:: Climategate?

Blödsinn. Aber der Reihe nach.

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist vorbeigezogen, und endete, wie zu erwarten war: mit einer katastrophalen Schlappe für den Klimaschutz und einem erneuten Triumph derer, denen das Schicksal zukünftiger Generationen scheißegal ist, denen momentaner Profit vor die Zukunft der Menschheit geht. Die deutsche Politik übte sich sofort sich in beschönigenden Sonntagsreden, daß das alles doch nicht so schlimm sei, um zu leugnen, was dieser Ausgang (auch für die sich stets als angebliche Klimaschützerin gebende Kanzlerin Merkel) schlicht und ergreifend ist: ein Desaster. Treffendere Worte für den Ausgang des Gipfels als die deutschen Möchtergern-Wetterzauberer fand Andreas Carlgren, schwedischer Umweltminister und amtierender EU-Ratsvorsitzender, bei der letzten Ministerratssitzung unter Vorsitz seines Landes: er nannte ihn eine Katastrophe.

So weit, so schlecht. Das Web beschäftigte jedoch schon während des Gipfels ein anderes Thema, das bereits vor Beginn der Veranstaltung durch die Medien spukte, und zwar eines, das allerdings nicht von schlechten Eltern ist: das sogenannte „Climategate“.

[Weiterlesen]

Advertisements

:: Go(d)jira tai Furankenshutain oder: Kreationisten vs. Evolutionisten

Herr Sathom sagt’s ganz offen: er hat von dieser ganzen Scheißdiskussion zum Thema „Schöpfung oder Evolution“ gestrichen die Schnauze voll. Es nimmt einfach kein Ende (erst diese Woche wieder durfte man einen Themenabend mit Diskussion auf arte bewundern) und ist so blöd wie es verlogen ist, weil es unter Vorspiegelung eines Streits um Inhalte lediglich um Interessen geht, ganz profane zumal, die weder mit religiöser Wahrheit noch mit hehrer, dem Wissenschaftsethos verpflichteter Erkenntnis zu tun haben. Weshalb Herr Sathom so denkt, wird er gerne ausführen. Er kann den ganzen Käse, der medial und in Blogs und Foren endlos wieder und wieder durchgekaut wird, als hätten wir nix Besseres zu tun, nämlich nicht mehr riechen.

Zunächst einmal: worum geht es eigentlich bei diesem Gezänk, das sowohl von religiöser wie „wissenschaftlicher“ (d.h.: naturalistischer, sich auf die Wissenschaft berufender) Seite immer wieder hochgekocht wird?

[Weiterlesen]

:: Süper TV-Tipp

Diejenigen, die derlei interessiert, werden sicher längst bemerkt haben, daß der neue Kanal zdf_neo (und Freitag nacht auch ZDF_normal in Doppelfolgen) eine Wiederholung von Miami Vice ausstrahlt; ebenfalls nicht schlecht auf selbigem Kanal ist das Comedy Lab mit Knacki Deuser, wobei die Qualität allerdings (vermutlich aufgrund der täglichen Ausstrahlung/Produktion) starken Schwankungen unterliegt. Das eigentliche Schmankerl, das Herr Sathom auf zdf_neo entdeckt hat, ist allerdings die Süper Tiger Show mit Manager von Strasse Tiger. Korrektes Ding aus Keller in Kreuzberg, urteilt Herr Sathom, der sich dabei bisher sehr gut amüsiert hat. Gibt Süper Tiger Show jeden Donnerstag und Freitag nacht; mußt Du gucken, lernst Du auch bischen Türkisch bei, süper (na ja nicht wirklich, Herr Sathom jedenfalls merkt sich solche Infopartikel nicht). Aber im Ernst: sollte man wenigstens zwecks Meinungsbildung mal gesehen haben, ein so frisches, augenzwinkerndes und etwas anderes Format ist Herrn Sathom lang nicht mehr untergekommen (auch wenn nicht in jeder Folge immer alles Klasse ist). Ob’s jederpersons Sache ist, weiß Herr Sathom nicht, meint jedoch: da es derlei einfach mal keß und frech Gemachtes im deutschen Fernsehen doch nur selten gibt, sollte man es sich zumindest probehalber nicht entgehen lassen.

