:: Climategate?

Blödsinn. Aber der Reihe nach.

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist vorbeigezogen, und endete, wie zu erwarten war: mit einer katastrophalen Schlappe für den Klimaschutz und einem erneuten Triumph derer, denen das Schicksal zukünftiger Generationen scheißegal ist, denen momentaner Profit vor die Zukunft der Menschheit geht. Die deutsche Politik übte sich sofort sich in beschönigenden Sonntagsreden, daß das alles doch nicht so schlimm sei, um zu leugnen, was dieser Ausgang (auch für die sich stets als angebliche Klimaschützerin gebende Kanzlerin Merkel) schlicht und ergreifend ist: ein Desaster. Treffendere Worte für den Ausgang des Gipfels als die deutschen Möchtergern-Wetterzauberer fand Andreas Carlgren, schwedischer Umweltminister und amtierender EU-Ratsvorsitzender, bei der letzten Ministerratssitzung unter Vorsitz seines Landes: er nannte ihn eine Katastrophe.

So weit, so schlecht. Das Web beschäftigte jedoch schon während des Gipfels ein anderes Thema, das bereits vor Beginn der Veranstaltung durch die Medien spukte, und zwar eines, das allerdings nicht von schlechten Eltern ist: das sogenannte „Climategate“.

Worum’s dabei ging, ist vielerorts nachzulesen, hier sei nur noch einmal kurz zusammengefaßt, daß Hacker Ende November (rein zufällig also kurz vor besagtem Gipfel) E-Mails und andere Dateien führender Forscher der Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia entwendeten und eine „random selection“ – d.h. ein willkürliche, angeblich dabei auch zufällige Auswahl – aus 1.073 E-Mails und 3.485 anderen Dateien veröffentlichten (die These vom Hackerangriff wird allerdings von Einigen disputiert, die vermuten, es könne sich auch um einen whistleblower, also einen Petzer aus dem CRU handeln, der die Daten durchsickern ließ; daß die gerade Klimaskeptiker ein gewisses Interesse an dieser Version haben, mag daran liegen, daß sie den Datenklau entkriminalisieren möchten). Aus den veröffentlichten Daten, so behauptet nun – assistiert von einer bereitwillig auf die Pauke hauenden erzkonservativen Presse – die große Fangemeinde wissenschaftlicher und pseudowissenschaftlicher Leugner eines Klimaproblems mit großer Fanfare und in aggressiv-kreuzzüglerischem Tonfall, gehe hervor, daß die Forscher des CRU Beweise gegen eine von Menschen verursachte oder überhaupt stattfindende Erderwärmung unterdrückt und andersdenkende Wissenschaftler bewußt von Informationen ausgeschlossen hätten. Für sie  steht fest, daß die veröffentlichten Daten (die noch nicht annähernd ausgewertet sind) den Beweis für ihre These darstellen, daß der Klimawandel, der anthropogene (also menschengemachte) zumal, ein über Jahrzehnte aufgebauter Schwindel sei und gar nicht stattfände.

Dabei ist die angebliche Beweislage, auf welche sich die Leugner des Klimaproblems beziehen, äußerst dünn: von den tausendfältig veröffentlichten Daten zitieren sie gebetsmühlenartig wieder und immer wieder nur einige wenige Zeilen aus ebenso wenigen Mails, diese jedoch bis zum Erbrechen, wie um durch die stete Wiederholung zu suggerieren, daß diese Satzfetzen prototypisch für den Inhalt der Gesamtkorrespondenz des CRU seien, von deren mehrheitlichem (und nach allem Vernehmen harm- und belanglosen) Inhalt jedoch nie die Rede ist. Der sich aufdrängende Verdacht, daß dahinter eben jene Taktik stehe, welche die Klimaskeptiker den Klimawarnern heuchlerisch vorwerfen, ist zumindest nicht von der Hand zu weisen: nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ soll hier etwas im öffentlichen Bewußtsein als Fakt implementiert werden, indem es endlos wiederholt wird, wiewohl es auf denkbar tönernen und grob verallgemeinernden Füßen steht. Daß eine solche Taktik besteht, ist dabei auch daran ablesbar, daß die Gemeinde der Skeptiker und Verschwörungstheoretiker sich gebärdet, als reduziere sich die scientific community derjenigen Klimaforscher, die einen treibhausverursachten Klimawandel bejahen, auf die Mitarbeiter des CRU und bestünde nicht aus Tausenden unabhängig arbeitender Forscher in allen Teilen des Globus.

