:: Seltsam? Aber so steht es im Katalog! (Verschwörungstheorien I)

Kritische Scheidung des einen vom anderen tut also Not; und diesbezüglich listet Herr Sathom zu guter Letzt einige ihm beachtenswert scheinende Thesen auf, darin sich seriöse Kritik und Verschwörungstheorie unterscheiden, und mit denen er schließen will.

These 1: Die Verschwörungstheorie entzieht Sachverhalte der rationalen Kritik; sie gibt sich zwar kritisch gegenüber „den Mächtigen“, ist jedoch im Kern kritikverhindernd. Sie nimmt diffuse, aber durchaus zutreffende Beobachtungen und Wahrnehmungen, Unzufriedenheiten und Ängste der Menschen bezüglich sozialer Verwerfungen und Ungerechtigkeiten, die Realität verdrehender, Fiktionen handelnder Medienberichterstattung und des ungehemmten Handelns der Herrschenden und Reichen wider die Interessen des Großteils der Bevölkerung auf („diffus“ sind diese Wahrnehmungen nur deswegen, weil die Ursachen dessen, was zum Gefühl des Belogenwerdens oder des Bedrohtseins führt, zunächst nicht durchschaubar sind und zugleich auch teilweise verschleiert werden, aber nicht, weil die Wahrnehmungen an sich unrichtig wären – dem Beobachter, dem ununterbrochen eingeimpft wird, die kapitalistische Marktwirtschaft sei die ultimative Lösung aller Menschheitsprobleme, die darin Erfolgreichen leisteten eben besonders viel, er selbst hingegen sei ein persönlich schuldiger Versager, wenn er in dieser Marktwirtschaft verarme, mag zwar vage auffallen, daß mit dieser Begründung dafür, daß er zu Dumpinglöhnen front, etwas nicht „stimmt“, aber ihm fehlen zunächst die Informationen darüber, was dies sei, und somit die Möglichkeit, seine Wahrnehmung konkreter zu formulieren).

Anstatt jedoch die tatsächlichen gesellschaftlichen Zustände und Entwicklungen, die den angstauslösenden Wahrnehmungen zugrunde liegen, einer rationalen und analytischen Kritik zu unterziehen, etwa aufzuweisen, wie Politik tatsächlich durch Lobbyismus und PR beeinflußt wird, oder wie Wirtschaftsinteressen, begleitet von medienwirksam propagierten Stereotypen (Reichtum = Lohn für Leistung, Armut/Arbeitslosigkeit = Resultat von Faulheit etc.), gegen das Gemeinwohl durchgesetzt werden, verhindern oder erschweren Verschwörungstheorien eine solche Kritik; dies kann auf zweierlei Weise geschehen.

Die völlig versponnene Verschwörungstheorie bietet ein vereinfachtes Deutungsschema, demzufolge mysteriöse, anonyme, omnipotent aus dem Schatten heraus agierende Mächte konspirativ und planvoll die sehr komplexen gesellschaftlichen Prozesse, die zu sozialen Verwerfungen, ökologischen Problemen usw. führen, steuern. Da all solche Prozesse und  Probleme die Interessen der Menschen unmittelbar berühren (auch wenn sie sich dessen nicht immer bewußt sind, weshalb solches Bewußtsein oft erst geschaffen werden muß), sollte aufklärerische Kritik sie eigentlich instand setzen, in einer öffentlichen Debatte, im gesellschaftlichen Diskurs, diese ihre Interessen wahrnehmen zu können. Anstatt aber derlei zu leisten, anstatt – wie vorgespiegelt – Machenschaften der Mächtigen zu kritisieren und zu entlarven, verschleiert diese Spielart der Verschwörungstheorie gesellschaftliche Zusammenhänge, die durchaus kritisch zu beleuchten sind, und verhindert somit wirkliche Kritik. Denn sie lenkt ab von realen Sachverhalten (etwa systembedingten Umständen, die beispielsweise im Rahmen einer Kapitalismuskritik aufzugreifen wären), indem sie die Aufmerksamkeit von diesen auf angebliche, klar zu identifizierende Cliquen lenkt, deren Angehörige einfach irgendwie „böse“ sind – gerade damit jedoch lenkt sie ab von tatsächlich agierenden, klar erkennbaren Personen, Netzwerken und Verantwortlichen, denn zwar werden Manager, Politiker oder Organisationen als Marionetten oder Erfüllungsgehilfen dieser Cliquen benannt, doch bleiben deren angeblich drahtziehende Führungsriegen unbekannt oder treten nur in Gestalt mythischer Figuren auf. Die Verschwörungstheorie lenkt also den Blick von tatsächlich agierenden Personen und Interessengruppen auf angeblich noch hinter diesen stehende graue Eminenzen wie Illuminaten, Freimaurer, oder Romulaner. Desgleichen werden systembedingte Probleme, die einer Grundsatzkritik bedürfen, völlig der Wahrnehmung entzogen – „schuld“ an allem sind die großen Unbekannten, die Superschurken hinter den Kulissen.

