:: Der Mensch ein Monstrum: The Walking Dead (I)

Allerdings: Diese Perspektive wird nicht vom allen Figuren geteilt, und auch von der Serie als solcher wiederholt gebrochen. Als das fliehende Pferd von Untoten zerrissen wird, kommentiert Daryls Begleiter: „Er lief immer weg.“ Das Tier starb, weil es, wie vielleicht Rick und Begleitung, unfähig geworden ist, sich „einfangen“ zu lassen.

Auch andere Szenen und Dialoge, die noch erörtert werden sollen, stellen den überwiegenden Eindruck, daß hier ein durchgehend negatives Menschenbild als wirklich gezeichnet wird, in Frage.

Doch Autoren scheinen die misanthropische These bevorzugen, sie nahezulegen, da sie immerhin aus dem Mund der Identifikationsfiguren stammt (zumal sich die Bewohner Alexandrias bald als inkompetent bis hin zur Idiotie, oder – in Gestalt Petes – doch als Monstren entpuppen); und immer wieder wenden sich die Ereignisse so, daß das „Böse“ im Menschen als seine „eigentliche“ „Natur“ doch bestätigt wird.

Wir sind an einen Punkt gelangt, an dem sich eine Reihe von Fragen stellt.

Erstens, ist das, was uns hier als Wirklichkeit entgegentritt, tatsächlich eine solche? Falls nicht – wie wird „Wirklichkeit“ im Kontext von Serien, allgemein von Erzählungen, konstruiert?

Zweitens, was macht die Darstellung einer Wirklichkeit, wie sie in der Serie behauptet wird, so anziehend? Und: welche gesellschaftlichen Mythen (etwa vom primär bösen Menschen) werden hier reproduziert?

Drittens, zeichnet die Serie wirklich ein durchgehendes, misanthropisches Menschenbild – führt sie sich auf als eine Art Vulgäranthropologie, die eine bestimmte Weltanschauung liefert, bzw. bedient? Oder gibt es Brüche, Widersprüche – und wie sind sie zu verstehen ? Dienen sie dazu, widerlegt zu werden, die Grundthese also doch zu unterstützen? Oder verweisen sie darauf, daß hier etwas ganz anderes als die Vermittlung einer angeblichen „Wirklichkeit“ als Weltbild geschieht?

Viertens, wird die Serie vom Publikum überhaupt als Vermittler einer „Wirklichkeit“ oder „Wahrheit“ rezipiert? Bejaht es die – vermeintliche oder tatsächliche – Grundthese?

Diese Fragen sollen in weiteren Folgen dieser Serie beantwortet werden.

3 Kommentare zu „:: Der Mensch ein Monstrum: The Walking Dead (I)“

  1. Das klingt aber alles sehr negativ. Ich kenne die Serie noch nicht. Macht das denn trotzdem Spaß zu gucken wenn die Stimmung derart dystopisch ist ? Wer will sich denn gerne so runterziehen lassen ?

    Das Computerspiel fand ich großartig deshalb interessiert mich wie die Serie so ist.

    1. Ich würde im Zweifelsfall empfehlen, einfach probeweise ein paar Folgen zu gucken – spätestens wenn die sechste Staffel ansteht, wird RTLII garantiert wieder alle vorherigen Staffeln über den Bildschirm hetzen 😉
      Im Ernst, ich find’s schon sehr dystopisch; allerdings werden sich die nächsten Folgen der „Serie nach der Serie“ auch mit der Frage beschäftigen, ob das Bild wirklich so einseitig ist. Ich will vorab nicht zuviel preisgeben, aber ich denke, die meisten Serien haben zwar eine „Stoßrichtung“, sind aber so konstruiert, daß ein größtmögliches Publikum etwas für sich darin findet.
      Tipp: Wesentlich ulkiger fand ich die jetzt gelaufene erste Staffel von „ZNation“. Dafür, daß es von The Asylum (Stichwort „Sharknado“) produziert wurde, ist es trotz einiger Mängel eine überaschend gut gemachte, ganz witzige Parodie (mal davon abgesehen, daß es zum Ende hin etwas düsterer wird, und ein, zwei Folgen hat, die nicht nur richtig schlecht, sondern für den Handlungsverlauf auch völlig unnötig sind).

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