Genaue Details der ganzen Affäre kann man bei Wikipedia auf Deutsch hier finden, wobei Herr Sathom empfiehlt, sich nach solcherarts erfolgtem Gewinn eines Überblicks durchaus den englischsprachigen Wiki-Artikel zu Gemüte zu führen, da dieser – anders als der deutschsprachige – detailliert auf Inhalte der veröffentlichten und weithin kolportierten E-Mails eingeht und dabei u.a. auch vorführt, weshalb bei einer Mail des Klimaforschers Phil Jones, der darin von einem „Trick“ spricht, nicht von absichtlicher Schummelei bei Klimadaten die Rede sein kann, wie Klimaskeptiker allenthalben behaupten. Natürlich hat auch Herr Sathom sich die verdächtigen Mails mit seinem stets wissenschaftskritischen Auge einmal näher angesehen und konnte feststellen: von diesen sind gerade mal zwei, beide von demselben CRU-Mitarbeiter (Phil Jones), wirklich bedenklich. Die eine (vom 08.07.2004) kündigt dessen beabsichtigten Versuch an, gemeinsam mit einem anderen Mitarbeiter Ergebnisse klimaskeptischer Forscher aus dem nächsten IPCC-Report herauszuhalten, und zwar „even if we have to redefine what the peer-review literature is“; aus der E-Mail geht allerdings ebenso klar hervor, daß er nicht etwa die Ergebnisse jener Forscher als Widerlegung eigener Ergebnisse fürchtet, sondern deren Aussagen für „garbage“ (Müll) hält, sie also nicht aus betrügerischen Gründen ausgrenzen will. Dennoch ist diese Aussage natürlich mehr als bedenklich, bedeutet sie doch, daß Wissenschaftler aufgrund subjektiven Urteils Kollegen (eher wohl: Konkurrenten) vom Diskurs auszuschließen trachteten, wozu sie ihre Stellung und Position in einer Institution, die ihnen solches Vorgehen ermöglichte, sich zunutze zu machen planten, anstatt den Streit mit der Gegenseite argumentativ öffentlich auszutragen  (angeblich wurden die fraglichen Daten dennoch veröffentlicht, was noch weiterer Prüfung harrt). Daß derlei kein Einzelfall ist, ist nicht nur Verdacht, sondern leider im wissenschaftlichen Betrieb häufiger als die Künder eines reinen Wissenschaftsethos zugeben möchten – beschränkt sich somit jedoch eben nicht nur auf die Klimaforschung, kann sie jedoch umgekehrt nicht in toto diskreditieren, sondern nur diejenigen, die so handelten. Schwerwiegender – aber demselben allgemeinwissenschaftlichen Problemfeld zugehörig – ist Herrn Jones’ Äußerung vom 02.02.2005, Daten lieber löschen, als sie dem Informationsfreiheitsgesetz (Freedom of Information Act) folgend seinen Widersachern zugänglich machen zu wollen. Die drei übrigen Mails – und mehr als diese 5 von über 1000 sind es nicht, auf denen das Hurrageschrei der Klimaskeptiker nun aufbaut – sind, soweit Herr Sathom nachvollziehen kann, kein echter Hinweis auf Verschleierung, Vorenthalt oder gar – wie behauptet – Fälschung von Daten, noch auf Mobbing von Gegnern innerhalb der scientific community.

Nichts davon hinderte diejenigen, die den Klimawandel überhaupt oder aber wenigstens dessen Verursachung durch den Menschen leugnen, sofort loszutrompeten, daß sie es ja schon immer gewußt und Recht gehabt hätten, und flugs in zahllosen Foren- und Blogdiskussionen, sabbertriefend vor Begeisterung zu konstatieren, daß das Thema ja nun wohl ein für allemal erledigt und die Klimawarner blamiert seien; es war vielen der vor Freude speichelnden Kommentare, die Herr Sathom lesen durfte, der feiste Triumph über den vermeintlichen Sieg mehr als nur ein wenig anzumerken. Seltsam dabei zugleich die Aggressivität, die in den Diskussionsbeiträgen spürbar wird, wo man doch eigentlich, da anscheinend nunmehr siegreich, gelassener auftreten könnte: so ist die in  einer dem englischen Wiki-Artikel (siehe dort) angehängten Kontroverse ums Thema verwendete Bezeichnung „suppressive authoritarian WikiNazi rottenness“ für die Argumentation von Diskussionsteilnehmern, die auf die Unverläßlichkeit von Quellen der Klimazweiflern ihrerseits hinweisen, nur die Spitze des schmelzenden Eisbergs. Der schon regelrecht haßerfüllte Tonfall der Klimawandelsleugner, der allüberall sogleich durchs Web gellte, sagt doch bereits Einiges aus über deren paranoide geistige Verfassung, meint Herr Sathom. Er selbst hingegen lehnte sich zurück, las noch einmal alle Argumente für und wider den Wandel des Weltklimas und dessen tatsächliche oder vermeintliche Ursachen, und sagte sich: abwarten. Nicht nur abwarten, wessen Argumente nun letzten Endes (und es könnte leicht das Ende sein, Folks) stichhaltiger sind, was weitere Forschung (auch bezüglich der veröffentlichten Daten) also ergibt, sondern auch, um den Aufruhr und dessen Anlaß in aller Ruhe zu analysieren. Und so fiel Herrn Sathom, als er dementsprechend tat, an dem ganzen Geschrei Einiges auf, und gab ihm zu denken.

Es geht Herrn Sathom daher im Folgenden auch keineswegs darum, die wissenschaftlich seriösen und weniger seriösen Argumente beider Seiten noch einmal aufzulisten und gegeneinander ins Feld zu führen – er hat sich dies als Lektüre in diversen Blogs und Foren zur Genüge angetan und festgestellt, daß da Aussagen gegen Aussagen stehen, welche für den naturwissenschaftlichen Laien in beiden Fällen kaum überprüfbar sind, man kann blöde werden dabei und ist hinterher kein bißchen schlauer – sondern um eine Erörterung der „Diskussion“, wie sie in Folge von den Leugnern einer ökologischen Gefahr geführt wurde, und deren Qualität. Denn dieweil er den Disput verfolgte, frug sich Herr Sathom diesbezüglich so Manches, das er im Weiteren zu explizieren gedenkt.