P.S.: arte wiederholt übrigens erneut „Mit Schirm, Charme und Melone“, also – falls man die eine oder andere Folge verpaßt hat, hier ist die Gelegenheit. Und da gerade auch von Knacki „Wischtisch“ Deuser die Rede war: Nightwash wäscht auch wieder, endlich wieder wirklich im Waschsalon, immer Donnerstags um 21:25 auf Einsfestival.

P.P.S.: Bei o.g. Miami Vice-Folgen sind Kürzungen aus früheren deutschen Ausstrahlungen leider erhalten geblieben; es handelt sich bei den ausgestrahlten Episoden, soweit Herr Sathom dies beurteilen kann, allerdings um die der ARD-Fassung, welche – anders als die fürs Nachmittagsprogramm deutlich geschnittenen Fassungen mehrerer Privatsender – „nur“ um ca. drei Minuten gekürzt waren, um sie dem Programmschema anzupassen (was sich ohne unverhältnismäßigen Aufwand vermutlich auch nicht mehr rückgängig machen ließe). Eine bisher gesendete Folge  (Give a Little, Take a Little / Zu hoher Einsatz), in der Gina Calabrese einen Zuhälter erschießt, der sie zuvor vergewaltigt hat, während sie als  Prostituierte getarnt ermittelte, schien Herrn Sathom allerdings zunächst – wie er zuerst auch hier schrieb – stark gekürzt; allerdings konnte er (nachdem er bei der ersten Ausstrahlung verspätet zugeschaltet hatte) angesichts der Wiederholung (um Wiederholungen auf zdf_neo schon gesendeter Folgen handelt es sich nämlich bei der Ausstrahlung im ZDF) feststellen, daß Kürzungen zwar vorhanden sind, sich jedoch ebenfalls im Rahmen der ursprünglichen Free-TV-Ausstrahlung der ARD halten, und keine Zensur eventuell kontroverser Inhalte darstellen (die Kürzungen entsprechen etwa denen der deutschen DVD-Fassung, die man etwa auf Schnittberichte.com einsehen kann,  wobei eine Gesprächszene zwischen Trudy und Gina – deren Name in der Schnittberichte-Rezension einem merkwürdigen Irrtum zum Opfer fällt, da sie sich auch als angebliche Prostituierte nicht so nennt, wie dort notiert – Herrn Sathom in der Free-TV-Version sogar vollständiger erhalten schien). Da auch andere von den Privaten entfernte Szenen (etwa die finale Schießerei in Glades / In den Sümpfen) in den bisher ausgestrahlten Folgen vollständig vorhanden waren, und die Dauer der Folgen ansonsten immer ungefähr dem Schema der 3-Minuten-Kürzung entspricht, geht Herr Sathom davon aus, daß man hier tatsächlich die „ungekürzteste“ deutsche Fassung – eben die der ARD – zu sehen bekommt. Jedenfalls: eine schöne Gelegenheit, sich nostalgisch noch einmal in jene Zeit zurückzuverstezen, da man, noch jugendlich, die Serie zum ersten Mal sah.

:: Seltsam? Aber so steht es im Katalog! (Verschwörungstheorien I)

Leute, die Lage ist ernst. Die fundamental-islamistischen, von sinistren US-Finanzmogulen (deren wahre Hintermänner die Invasoren von der Wega sind) finanzierten, sozialistischen Freimaurer-Illluminaten (jetzt neu und verbessert auch als „Krypto-Illuminaten“ erhältlich) sind unter uns – und zwar direkt unter uns, angesiedelt in von den Templern und den Weisen von Zion aufgegebenen Katakomben, direkt nebenan von den Maulswurfsmenschen und den unter der Antarktis hausenden, nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin geflohenen Nazis, die nur darauf warten, mit ihren Vril-getriebenen Flugscheiben die Weltherrschaft an sich zu reißen. Irgendwas ist aber auch wirklich immer.

