:: Deutschland schafft sich (wirklich) ab III (Süper Trilogy Tryptichon)

Zum Thema der aktuellen Integrationsdebatte, mit dem sich Herr Sathom zuletzt mehrfach beschäftigt hat, fand sich auch in der Sendung quer des BR der letzten Woche ein Beitrag, der hier nicht unerwähnt bleiben soll, erhellte er doch einmal mehr, in welche Lage sich Deutschland derzeit manövriert, indem es den Parolen von dumpfen Aversions- und Haßgefühlen und irrationalen Ängsten gesteuerter Schreihälse übermäßiges Gehör schenkt, dieweil die offizielle Politik erbärmlich genug ist, sich deren Gefasel auch noch zueigen zu machen (Videos aller Beiträge hier, Einzelvideo des besprochenen Beitrags hier, Podcast-Seite hier).

Derzeit wandern in Deutschland jährlich ca. 30.000 Türken unterschiedlicher Qualifikation ein (noch, muß man sagen), während etwa 40.000 hochqualifizierte Türken wieder auswandern – darunter solche, die bereits hier geboren und aufgewachsen sind, über akademische Abschlüsse verfügen, teilweise Untenehmen aufgebaut haben und tatsächlich mehr als nur ein wenig integriert sind (wenn Herr Sathom in einem früheren Artikel über 70.000 Auswanderer sprach, so sind damit alle gemeint, die diesem Land den Rücken kehren, während hier nur von den türkischen Mitbürgern die Rede ist – welche, wohlgemerkt, im vorliegenden Fall als „Migranten“ schon gar nicht mehr bezeichnet werden können, da bereits hier geboren).

Der Grund hierfür, das zeigte der quer-Beitrag schmerzhaft deutlich, liegt in der aktuellen Integrationsdebatte – doch nicht in dieser allein, stellt sie doch lediglich einen aktuellen Höhepunkt einer Erfahrung dar, welche die Betreffenden seit Jahren und Jahrzehnten machen: daß nämlich die von ihnen ja tatsächlich erbrachte Integrationsleistung schlicht und ergreifend nicht anerkannt wird. Studium oder Ausbildung zur Fachkraft, hervorragende Deutschkenntnisse, ja, Herr Sathom würde sagen, sogar mit deutscher Staatsbürgerschaft gälte dasselbe – all dies nützt nicht das Geringste, denn wahrgenommen werden sie, begegnet wird ihnen immer noch und immer wieder mit denselben Vorurteilen und Klischees aus der Mottenkiste postkolonialistischen Dünkels und Ressentiments. Daß diese „Ausländer“ integriert sind, so ihre wiederkehrende alltägliche Erfahrung, wird nicht nur nicht wahrgenommen, sondern ihnen regelrecht abgesprochen, und als wäre es damit nicht genug, müssen sie nun erleben, auch öffentlich von der politischen „Elite“ unter den Generalverdacht des Integrationsunwilliens gestellt zu werden – erleben, daß man sie weder als das wahrnimmt, was sie sind, noch ihre Leistungen in dieser und für diese Gesellschaft würdigt, sondern diese einfach leugnet und sie als Klischeefiguren behandelt.

Der quer-Beitrag erhellte dies am Beispiel eines jungen, durchaus integriert und wohlhabend wirkenden türkischen Paares, einer türkischstämmigen Apothekerin (das bedeutet, liebe informationstechnisch geforderte eingeborene Deutsche, immerhin ein erfolgreiches Pharmaziestudium, und drei Filialen hat die Dame zudem auch noch inzwischen, ist also erfolgreiche Unternehmerin) und eines Rechtsanwalts eben derselben Herkunft, und der Tenor ihrer Aussagen ist eindeutig: wir sind integriert, wir sind qualifiziert, und Arbeit und Einkommen finden wir überall – also warum sollen wir uns diese widerliche Debatte eigentlich länger geben? Eben. Was sollen sie dort, wo sie schäbig behandelt werden, wenn sie ihren Lebensunterhalt auch anderswo verdienen (und ausgeben, und Steuern zahlen, und die Sozialsysteme stützen etc.) können? Würde sich Herr Sathom auch nicht antun.