Zunächst einmal: hat sich an den öffentlich bekannten Fakten bezüglich des Klimawandels nun irgend etwas verändert? Etwas Neues ergeben? Die Antwort mag überraschen, aber sie lautet tatsächlich: Nein. Es sind keinerlei neue Argumente gegen einen menschengemachten Klimawandel zutage gefördert worden, die der Öffentlichkeit bisher böswillig vorenthalten worden wären: die Auffassungen der Leugner eines Zusammenhangs zwischen Erderwärmung und CO2-Austoß, die nun noch einmal medienwirksam aufgebauscht werden, sind dieselben, welche jene Klimaskeptiker schon lange vertreten, und sind allesamt ebenso lang sattsam bekannt. Denn nicht nur veröffentlichen die Gegner der Auffassung, industrieller und verkehrsbedingter Schadstoffausstoß könnten zur Erderwärmung beitragen (was nebenbei bemerkt bedeutet: daß sie leugnen, menschliche Eingriffe könnten überhaupt irgend etwas bewirken, d.h. behaupten, egal, was man in die Umwelt blase, bliebe folgenlos, womit sie sich letztlich gebärden, als sei menschliches Handeln gegenüber der Ökosphäre des  Prinzips von Ursache und Wirkung enthoben) diese ihre Ansicht, und ihre Gründe für dieselbe, schon seit Jahren, sondern auch ihre Argumente sind allgemein bekannt, weithin zugänglich, und auch medial – ja, auch von den bösen Mainstreammedien – oft genug wiederholt worden. Auch und gerade konservative Medien tun ihr Bestes, die Mär von der Klimalüge immer wieder mit viel Bombast und Aufhebens zu verbreiten, und Klimawarner nach Kräften zu verleumden – weshalb auch die in manchen Blogs geäußerte Behauptung der Skeptiker, die von ihnen präferierten Forschermeinungen würden andauernd unterdrückt, was nunmehr bewiesen sei, schlicht ein Schwindel ist (siehe dazu auch den Schluß dieses Artikels). Kurz, hier wurde nichts vertuscht noch verschleiert, dessen Kundmachung die Sachlage nun verändern würde, denn alles, was nun erneut  vorgetragen wird, ist der Öffentlichkeit bereits mehr als geläufig – das Verhalten der betreffenden CRU-Mitarbeiter ist wissenschaftlich schandbar (und dämlich), doch hielten sie letztlich keinerlei Thesen oder Forschungsdaten zurück, die jetzt plötzlich überraschenderweise enthüllt würden, nachdem sie vorher vollkommen unbekannt gewesen wären. Anderes wäre auch tatsächlich verwunderlich: wäre dem nicht so, woher sollten die Leugner des CO2-Problems denn sonst ihre bereits vor den jetzigen Enthüllungen gehegten Meinungen haben, worin könnten sie sich denn bestätigt sehen, anstatt vielmehr höchst überrascht sein zu müssen? Mit anderen Worten: es gibt inhaltlich überhaupt nichts Neues. Die Argumente für und wider den Klimawandel sind ein- und dieselben wie vor dem „Climategate“, und weder ist von den einen irgend etwas weggenommen, noch den anderen irgend etwas hinzugefügt worden.

Zweitens – spricht der Umstand, daß hier welche (und zwar ein paar wenige) gemogelt haben, gegen die These des CO2-vestützten Klimawandels? Dito: nein. Die Frage ist wissenschaftlich kontrovers und hochkomplex; die simple Anwendung von Ockhams Rasiermesser läßt die These der Klimawarner jedoch weitaus wahrscheinlicher scheinen als die teils abstrusen Ursachenvermutungen der Leugner. Dies muß noch kein endgültiges Urteil bedingen, widerlegt jedoch die Warner nicht im Geringsten, zumal das CRU ja nicht, wie von den Klimaskeptikern suggeriert, die alleinige Instanz für weltweite Klimaforschung ist, sondern zahllose andere Wissenschaftler zu denselben Ergebnissen kommen – ganz abgesehen davon, daß nun Entwarnung zu geben und alle Klimaschutzmaßnahmen einzustellen etwa so wäre, als warnten Meteorologen vor einer Sturmflut, und man unterließe es, die Deiche zu prüfen, weil, nicht wahr, man kann wissenschaftliche Daten ja so oder so interpretieren, und nachher stürmt’s gar nicht, das wär’ ja doof dann, wäre man extra deswegen aufgestanden.

Was lernen, folgern, schließen wir aber dann aus der Affäre? Nun, im Grunde wiederum nichts, das wir (oder wenigstens jeder kritische und somit auch wissenschaftskritische Zeitgenosse) nicht schon längst wußten (und was auch Herr Sathom seit jeher predigt): Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Sie bilden Gruppen, die derselben Meinung anhängen und sich gegenseitig darin bestätigen, betreiben Cliquenwirtschaft, interpretieren ihre Daten möglicherweise gemäß vorgefaßter Urteile, ignorieren gegenläufige Informationen bzw. dissen diese oder deren Verbreiter mittels des hierzu zweckentfremdeten Mechanismus der peer review und des Schweigens der scientific community, und müssen ihre Ergebnisse irgendwie den Medien als interessant antragen, wozu sie diese eindeutiger oder leider manchmal auch sensationeller darstellen, als sie sind. All dies, wohlgemerkt, nichts Anderes als was die Leugner des von Menschen verursachten Klimawandels ebenfalls, und zwar schon seit Langem lautstark, tun (und dabei, ggf. auf dem Markt verschwörungstheoretischer Schriften, nicht schlecht verdienen), und zugleich nichts, was man der Bewegung der Klimawarner in Gänze unterstellen könnte.

