:: Die plötzliche Abneigung gegen Kreuzzüge

Was geht eigentlich dieser Tage so in Libyen vor sich? Schauen wir mal: während Gaddaffy Ducks Truppen die Stadt Ras Lanuf zurückerobert haben (siehe hier) und damit beschäftigt sind, die Aufständischen landesweit zu Klump zu schießen, der US-Geheimdienst bereits einen Sieg des Diktators prophezeit und inzwischen auch in Saudi-Arabien Proteste gegen das dortige Regime ausbrechen (siehe zu beidem hier bei den weiteren Punkten zum Hauptartikel über libysche Kindersoldaten), zögert die Mehrzahl der freiheitsliebenden EU-Staaten, eine Flugverbotszone zu errichten und entsprechende militärische Schritte zu unternehmen.

Oberzögerer sind die Deutschen – und die Gründe, die hierfür vorgebracht werden, findet Herr Sathom doch einigermaßen verlogen.

Sicher ist Herrn Sathom klar, daß die Entscheidung für einen Militäreinsatz schwierig ist, und daß jeder leicht reden hat, der aus dem warmen Ohrensessel heraus einen solchen fordert – und damit auch, daß Soldaten in einen möglichen Tod geschickt werden sollen, den der Fordernde selbst nicht erleiden muß, höchstens von genanntem Sessel aus in der Glotze goutiert. Darin unterscheidet sich Herr Sathom von allen, welche die Militäreinsätze in Afghanistan oder Irak herbeiwünschten.

Doch gerade dieser Punkt – die Bejahung früherer Einsätze – ist es, der die Heuchelei ausmacht. Was nämlich vernehmen wir als Begründung dafür, daß Frau Merkel, Herr de Maizière und Herr Westerwelle gegen militärische Maßnahmen sind?

Herr Westerwelle läßt sich, schreibt unter Anderem die Süddeutsche Zeitung (siehe hier), doch tatsächlich mit dem Sprüchlein vernehmen, wichtig sei die Vermeidung des Eindrucks, daß es um einen „christlichen Kreuzzug gegen Menschen muslimischen Glaubens“ gehe. Ja da schau her, denkt Herr Sathom, worüber der Mann sich plötzlich Sorgen macht.

Herr Sathom glaubt nämlich nicht, daß die Libyer oder andere Muslime derlei denken würden. Was sie möglicherweise denken werden, kann er dem Herrn Westerwelle, der offenbar mal eben vergessen hat, daß die libyschen Rebellen und einige Staaten der Arabischen Liga eine Flugverbotszone wünschen, gerne ins Stammbuch schreiben: daß der Westen, daß jedenfalls Europa sie dann, wenn es wirklich um ihre Freiheit geht, im Stich läßt, nachdem man dort sonst stets bereit war, aus ökonomischen Gründen in den Krieg zu ziehen und Muselmanen abzumurksen, das werden sie vielleicht denken.

Wenn Herr Westerwelle in genannter Quelle dann geradezu poetisch fabuliert, ein Eingreifen könne das „zarte Pflänzchen der Demokratie vor Ort gefährden“, wenn es nicht unter Einbeziehung der betroffenen Nationen stattfände, was in „Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe“ zu geschehen hätte, dann muß Herrn Sathom scheinen, daß er den Betroffenen entweder nicht zugehört hat oder sie nicht so recht ernst nimmt, mit ihnen jedenfalls keine „Augenhöhe“ sieht oder wünscht. Und tatsächlich: der König von Marokko habe, so Herr Westerwelle, beispielsweise „geradezu revolutionäre Reformen angekündigt“. Soso, hat er das. Herr Sathom liest’s und fragt sich: sind das also Jene, mit denen Herr Westerwelle auf gleicher Augenhöhe verhandeln mag, irgendwelche Despoten, die grad mal was versprochen haben?