So zeigen die Äußerungen dieser anstehenden Auswanderer auch einmal mehr, daß diejenigen, die dem Multi-Kulti-Gedanken immer schon mißtrauten, die über all die Jahre ihr Ressentiment pflegten und es die neuen Mitbürger wieder und wieder spüren ließen, daß es diese sind, die in Wirklichkeit jenen Integrationsunwillen, jene Ablehnung der deutschen Gesellschaft, die sich jetzt bei manchen Migranten breitmachen, überhaupt erst verursacht haben – und nun verlogen so tun, als seien es die Toleranten gewesen, denen sich aktuelle Probleme mit Parallelgesellschaften verdanken. Probleme, die wir nicht hätten, wäre allen Migranten eine Atmosphäre der Einladung zur Integration entgegengeschlagen, wäre sie ihnen ermöglicht worden, wären sie willkommen geheißen worden. Würde aktuell eintreffenden Migranten aus den hintersten Ecken der Welt bereits eine integrierte Community gegenübertreten, die wiederum sie zur Eingliederung ermutigt. Statt dessen hat man’s ihnen allen, sogar den besonders Willigen, noch möglichst schwer gemacht, sie immer wieder aufs Neue gegen Mauern rennen lassen – und nun haben wir den Salat: selbst jene wenden sich nun ab, enttäuscht und frustriert, dieweil eine Minderheit, die propagandistisch zur Mehrheit aufgeblasen wird, sich eben längst abgewandt hat. Aber Multi-Kulti ist schuld, ja klar. Und die Kinder bringt der Papst.

Was Herrn Sathom allerdings beim Betrachten der Sendung jedenfalls noch einmal eindringlich klar wurde: daß Deutschland und die deutsche Gesellschaft sich infolge ihres rückwärtsgewandten, dumpfen Ethnozentrismus derzeit nicht nur auf eine ökonomische, sondern eilenden Schrittes auch auf eine kulturelle, moralisch-ethische, soziale, intellektuelle, kurz, zivilisatorische Katastrophe zubewegen. Sich vielleicht aus einem sich wieder regenden, selbstzerstörerischen Drang heraus, der seine Wurzeln in älteren Epochen hat, dorthin bewegen wollen? Fest steht: abgesehen von dem Armutszeugnis, das sich ein angeblich zivilisiertes, der Aufklärung verpflichtetes Land durch die bisherige Behandlung von Migranten im Allgemeinen und die aktuelle Debatte im Besonderen ausstellt, wird der infolge dessen stattfindende Aderlaß nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sehr viel weiter reichende gesellschaftliche Folgen haben. Wenn Herr Sathom – einmal überspitzt formuliert, aber das wird man ja noch dürfen, gell – sich ein Land vorstellt, in dem irgendwann wieder nur stramm völkische Dumpfbacken das Straßenbild prägen und woselbst es nur Sauerkraut zu essen gibt (nichts gegen Sauerkraut, sauer macht lustig, vielleicht essen die derzeitigen Antimigranten-Hetzer ja sogar zu wenig davon), denkt er selbst ans Auswandern.

Ob die zivilisatorische Katastrophe weitaus globaler angesteuert wird, als „nur“ in Bezug auf die Integrationsfrage, ob sich zum Beispiel im 68er-Bashing der letzten Jahre, in der Benachteiligung sozial- bzw. kulturwissenschaftlicher Disziplinen an den Universitäten zugunsten „lohnender“ Fächer u.v.m ein viel allgemeinerer Trend abzeichnet, ist derzeit lediglich eine Spekulation, der sich Herr Sathom hingibt; doch ihm scheint, daß seit geraumer Zeit (seit das Gespenst des Kommunismus nicht mehr spukt und durch Zugeständnisse gebannt werden muß, will er meinen) starke gesellschaftliche Kräfte hierzulande bestrebt sind, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Ein bißchen – Frauen gehören (genetisch bedingt) an den Herd; noch ein bißchen – weg mit dem ganzen Sozialscheiß; und immer noch ein bißchen mehr… und mehr.