Da sich am bekannten Sachstand also nichts geändert hat, muß das Verhalten einiger weniger CRU-Mitglieder nur um so dämlicher (wenn auch für jeden, der den wissenschaftlichen Betrieb auch nur halbwegs von innen kennt, kaum verwunderlich) erscheinen: denn an sich hatten sie durch derlei nichts zu gewinnen. Es gibt gute Argumente für einen von Menschen verursachten Klimawandel, wenige dagegen (diese teils Bestandteile abstruser Verschwörungstheorien wie der, daß linke Mächte eine globale Ökodiktatur errichten wollen, siehe hier), es gibt allerdings auch Punkte, die es noch auszuräumen gilt, und die Darstellung komplexer wissenschaftlicher Sachverhalte in der Öffentlichkeit ist nicht einfach, zumal wenn Lobbies, die gegenläufige Interessen vertreten (wie die von Industrie und Wirtschaft) einem dazwischenkrähen – und da wollte man sich’s einfach machen: was zur These einer menschengemachten Ökokrise noch fehlt, bedürfte weiterer intensiver Forschung, man müßte vielleicht zugeben, daß man Einiges noch nicht so genau weiß, sich auf jeden Fall aber auf eine öffentliche Diskussion einlassen, in der man seine Argumente vertritt und sich der Mühe unterzieht, die der Gegenseite anzuhören und – ggf. einzeln, in nervtötender Kleinarbeit, die sich vielleicht nicht jeder zumuten mag, wiewohl er es sollte – zu entkräften. Daß so was sich medial nicht gut macht, daß Medien und Öffentlichkeit einfache Antworten, simple Szenarien und widerspruchsfreie, scheinbar endgültige Lösungen lieber mögen, unbenommen – und blöderweise hat man sich wie immer (was aber für die Leugner ebenso gilt) für den einfacheren Weg entschieden, und sich gesagt: wenn was mit unseren Theorien noch nicht so übereinstimmt oder hinhaut, öhm, reden wir halt nicht drüber (bzw. versuchen dafür zu sorgen, daß auch nicht drüber geredet wird bzw. daß Dritte nicht herausfinden, wo wir Erklärungsprobleme haben). Wie gesagt, dämlich, denn drüber geredet wird eh; letztlich das Ganze ein Beispiel dafür, daß Wissenschaftler eben nicht dem hehren Ideal interessenfreier, objektiver Wahrheitssucher entsprechen, wiewohl sie ihre Autorität gern auf die Behauptung gründen, dies zu sein. Das Ganze müßte eine neue Diskussion über die Diskrepanz zwischen Ideal, Wahrnehmung und Realität der Wissenschaft, insbesondere der Naturwissenschaft entfachen, über Probleme von deren Institutionalisierung und Vermittlung; statt dessen steht zu befürchten, daß nichts dergleichen passiert, und daß lediglich der Glaubenskrieg in eine neue Phase tritt: daß die Klimaskeptiker, die sich zumindest teilweise selbst auf Äußerungen dubioser Autoritäten und noch dubioserer Medien beziehen, ihrerseits den Klimawarnern noch lautstärker als bisher unterstellen, sie hingen einer „Religion“ an, die auf Lügengeschichten basiert.

Wenn sich nun am – Herr Sathom betont es noch einmal: bekannten – Stand der Diskussion gar nichts geändert hat, die Faktenlage keineswegs anders scheint als zuvor, weshalb dann die ganze Aufregung? Herr Sathom regte diese zu einer weiteren Frage an, nämlich der, was die Leugner der CO2-Problematik eigentlich so erregt, denn hätten sie irgendeinen Nachteil davon, würde der Klimaschutz handlungsleitende Prämisse werden (mal angenommen, sie sind weder Lobbyisten noch Nutznießer der Verwendung fossiler Brennstoffe)? Eigentlich nicht, oder?  Was ficht sie aber dann an? Weshalb ihr erregter, emotionsgeladener, geradezu kreuzzüglerischer Kampf? Weshalb die auffällig emotionale, speicheltriefende Freude, ja, teils Häme (man könnte ja, gäbe es gar keinen Klimawandel, auch einfach erleichtert sein), und zugleich der an Hexenverfolgung gemahnende Haß, der aus vielen ihrer Web-Posts spricht? (Nebenbei bemerkt: das Wagenburgverhalten („circling the wagons“) der betreffenden CRUler – so der treffende Vorwurf der Klimatologin Judith Curry, die selbst zu denen zählt, die der These von der globalen Erwärmung zustimmen – ist, zumal wenn systematisch betrieben, natürlich abzulehnen; falsch wie es ist, ist es aber immerhin anteilig nachvollziehbar, bedenkt man, daß Schmähungen und Bedrohung durch Klimaskeptiker für sie an der Tagesordnung sind.)

Herr Sathom stellte sich angesichts dieser Überlegungen zwei weitere Fragen; und die Beantwortung derselben, meint er, bringt die Problematik doch wieder auf einen tragfähigen Boden der Vernunft zurück und beleuchtet, worin das Unsinnige der ganzen Debatte besteht.

Was, so fragt Herr Sathom nämlich, könnte je nachdem, wer recht hat, schlimmstenfalls geschehen?

Szenario 1: haben die Klimawarner (was Herr Sathom für unwahrscheinlich hält, er gesteht es offen, aber nehmen wir’s mal an) unrecht, irren sie sich, was wäre dann die Konsequenz? Was könnte dann, wenn man irrigerweise Klimaschutzmaßnahmen ergreift und verstärkt, schlimmstenfalls geschehen? Man würde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten saubere, nachhaltige Technologien zur Gewinnung erneuerbarer Energie weiter fördern, verbessern, durch Forschung vervollkommnen, die fossilen Brennstoffe und hoffentlich auch die Kernenergie (wiewohl es angesichts der Bestrebungen der schwarz-gelben Koalition auch hier wieder nach einem Sieg der Steinzeittechnologen aussieht) bei der Energieversorgung durch diese neuen Technologien ablösen. Sicher geschähe dies – was ein Kritikpunkt der Leugner ist – steuersubventioniert, und sicher gibt es eine Industrie, die daran Interesse hat – aber hallo? Wurde die Steinkohle nicht jahrzehntelang subventioniert? Sind die Betreiber von Anlagen, die fossile Stoffe verbrennen, keine Interessengruppe, sind sie weniger von egoistischem Eigeninteresse geleitet als die anderen? Wurde die Kernkraftlobby nicht ewig lang gehätschelt, inklusive lustiger regierungsseitiger Gutachten über die Ungefährlichkeit der Endlagerung in Salzstöcken, so daß es jetzt aus Asse lustig ins Grundwasser suppt? Da ist Herrn Sathom etwas, das weniger Dreck macht, doch lieber. Der Witz aber ist: es würde – auch für die Klimawandelsleugner – gar keinen Nachteil darstellen, käme es so; denn wo Licht aus Decke und warm Wasser aus Wand herkommt, kann ihnen doch eigentlich (sofern sie eben nicht Lobbyisten oder deren Meinungsmacher sind) egal sein, und wenn sie glauben, die Strom- und Wärmepreise würden nicht so oder so steigen, sind sie ohnehin nur Narren. Tatsächlich hätte selbst dann, wenn es gar keinen oder jedenfalls keinen menschengemachten Klimawandel gäbe, diese Entwicklung enorme Vorteile: autarkere Energieversorgung für Eigenheimbesitzer, Bauten mit enorm günstiger Energiebilanz (= langfristig mehr Money im Säckel), vor Allem aber: keine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Erdöl zumal, und deren Lieferanten, was insbesondere heißt: wenn das Zeug letzten Endes irgendwann mal alle ist, und so wird es kommen, hätte man die Alternativtechnologie schon parat, und jahrelang entwickelt und verbessert, anstatt dann erst im Dunklen auf dem Arsch zu sitzen und dämlich nasepopelnd aus der Wäsche zu gucken. Davon, daß man politisch nicht mehr am Gängelband der Lieferanten hinge, einmal ganz abgesehen. Die Weiterentwicklung als klimafreundlich gehandelter Technologien brächte also auf jeden Fall enorme Vorteile, die  Beibehaltung veralteter Technologien hingegen so oder so immer mehr Nachteile. Also, Folks, Klima hin, Wandel her – was soll’s?

