:: „Lügenpresse“ und kein Ende (oder: Frankensteins Sohn gegen die Satanstöchter aus der Hölle)

Der Fremdenhaß macht, wie gesagt, die noch Schwächeren als Ziel aus – statt der gesellschaftlichen Kräfte, gegen die man aufbegehren müßte. Letzteres zu tun, gibt man zwar durchaus vor (dazu im nächsten Punkt); nur hat die Forderung „dies und das nur für Deutsche“ einen Vorteil. Als Angehöriger einer vermeintlichen „Rasse“ ist man geboren; also immer auf Seiten der „Stärkeren“. Eine feine Sache. Das „Volk“, eine irgendwie mythische Kategorie, sichert den Status, und dies ohne Anstrengung.

Das wichtigste jedoch – die Rechte rebelliert gar nicht gegen das Prinzip, Menschen bestimmter Herkunft zu bevorzugen; nicht gegen das einer zynischen Macht, die genehme und „unnütze“ Menschen erhebt oder verwirft. Gegen die Geburt aus wohlhabendem Elternhaus will sie die Zugehörigkeit zum richtigen „Volk“ eintauschen. Die menschenverachtende Leistungsmentalität des Kapitalismus hat sie selbst durchaus akzeptiert – daß es „Stärkere“ und „Schwächere“, „Bessere“ und „Schlechtere“ gäbe, Gewinner und Verlierer, und daß man letztere aussortieren, als abgeschriebenes Kapital wegwerfen könne. Dagegen richtet sich ihr Protest gar nicht (dann müßten sie Linke, oder politisch Ungebundene, werden). Da die „besorgten Bürger“ diese Ordnung, dieses System der Verachtung, selbst bejahen (wie anders – sie wurden ja darin sozialisiert), fordern sie vielmehr, von der Seite der Verachteten auf die der Verächter wechseln zu können; von denen, die getreten werden, zu denen zu werden, die treten dürfen. Das Getrete abzuschaffen, ist nicht ihr Anliegen. Sie reklamieren ihr „Recht“ (begründet durch ihre „Volkszugehörigkeit“), als die „Besseren“ zu gelten, die den „Schlechteren“ die Tür weisen können. Sie verlangen einen Paradigmenwechsel, der sie in die Reihen der „Oberen“ stellen, und die Anderen (Zuwanderer, Linke, Frauen, Schwule und Lesben, eigentlich jeden außer ihnen selbst) nach unten verfrachten soll. Oder ganz raus.

Das Losdreschen auf Migranten und Journalisten (ggf. auch auf weitere Gruppen wie Transgenderaktivisten, Homosexuelle etc., denen eine irreal große Macht über die Gesellschaft anphantasiert wird), wählt dabei nicht nur den Schwächeren als Gegner, sondern auch klar abgegrenzte Gruppen. Wie oben erwähnt, wird ja nicht gegen die Gesellschaft rebelliert, obwohl man sich von dieser insgesamt verlassen fühlt. Nur wäre die Gesamtgesellschaft ein zu großer und uneindeutiger Gegner (der Ruf „Wir sind das Volk“ will das Gegenteil bloß suggerieren, den Rufer zur Mehrheit stilisieren); und wie gesagt, will man ja in dieser Gesellschaft der bestimmende Machtfaktor werden, zu deren „Mitte“, lehnt ihre menschenverachtenden Mechanismen jedoch nicht ab; kann sie also gar nicht attackieren. Da ist es einfacher, Einzelgruppen als Feinde herauszupicken, solche, von denen man sich vorstellen kann, sie zum Verstummen zu bringen (vielleicht zu beseitigen?), käme man erst an die Macht.

Daher ist die „linke“ Option unmöglich. Nicht Befreiung wird gesucht; sondern das Recht beansprucht, selbst unterdrücken zu dürfen. Man wünscht, tun zu können, was man den Anderen – zu Recht oder Unrecht – vorwirft. Die drohende Pose, die von Pegida-Demonstranten gegenüber Reportern eingenommen wird, drückt diesen Anspruch aus.