Aber vielleicht, vielleicht. Herr Sathom erzählte es schon einmal – in den Suburbs, aus denen er stammt (Gartenvorstadt für die Freunde der deutschen Sprache), siedelten sich in den letzten Jahren türkische Familien an, mit Häuschen, Garten und Garage. Kurz, sie wurden so deutsch, paßten sich so dermaßen an, wie man nur kann. Als Resultat flogen einigen von ihnen Brandsätze in die Bude, mit schönen Grüßen von weiter südlich hausenden Nazispacken. Glücklicherweise sind sie nicht wieder fortgezogen, wohl auch, da ihnen eine örtliche Bürgerbewegung den Rücken stärkte. Manchmal sieht Herr Sathom in dieser Gegend Omis, die mit kleinen Messerchen Naziaufkleber von Laternenpfählen und Mülleimern kratzen. Solche Deutsche gibt’s eben auch. Alle diese sollten auch mal ihr Maul so weit aufreißen wie momentan Sarrazins Claqueure, denn diejenigen Politiker, die augenblicklich davon schwadronieren, daß man die Ängste „der Menschen“ ernst nehmen müßte (muß man, aber man sollte ihnen mit Aufklärung begegnen und nicht in ihren Chor einstimmen, oder wollen wir vielleicht demnächst wieder Hexen verbrennen, nur weil ein paar Spinner Angst vor solchen haben?) wären dann womöglich gezwungen, ihr Mäntelchen nach dem Wind dieser Menschen zu hängen – der Vernünftigen (oder wenigstens nicht komplett Irren) „im Lande“. Und vielleicht.

(Andererseits: manche Kommentare unbelehrbarer, informationsresistenter Gestalten im quer-Blog zum Thema sind dermaßen blödsinnig (so etwa, wenn diese nach Abschuß ihrer Verschwörungsphantasien sich noch verwundern, daß qualifizierte Migranten sich von der Debatte angegriffen fühlen), daß Herrn Sathom schon wieder Rauchwolken aus den Ohren steigen, also vielleicht auch nicht. Aber hoffen wir das Beste).

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7 Kommentare zu “:: Deutschland schafft sich (wirklich) ab III (Süper Trilogy Tryptichon)”

  1. Gut geschrieben. Auswandern ist ja immer ein lohnenswerter Gedanke, nur, ist es woanders wikrlich besser? Ich zweifele daran. Dieses Land ist wirklich seltsam, was man an den Kommentaren zu Sarrazin im Tagesspiegel lesen konnte. Also, die Kommentare der Leser auf der Onlinepräsenz der Zeitung. Haarstäubend, wieviel Rassenwahn noch immer in dieser Gesellschaft steckt. Auch bei Tagesspiegellesern. Mitunter auch Religionswahn, aber das Fundament ist immer Rassenwahn. Das läßt auch an der Schulbildung vieler „Blutsdeutscher“ zweifeln, es sollte sich in der Biologieunterricht rumgesprochen haben, das „Rasse“ kein biologisches, sondern ein soziologisches Konzept ist. Es gibt ja schlicht keine Menschenrassen. Wie auch immer. Das Wahnhafte scheint mir ein deutscher Wesenszug zu sein: obs Ökowahn, Gesundheitswahn, Antiraucherkneipenwahn oder Autowahn ist. Aufklärung? Wo bist Du in D?