Szenario 2: Die Klimawarner haben Recht – es gibt eine vom Menschen verursachte, globale, den Fortbestand der ganzen Menschheit bedrohende Klimakatastrophe. Setzen sich die Leugner dieses Umstands aber mit ihrer Meinung durch, wird also gegen den Klimawandel – ganz so, wie sie es verantwortungslos fordern – nichts unternommen, was wäre dann der schlimmste anzunehmende, ja zwangsläufig zu erwartende Fall? Richtig: vielleicht nicht wir, aber unsere Kinder oder deren Kindeskinder dürften dann erst Kriege um die letzten Tropfen Erdöl führen, um dann später in einer UV-strahlenverseuchten Wüste dahinzuvegetieren, bis sie an Hautkrebs verrecken oder durch Ernteausfälle und Trinkwassermangel verhungern und verdursten, sofern sie nicht vorher an der lustigen außerirdischen Atmosphäre krepieren, die infolge des Abschmelzens der Polkappen und der der Erwärmung der Weltmeere entstünde, wenn bisher gefrorenes oder unterseeisch austretendes, aber durch die niedrige Temperatur des Wassers am Meeresboden gebundenes Methan tonnenweise in die Luft entweicht. Und Energie zum Betrieb irgendwelcher Überlebensbunker hätten sie zu allem Übel auch nicht einmal, fingen sie dann erst an, nach Alternativen zu suchen und zu überlegen, wie zum Teufel das doch gleich noch mal ging mit der Photovoltaik. Für all das könnten sie sich dann bei den Grabsteinen bedanken, unter denen diejenigen Arschlöcher und Idioten, welche ihnen die Suppe eingebrockt haben, mittlerweile friedlich und vor den Konsequenzen ihres Tuns verschont vor sich hinfaulen, ein selbstgefälliges Grinsen im Gesicht tragend.

Kurzum: selbst wenn die Klimaschützer sich irren, kann die Verfolgung ihres Weges nur Vorteile, und keinerlei Nachteile mit sich bringen; umgekehrt hingegen, folgte man dem Rat der Klimaskeptiker, wären die Konsequenzen ggf. fatal und katastrophal, auf jeden Fall aber sogar vorteilsärmer als der Weg der Klimaschützer. Wenn dem aber so ist, Klimaschutz und erneuerbare Energien also in jedem Fall vernünftig sind, was kann es dann sein, das die Leugner des Klimawandels eigentlich motiviert? Tatsächlich können sie keinerlei Vernunftargument für sich in Anspruch nehmen, ganz unabhängig von Stand und Erkenntnis der wissenschaftlichen Debatte – während für eine neue, vielerlei Vorteil erbringende Technologie eben jede Vernunft spricht. Es muß also etwas Anderes sein, das die Leugner treibt, mutmaßt Herr Sathom.

Und meint: es handelt sich bei den Leugnern der Klimaproblematik zum Einen um solche, die stets jeder Neuerung ablehnend gegenüberstehen, weil Neues ihrer faulen Gemütlichkeit und ihrem gewohnten Weltbild entgegensteht. Wie Herr Sathom auf derlei kommt? Nun, Herr Sathom möchte noch einmal daran erinnern, daß er weiter oben sagte, die Klimaschutzgegner hätten über die Informationen, vermittels welcher sie ihre Ansichten begründen, auch vor dem „Climategate“ ja schon verfügt. Das Lustige ist nun aber: sie waren derselben Ansicht auch schon, bevor sie überhaupt über irgendwelche Informationen verfügten. Schon in den 1980ern, als man daselbst in West-Berlin Smog-Alarme auslöste und das Autofahren an solchen Tagen einschränkte oder ganz verbot, „wußten“ sie schon ganz genau, daß das alles Quatsch und die Schadstoffe des Autoverkehrs gar harmlos seien (daß, anders ausgedrückt, „Smog“ gar nicht existiere); als es um schadstoffarme PKWs und Katalysatoren ging (neue oder wenigstens verbesserte alte Technologien also), blökten sie, das sei alles Unfug; wo der Smog geblieben sei, wenn all die Maßnahmen wider ihn Tinnef waren, fragen sie nicht, haben schon vergessen, daß es derlei mal gab. Als die Ökobewegung damals zu warnen begann vor dem Treibhauseffekt, und die wissenschaftlichen Studien, auf welche sie sich berief, die einzigen zum Thema waren, da „wußte“ der Klimawandelsleugner schon, daß das alles Blödsinn sei – wußte es, wohlgemerkt, bar jeglicher Sachkenntnis noch vor jeder wenigstens angeblich wissenschaftlichen Gegenthese, so wie auch Viele jahrzehntelang „wußten“, daß das Rauchen ungefährlich sei (ja, ja, Herr Sathom weiß, daß er riskant lebt – aber da weiß er wenigstens mehr als die nichtrauchenden Autofahrer) und die Fischfanggründe unerschöpflich. Lang, sehr lang, hat es gedauert, bis sich die Wahrnehmung durchsetzte, daß es tatsächlich einen Klimawandel gäbe – gegen vielerlei Lobbyismus, Lügen und Leugnen. Behaupten die Leugner nun heutzutage, der Klimawandel sei den Leuten nur lange genug „eingeredet“ worden, die Fakten würden nur entsprechend einer so herangebildeten Erwartung interpretiert, so schimpfen letztlich Esel andere Langohr – denn jahrzehntelang gebärdeten sich die Leugner so, wie sie es anderen zu tun vorwerfen, ein CO2-Problem, eine Erderwärmung, all das gab’s für sie nicht, weil es gewohnten Denkklischees widersprach und weil man CO2 nicht sieht, und sich das Klima nicht von heut auf morgen ändert. Andere Gründe hatten sie lange Zeit nicht – wenn sie derlei also inzwischen den Klimaschützern vorwerfen, und manche von ihnen gar von einer „Klimareligion“ schwafeln, ist dies letzten Endes eine Projektion ihrerseits wie aus dem Lehrbuch.