Ähnlich laviert Frau Merkel. Sie gehöre bezüglich eines militärischen Eingreifens „zu den Abwartenden“, läßt sie gegenüber Focus Online verlauten (siehe hier); aber immerhin sagt sie laut selbigem Artikel auch etwas sehr Richtiges, nämlich daß an Militäraktionen auch arabische Länder beteiligt sein müßten. Dann allerdings käme kein Kreuzzugsverdacht auf, meint Herr Sathom. Komisch nur, daß sie anders als in jenem Focus Online-Artikel laut Financial Times Deutschland – siehe hier – eine Intervention auch dann nicht sehen kann oder mag, wenn sowohl ein Beschluß des UN-Sicherheitsrates als auch „aktive Unterstützung der arabischen Nachbarn gesichert wäre“. Na also was denn nun, fragt sich Herr Sathom.

Insgesamt erscheint Herrn Sathom all dies als ein Haufen Verlegenheitsausreden: denn darüber, ob die Muslime sich einem Kreuzzug ausgesetzt wähnen, und was die Nachbarstaaten denken, hat sich Frau Merkel keinen Deut geschert, wenn sie in früheren Zeiten wahrhaft nibelungentreu bereit war, dem Herrn George W. Bush auf jeden seiner Kriegszüge zu folgen – sowohl als noch Gasprom-Gerhard regierte und sich derlei verweigerte, als auch später, als sie selbst das Sagen hatte. Zwar waren dies offiziell Kreuzzüge gegen den Terror, nicht wider den Islam, und natürlich ganz, ganz ehrlich keinesfalls für ökonomische Interessen (dies offen auszusprechen, brachte einem hochrangigen deutschen Politiker fürchterliche Schelte ein), doch war die Herrin und Meisterin von Außenminister Westerwelle da stets dabei, wenn es hieß: heißa mit dem Streitkolben dreingehauen.

Die sich altjüngferlich zierende Scheu vor militärischem Eingreifen, das doch diesmal bedrohte Demokraten selbst erflehen, will Herrn Sathom angesichts dessen nicht wirklich glaubhaft erscheinen. Vielmehr scheint ihm plausibel, was die Website der Financial Times Deutschland als Grund für die Zurückhaltung bestimmter EU-Staaten angibt (siehe hier): man ist eben noch in Afghanistan, teils auch im Irak engagiert und scheut neue Risiken.

Das nun ist auch ein Grund, und den könnte man ja offen zugeben – aber damit gäbe man noch etwas zu: daß man jetzt eine Demokratiebewegung verbluten läßt, weil man noch mit dem Schaufeln der Scheiße beschäftigt ist, die man sich einbrockte, dieweil man zuvor aus weit weniger edlen Gründen nur allzu bereit zu kreuzzüglerischen Sonntagsausflügen war. Und kein Problem damit hatte, noch weiterhin hat, vom warmen Ohrensessel aus Soldaten dorthin zum Sterben zu schicken.

Der Herr Westerwelle übrigens muß während des oben zitierten Interviews wirklich lyrische Anwandlungen verspürt haben: daß man Gefahr liefe, durch militärische Aktionen das Gegenteil dessen zu erreichen, „was man mit heißem Herzen möchte“, warnt er dort noch. Du liebe Güte, denkt Herr Sathom, und fragt sich: was möchte man denn? Wirklich den Herrn Gaddafi, mit dem sich so trefflich Geschäfte machen ließen, weg haben zugunsten eines neuen Verhandlungspartners „auf gleicher Augenhöhe“, von dem man nicht weiß, ob’s mit ihm ebenso gut liefe? Sicher ist sich Herr Sathom jedenfalls einer Sache: könnte man Despoten mit Schwulst totschmeißen, bräuchte einem vor einem militärischen Mißerfolg nicht bange sein, denn Worte von solcher Megatonnenwirkung würden den Herrn Gaddafi im Nullkommanichts pulverisiert haben.

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