    1. Wohl wahr, anderenorts ist es auch nicht wirklich besser – jedenfalls nicht im Sinne eines Zustands, an dem alles ideal wäre. Entweder gibt’s andere Probleme, oder aber (bzw. eigentlich immer) genau die gleichen Idioten wie bei uns. Da muß man derzeit nur auf die Niederlande schauen. Herr Sathom liebäugelt ja immer mal wieder mit Österreich, aber auch da hört er diesbezüglich so Einiges (zumal sich deutsche Arbeitsmigranten dort womöglich ähnlicher Beliebtheit erfreuen wie hierzulande die Türken. Interessant fand Herr Sathom etwa eine vor längerer Zeit schon gesehene Dokumentation zum Thema, darin sich auf der Straße Befragte zu den Deutschen in bekannt scheinender Weise äußerten – etwa: „So lang die sich benehmen und sich anpassen…“ Vielleicht mal eine ganze lehrreiche Erfahrung, das ;-)).
      Daß es etwas Seltsames auf sich hat mit diesem Land, dem kann Herr Sathom ebenfalls nur zustimmen; allein der Ursachen (sofern er sie zu benennen weiß) sind so viele, daß er sich ihre Aufzählung und Zusammenfügung zu einem multikausalen Bündel hier ersparen will. Fest steht, daß wer Angst hat, sich auf irrationale Schuldzuweisungsmuster aus der verstaubtesten Mottenkiste einläßt, und fest scheint Herrn Sathom auch zu stehen, daß soziale Angst in den letzten Jahren ebenso geschürt wie verursacht wurde, wie die Politik jetzt auf den Zug der Fremdenfeindlichkeit springt, um von tatsächlichen Problemursachen abzulenken. Ein Scheitern der Aufklärung ist allerdings der Hintergrund, vor dem derlei gelingt.
      Was nun die Frage angeht, wo diese grandiose Aufklärung nun geblieben sei, kann Herr Sathom sie nur seufzend wiederholen und ihr beistimmen. Ob man sie irgendwo downloaden kann? Auch ihr erwähntes Scheitern – angelegt und beginnend schon während der historischen Selbstkonstitution des abendländischen und deutschen Bürgertums, wie Herr Sathom meint, etwa durch ständige Verwechslung der Vernunft als solcher mit einer rein instrumentellen (auch den Menschen instrumentalisierenden, darin einen voraufklärerischen Umgang mit ihm fortführenden) Ratio – verdankt sich vielerlei Quellen, teils allgemein europäischen, teils landesspezifischen, teils bereits in der Kantschen Philosophie, ihrerseits Kind ihrer Zeit, angelegten. Herr Sathom möchte als eines, das ihm immer wieder auffällt, hier nur anführen, daß man es im Abendlande schon immer gern dabei beließ, sich als „aufgeklärt“ zu deklarieren, und es damit für getan hielt (wobei man Gleiches auch von der Selbsteinschätzung der Deutschen als „Dichter und Denker“ behaupten kann). Bedenkt man, daß Kant in seinem Aufklärungsprojekt noch postulierte, daß das Vernünftigwerden des Menschentiers ein unendlicher, immer nur näherungsweise erfolgreicher Prozeß sein könne, so muß man festhalten, daß, wer sich als „aufgeklärt“ (also: mit dem Prozeß der Aufklärung zuende gekommen, fertig) bezeichnet, sich aus diesem Prozeß längst verabschiedet hat (Vorteil: er kann so irrational argumentieren und agieren wie er will, sich dabei aber immer auf seinen angeblichen Aufklärungsvorsprung bzw. den diesbezüglichen Rückstand der anderen berufen).
      Ach ja, und die gute, alte „Rasse“. Yucafrita hat auch hier ganz recht. Ob wir die noch mal aus dem System kriegen? Dazu müßten diejenigen welchen ja im Biounterricht erst einmal aufgepaßt haben. Oder in PW. Oder in Geschichte. Oder überhaupt so weit gekommen sein. Womit wir wieder bei den Tagesspiegel-Lesern wären. (Zeitung sieht seriös aus (lies: optisch anders als Boulevardzeitungen), ich lesen diese Zeitung, ich gemacht Abitur, wo ich gelernt habe, daß ich Elite weil kann sprechen Blödsinn im elaborierten Code, ich sein aufgeklärter Abendländer. Pfoar.)

  2. Der Grundgedanke ist ja richtig gegen dieses blind Sarrazin folgende
    Nazi-Michel-Deutschland zu wettern – meckern steht in der Kopfzeile.
    Aber mich dünkt nun doch nach dem 3. Artikel, dass Herr Sathom selbst
    ein wenig einseitig seine sicherlich selbst gebildete Meinung verfasst.
    Da wird ein gebildetes Akademikerehepaar aus dem Hut bzw. aus der Sosse
    gezogen und steht nun glänzend für alle anderen stellvertretend da.
    Das ist schlichtweg ein bißchen dünne Herr Sathom.

    Und dann:
    während etwa 40.000 hochqualifizierte Türken wieder auswandern – darunter solche, die bereits hier geboren und aufgewachsen sind, über akademische Abschlüsse verfügen, teilweise Untenehmen aufgebaut haben und tatsächlich mehr als nur ein wenig integriert sind.
    Woher diese Zahlen kommen wäre noch sehr wissenswert. Denn sonst erscheinen sie
    auch nur aus besagtem Hut gezogen. Und mit wirklicher Aufklärung, da sind wir
    uns doch einig, hat dieser Artikel auch nichts zu tun.