Aber mehr noch: dieselbe Klientel wußte auch jahrelang, daß Chemieabfälle in Flüssen nichts Schlimmes sind, bis die Flüsse umkippten, wußte dann, daß Schutzmaßnahmen zu teuer wären und die Industrie ruinieren würden, bis die Maßnahmen ergriffen waren und keiner ruiniert; mit den Rauchgasentschwefelungsanlagen ging es ebenso. Kurzum, wir haben hier einen Typus Mensch vor uns, der immer „weiß“, daß die, welche sein gewohntes „alles ist in Ordnung und wir müssen daher auch nichts tun“-Weltbild als Fälschung entlarven, seine Betulichkeit von Arsch- in Unruhe versetzen, dieweil sie neue Perspektiven und notwendige Änderungen der Wahrnehmung und des Handelns propagieren, „Spinner“, „Müslis“ oder Schlimmeres sind. Hei, welche Freude dann, wenn man sie tatsächlich als Spinner entlarvt zu haben meint – und dies auch noch bezüglich einer Sache, von der man doch von vornherein – irgendwie aus dem Bauch raus – wußte, daß sie Blödsinn sei.

So meint Herr Sathom, daß die Klimawandelsleugner eine Splittergruppe jener Front sind, die nicht nur schon immer wußte, daß vom CO2-Ausstoß keine Gefahr ausgehe, sondern auch, daß Atomkraft wirklich sicher ist, daß man Chemiedreck und Touristenkacke tonnenweise in Flüsse und Ozeane leiten kann („die Natur“ kann das ab, konnte sie ja in der Steinzeit auch), und zwar unabhängig davon, ob dies nun wissenschaftlich bewiesen war oder eben eher nicht; es sind die Vertreter des status quo, die Ewiggestrigen, jener Menschentyp, der bei Aufkommen der Dampfmaschine gegen die Dampflokomotive war, weil er das Ding nicht kannte und es irgendwie fremd, zu schnell und ungemütlich fand, und bei deren Ablösung durch andere Triebwagen Gegner ihres Verschwindens, weil nun die flitzende E- oder Diesellok der inzwischen vertrauten Gemütlichkeit dampfgetriebenen Reisens im Wege stand.

Es sind dies dabei nicht etwa Leute, denen jede Technologie Dorn im Auge ist: vielmehr sind gerade sie ausgesprochenen Technokraten. Auch sind sie – ihrem eigenen Verständnis nach – keineswegs Fortschrittsgegner; sondern in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten selbst immer die lautesten Schreihälse gewesen, wenn sie solche witterten und sie der Maschinenstürmerei verdächtigen konnten (tatsächlich ist der Vorwurf, ein Gegner des „Fortschritts“ zu sein, in der Vergangenheit stets ihr Lieblingsinstrument zum Drauflosschlagen gewesen). Sie haben jedoch eine eigentlich, wenn man es bedenkt,  recht seltsame Auffassung von Technologie und Fortschritt: Technologie ist gut, wenn sie gewohnt ist und zur Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit beiträgt bzw. von Verantwortung entbindet (Motto: „dabei entsteht nun mal Plutonium, und wir brauchen nun mal die Kernkraft, da kann man nichts machen“), jedoch nicht, wenn sie zunächst einmal Geburtswehen zeitigt und Verantwortung, oder gar so Mühseliges wie ein Umdenken fordert; und Fortschritt bedeutet ihnen nicht gesellschaftlichen Wandel oder Paradigmenwechsel, noch technologische Umorientierung, sondern einfach ein quantitatives Mehr – ein Mehr an Autos, ein Mehr an Straßen, ein Mehr an rauchenden Schloten und an Geschwindigkeit (weshalb sie letzten Endes die Diesellok nach einigem Zähneknirschen verkraften konnten, das Solarautomobil hingegen nicht leiden mögen – zu langsam, zu dies, zu das, maulen sie, wie’s einst die Zweifler an den ersten Automobilprototypen taten). So können sie denn von sich glauben, vollkommen rational und zudem fortschrittlich zu denken, wenn sie eine im Prinzip veraltete Steinzeittechnologie wie die des Verbrennungsmotors mit seiner mickrigen Energieausbeute und dem sinnlos als Dreck in die Gegend gepusteten Abfall nicht abgelöst wissen wollen, während ihnen die Galle hochkocht, wenn sie etwas von Windkraftwerken oder Kraft-Wärme-Kopplung hören. Man will halt weder Geist noch Arsch bewegen, also weshalb nicht weiter Kohle und Öl verbrennen (und mit Letzterem gelegentlich mal ’ne Küste verpesten), Strahlenmüll nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ in lecken Salzbergwerken versenken, und nach uns die Sintflut – wär’ ja anders viel zu anstrengend.

