:: Die Erleichterung der Feinrippträger

Etwas mehr als eine Woche ist seit dem Ende der Frauenfußball-WM vergangen; und Herr Sathom hat sich mal den Spaß gemacht, sich umzusehen, was sich denn nun – nach all den Versuchen, den Frauenfußball medial auf-, und marektingstrategisch auszuwerten – verändert hat.

Während der WM selbst, was gab es da nicht zu sehen – ja, die schmerzliche Niederlage der deutschen Mannschaft, aber eben auch: doch einige ausgesprochen spannende Spiele, enormen Einsatz, sportlichen Kampfeswillen und Trickreichtum allenthalben, Qualitäten, die Herr Sathom beim Männerfußball eher oft als selten vermißt. Und was gab’s nicht dem ansonsten wie immer unerträglichen Gequassel der Sportreporter zu entnehmen: diese Japanerin spielt für jenen Potsdamer Club, jene Spielerin ist in ihrem Heimatland enorm populär, kurz: es gibt so was wie Frauenfußball, auch sonst, wenn grad nicht so ein Tamtam darum gemacht wird, ja da schau her, wer hätte das gedacht.

Verbunden war diese Frauenfußball-WM mit einem zugegebenermaßen aufdringlichen Medienhype, der jedoch, sagen wir’s offen, verglichen mit dem Medienhype um Männerfußball-Events, zumal die Weltmeisterschaften der Herren der Schöpfung betreffend, eher harmlos war; verknüpft wiederum mit diesem Hype war die Inaussichtstellung einer in Zukunft größeren Rolle des Frauenfußballs, sicher weniger in emanzipatorischen Motiven als im Vermarktungsinteresse an demselben gründend – wie da Werbeagenturen Morgenluft witterten, schlug Herrn Sathom von so manchem Plakat schon auf recht penetrante Weise entgegen. Inwieweit da versucht wurde, eine solch goldene Zukunft der bisherigen Randsportart herbeizureden oder sie einfach – soweit es die reklametechnische Ausschlachtung betrifft – selbst nicht dran glaubend nur für den Moment zu behaupten, um daraus Kapital zu schlagen, sei dahingestellt, und ebenso, wieviel echte Hoffnung manche wohl hegten.

Was aber ist, so kurze Zeit nach dem Ende der Meisterschaft, davon geblieben? [Weiterlesen]

:: Kurze Anmerkung zur medialen Rhetorik in der „Euro-Krise“

Wer die Berichterstattung der Medien bezüglich der jüngsten Ramschbewertungen für Italien und Irland für rein sachlich hält, der frage sich, wieso da eigentlich dauernd von einer „Ansteckungsgefahr“ gefaselt wird, so als könne sich nach und nach ein Eurostaat beim anderen mit dessen Finanzlage infizieren, und als seien die betroffenen Staaten nicht teilweise durch eigenes Zutun betroffen, und als gerieten sie nicht zum anderen Teil einer nach dem anderen ins nicht immer nachvollziehbar eingestellte Visier der Ratingagenturen, die jeden Staat beinahe wie den nächsten Dominostein schubsen, oft nachdem dies durch unheilvolles öffentliches Gemunkel bereits vorbereitet wurde, womit die Abwertung des nächsten Landes schon zwangsläufig, ihr Eintreten als Erfüllung des Seherspruchs der Augurenenturen erscheint.

Der Begriff der Ansteckung appelliert an irrationale Ängste, droht mit der finanziellen Syphillis; er suggeriert aber vor allem, es mit einem natürlichen, ja naturgesetzlichen Vorgang zu tun zu haben, der zwangsläufig und unausweichlich ist (außer, das Gegenmittel der „Finanzspritze“ wirkt), und nicht mit einem menschengemachten Phänomen, wobei die menschlichen Akteure sowohl die Schuldenmacher als auch die selbsterfüllende Prophezeiungen in die Welt setzenden Ratingagenturen sind, die aufgrund von Mutmaßungen die Kreditwürdigkeit von Ländern erschüttern, welche dann auch prompt noch tiefer in die Bedrouille geraten. Anders formuliert: das Reden von „Ansteckung“ macht glauben, das Problem springe wie ein Bazillus eigenaktiv von einem Land auf das andere über, und sei nicht zumindest anteilig von den Rating-Agenturen dorthin gelenkt; daß ein Euro-Staat um den anderen herabgestuft wird, erscheint nicht als Resultat der (wie gut oder schlecht auch immer begründeten) sukzessiven Herabstufungen durch die Agenturen, sondern als selbststeuernder Prozeß.

Es ist dies kennzeichnend für die Art, wie in der Sprache des Wirtschaftsliberalismus und vieler Medien auch vom „Markt“ die Rede ist: als sei er eine objektive, deterministische Macht, deren „Gesetzen“ man sich nur unterwerfen kann, gleich um den Preis welchen Sozialabbaus oder welcher Unmenschlichkeit („man“ muß eben für Niedriglöhne unter Arbeitsbedingungen, die an Sklaverei grenzen, produzieren lassen, weil „der Markt“ es diktiert, gelle); eine transzendente Macht, die ohne menschliches Zutun agiert und menschliches Wohlverhalten diktiert, und nicht ein dynamisches Geschehen, das von Menschen gemacht wird und rational analysiert werden kann.

