::TV-Tipp: Mengeles Erben

Am 18.05. wiederholt arte um 10:50 Uhr die Dokumentation „Mengeles Erben – Menschenversuche im Kalten Krieg“, eine eindringliche und verstörende Schilderung von Versuchen, bei denen auf beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“ persönlichkeitsverändernde Drogen, chemische Kampfstoffe, tödliche Krankheitserreger und Auswirkungen von Nuklearwaffentests an Menschen erprobt wurden. Der Film zeigt nicht nur, wie neben Freiwilligen (etwa in den USA Siebenten-Tags-Adventisten im Gegenzug zur Befreiung vom Kriegseinsatz in Vietnam) auch eigene Soldaten, Kriegsgefangene (in die CSSR und UdSSR verbrachte amerikanische Gefangene aus Vietnam), Dissidenten und politische Häftlinge für die Versuche mißbraucht wurden, sondern beleuchtet auch die skandalöse und beschämende Ignoranz offizieller Stellen gegenüber der Aufklärung dieser Verbrechen: so etwa, daß an den in der ehemaligen CSSR unternommenen Experimenten keinerlei Aufklärungsinteresse des Westens besteht, da nach dem NATO-Beitritt Tschechiens damalige Forschungsergebnisse nun dem eigenen militärischen Wissensstand dienen (so nahmen Angehörige der tschechischen „Chemischen Armee“ auf US-Seite am 1. Golfkrieg teil). Ein Desinteresse der Öffentlichkeit bzw. der Medien läßt die Dokumentation dabei ebenfalls nicht unerwähnt, etwa was die Gleichgültigkeit gegenüber Aussagen von nordkoreanischen Flüchtlingen über die Zustände in dortigen Gefangenenlagern betrifft. Die Macher sind dabei bezüglich der Glaubwürdigkeit mancher Zeugen durchaus nicht unkritisch, so daß nicht der Eindruck entsteht, hier würden Verschwörungstheorien gesponnen. Dies ist um so notwendiger, als man sich der Versuchung, echtem Archivmaterial stellenweise Spielszenen zur Seite zu stellen, offenbar nicht immer entziehen konnte – einer leider zeittypischen Unsitte, die bedauerlicherweise heutzutage mancher Dokumentation nach Herrn Sathoms Auffassung weit mehr schadet als nützt. Herr Sathom empfiehlt, sich das Werk anzusehen und eigener kritischer Würdigung zu unterziehen; er weist jedoch warnend darauf hin, daß – allerdings nur vereinzelte – Bilder von menschlichen Opfern sowie von Versuchstieren durchaus grauenhaft sind. Eines, was derlei möglich macht, ist jedoch eben das Verschließen der Augen vor solchen Schrecken und Perversionen – und wie am Ende des Films ein Mitarbeiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums richtig sagt: als Stalin die Gulags errichtete und die Nazis die KZs, gab es keine weltweit operierenden Medien, keine Satelliten, keine entsprechend zugängliche Information – wir jedoch haben diese Ausrede heute nicht mehr.

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