    Wenn Herr Sathom doch wenigstens von den vielen Einwanderern ohne eigenes
    Häuschen gesprochen hätte, die ebenfalls pflichtgetreu ihrer Arbeit nachgehen,
    was in Deutschland übrigens als einziges Zeichen der Integration aufgefasst wird.
    Der Rest ist sowieso Wurscht. Im besten Falle stellen wir denen noch eine Moschee
    dahin und dann muss es aber gut sein. Das eine Integration ein gegenseitiges
    Geben und Nehmen ist hatte man bei dem ganzen Multi-Kulti-Rausch völlig vergessen.
    Man wollte nur billige Arbeiter in das Reich der Träume – nämlich Deutschland – locken.
    In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts fing das schon mit Italienern an.
    Deshalb freuen wir uns heute über eine Pizzeria an jeder zweiten Ecke. Aber die Italiener
    stehen uns kulturell und soziologisch ein wenig näher als die verehrten Mitbewohner
    islamischen Glaubens. Hier prallen einfach völlig unterschiedliche Welten aufeinander.
    Ist doch klar, dass Freund Ali schlecht wird wenn er den dicken Bernd mit seiner
    Currywurst und Fritten rot/weiss sieht. Und das ist nicht der einzige Grund.

    Aber jetzt mal was anderes. Ich glaube nämlich, dass der gute Herr Sarrazin
    mal ganz schnell vorgeschickt wurde um nun das Ruder in die andere Richtung
    zu reißen. Dafür waren alle viel zu schnell im Boot.
    Denn im Grunde ist Herr Sarrazin und sein Büchlein viel zu unbedeutend.
    Gut versorgt wird er ja nun und kann sich ruhig zurücklehnen und die anderen
    weitermachen lassen.

    In diesem Sinne…
    weitermachen…

    1. Sehr geehrter Herr Sympathie,

      danke für die Eingangsblumen und das „Weitermachen“, jedoch:

      Daß ein stellvertretendes Akademikerpaar aus dem Hut gezogen wird, ist natürlich Unfug: es gibt deren sicherlich ebenso reichlich wie klischeetypische Parallelgesellschaftsvertreter, so daß man ebenso gut behaupten könnte, ein beliebig herausgegriffener Islamist sei aus dem Hut gezogen. Der demonstrative Einzelfall wäre damit als Argument generell untauglich. Davon abgesehen handelt der besprochene Bericht von mehr als einem Paar, und von einem „Akademikerpaar“ hat Herr Sathom selbst gar nicht gesprochen – die konkret als Akademiker bezeichneten Personen sind kein Paar. Hat Sympathie Herrn Sathoms Artikel wirklich aufmerksam gelesen oder sich den quer-Bericht online angesehen (Herr Sathom ist derlei nicht erinnerlich, aber es mag ja sein, daß das ausgewiesene Paar dort ebenfalls als Akademikerpaar firmiert)?

      Womit wir gleich bei den Zahlen wären: diese sind auch nicht „aus dem Hut gezogen“, sondern stammen in allen Artikeln aus den benannten und verlinkten(!) Medienbeiträgen. man kann die Quellenkritik natürlich endlos fortführen, aber auch hier gilt: dann braucht man eigentlich gar nicht mit Zahlen argumentieren. Was sie allerdings auch nicht tun: will man die Zahlen anzweifeln, bringe man eigene bei – allein, ich vermisse solche. Stattdessen belassen Sie es bei der bloßen Behauptung, die von Herrn Sathom angeführten Zahlen seien irgendwie aus dem hohlen Bauch gewonnen, was stets ein so wohlfeiles wie billiges Mittel ist, zu suggerieren, sie träfen nicht zu, ohne daß man selbst einen Nachweis für seine Unterstellung erbringen müßte (nebenbei zeugt auch dies von mangelnder Aufmerksamkeit – wenn Sie schreiben, es wäre wissenswert, woher Herrn Sathoms Zahlen stammen, kann Herr Sathom nur antworten: hätten Sie mal seine Pamphlete richtig gelesen, dann wüßten Sie’s).