:: Netzneutralität gefährdet?

Netzneutralität – was ist das? Wikipedia definiert den Begriff als „wertneutrale Datenübertragung im Internet“  (siehe hier) – was unter anderem bedeutet, daß Netzbetreiber Daten, die von ihren Kunden gesendet oder verfügbar gemacht werden oder an diese gesendet bzw. ihnen zugänglich gemacht werden, wertneutral behandeln.

Anders ausgedrückt: die Website eines beliebigen Bloggers baut sich ebenso schnell auf wie die einer großen Tageszeitung, Seiten kleinerer Unternehmen sind in gleichem Maße verfügbar wie die großer Konzerne. Derzeit ist dies der status quo auch im deutschen Internet – doch haben einige Netzbetreiber, darunter die Telekom, Interesse an einer Abschaffung dieser Gleichbehandlung zugunsten einer Einteilung in „Qualitätsklassen“, für die Anbieter von Inhalten unterschiedlich viel zahlen müßten.

Was hieße: wer sich in die höchste Qualitätsklasse einkaufen kann, dessen Firmenwebsite, Onlineshop etc. wäre im Fall von „Datenststaus“ – also bei hoher Netzauslastung – bevorzugt verfügbar, zum Nachteil weniger finanzstarker Mitbewerber, welche sich nur eine niedrigere Qualitätsklasse – oder ggf. gar keine – leisten können. Aber auch: wer Informationen und politische Kommentare verbreitet und über ein entsprechendes Portefeuille verfügt, wäre gegenüber finanzschwächeren Anbietern im Vorteil – so etwa der große Verlagskonzern gegenüber den für Gegenöffentlichkeit sorgenden Weblogs.

Kritiker und Internetaktivisten sind natürlich gegen diese Beseitigung der Netzneutralität – Herr Sathom selbst sieht in einer sochen Abschaffung aufgrund des letztgenannten Beispiels und ähnlicher, die sich finden ließen, eine Gefährdung von Pluralismus und Meinungsfreiheit, die durchaus ernstzunehmen ist. Meinungsmonopole, wie wir sie bereits zur Genüge haben, könnten sich nun noch einfacher auch online errichten lassen: wer zahlt, dessen Weltdeutung, politischer Kommentar und Interpretation aktueller Ereignisse sind bevorzugt, ja, unter Umständen ausschließlich verfügbar – Deutungshoheit abhängig vom Kontostand.

Ob es den Befürwortern einer Abschaffung der Netzneutralität aus den Reihen der Regierungskoalition um ein solchen Effekt geht, oder ob sie einfach, an  wirtschaftsliberaler Ideologie krankend, Klientelinteressen vertreten, darüber mag Herr Sathom nicht spekulieren, vermutet aber eher Letzteres; die ökonomischen Argumente der Befürworter von „Qualitätsklassen“ (siehe unten angegebene Quellen) findet er dessen ungeachtet kurios. Denn: würde etwa ein Telekom-Kunde eine Website besuchen wollen, deren Betreiber nicht für bevorzugte Behandlung zahlen kann (oder bei einem anderen Netzbetreiber gehostet wird – ein Punkt, der Herrn Sathom eh nicht ganz klar ist, denn was wäre dann eigentlich?), müßte er u.U. Nachteile in Kauf nehmen, obwohl er ja die Telekom bereits dafür bezahlt hat, Zugriff auf das Internet zu bekommen; was etwa so wäre, als müßte man am Zeitungskiosk für ein Druckwerk den vollen Preis bezahlen, auch wenn man es dann nur auszugsweise oder gar nicht ausgehändigt bekommt, je nachdem, ob der Verleger dem Kioskinhaber noch was extra zahlt. Denn der muß ja die Infrastruktur finanzieren, wie etwa Regale für die Zeitungen kaufen, nicht wahr.

In den Niederlanden ist Netzneutralität bereits gesetzlich vorgeschrieben – hierzulande hoffen Gegner der Einführung eines „Zwei-Klassen-Internets“ auf eine Novellierung des Telekommunikationsgesetzes, das bisher einer solchen Einführung nicht entgegensteht. Die Abstimmung der für das Internet zuständigen Enquete-Kommission, die dem Gesetzgeber Handlungsvorschläge unterbreiten soll, wurde anfang dieser Woche jedoch auf den Herbst verschoben – um, wie Verteidiger der Netzneutralität mutmaßen, ein absehbares negatives Abstimmungsergebnis für die Vertreter der Regierungskoalition, die Qualitätsklassen positiv gegenübersteht, zu vermeiden oder aufzuschieben.

Wer sich dazu informieren will, findet aktuelle Darstellungen hier bei BR Online, hier auf der ON3-Website des BR sowie (mit Möglichkeit zur Unterzeichnung einer Petition) bei der Initiative Pro Netzneutralität.

