:: R.I.P. Leonard Nimoy

Leonard Nimoy ist tot.

Für das Ausmaß des Verlusts, die Intensität, mit der ich ihn empfinde, finde ich nur schwer Worte.
Einiges vielleicht dennoch; denn wenn jemand wie er geht, muß ein letzter Gruß gefunden werden.

Gewiß: Menschen sterben. Doch Nimoy, Mr. Spock . . . Wie kein anderer verkörperte er nicht nur Star Trek, oder das Science-Fiction-Genre; die ikonische Figur war kultureller Referenzpunkt, Fokus, für meine,  für viele Generationen. Spock, nicht Nimoys einzige, jedoch seine bekannteste Rolle, verkörperte mehr als Logik – Vernunft, gelassene Souveränität, und doch: Menschlichkeit. Die kühle Wunschphantasie des überragenden Intellekts, präsentiert mit einem Augenzwinkern.

Ich erinnere mich, wie wir als Kinder„Raumschiff Enterprise“ spielten, und stritten, wer Kirk, und wer Spock sein durfte (sicher, damals war Kirk für uns Kinder die bevorzugte Rolle, denn er war der Boss; aber Spock war – eine Klasse für sich).

Mit Leonard Nimoy  geht ein Teil unserer Kindheit, unseres Lebens.
Es ist anrührend und tröstlich, ein wenig zumindest, wie das Internet ihn ehrt – etwa hier in zahllosen Tweets.

Joss Whedon. George Takei. Zachary Quinto. William Shatner. They salute you. So should we.

Farewell. Let us hope Mr. Spock lives forever.

:: Regulatorische Kooperation: Noch weniger Demokratie dank TTIP

Daß TTIP, CETA und andere Freihandelsabkommen nicht wegen der vielzitierten Chlorhühnchen bedenklich sind, sondern einen ernstzunehmenden Angriff auf die Demokratie darstellen, hat sich inzwischen vielleicht herumgesprochen. Zur Erinnerung: Die sogenannten Investitionsschutzklauseln würden Konzernen ermöglichen, Staaten auf Unsummen zu verklagen, sofern deren Gesetze (etwa zu Arbeitnehmerrechten, Mindestlohn, Verbraucherschutz etc.) erwartete Gewinne der Privatwirtschaft gefährden. Für wirtschaftsfreundliche Politiker eine willkommene Ausrede, den Bürgerwillen nicht umzusetzen (und vermutlich von Frau Merkel bis zu Herrn Gabriel deswegen so erwünscht – „Sorry, Leute, wir würden schon gern, aber . . .“). Nicht nur Petitionen, Volksbegehren etc. wären damit sinnlos; auch Wahlen würden (noch mehr) an Bedeutung verlieren – sogar künftigen Regierungen, welche die derzeitige politische Linie nicht teilen, wären effektiv die Hände gebunden.

Laut der Organisation Campact läßt ein kürzlich durchgesickertes Verhandlungspapier nun jedoch befürchten, daß die Aushöhlung der demokratischen Mitbestimmung viel weiter gehen könnte, als bisher anzunehmen. Wie ein Video auf der Campact-Website erläutert, könnten im Rahmen der sogenannten „Regulatorischen Kooperation“ EU-Gesetzentwürfe künftig zuerst Wirtschaftslobbyisten vorgelegt werden – bevor Parlamentarier und Regierungen überhaupt erfahren, daß sie existieren. Unangenehme Gesetze müßte die EU offiziell als „schädlich für den Handel“ einstufen. Der eigentliche Souverän wären nicht mehr Bürger oder Parlamente, sondern ein zu schaffendes „Gremium für regulatorische Kooperation“.

Eine detaillierte Analyse des Verhandlungsdokuments durch LobbyControl findet sich hier.

Nachdem TTIP (aber auch CETA) bereits ohnehin Demokratie und staatliche Souveränität – somit auch die Souveränität aller EU-Bürger – aushöhlen, zeigt dies, daß entsprechende Eingriffe noch viel tiefer gehen, und jeglicher Kontrolle noch stärker entzogen werden könnten.