Aber ernsthaft: wenn Herrn Sathom etwas aufregt, dann sind es – neben der schwarz-gelben Koalition, dem Brutalkapitalismus und tausenderlei anderem Zeugs – Verschwörungstheoretiker. Manchmal, das gesteht Herr Sathom zu, sind diese ja immerhin ganz amüsant; zu Unterhaltungszwecken und fröhlicher Erbauung goutiert Herr Sathom ihr Geschwafel sogar gern, so lang sie jedenfalls nur von außerirdischen Invasionsplänen, der wahren Entstehungsgeschichte der ägyptischen Pyramiden oder allerlei Tand über den 21.12.2012 schwafeln, einen Tag, an dem nämlich der Planet Fidibus – was? Wie? Ach so. Herrn Sathoms Gedankenkontrolleur teilt ihm grad mit, das Ding heiße Nibiru – über uns kommt, so daß man sich an selbigem Datum allem Vernehmen nach wohl besser vorsehen sollte, sofern man nicht über die richtigen feinstofflichen Veibräischns oder eine durchgeladene Phasenpistole verfügt.

Der Planet Nibiru meint's ernst
:: Leg Dich nich mit dem Planeten Nibiru an, Alter --- (Bild Copyright © 2009 Sathom)

Sauer macht’s Herr Sathom jedoch, erfüllt ihn mit heiligem Zorn gar, wenn das nichtswürdige Pack sich ganz bestimmter Themen bemächtigt, nämlich solcher, die auch dem allgemein bewußt und kritisch denkenden Menschen am Herzen liegen müssen: nämlich etwa der Kapitalismus-, Herrschafts- und Medienkritik oder ökologischer Fragestellungen. Diese okkupiert das realitätsferne, aber veröffentlichungstechnisch sehr rege Völkchen, und vermischt sie mit seinen eigenen Spintisierereien, was wohl nachvollziehbarerweise  der ernsthaften Behandlung jener Fragen kaum nützlich ist – ihr eventuell, wie Herr Sathom aufzuzeigen gedenkt, sogar schadet. Und zwar dieweil viele die mit den Aussagen begründeter Kritik gewürzten Verschwörungstheorien möglicherweise nicht leicht von fundierten Aussagen zu scheiden wissen, und umgekehrt, weil sie den Apologeten kritikwürdiger Zustände ein Argument liefert, auch reflektierte, begründete Kritik einfach qua Hinweis auf die Ähnlichkeit in den Ruch von Konspirationsgefasel zu bringen.

Letztlich ist diejenige Art von Kritik, die Herr Sathom hier als „begründet“ bezeichnet, eine solche, die den Versuch unternimmt, qua Aufklärung den Subjekten die Möglichkeit zu verschaffen, ihrer Interessen und deren Gefährdung gewahr zu werden, die Entscheidung darüber mit zu beeinflussen, wie die Gesellschaft sich entwickelt, und am Diskurs teilnehmend ihr eigenes Geschick mitzubestimmen; wozu diese Kritik unter anderem oligarchische, undemokratische Methoden, nur bestimmten Interessengruppen einseitig das Zepter zu überlassen, bloßstellt. Aufdeckung medialer Manipulation (oder zeitgeistgesteuerter Weltdarstellung) und lobbyistischer Einflußnahme gehört ebenso zu ihrem Handwerkszeug wie die Darstellung der Konsequenzen, welche das Handeln bestimmter Interessengruppen für die Allgemeinheit hat. Auch eine fundierte Wissenschaftskritik, welche ideologische oder interessengeleitete Hintergründe vorgeblich objektiver Erkenntnis analytisch beleuchtet, muß Anliegen solcher Kritik sein. Der Typus von Verschwörungstheorie, den Herr Sathom im Folgenden zu besprechen gedenkt, greift nun Ergebnisse und Themen solcher Kritik auf, entfremdet sie ihrem ursprünglichen Zweck und Anliegen, und verwendet sie als Versatzstück realitätsferner Phantasmen, um letzteren eine gewisse Plausibilität, einen scheinbaren Hauch Realismus zu verleihen, und um das Publikum glauben zu machen, es fände seine Interessen, seine Bedürfnis nach Transparenz und nach handlungsmächtig machender Aufklärung in diesen Phantasiegebilden widergespiegelt – ein fataler Irrtum, da das verschwörungstheoretische Konstrukt von gesellschaftlichen, politischen und sozialen Realitäten so weit entfernt ist wie der Delta- vom Alpha-Quadranten.

