:: Kurze Anmerkung zur medialen Rhetorik in der „Euro-Krise“

Wer die Berichterstattung der Medien bezüglich der jüngsten Ramschbewertungen für Italien und Irland für rein sachlich hält, der frage sich, wieso da eigentlich dauernd von einer „Ansteckungsgefahr“ gefaselt wird, so als könne sich nach und nach ein Eurostaat beim anderen mit dessen Finanzlage infizieren, und als seien die betroffenen Staaten nicht teilweise durch eigenes Zutun betroffen, und als gerieten sie nicht zum anderen Teil einer nach dem anderen ins nicht immer nachvollziehbar eingestellte Visier der Ratingagenturen, die jeden Staat beinahe wie den nächsten Dominostein schubsen, oft nachdem dies durch unheilvolles öffentliches Gemunkel bereits vorbereitet wurde, womit die Abwertung des nächsten Landes schon zwangsläufig, ihr Eintreten als Erfüllung des Seherspruchs der Augurenenturen erscheint.

Der Begriff der Ansteckung appelliert an irrationale Ängste, droht mit der finanziellen Syphillis; er suggeriert aber vor allem, es mit einem natürlichen, ja naturgesetzlichen Vorgang zu tun zu haben, der zwangsläufig und unausweichlich ist (außer, das Gegenmittel der „Finanzspritze“ wirkt), und nicht mit einem menschengemachten Phänomen, wobei die menschlichen Akteure sowohl die Schuldenmacher als auch die selbsterfüllende Prophezeiungen in die Welt setzenden Ratingagenturen sind, die aufgrund von Mutmaßungen die Kreditwürdigkeit von Ländern erschüttern, welche dann auch prompt noch tiefer in die Bedrouille geraten. Anders formuliert: das Reden von „Ansteckung“ macht glauben, das Problem springe wie ein Bazillus eigenaktiv von einem Land auf das andere über, und sei nicht zumindest anteilig von den Rating-Agenturen dorthin gelenkt; daß ein Euro-Staat um den anderen herabgestuft wird, erscheint nicht als Resultat der (wie gut oder schlecht auch immer begründeten) sukzessiven Herabstufungen durch die Agenturen, sondern als selbststeuernder Prozeß.

Es ist dies kennzeichnend für die Art, wie in der Sprache des Wirtschaftsliberalismus und vieler Medien auch vom „Markt“ die Rede ist: als sei er eine objektive, deterministische Macht, deren „Gesetzen“ man sich nur unterwerfen kann, gleich um den Preis welchen Sozialabbaus oder welcher Unmenschlichkeit („man“ muß eben für Niedriglöhne unter Arbeitsbedingungen, die an Sklaverei grenzen, produzieren lassen, weil „der Markt“ es diktiert, gelle); eine transzendente Macht, die ohne menschliches Zutun agiert und menschliches Wohlverhalten diktiert, und nicht ein dynamisches Geschehen, das von Menschen gemacht wird und rational analysiert werden kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s