:: Kid Westerwelle reitet wieder

Äußerungen des Kalibers, für die Herr Guido Westerwelle derzeit heftig kritisiert wird, hat er schon vor der Wahl getan; man sollte sich also nicht verwundern, hat man doch jederzeit wissen können, wes Geistes Kind der Mann ist. Gewählt haben genug Verblendete ihn – bzw. seine Partei – dennoch.

Diese Woche aber tönte es ganz neu aus Herrn Sathoms ZDF-Text in der Glotzkiste: Herr Westerwelle ließ verlauten, er sei mit der Debatte zufrieden; großer Zustimmung erfreue er sich. Das mag sich verhalten, wie es will (außer bei einigen Foren-Kommentatoren, die den Jauchekübel an Stammtischvorurteilen, aus dem Herr Westerwelle schöpft, offenbar genußfertig finden, ist davon nicht wirklich viel zu merken: die Umfragewerte der FDP sinken, zumal auch die vom sozialen Abstieg bedroht wähnenden Mittelschichtler unter den FDP-Wählern fürchten, gegebenenfalls bald zu denen zu zählen, die der Außenminister derzeit mobbt: siehe hier). Wenn’s jedoch stimmte, hieße das, daß eine abenteuerliche Weltdeutungsmär weiterhin Erfolg hat – wobei diese natürlich keineswegs allein auf Herrn Westerwelles Mist gewachsen ist, sondern einen Vulgärmythos darstellt, den Wirtschaftsliberale und ähnlich gesonnene Zeitgenossen seit eh und je propagieren. Zusammengebraut ist dieser nach altbewährtem Rezept: was eine Kellnerin wohl dazu sage, daß sie weniger bekäme als ein Hartz-IV-Empfänger, fragt Herr Westerwelle hier scheinheilig besorgt, beklagt zugleich einen Mangel an Leistungsethos, und appelliert damit an den guten, alten Sozialneid: irgendwelche Faulenzer laben sich am Steuergeld der Schaffenden und kriegen dann noch mehr vom Kuchen ab als diese.

Doch derjenige Punkt, der die eigentliche, hier erst wahrhaft teuflisch werdende Unwahrheit darstellt, ist ein anderer: denn die Freunde des Ellbogenkapitalismus und ihre Nach-dem-Mund-Redner stellen mit derlei Äußerungen die Tatsachen auf den Kopf.

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:: TV-Tipp: Die Krise des etablierten Journalismus und das Internet auf arte

Ja, ja, Herr Sathom weiß: er hat Fortsetzungen seiner lustigen Erörterungen hirnverbrannter Verschwörungstheorien und seiner am Beispiel der Kreationisten-Evolutionisten-Kontroverse noch weiter zu entwickelnden Ergüsse zu erkenntnisleitenden Interessen versprochen; doch Herr Sathom hat viel zu tun und muß nach der Arbeit aktuell auch immer erstmal wieder runterkommen, und ihm ist allgemein derzeit nicht so nach bloggen, weshalb das eben so lang wird warten müssen, bis ihn wieder der Hafer sticht, wofür er um Entschuldigung bittet. Außerdem kommt eine immer wieder beliebte Verschwörungstheorie auch in diesem Artikel vor, und das ist doch auch schon mal was.

Jedenfalls für den Augenblick nur kurz something completely different: auf arte verfolgte Herr Sathom am Dienstag abend die Sendung „Frankreichs Meinungsmacher packen aus“ und die anschließende arte-Debatte, die sich mit der Krise des etablierten Journalismus bzw. seiner papierenen Verbreitungswege, sowie mit der Konkurrenz durchs Internet befaßte. Herr Sathom fand erstgenannte Sendung wie anschließende Diskussion durchaus ambivalent – da gab’s offenherzige und gedämpfte Selbstkritik journalistischer Größen, berechtigte Kritik an den Fehlern des etablierten Journalismus, Verteufelung des Web als ausschließlicher Ort miserabel recherchierter Verschwörungstheorien (die’s ja sehr wohl gibt) neben großer Gelassenheit und positiver Sicht auf’s Internet (explizit allerdings nur bei einem Protagonisten der Meinungsmacher-Sendung, dessen Ausführungen Herr Sathom sehr erfreulich fand). Insgesamt war das Ganze jedoch – obwohl z.B. gerade auf der Verschwörungsgeschichte sehr herumgeritten ward, damit sie sich auch ja keinem Zuschauer nicht als erste Assoziation zum „Bürgerjournalismus“ ins Hirn brenne – ausgesprochen interessant und weniger hysterisch als manche Verlautbarungen, die sonst so zu dem Thema vorgetragen werden; und wenn auch nur darum interessant, daß sich hier zu erleben Gelegenheit bot, wie manche altgediente Journalisten selbst die Sache sehen: eine Innensicht aus der Perspektive derselben gewissermaßen. Herr Sathom meint also empfehlenderweise, daß man sich die Wiederholung des Ganzen durchaus einmal zu Gemüte führen kann, um sich ein Bild der Diskussion, vor Allem aber: der Wahrnehmung, insbesondere der Selbstwahrnehmung journalistisch Berufstätiger bezüglich der genannten Themen zu machen.

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