Daß die Klimaskeptiker wie gesagt vielerorts im Web behaupten, Stimmen gegen den anthropogenen Klimawandel würden – auch in den Mainstreammedien – systematisch unterdrückt, obwohl diese zuhauf als (teils verschwörungstheoretische) Bücher veröffentlicht und auch von erzkonservativen Medien (etwa denen eines Rupert Murdoch) immer wieder marktschreierisch präsentiert werden, ist nicht nur eine glatte Lüge, die nur zeigt, wie genau es diese entrüsteten Moralapostel selbst mit der Wahrheit nehmen; wichtiger scheint Herrn Sathom, daß diese Art, sich zu gebärden, einen weiteren Hinweis auf ihre Psychologie liefert, so wie es auch die aggressiven, gehässigen Beschimpfungen tun, derer sie sich bedienen. Denn sie sehen sich tatsächlich – und dies ist eine maßgebliche psychologische Gratifikation, die auch die Paranoia des Verschwörungstheoretikers kennzeichnet – als Vertreter einer reinen Wahrheit und als dafür von bösen Mächten Verfolgte. Sie sind eben das, was sie den Klimaschützern zu sein vorwerfen: Glaubenskrieger, die ihrer Mission mit dem ganzen Eifer des Kreuzzüglers nachgehen und in ihren „Gegnern“ die Inkarnation des Bösen wittern.

Herr Sathom (der übrigens nicht behauptet, jeder erwärmungsskeptische Wissenschaftler sei ein Schwindler oder Paranoiker, unter deren Fans jedoch dergleichen Viele ausmachen zu können meint) mutmaßt dabei zumindest, daß die Vorstellung, Vertreter einer unterdrückten Meinung zu sein, eine weitere Gratifikation für die Skeptiker darstellt: können sie sich doch, in ihrem trüben Alltag ihre geistigen Sandkastenspiele treibend, für Helden halten, Enthüllungsheroen gar, die einer gefoppten Weltöffentlichkeit zugänglich machen, was diese sonst nicht erführe und hilflos dem Abgrund entgegentriebe.

Übrigens: daß das Ausmaß der Erregung der Klimazweifler häufig dem ihrer Ahnungslosigkeit entspricht und sich zudem mit Paranoia paart, dafür mag ein Kommentator dieses Artikels (der/die geneigte Leser/in wird den betreffenden Kommentar zu finden wissen, es sind dort derselben nur wenige) als Beispiel dienen, der nicht nur meint, bei den Klimawarnern handele es sich um eine „kleine Gruppe“, sondern wie auch viele andere Klimaskeptiker behauptet, daß es in Deutschland zum Thema „Climagate“ keine Berichterstattung gäbe (was Herr Sathom dazu in Fernsehnachrichten und Videotext, oder in Online-Ausgaben deutscher Medien (siehe dazu die Linkliste am Fuß des oben verlinkten deutschsprachigen Wikipedia-Artikels) gefunden hat, hat er wohl offensichtlich geträumt) – womit er demonstriert, daß er der paranoiden Vorstellung, die eigene Meinung werde systematisch unterdrückt, so dermaßen verhaftet ist, daß er die sehr wohl stattfindende Berichterstattung schlichtweg nicht wahrnimmt (einmal unterstellt, daß er nicht einfach bloß lügt). Dies, wie gesagt, nur ein Beispiel – die ja hier wiederholt erwähnte Wahnidee, hiesige Medien verschwiegen derlei, ist ein stehender Erzähltopos in den Äußerungen der Klimaskeptiker, einer der Eckpfeiler ihres Weltdeutungsgebäudes. Entsprechend ist es auch nur konsequent, wenn sie etwa in der oben erwähnten Diskussion im englischesprachigen Wikipedia beinahe hysterisch darauf beharren, den für den Vorfall geprägten Begriff „Climategate“ beizubehalten, wiewohl es Vorschläge für neutralere Bezeichnungen gibt – denn natürlich wollen sie der mit der Bezeichnung konnotierten Deutung des Geschehens, der qua Assoziation mit Vorfällen wie Watergate als Fakt suggerierten Unterstellung eines über Jahre bewußt betrügerischen – wenn nicht zentralgesteuerten – Verhaltens der Klimawarner insgesamt (und interessierte Kreise und Medien springen nur zu bereitwillig auf diesen Zug), nicht verlustig gehen – so dämlich und unter Erklärungsnotstand stehend diese ihre These auch sein mag.

Dabei könnten sie doch ganz getrost sein: denn wie der Klimagipfel, der mit oder ohne „Climategate“ so ausgegangen wäre, einmal mehr eindeutig zeigte, spielt es gar keine Rolle, wie der wissenschaftliche Erkenntnisstand aussieht; die Bremser und Ewiggestrigen, die verantwortungslosen Kurzsichtigen werden schon das Ihrige tun, um dafür zu sorgen, daß Alles beim Alten bleibt und nichts geschieht. Ändern würde sich das nur, würden neue Energiegewinnungstechnologien profitabler als die alten; doch Vernunft und Verantwortung wird man vergeblich suchen, selbst wo es um eine so bedeutende und existentielle Frage wie die des Weltklimas geht, weshalb sich die Vertreter des status quo in der kohlendioxidverqualmten Behaglichkeit ihres globalen Wohnzimmers weiterhin sicher wähnen dürfen. Schon hat der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI), vertreten durch seinen Hauptgeschäftsführer Schnappauf, sich gegen weitere einseitige Schritte Europas beim Klimaschutz ausgesprochen und erklärt, er unterstütze die Selbstverpflichtung der EU (mit anderen Worten, ein Lippenbekenntnis) zur Verringerung des CO2-Ausstoßes um 20%, aber eine solche um 30% dürfe es nicht geben, und mit der schon von oben genannten früheren Diskussionen um Gewässer- und Klimaschutz bekannten Arbeitsplatzkeule gewedelt; und dreimal dürfen wir raten, ob die „Klimakanzlerin“ Merkel Kurs halten oder – wie schon zuvor angesichts der Abgasnorm vor der Automobilindustrie – einknicken wird (na ja, Hoffnung ist immer). So irrte denn auch der Autor dieses Artikels (welcher ansonsten den etablierten Wissenschaftsbetrieb als solchen wohltuend sachlich-kritisch beleuchtet, zugleich aber auch spinnerte Thesen der Klimaskeptiker und Verschleierungstaktiken der Industrie bezüglich der Klimaerwärmung beim Namen nennt), als er Anfang Dezember schrieb, die Politiker würden „ihre Sache machen“, und dabei – zumindest entsteht Herrn Sathom dieser Eindruck – anscheinend meinte, es sei schon Verlaß darauf, daß sie das Richtige täten.

