vordenker, einen schönen Satz, der fragt, „wie diesem Dichterpaar zu gedenken ist“ (Feuilleton, Seite 27). Nur leider, Leute, fragt man nicht „wem“ (= Dativ), sondern „wessen“ (= Genitiv) man gedenkt, also dieses Dichterpaar(e)s). Daß man auch besser fragte, wie der beiden Dichterfürsten zu gedenken sei (statt „ist“) oder gedacht werden könne, darüber will Herr Sathom sich schon gar nicht mehr groß ereifern. So irrt also ab und an auch Herr Niggemeier, Mitbetreiber des BILDblog, der einst in einem Vortrag derlei als vornehmliches Problem der Online-Medien diagnostizierte.

Damit genug des heutigen so haarspaltenden wie klugscheißerischen Rundumschlags; um immerhin noch den Kreis zum Eingangsthema zu schließen, hier ein Nachtrag für Leute mit starken Nerven: The Descent hält Herr Sathom für den besten Film über Viecher in Höhlen, den man derzeit zu sehen bekommen kann (Warnung: die Inhaltsbeschreibung auf Wiki ist natürlich ein Spoiler, gibt jedoch zugleich die immens dichte, klaustrophobische Atmosphäre des Films, der darob sogar lang ohne die Monster auskommt, nicht hinreichend wieder, auch nicht die emotionale Wirkung des Endes inklusive – vorsicht, hier folgt seitens Herrn Sathoms ein Spoiler – der Wandlung der Protagonistinnen, die den Kreaturen an animalischer Wildheit zuletzt nicht nachstehen. Spoiler-Ende. Also besser selber gucken).

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