:: „Pif Gadget“ – Frankreichs Vorbild für „Yps“

Ob man’s mochte oder nicht (Herr Sathom war anfangs hingerissen, zog aber bald wieder „Zack“ vor): „Yps“ ist für Viele ein nicht wegzudenkender Bestandteil ihrer Kindheit.

Daß das Magazin aus dem französischen Vorbild „Pif Gadget“ hervorging, einem von der Kommunistischen Partei Frankreichs finanzierten Magazin, wußte Herr Sathom zwar schon; die arte-Dokumentation „Yps – Eine kommunistische Erfindung?“ hält dennoch Überraschungen bereit.

Was Herr Sathom z.B. nicht ahnte: Daß einige der Lieblingscomics seiner Kindheit (Rahan – Sohn der Vorzeit, Joker contra Tröpfe, Arthur, das Gespenst) ursprünglich aus „Pif Gadget“ stammen. In „Yps“ erschienen sie (ausgenommen Arthur) nie, sondern waren schon vor dem ersten Auftritt des Kängurus in anderen deutschsprachigen Comic-Magazinen, etwa in „Felix“, vertreten; für Herrn Sathom ein wohliges Wiedersehen, bei dem ihm richtig warm ums Herz wurde. Überhaupt wirkt das Comic-Programm von „Pif“ im Rückblick weitaus ambitionierter als das des deutschen Ablegers – zugegeben, bei den Funnies kann man streiten, doch Serien wie Rahan transportierten humanistische Ideen, und damalige Größen wie Gotlib und Hugo Pratt veröffentlichten in „Pif Gadget“, letzterer etwa seine Serie Corto Maltese. Nicht der Doku, aber Wikipedia kann man noch mehr Erstaunliches entnehmen – wer hätte z.B. gedacht, daß eine Kinder- und Jugendzeitschrift auch eine Serie wie Mandrykas Maskierte Gurke, die Herr Sathom noch aus „U-Comix“ in lustiger Erinnerung hat, abdruckte?

Von den Originalcomics in „Pif Gadget“ übernahm der deutsche Ableger nur wenige, etwa Pif und Herkules, Piffi, und Arthur. Ob die, na ja, sagen wir, etwas bescheidenere Qualität der Comics in „Yps“ (Hans Kresses Die Indianer mal ausgenommen) auf Lizenzierungsproblemen beruhte, da die Rechte bereits bei anderen Herausgebern lagen, oder andere Gründe hatte, gibt die Dokumentation leider nicht her; aber was soll’s. Wobei: dermaßen grottenschlecht, wie viele nachträglich behaupten, war das Comic-Angebot in „Yps“ vielleicht gar nicht – wenigstens anfänglich. Daß Herr Sathom und andere Comic-Liebhaber das Gimmickheft verschmähten, lag wohl eher daran, daß man die veröffentlichten französischen Qualitätscomics seinerzeit bereits in deutscher Sprache erstehen konnte, ohne sich deswegen „Yps“ kaufen zu müssen, wo sie zudem noch gekürzt wurden; währende andere Produktionen wie Hans Kresses Die Indianer nicht lang überlebten.

„Yps“ hatte von vornherein eine kommerziellere Ausrichtung als das nicht verbiestert ideologische, aber durchaus humanistisch-pädagogisch gedachte „Pif Gadget“ – bis auch dort die Marketingprofis das Regiment übernahmen. Ob das den Niedergang der Zeitschrift beschleunigte oder bloß nicht aufhielt, läßt sich im Nachhinein schwer beurteilen.

So oder so: Wer einst mit Rahan durch steinzeitliche Dschungel streifte, oder diese verdammten Zauberkristalle einfach nicht zum Wachsen kriegte – dem bietet die Dokumentation eine nostalgische Reise zu den Ufern seiner Kindheit, samt staubig-schöner 70er-Jahre-Atmosphäre, daß es einen kribbelt.