Herr Sathom entläßt damit sein Publikum und wünscht ihm Frohe Weihnachten – genießt den armseligen Bodenbelag, den die nach 1990 geborenen für Schnee halten, so lang es das Zeug eh noch gibt.

(P.S.: Immerhin hat Herr Sathom vor Kurzem dank des bißchen Schnees den wohl niedlichsten Schneemann der Welt sehen dürfen, als er von seinem Tagwerk heimkam und das Haus eines Nachbarn mit Kindern passierte: dem  Bürgersteig entsprossen, vielleicht zwanzig Zentimeter hoch, vermittels eines von einem immergrünen Busch abgerissenen Zweigleins mit mehreren Blättern daran, welches ihm im Haupte stak, mit einer putzigen Frisur versehen, und glücklich lächelnd. Herr Sathom war froh, daß er den kleinen Wicht im Dunkeln rechtzeitig gesehen und ihm kein Leids getan hatte, und ging seltsam angerührt weiter seines Weges.)

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2 Kommentare zu „:: Climategate?“

  1. Daisy, Bob und die klirrende Erdwarmerung

    http://freidemzen.wordpress.com/2010/01/17/daisy-bob-und-die-klirrende-erdwarmerung/

    Stellt euch vor: alle warten auf die „Erderwärmung“ und es kommt einfach keine! Das Wetter bleibt gleich und die Erderwärmung scheint bis auf Weiteres verschoben! Uns wurden aber subtropische Zustände versprochen! Im Tank-Top durch den sonnigen Januar und die Meeresbrise am palmenumstandenen Strand im heißen Süddeutschland, umspült vom nahezu brodelnden, ehemaligen Arktis- und Gletschereises. Jetzt im Winter gerade, wäre das natürlich besonders schön! Aber nichts da! Weit und breit nur normales Wetter, wie gewohnt. Leise rieselt der Schnee! Und es will einfach partout nicht wärmer werden! Wir wurden betrogen! Haben alle unsere Alaska-Jacken verbrannt und durch Badehosen und Bikinis ausgetauscht.

    Dem Plan muss jetzt nachgekommen werden und wir Bürger sind hierbei alle gefragt. Wir müssen dafür sorgen, dass das erderwärmungs-unfreundliche Wetter endlich ein Ende hat und Spanien nach Deutschland kommt. Sonst will ja keiner mehr die Erde retten! Mit erneuerbaren Energien kommen wir da nicht weit, da bleibt ja das Klima die nächsten Jahrtausende noch normal und es nie wärmer. Es muss mehr geölt werden! Ich fordere die Wissenschaft auf, CO2-produzierende Superanlagen zu bauen. überall auf der Welt. Noch emissionsintensivere Autos zu produzieren. Daneben sollen Kühe gezüchtet werden die ein Vielfaches dessen zusammenfurzen, was so eine gewöhnliche Kuh, am Tag hinbekommt. So kriegen wir alle den, uns so lange versprochenen, Dauer-Hochsommer!

    Gruß Peter

    1. Meine Damen und Herren, Sie sehen: die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. 8)

      Zumal wenn man, da einem nichts Gescheites zum Thema einfällt, sich hilflos als Möchtergern-Komiker versucht, vielleicht, weil man lang genug am Auspuff seines heißgeliebten Autos dem Genuß der sinnbetörenden Kohlendioxiddämpfe gefrönt hat, auf daß man seine pubertären Juxe vermessenerweise für Ausdruck von Humor, Satire oder Sarkasmus, seine kurzschlüssigen Folgerungen hingegen für eitel Durchblick zu halten imstande ist. Dann kommt man, etwa weil man noch nichts davon gehört hat, daß die Temperaturen im Jahresmittel steigen und die Polkappen schmelzen, wie der Verfasser des oben auszugsweise (ja, der Sermon ist noch länger als hier von unflätiger Hand eingepflegt) als Kommentar geposteten und verlinkten Artikels zu so geistfreien Folgerungen wie der, daß das Tief „Daisy“ – das im Vergleich dazu, was der gereifte Herr Sathom in früheren Jahrzehnten an Wintern erlebte, einen Rülpser in einer Schneekugel darstellt – den Klimawandel widerlegen würde (daß jeder heiße Sommer als Beleg für letzteren gehalten werde, wie gleichenorts behauptet, verweist Herr Sathom ins Reich der Legende – ihm kommen viel öfter Welche vor, die da jederlei Zusammenhang zu leugnen bestrebt sind). Daß der Verfasser jenes Artikels Klimawarner den idiotischen 2012-Spinnern gleichsetzt, hält Herr Sathom dabei für besonders dreist und Ausdruck davon, daß der Betreffende nicht recht weiß, was er da redet.

      Aber so ist das eben; wo so viel heiße Luft geredet oder eben geschrieben wird, braucht uns um ein paar weitere warme Sommer wohl nicht bang zu sein.

      Dem Herrn Peter, welcher den Artikel im Auszug hier gepostet hat, winkt Herr Sathom mitleidig einen Gruß zurück, denn jener dauert ihn; ist es doch traurig, wenn einem nicht einmal etwas eigenes nicht Geistreiches einfällt, sondern eben nur so viel, anderer Leuts Elaborate anstelle eines eigenen als Kommentar zu posten. Und dann noch eingangs statt Erderwärmung „Erderwarmerung“ schreibt.

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