Die Armen dieser Gesellschaft, die Kaputtgenmachten, bis hin zu den leicht Irren, die zur Freude der heute-show-Macher am Rand der Pegida-Demos mitschwappen, interessieren die Parteibonzen der AfD und die Leiter der Pegida-„Bewegung“ überhaupt nicht. Ihren neuen „Anführern“ waren sie bisher so egal wie vorher den etablierten gesellschaftlichen Institutionen. So wie diese erst aufwachen, wenn die Ausgegrenzten Gefahr laufen, rechten Ideologien zu verfallen, werden sie für die rechten Ideologen erst interessant, wenn man sie als Fußvolk oder Stimmvieh benutzen kann. Sofern die Demonstranten die deutsche Ellbogenmentalität per Sozialisation eingeatmet haben, interessieren sie sich vermutlich nicht einmal füreinander.

Advertisements

2 Kommentare zu „:: „Lügenpresse“ und kein Ende (oder: Frankensteins Sohn gegen die Satanstöchter aus der Hölle)“

  1. Das war glaube ich bisher der neutralste und tiefschürfendste Artikel den ich bisher zum Thema las. Normalerweise artet sowas immer in Beschimpfung der rechten Idioten aus anstatt ernsthaft zu versuchen zu ergründen warum Menschen tun was sie tun. Das ist oft so ermüdend.

    Das mit dem Gefühl der „Lügenpresse“ liegt evtl auch daran dass man das Gefühl hat hier würde zu selektiv berichtet. Die Presse kann trotzdem von sich behaupten nicht zu lügen, aber man erzählt aber eben auch nicht alles. Es wurde z.B. sogar zugegeben dass bei Berichten über Flüchtlinge gerne auf Bilder mit Müttern mit kleinen kulleräugigen Kindern zurückgegriffen wird. Was damit bezweckt wird dürfte klar sein. In Ländern wie Ungarn dagegen sieht man in der Presse die Flüchtlingstreks mit tausenden vorwiegend männlicher Flüchtlinge. Diese und andere Diskrepanzen werden natürlich bemerkt und schon hat man einen Feind.

    Dass Linke oft nicht als Alternative gegen die Ungerechtigkeit gesehen werden liegt eventuell auch daran dass diese zu sehr damit beschäftigt sind gegen Rechts zu kämpfen als für mehr soziale Gerechtigkeit. Jedenfalls entsteht der Eindruck. Hierzu fällt mir die alte Weisheit ein: „Kämpfe nicht GEGEN eine Sache sondern FÜR eine Sache“.

    Und das nach unten treten wird einem ja regelmäßig in der Springer-Presse vorgebetet. Dieses widerliche Drecksblatt mit B am Anfang (mit dem man nicht mal toten Fisch mit einwickeln möchte um diesen nicht zu beleidigen) hetzt ja gerne mal die Meute gegen wehrlose Opfer.

    1. Vielen Dank!
      Zugleich sorry wg. der bisher nicht erfolgten Antworten (auch auf Deinen letzten Kommentar); ich war seit Anfang März beruflich enorm eingebunden und außerdem von einem Weisheitszahn geplagt (kommt demnächst raus, das hat er nun davon).
      Unsere Presse berichtet allerdings selektiv; das rührt m.E. von einer Vielzahl von Ursachen her, etwa, daß man den eigenen Auftrag als einen pädagogischen mißversteht, daß einen eigene politische Auffassungen beeinflussen, während man sich für objektiv hält, usw. Das Irre daran ist, daß die anderen das auch tun, die Ungarn z.B.; daß aber bestimmte Medien wie RT nicht ebenso kritisch hinterfragt, sondern wieder zu Wahrheitsorakeln erklärt werden. Daher mein Eindruck, daß die Kritiker hiesiger Medien oft selbst nicht an wirklich faktengetreuer Berichterstattung interessiert sind, sondern durchaus eine tendenziöse wünschen – nur die Tendenz anders haben wollen.
      Und das mit der B-Zeitung stimmt natürlich. Da werden Einstellungen verbreitet, die bei uns Allgemeingut sind; deshalb glaube ich auch, daß das rechte Gedankengut nicht in die Mitte, sondern aus ihr heraus kommt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s