      Mit Aufklärung haben Herrn Sathoms Artikel tatsächlich nur insoweit zu tun, als Herr Sathom deren Fehlen in einem Kommentar eines anderen Kommentars polemisch anprangert; damit hat Herr Sathom aber kein Problem und kann nur antworten: Ihr Kommentar hat auch nichts mit Aufklärung zu tun (siehe oben).

      Das eine Integration ein gegenseitiges
      Geben und Nehmen ist hatte man bei dem ganzen Multi-Kulti-Rausch völlig vergessen.
      Man wollte nur billige Arbeiter in das Reich der Träume – nämlich Deutschland – locken.

      Hierin immerhin stimmt Herr Sathom Ihnen zu.

      Herr Sathom wollte auch die Migranten ohne Eigenheim nicht ausschließen, führte jene mit einem solchen auch nur deswegen an, um zu demonstrieren, daß auch weitgehende Integration gegenüber bestimmter Klientel nichts nutzt. Daß die zur Miete wohnenden in seine Rede eingeschlossen sind, hielt er für voraussetzbar, gesteht aber gern zu, hier vielleicht nachlässig gewesen zu sein.

      Was bleibt? Ach ja. Wer hat denn nun den Herrn Sarrazin „vorgeschickt“? Herr Sathom dachte immer, Herr Sarrazin habe sich selbst geschickt (auch aus pekuniären Gründen, denn was das Versorgtsein anbetrifft, stimmt Herr Sathom ihnen sofort zu). Den Hut, aus dem das kommt, sähe Herr Sathom gerne einmal.

      1. Das mit der finanziellen Absicherung kann Herr Sathom schnell finden wenn er mit den Wörtern „Zarrazin“ und „Pension“ gleichzeitig googelt. Z.B. hier:
        http://www.morgenpost.de/politik/article1395861/Wie-Wulff-Sarrazins-Pension-rettete.html:

        Sarrazin soll als Gegenleistung für seinen Abschied von der Bank durchgesetzt haben, dass seine monatliche Pension um 1000 Euro steigt. Sie hätte damit das Niveau, das ihm erst beim regulären Abschied 2014 zugestanden hätte. Der 65-Jährige ist voll pensionsberechtigt und erhält ab Oktober eine monatliche Altersversorgung von rund 10.000 Euro. Dies deckt auch früher erworbene Ansprüche als Senator, Staatssekretär in Rheinland-Pfalz und Beamter im Bundesfinanzministerium ab.

        Na bitte, mit 10.000,-€ im Monat käme ich auch so gerade eben halbwegs zurecht. Und dann auch noch vier Jahre früher in Pension. Was wollte ich mehr als Beamter, der ich tatsächlich bin, allerdings etwas schlechter versorgt und mit weit mehr Jahren vor der Brust. Ich kann nicht, wie ein Herr Köhler, den Bleistift hinwerfen und sagen ich mache nicht mehr mit. Auch Herr Köhler ist gut versorgt, wobei ich schlechte Aussichten hätte eine vorzeitige Pension zu erhaschen. Fragen Sie mich nicht wo das steht. Selber suchen. Soll ich ja auch.

        Nicht, dass Sie mich mißverstehen. Ich lese Ihre Aufsätze sehr gerne, zumal in der seltsamen Sprache des Herrn Sathom vorgetragen, die die Vorträge zu einem etwas kauzigen, wenn nicht gar skurrilen Werk aufwerten. Deshalb meinte ich das „Weitermachen“ auch absolut ernst. Aber etwas zurückhaltende Kritik darf auch mal erlaubt sein. Hm?

