:: A propos de Cologne I½ – Kurzer biographischer Einschub

Noch einmal – Herr Sathom glaubt keineswegs, das jeder zweite Mann übergriffig handelt. Auch das widerspricht seiner Erfahrung. Eher sind diejenigen, die es tun, ständig dabei, so daß sehr viele Frauen betroffen sind (diese Möglichkeit müßte man dann aber auch ausländischen Männern zugute halten). Wo ein Übergriff anfängt, ist zudem tatsächlich manchmal subjektiv – siehe das Gespräch über Frauen in Anwesenheit anderer Frauen. Nur sollte hier die Perspektive derjenigen, die sich unwohl fühlt, respektiert werden – was Männer in aller Regel verweigern.

Und noch eins – auch über jeden Verdacht erhabene Männer, mit denen man über das Problem spricht, wollen seine Existenz häufig nicht wahrhaben (vielleicht aus der reflexartigen Befürchtung heraus, daß damit alle Männer unter Generalverdacht gestellt würden, die leider auch nicht ganz unberechtigt ist; bloß: Frauen fallen unter den Generalverdacht, hier zu schwindeln oder zu spinnen). In der öffentlichen Debatte aber nehmen deutungshohe Männer die Perspektive der Frauen entweder nicht wahr, oder nicht ernst.

Wie irre die Logik deutscher Männer werden kann im Bemühen, die bedrückende Situation von Frauen nur in der anderen Kultur finden zu wollen, beweist übrigens auch Dieter Nuhr in seiner Sendung vom 14.01. (ab Zeitindex 04:41): Nach der Feststellung, auch beim Karneval würden Frauen regelmäßig von Cowboys usw. belästigt, wendet er ein (und meint es wohl nicht ironisch), der Vorteil des Karnevals bestünde darin, daß man als Frau da ja nicht hingehen müsse. Demgegenüber würde sich das Frauenbild im nahen Osten (das der Radikalen, schränkt er flink ein) das ganze Jahr über nicht verändern. Das allerdings muß man sich auf der Zunge zergehen lassen; Herr Nuhr, dessen Beitrag ansonsten recht ausgewogen ist, findet allen Ernstes, daß Frauen die „Freiheit“ haben, sich selbst von stadtweiten öffentlichen Festen auszusperren, sei ein Fortschritt gegenüber Kulturen, in denen Männer ihre Frauen einsperren. Herr Sathom würde allerdings gern mal sehen, was los wäre, riete jemand Frauen, wegen der Asylanten doch einfach nicht raus zu gehen. Wichtiger: Daß im Karneval Belästigung droht, scheint Herrn Nuhr ein vernachlässigbares Problem („geht halt nicht hin“), und – mit dem Ende des Faschings, scheint er zu glauben, wird der Drang zum Übergriff bei Männern hiesiger Kultur sofort wieder ausgeknipst. Wenn frau also nur zeitweilig mit Übergriffen rechnen muß, ja dann … Daß dem nicht so ist; daß es an sich einen Skandal darstellt, wenn sich Frauen nicht unbekümmert, ohne Angst, in der Öffentlichkeit bewegen können; was es bedeutet, wenn die Hälfte der Bevölkerung das nicht kann, wird ihm in seiner ganzen Tragweite – wie wohl vielen Männern – nicht einmal bewußt.

Tja. Karneval, Silvester: Brauchst ja nicht hingehen. Belästigung im Job, z.B. durch den Vorgesetzten? Mußte ja auch nicht hin. Bleib doch zuhause mit dem Saugbläser Heinzelmann, wie’s Mutter Natur für die Frau geplant hat – dann passiert dir auch nichts.

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