:: INDECT II: Konformitätszwang und totale Überwachung

Herr Sathom hatte sich im vorangehenden Artikel mit dem in Entwicklung befindlichen EU-Projekt INDECT beschäftigt, einem Überwachungssystem, das zukünftig Daten aus sämtlichen verfügbaren Quellen – von der Handyortung über Beobachtungskameras in öffentlichen Räumen bis zu Äußerungen in sozialen Netzwerken – zusammenführen und eine komplette Überwachung sämtlicher Bürger/innen, einschließlich Bewegungsprofilen, sozialen Kontakten u.v.m. ermöglichen soll. Zu entsprechenden Details, das Ausmaß der Überwachung betreffend, sowie dazu, wie die INDECT-Software Personen anhand ihres Verhaltens anhand bestimmter Kriterien auf einer Bewertungsskala als unterschiedlich gefährlich einstufen und deren schärfere Überwachung oder andere Maßnahmen veranlassen soll, verweist Herr Sathom auf diesen vorangegangenen Artikel.

Die Kenntnis desselben wird zum Verständnis des Folgenden allerdings als notwendig empfohlen. Denn Herrn Sathoms Besorgnis, um die es ihm im Folgenden geht, gilt im Lichte des dort Gesagten einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz, die weit über das INDECT-Projekt hinausgeht, ja, deren Symptom ein solches Überwachungsstreben womöglich nur ist – was nicht heißt, daß am Ende nicht wieder auf INDECT selbst zurückzukommen sein wird.

Wofür also soll die Überwachungsmaschinerie, die da projektiert wird, symptomatisch sein, und wie ergibt sich dies aus den Kriterien, anhand derer sie „gefährliche“ oder „anormale“ Verhaltensweisen bzw. Pwersonen erkennen soll? Herr Sathom muß hierzu etwas weiter ausholen und bittet um Geduld, wenn er zunächst Themen streift, die mit INDECT in keinem direkten Zusammenhang stehen – er verspricht, daß sich das Ganze am Ende erhellen wird.

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:: INDECT I: Totale Überwachung aller EU-Bürger

In Zeiten zunehmender sozialer Unsicherheit, Entsolidarisierung und Existenzangst wächst ein Gefühl allseitiger und kaum kontrollierbarer Bedrohung und weckt entsprechende Rufe nach Kontrolle und Autorität bzw. eine gesteigerte Bereitschaft, diese hinzunehmen; paart sich dies mit der Unbedarftheit, mit der heutzutage intimste Daten in social networks und Internetplattformen preisgegeben werden, haben diejenigen, die an solchen Daten enormes Interesse zeigen, natürlich leichtes Spiel – harte Zeiten brechen hingegen für diejeinigen an, die in ein parallel immer enger werdendes Raster dessen, was als erwünscht gilt, nicht so recht hineinpassen wollen, und denen beispielsweise Personalchefs im Internet hinterherschnüffeln und es ihnen bereits als verdächtigen Mangel anrechnen, wenn sie dort nichts über sie finden.

Die Datenschnüffelei, die aus wirtschaftlichen Gründen im Internet stattfindet, wird oft genug kritisiert – und gerade in den letzten Monaten, da entsprechendes über Apple ruchbar wurde, Hacker lustig Personendaten bei Sony klauten und über Facebook und Konsorten immer wieder das eine oder andere verlautet, wird allenthalben beklagt, der Staat verschlafe die Entwicklung und hinke beim Schutz der Bürger den technischen Möglichkeiten wie auch beim Schließen bestehender Gesetzeslücken hinterher.

Allerdings, so meint Herr Sathom, hat „der Staat“ vielleicht auch nicht immer ein Interesse, der Datensammelwut entgegenzutreten, wie folgendes Beispiel verdeutlichen mag.

Herr Sathom gesteht zu, daß das Folgende wie eine aus Versatzstücken orwellscher Anti-Utopien zusammegebraute Verschwörungstheorie klingen mag, ja sogar ihn selbst beim nochmaligen Lesen wie eine solche anmutet; allein, umfängliche Online-Recherche bei verläßlichen Quellen (zu denen DIE ZEIT ebenso gehört wie das Heise-Portal, Quellen also, die man kaum der Zentralsteuerungshypothesenverliebtheit verdächtigen wird) widerlegte Herrn Sathoms anfänglichen Eindruck, die Sache, die ihm da bekannt geworden war, sei irgendein hirnverbrannter Schmu. Oder anders ausgedrückt: es mag zwar einer sein, doch gewissen Institutionen der Europäischen Union scheint es grimmer Ernst damit.

Um es kurz zu fassen: innerhalb der EU wird die totale On- und Offline-Überwachung aller Bürger geplant.

Klingt wie ein paranoides Orwell-Szenario? Wie Leser dieses Blogs wissen dürften, ist Herr Sathom Verschwörungstheorien (9/11 & stuff) extrem abhold, und wenn das Ganze irrwitzig erscheint, dann ist es dem Irrwitz der Macher geschuldet – Herr Sathom bittet daher, erst einmal weiterzulesen und sich selbst ein Urteil zu bilden.
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