        Äugsken knips und
        freundliche Grüße
        Sympathie

      2. Lieber Herr Sympathie,

        um einem weiteren Mißverständnis entgegenzuwirken: natürlich ist Herrn Sathom jedwede Kritik, ob zurückhaltend oder nicht, willkommen. Was aber sört Sie dann an seiner Antwort bzw. weshalb meinen Sie, darauf hinweisen zu müssen, daß Kritik doch erlaubt sein müsse? Herr Sathom hat doch nichts getan, als Ihrer Kritik mit kritischer Gegenrede und Argumenten zu begegnen. Unterliegen Sie gar dem häufigen Mißverständnis, Kritik dürfe nicht ihrerseits wieder der Kritik unterzogen werden? Also der oft anzutreffenden Auffassung, daß eine von Ihnen geübte Kritik wiederum nur Zustimmung oder gar keine Erwiderung verdiene, während jede Widerlegung (ob gelungen oder nicht), Gegenrede oder Kritik an der ihrigen unzulässig sei bzw. bedeute, der Angesprochene wolle gar keine Kritik hören? Das mag Herr Sathom nicht von Ihnen glauben, allein Ihre Rede verwundert ihn darum, wie – er seinerseits augenzwinkernd – zu verstehen gibt.

        Was nun die von Ihnen zu Herrn Sarrazin vorgetragenen Fakten betrifft, sind diese Herrn Sathom längst bekannt (er dankt dennoch für die Linkangaben, die damit den Nachvollzug von hier aus ermöglichen). Genau das, was sie jetzt ausführen, hat Herr Sathom gemeint, als er zuzletzt sagte, Herr Sarrazin habe sich höchstens selbst vorgeschickt. Er tat dies in Erwiderung Ihrer Aussage, Herr Sarrazin sei vorgeschickt worden. Angesichts Ihrer jetzigen Einlassung versteht Herr Sathom um so weniger, was Sie mit dem vorgeschickt werden damals meinten – außer Sie hätten sich dabei auf Herrn Sarrazins späteres Zurückrudern betreffs einiger seiner Äußerungen bezogen und würden dieses in Zusammenhang mit seinem Pensionsdeal sehen (in welchem Fall Ihnen Herr Sathom zugute halten würde, daß Ihre Auffassung zumindest plausibel ist). Allein auf Ihre damalige Aussage, daß Herr Sarrazin „vorgeschickt wurde“, bezog sich jedenfalls Herrn Sathoms Antwort.

        Zum Schluß: lassen Sie sich durch Herrn Sathoms erneute Widerrede nicht entmutigen oder zu falschen Schlußfolgerungen über Herrn Sathoms Einstellung zu Ihrer Kritik verleiten; Herr Sathom weiß nicht nur Ihr ebenfalls geäußertes Lob, sondern auch Ihre Kritik sehr zu schätzen, zwingt ihn letztere doch, seine Standpunkte zu überdenken. Nachdem er dies getan, muß ihm aber, sofern er sich nach selbstkritischer Prüfung im Rechte sieht, auch ebenso kritische Erwiderung gestattet sein, nicht wahr?

        Insofern kann Herr Sathom das „Weitermachen“ nur anerkennend zurückgeben; verwundern Sie sich jedoch nicht, wenn er seinerseits Gegenrede führt, zumal er – wie an seiner Antwort den Herrn Sarrazin betreffend zu erkennen – trotz allem barocken Stil, zu dem er neigt, auf Präzision der Aussage (und auch deren Formulierung) Wert legt und schnell hinter der unpräzisen Formulierung den unpräzisen Gedanken vermutet, welcher sich dergestalt eine Blöße gibt, woraufhin Herr Sathom zustößt wie eine Klapperschlange 😉

  3. Hallo Herr Sathom,

    freut mich ungemein mich mit Ihnen auszauschen gedurft zu haben bzw. noch weiter zu dürfen.
    Damit auch, möglicherweise, für Ihre Kurzweil gesorgt sei gebe ich hier mal einen Link durch der auf meine bescheidenen schriftstellerischen Ergüsse weist. Da kommen dann gut über 500 Artikel zusammen, die weniger die Politik betreffen, denn eher Kurzgeschichten, die von manchem Leser als skurril, mnchmal sogar hanebüchen oder wie auch immer bezeichnet werden. Jedenfalls hat es mir viel Spaß gemacht. Und das ist doch die Hauptsache.

    http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjuser/user_profile.hbs?hxmain_object_id=PJUSER::OBJECT::8626&hxmain_category=opinio_article_modify::pjsub::opinio::/user_profil&ext_user_profile_id=103728

    Nochmals vielen Dank
    und ich werde Sie gerne weiterlesen.

    Gruß
    Sympathie

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