Die zunächst einer fundierten Gesellschaftskritik sehr ähnliche, weil weniger phantastisch wirkende Verschwörungstheorie, wie sie uns bei Autoren wie den Herren Ulfkotte,  Wisnewski oder Farkas entgegentritt, verschleiert hingegen kritikbedürftige Problematiken auf andere Weise. Zum Einen baut sie Nebenschauplätze auf: indem sie die Gefahr von Bürgerkriegen oder des Untergangs des Abendlandes heraufbeschwört, oder skandalöse Morde an Politikern und inszenierte Mondlandungen und 9/11-Anschläge wittert, konstruiert sie Ereignisse und Schauplätze, welche Phantasie und Aufmerksamkeit ihrer Anhänger in Beschlag nehmen und deren Interesse von realeren Problemfeldern, von wesentlich wirklichkeitsnäherer Beschäftigung mit ihren eigenen Interessen, ablenken (etwa von zunehmender Verarmung durch immer unsozialere Arbeitsbedingungen, Verschiebung von Profiten in den allein privaten und von Verlusten in den staatlichen Bereich, und der Art und Weise, wie Politik alledem Vorschub leistet – was sich alles auch ohne angenommenen Verschwörungshintergrund kritisieren läßt). Gegebenenfalls werden solche Problematiken lediglich als Versatzstück zum Beleg der sensationslüsternen Hauptthese verwendet. Zum Anderen baut dieser Typus der Konspirationstheorie Feindbilder (islamistische Weltverschwörer, eine linke Ökodiktatur anstrebende Gruppen etc.) auf, die von Aktivitäten tatsächlich relevanter Interessengruppen, die viel wirksamer in den Diskurs und gesamtgesellschaftliche Enzwicklungen eingreifen, ablenken (nebenbei: natürlich handeln etwa islamistische Terroristen gegen das Wohl und sogar das Leben der Allgemeinheit (auch gegen das von deren muslimischen Angehörigen), aber geheimnisvolle islamische Weltverschwörer zur Gefahr zu stilisieren, oder zu behaupten, bestimmte Gruppen förderten absichtlich aus dunklen Motiven heraus die Migration (und die aus ihr resultierenden Probleme) ist etwas ganz Anderes). Inwieweit diese Variante der Verschwörungstheorie zudem selbstorganisierende Prozesse (z.B. im Fall der Medienkritik die unkritische Übernahme offizieller Verlautbarungen durch Journalisten, deren stereotype Erwartungen sie solche Verlautbarungen als plausibel akzeptieren lassen) als bewußte, konspirative Zusammenarbeit wertet, muß im Einzelfall beurteilt werden – wo sie es tut, behindert sie dadurch echte Medienkritik, da sie Zusammenhänge konstruiert, die leicht widerlegt werden können, während wirkliche Ursachen mangelhafter oder manipulativer Berichtserstattung der Aufmerksamkeit entzogen und undurchschaubar bleiben; darüber hinaus liefert sie Apologeten des derzeitigen Funktionierens der Medien sogar ein Totschlagelement, jede Kritik als noch so’ne Konspirationsthese abzuwimmeln.

