:: A propos de Cologne I – Der Unterschied beim Übergriff

Hat sich daran nun etwas geändert? Nein.

Denn kaum getrauen sich Frauen, zaghaft anzudeuten, daß hiesige Männer auch, da gellt es ihnen schon entgegen – daß das doch alles nicht so sei, und Frauen auch ihre Männer prügelten, und diese Emanzenzahlen ohnehin allesamt erfunden wären. Jene Zahlen nämlich, die Beratungsstellen von Frauenorganisationen melden; die Zahl der Frauen, die dort nach Übergriffen und Belästigungen Hilfe suchen, und aus vielfältigen Gründen keine Anzeige erstatten – also auch in keiner Kriminalstatistik erscheinen. Das „Schweigekartell“, das mancher zugunsten ausländischer Straftäter am Werk wähnt, steht fest und unverändert „wie ein Mann“, und zwar zum westlichen/deutschen.

Schlimmer noch: „Kölnrelativierung“ lautet der Vorwurf (etwa in der FAZ) an Frauen, die darauf hinweisen, daß z.B. auf dem Münchener Oktoberfest seit Jahren zahlreiche sexuelle Übergriffe stattfinden, die keinen vergleichbaren Aufruhr erzeugen – Täter sind hier vornehmlich „deutsche“ Schunkler (also Männer, deren einziger Migrationshintergrund im oralen Reiseweg ihres Mageninhalts nach ein paar Maß zu viel besteht). Das Anliegen dieser Frauen, jede sexuelle Gewalt ins Bewußtsein zu rücken, wird verleumdet, verdreht; sie werden bezichtigt, an deutsche Täter nur zu erinnern, um die Taten ausländischer Männer zu verharmlosen. Womit der Kommentator auf der Fikiton beharrt, „bei uns“ gäb’s so was nicht – mögen auch die Süddeutsche Zeitung und die Abendzeitung, näher am Ort des Geschehens, Anderes schreiben.

Dabei berichtet die FAZ ansonsten durchaus differenziert. So beleuchtet dieser Artikel durchaus den kulturellen Hintergrund der Zuwanderer, führt jedoch ebenfalls an, daß ersten Indizien zufolge immerhin manche Täter nicht aus eigenem Antrieb handelten, sondern von Schlepperclans erpreßt wurden. Einen weiteren Hinweis, daß sie nicht bloß aus „kulturellem Überschwang“ handelten, liefern inzwischen gefundene Zettel mit Anweisungen für sexuelle Übergriffe (das muß frauenverachtende Ansichten der Täter nicht ausschließen, spricht aber gegen spontane Eigeninitiative aus „kulturbedingtem Überschwang“).

Warum soll es Frauenrechtlerinnen darum gehen, männliche Gewalt zu relativieren – also Täter zu schützen? Ausgerechnet ihnen? Sie, die sonst Übergriffe beklagen, sollen diesmal welche verharmlosen, weil, äh – ja, wieso eigentlich? Ach so: weil die Täter Ausländer sind, und die Frauen äh, nee, macht auch keinen Sinn. Dreister und absurder kann eine Behauptung kaum sein (ist vom Kommentator aber, was das Unwort von der Kölnrelativierung impliziert, gerade so gemeint). Es geht diesen Frauen gewiß um nichts dergleichen; aber dem FAZ-Autor wohl um die Möglichkeit, per Rundumschlag sowohl Feministinnen als auch „Multikulti-Spinner“ gleichzeitig abzuwatschen. Und vielen mittig Konservativen und Rechten um die Generalisierung: Böser Mann an Silvester = kleine Flüchtlingskinder böse Gefahr („wir haben’s ja gleich gesagt“).

Wenn jedoch deutsch sozialisierte Männer dergleichen tun, wissen der FAZ-Kommentator und andere Herrschaften, ist es gar nicht passiert – die Zahl der Frauen, die sich wegen Übergriffen an Frauenorganisationen wandten, muß erlogen sein. Die Polizei sagt nämlich („entschieden“), daß es nicht vergleichbar viele Anzeigen gab. Ach so.

Ein Glück. Daß Taten, die nicht angezeigt werden, irgendeinem polizeilichen Naturgesetz zufolge offenbar auch nicht existieren können, stützt nämlich wunderbar die Fiktion, daß sexuelle Gewalt gegen Frauen, wenn man sie denn zugeben muß, vornehmlich (wenn nicht ausschließlich) von Ausländern ausgehe; daß unsere eigene Kultur hingegen selbstverständliches Bollwerk gegen dieses „ganz andere“ sei, das nur von denen kommt.

Herr Sathom will nicht mit Dunkelziffern spekulieren, die ja gern so hoch oder niedrig werden, wie es einem in den Kram paßt, und nimmt durchaus zur Kenntnis, daß die angezeigten Übergriffe beim Oktoberfest nicht annähernd so zahlreich sind wie die der Silvesternacht. Er sieht aber auch, daß Frauenvereinen, denen sich weitaus mehr Betroffene anvertrauen, als Taten anzuzeigen, mit ihren entsprechenden Zahlen sofort wieder nicht ernst genommen werden. Die Unzahl der angezeigten Straftaten von Köln ist tatsächlich einzigartig. Heißt das aber, daß die Zahl der Übergriffe höher war, als in früheren Jahren, oder höher als die Zahl der von „deutschen“ Männern begangenen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.