All dies läßt es dem Herrn Sathom angebracht scheinen, eine kritische und auch skeptische Weltsicht einerseits von wirren Phantasmen andererseits einmal ganz explizit und fein säuberlich zu trennen. Dabei wird sein Augenmerk weniger der komplett versponnenen Verschwörungstheorie, als einem anderen Phänomen gelten: nämlich der seriöse Kritik vortäuschenden Konspirationsfabel, welche Motive des kritischen Diskurses aufgreift, und sich dadurch als Teil desselben maskiert, jedoch tolldreist realitätsferne bzw. irreführende Erklärungsmuster anbietet, und ihrer Variante, deren Deutungsmuster weniger auffällig irr sind, da ihnen das übernatürliche oder außerirdische Element fehlt, die jedoch ebenfalls von wirklichen Hintergründen ablenkt (und die Herr Sathom für weitaus gefährlicher hält).

Leugnet Herr Sathom die Existenz obskurer Verschwörungen nur, weil er selbst einer angehört? --- (Bild Copyright © 2009 Sathom)
:: Leugnet Herr Sathom die Existenz obskurer Verschwörungen nur, weil er selbst einer angehört? --- (Bild Copyright © 2009 Sathom)

Wie kommt nun Herr Sathom drauf, sich aktuell über derlei zu erregen? Nun, ihm fiel kürzlich ein lustiger Bestellkatalog des Kopp-Verlags (seines Zeichens auf Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften spezialisiert) in die Hände, der sowohl selbst verlegte Pamphlete als auch Werke anderer Verlage an die Leichtgläubigen verramscht; und was er darin fand, ließ ihn bei allem Grinsen über die feilgebotenen Erzeugnisse wirrer (aber sicherlich geschäftstüchtiger) Geister doch kalten Zorn in sich aufsteigen spüren. Denn in jenem Katalog („KOPP Aktuell – Bücher, daß Ihnen die Augen tränen die Ihnen die Augen öffnen“) paradieren eben Beispiele für das soeben beschriebene. Und so nimmt Herr Sathom den Katalog zum Exempel, um anhand der Schundliteratur, die dieser präsentiert, vorzuführen, wie das Banditenpack der Verschwörungsschwafler vorgeht, sich begründeter, analytischer und reflektierter Gesellschaftskritik anähnelt. Dabei wird auch aufzuzeigen sein, wie die spezielle Art von Blödsinn, die Herrn Sathom so erregt, sich von den leicht als Quatsch durchschaubaren UFO- und Atlantis-Theorien unterscheidet, und deshalb schwerer als Verschwörungstheorie zu identifizieren ist; allerdings eben doch als solche identifiziert werden kann. Insofern: Herrn Sathoms Vortrag ist lang, doch keine Sorge – es kommt genug Kasperlquatsch über fliegende Untertassen und dergleichen mehr darin vor, daß es einem nicht langweilig werde.

[Weiterlesen]

:: Die gemeinen Matriarchinnen

Ist Herr Sathom drüber gestolpert, als er etwas ganz anderes recherchierte (und zwar, wie u.a. Johann Jakob Bachofen und Arthur Evans ein angebliches urzeitliches Matriarchat gefaked haben): ein weiteres schwachsinniges Exempel einer seit geraumer Zeit tobenden Irrsinnsdebatte, der zufolge Jungs in unserer Gesellschaft heute ganz ganz fies benachteiligt werden (in der Schule zumal), hier auftretend in Gestalt eines Welt-Online-Artikels von Alan Posener. Herr Sathom meint auch, daß männliche Kinder es heutzutage nicht leicht haben (doch haben es Mädchen in Wirklichkeit auch nicht leichter), aber sicher aus anderen Gründen als denen, die konservative Kreise suggerieren, und die offenbar auch Herr Posener für realitätsnah hält: Jungen sind Opfer des Matriarchats, weiß der Autor, den irgendein Wahnsinniger an einen internetfähigen Computer gelassen hat, und fühlt sich durch einen das gleiche Klagelied winselnden Quatsch aus derselben Onlinegazette inspiriert, einen früheren Text aus eigener Feder erneut zu präsentieren.

Herr Sathom kritisiert den letztgenannten Artikel weiter unten – zunächst einmal jedoch widmet er sich Herrn Poseners recyceltem Elaborat.

[Weiterlesen]