Ganz prototypisch für den hier beschriebenen Effekt pseudorealistischer Verschwörungstheorien sind die zu den Anschlägen des 11. September (die im Folgenden allgemein, und nicht reduziert auf Thesen des Herrn Wisnewski, diskutiert werden). Gewiß, es gibt vieles aufzuzeigen bezüglich der Anschläge selbst, etwa Versagen amerikanischer Sicherheitskräfte wie den fahrlässigen Umgang mit Warnungen, eine viel zu langsame Reaktion bzw. völlige Verwirrung bei der Abwehr aufgrund schlechter Kommunikations- und Organisationsstrukturen, und anderes mehr. Es gibt auch Etliches zu kritisieren am außenpolitischen US-amerikanischen Vorgehen vor und nach dem Attentat, sei es, daß die Kriegswut des Herrn Bush (inklusive der Aussage, wer sich am Feldzug nicht beteilige, gelte ab jetzt als Komplize der Terroristen) infolge der Attentate eine an sich überzogene Reaktion  war, sei es, daß im folgenden „war on terror“ gelogen wurde, daß sich die Balken bogen, indem man den Irakkrieg mit nicht existenten Massenvernichtungswaffen begründete (und daß der Krieg gegen den Terror vermutlich tatsächlich längst nur noch eine willkommene Ausrede dafür, einen selbst ohnehin gewünschten Krieg vom Zaun zu brechen), oder daß „Schurken“ wie Saddam Hussein erst als solche galten, nachdem sie nicht mehr „unsere“ (des Westens) Schurken waren. Auch daß man, ohne die Konsequenzen zu bedenken, Figuren wie Osama Bin Laden erst aufbaute, in irgendwelchen Krisenregionen und Milieus den lieben Gott spielte, so lang dies zwecks Bekämpfung anderer unliebsamer Zeitgenossen opportun schien, oder welche Interessengruppen des militärisch-.industriellen Komplexes eigentlich von der ganzen Kriegsführerei profitieren, gilt es kritisch aufzuzeigen. Nicht zu vergessen die Fragwürdigkeit per se einer Politik, die überhaupt Diktatoren und Terroristen unterstützt, so lange es ihr frommt, und sich hinterher wundert, wenn sie ihre Hausgeister nicht mehr in die Flasche zurückbekommt. Die Instrumentalisierung des 11.09.2001 bedarf einer solchen Kritik ebenso wie die Frage, wer von dieser Instrumentalisierung profitiert. Es ist jedoch etwas völlig anderes, zu behaupten, die Anschläge seien von den USA selbst inszeniert worden, um Anlaß für ihre Kriege zu haben (oder weiß der Geier weshalb sonst noch, vielleicht, um die von den Illuminaten gewünschte Apokalypse zu beschleunigen – dies allerdings nur im Fall der eindeutig versponnenen Verschwörungstheorie, von der dieser Absatz nicht handelt).

Der clevere pseudoseriöse Verschwörungstheoretiker übrigens, dies als kleiner Tipp für angehende solche, geht dabei durchaus nicht so vor, daß er allzu konkrete Zusammenhänge als nachgewiesen behauptet: er zählt lieber „Ungereimtheiten“ auf, die er nachlässig recherchiert, erfunden, bei anderen Erfindern abgeschrieben oder voreilig geschlußfolgert hat, stellt Zusammenhänge zwischen diesen her, die sich der Phantasie anbieten, und stellt suggestive Fragen („Weshalb haben die Amis die Flugzeuge nicht einfach abgeschossen? Hm? Hm? Und wo war Superman? Wieso ließ er den Anschlag zu? Nun, wer bezahlt den Kerl denn? Na?“); das Schöne daran ist, daß bei dieser Methode zwar bestimmte Deutungen und Erklärungen der Ereignisse suggeriert werden, der Verschwörungstheoretiker sich jedoch immer dann, wenn auf die Implikationen seiner These angesprochen, auf die Aussage zurückziehen kann, das habe er ja gar nicht gesagt. (Herr Sathom will sich hier ein kleines konstruiertes Beispiel, das ihm in den Sinn kommt, nicht verkneifen: wußten Sie, daß smilin’ KarlTheodor von und zu Guttenberg laut eigener Aussage neulich Platons Entwurf eines idealen Staates goutierte, „um den Kopf freizukriegen“ (siehe hier)? Und daß diese Politeia genannte Utopie u.a. eine Art Kastenmodell empfiehlt, in welchem dem arbeitendem Volk (zu welchem man durch angeborene Qualitäten bestimmt wird, wobei sich die Eignung für die jeweilige Kaste mittels eines Ausleseverfahren herausstellt) absichtlich jedwede höhere Bildung vorenthalten wird, dieweil nur eine kleine Clique Gebildeter herrscht? Und daß Orwells Diktatur Ozeanien exakt auf diesem Staatsmodell Platons basiert? It’s a fact, folks. Schlußfolgerung? Schon gut – Herr Sathom meint: man könnte nun trefflich kommentieren und süffisant notieren, womit ein verantwortlicher Volksvertreter in einer Demokratie sich da entspannt; man kann auch besorgt oder spöttisch fragen, was dies über seine Einstellung zum demokratischen Staatswesen oder seinen Wählern aussagt;  man könnte aber eben auch die Information „Guttenberg liest Platons Staatsutopie, die wiederum die Blaupause für Orwells Anti-Utopie liefert“ mit weiteren (gern auch nachweisbaren) Fakten würzen, welche diverse wirklich kritikwürdige Zustände aufzeigen (etwa den, daß hiesige Eliten weiterhin auf dem Auslesemodell Gymnasium/Realschule/Hauptschule bestehen, vermittels dessen sie sich nach dem Motto „Bildung hängt vom Einkommen ab“ prima selbst reproduzieren können – was ja eine Auslese im platonischen Sinne ist, sofern man sich klarmacht, daß die angeblich angeborene „Begabung“ der Kinder, nach der sich bei Platon alles richten soll, sich damals wie heute eher dem sozialen Umfeld, also dem Einkommen der Eltern verdankt), die aber in keinerlei unmittelbarem Zusammenhang mit der Privatlektüre des genannten Herrn stehen, und draus die Mär basteln, daß der Herr der Vornamen mit einer Verschwörung in Zusammenhang zu bringen sei, welche die Errichtung eines totalitären Staates anstrebt. Man könnte ferner, wollte man die Gefahr eines solchen Staates als Ziel dieser Verschwörung an die Wand malen, darauf hinweisen, daß Platon empfiehlt, Kinder sofort nach der Geburt den Eltern zu entziehen, um sie zu einer Gemeinschaft ohne familiäre Bande zu erziehen, während behinderte oder aus unerwünschten Verbindungen hervorgehende Kinder ausgesetzt werden sollen, und dies mit Ängsten vor einem „Abschuß“ der Institution Familie qua Zwangsanweisung zur Abgabe der Kinder in „Aufbewahrungsanstalten“ (siehe oben) verknüpfen. Schwupps hätte man ein Konstrukt, demzufolge deutsche Politiker planen, den in der erwähnten Schwarte „Unsichtbare Fronten“ des Herrn Viktor Farkas beschworenen Horrorstaat zu installieren, und sogar Einen ausgemacht, der sich an Platons diesbezüglichen Ideen delektiert. Oder – und das ist die hohe Schule, Leute – man behauptet das gar nicht, sondern zählt nur die soeben beschriebenen Umstände auf und „fragt halt nur“, was dies bedeute. Daß, nebenbei bemerkt, Herr Platon seine Staatsutopie später abmilderte und in der Schrift Nomoi sogar den Bürgern Mitbestimmungsrechte einräumte, nur am Rande. Das Problem: nicht nur werden möglicherweise wahrhaft aufweisbare Phänomene (etwa was die Mentalität der Bildungseliten anginge), die weitere Recherche verifizieren oder falsifizieren könnte, von derlei plumper These dem Augenmerk entzogen, und tatsächlich kritikwürdige Umtriebe unserer Volksvertreter und Wirtschaftsklüngelanten ebenso – die Verschwörungstheorie läßt sich darüber hinaus leicht als Unsinn entlarven, was den Kritisierten Gelegenheit gibt, ähnlich lautende, aber fundierte Kritik, welche die Verschwörungstheoretiker shanghait haben, gleich mit abzuweisen. Eine solche Kritik etwa an dünkelhaften Denkstereoytpen und Selbstreproduktionsinteresse der Macht- und Bildungseliten, und daran, wie diese sich auf das Bildungssystem auswirken, wird dadurch erschwert).

Kurz, man sieht das Problem, welches Herrn Sathom umtreibt: die Verschwörungstheorie lenkt die Aufmerksamkeit ab von derjenigen Scheiße, die tatsächlich gelaufen ist und läuft; sie bietet falsche, simple Erklärungen an und beschäftigt zudem unzählige kluge Leute damit, sich mit der Widerlegung des Nonsens zu befassen, anstatt mit sinnvoller Kritik. Und sie rückt zudem jede ernsthafte Kritik ins Zwielicht: wer immer was zu meckern hat, erscheint unter Umständen als noch so’n Spinner.

Natürlich trifft es in Bezug auf ökonomische, politische und soziale Vorgänge zu, daß „hinter den Kulissen“ Klüngel, Netzwerke, Interessen- und Gesinnungsgemeinschaften und Vetternwirtschaft wirken, die auch nach- und aufweisbar sind; in der Öffentlichkeit als Meinungsmacher wirkende Autoren verbreiten die Versatzstücke der dort gehandelten Ideologie (an die sie selber glauben), gleichgesinnte (oder hirntote) Journalisten und Verfasser verbreiten diese, ohne extra aufgefordert werden zu müssen, die PR-Agenturen und Spin Doctors wirken, Lohndumping und Massenentlassungen trotz Profit werden medial als auf Sachzwängen beruhend verkauft, und dergleichen mehr; die Verschleierungstaktik der Verschwörungstheorie besteht jedoch darin, daß diese Zustände lediglich als argumentative Kulisse dafür genutzt werden, hinter alledem das Wirken irgendwelcher Illuminaten, Aliens oder Kapuzenmänner zu postulieren oder sensationslüstern Mordgeschichten und apokalyptische Szenarien zu verbreiten, die mit tatsächlichen Vorgängen grad mal gar nix zu tun haben. Eine Vereinfachung komplexer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge leistet die Verschwörungstheorie auch bezüglich der vielfältigen Probleme, die in Verbindung mit Migration auftreten und aus dieser resultieren: flugs ist eine muselmanische Geheimverschwörung konstruiert, die einem sinistren Masterplan folgt, und schwupps können alle anderen Aspekte der Problematik in der Schublade verschwinden.

Wesentliche Taktik der Werbung sowohl für Schriften des scheinbar seriös kritisierenden, jedoch tatsächlich Verschwörungstheorien webenden Autors, wie auch für die seines kompletten Unfug erzählenden Vetters, ist bei alledem auch, daß suggeriert wird, sämtliche thematisierten Probleme würden in deren Schriften abschließend, endgültig und hinreichend erklärt und gedeutet; jede weitere Recherche und Analyse, ggf. auch Korrektur der Kritik wird dadurch für unnötig erklärt somit ausgeschlossen. Dem Leser erspart dies die Mühe eigener Recherche und beständiger politischer Observanz, erhält er doch die Weltdeutung in einem Aufwasch, fett und komplett – das verschwörungstheoretische Buch ist somit bei allen Schrecken, die es zu entlarven vorgibt, auch ein angenehmes Ruhekissen.

5 Kommentare zu „:: Seltsam? Aber so steht es im Katalog! (Verschwörungstheorien I)“

  1. Eine bessere Gliederung, weniger – sicher kluge aber im unmittelbaren Zusammenhang nicht unerlässliche – Einschübe und Straffung des Textes würden den Inhalt besser konturieren und die Abhandlung lesbarer machen.
    Vermutlich handelt es sich um eine Notizensammlung für ein Werk zur Definition des Literaturgenres der Verschwörungstheorie und ihrer Rolle und Wirkungen in der öffentlichen Debatte über drängende, von keiner Seite wirklich in jeder Hinsicht überzeugend beantwortete Fragen bzw. durch mehrere Fragen zusammenfassenden Themen

    1. Insgesamt stimme ich Dir durchaus zu, auch wenn mir nicht klar ist, inwieweit ausgerechnet Ranke-Graves dazu beigetragen haben soll, das „Matriarchat“ vom Ballast des Sagenhaften zu befreien. Ich empfehle übrigens bei Interesse das Werk „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit, das, obwohl älteren Datums und teils chaotisch geschrieben und überbordend, einige interessante Beobachtungen zum Thema bereithält.
      Was die Eingangskritik betrifft, so ist der Text natürlich eine Polemik; man kann ihn als solche akzeptieren oder ablehnen, bzw. Polemik grundsätzlich für unzulässig halten, die von Dir befürchtete Wirkung bezweifle ich allerdings. Entstanden ist diese Polemik – wie andere in diesem Blog – aus der Überlegung heraus, allgemein gängige, medial verbreitete Klischees provokant aufzugreifen; beim Lesen Deiner Ausführungen scheint mir, daß sie – zumal ohne Erläuterung des theoretischen Hintergrunds, vor dem Du sprichst – außerhalb einer kleinen, ohnehin zustimmenden In-Group kaum Wirkung entfalten dürften. Das ist kein Mangel; ich arbeite jedoch einfach mit anderen Mitteln.
      Für den Hinweis auf Göttner-Abendroth bin ich dankbar und werde ihm nachgehen, möchte jedoch auch darauf hinweisen, daß sie wie Ranke-Graves nicht unumstritten ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Heide_G%C3%B6ttner-Abendroth#Kritik

    2. Da legst du den Finger in die Wunde; der Text ist zu lang, zu chaotisch, und entstammt einer Periode, in der ich kaum Zeit hatte, überhaupt zu bloggen, geschweige denn vernünftig zu straffen und redigieren. Ich plane immer mal wieder, das Thema erneut aufzugreifen und eingängiger zu gestalten, zumal ich zu einer geplanten Fortsetzung bisher nicht gekommen bin. Insgesamt bin ich wenig zufrieden damit, da geht einiges besser.

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