:: 4 ½ Thesen zum Wahlerfolg der AfD

These 3: Nicht nur Religion, auch Nationalgefühl ist Opium des Volkes.

Tatsächlich rekrutiert sich die Wählerklientel der AfD aus gesellschaftlichen Gruppen, die untereinander so unsolidarisch sind, wie man nur sein kann. Der Zuckerguß gemeinsamer nationaler Identität dient nur dazu, diesen Umstand zu verkleistern und der Wahrnehmung zu entziehen.

Machen wir uns also nichts vor: um soziale Gerechtigkeit, gleiche Bildungschancen etc. geht es weder der Partei noch ihren Wählern. Vielmehr darum, soziale Brüche durch das Placebo des nationalen Überlegenheitsgefühls vergessen zu machen. Die Betroffenen schlucken die Pille gern – auch wenn sie weiterhin materiell und bildungstechnisch abgehängt blieben, könnten sie sich unter der Droge immer noch „besser“ wähnen als andere. Immerhin schwul wäre man ja nicht, oder Syrer.

Konsequenterweise wünschen sie gar keine echte Gleichberechtigung/-stellung aller Mitglieder der Gesellschaft (die von Schwulen, Lesben und Transgender-Leuten z.B. explizit nicht), sondern Privilegien für Deutschstämmige, und auch nur jene, die ihr spezifisches, nationalelitäres Weltbild teilen (u.a. das macht die AfD für viele Rußlanddeutsche, an sich ja selbst Migranten, so attraktiv).

These 4: Ebenso geht es ihnen nicht um Meinungsfreiheit, wenn sie über die „Staatsmedien“ zetern; sondern um totalitäres Vorschreiben, was „Wahrheit“ sei. Ausschließlich Berichterstattung nämlich, die ihrer Meinung entspricht. Dies macht Informationsquellen wir Russia Today so beliebt; keineswegs wünscht man ehrliche Medien, oder will die erworbene Kritikfähigkeit weiterhin anwenden müssen, sondern sucht neue Autoritäten, denen man ungeprüft glauben kann; die „Wahrheit“ im Sinne erwünschter Meinung verkünden. Hier zeigt sich, daß es den AfD-Anhängern weder um Abschaffung realen Unrechts geht, noch in diesem Fall tatsächlicher oder vermeintlicher Medienpropaganda; sondern darum, daß sie es sein wollen, die dergleichen betreiben. Die Meinungen vorschreiben, verbieten, bestimmen (das Programm der AfD Sachsen-Anhalt verlangt u.a. die Indienstnahme aller Kulturinstitutionen, des Theaters, der Schulen usw., zu Zwecken nationalistischer Gehirnwäsche). Es ist ein Alleinherrschaftsanspruch, den sie erheben.

Subthese: Nebenbei bemerkt überführt dies die Behauptung Götz Alys und anderer Verfechter des derzeitigen Systems, daß wer soziales Unrecht thematisiere, quasi über den Irrweg der Gleichmacherei automatisch in den Nazismus marschiere, einmal mehr als Schwindel. Soziale Probleme einen die AfD-Wähler nicht wirklich; unter ihrer Herrschaft wären sie keineswegs abgeschafft, wie sie es ja auch zur NS-Zeit nie waren. Das Hohlwort „Volksgemeinschaft“ kaschierte nur, daß soziale Ungleichheit de facto weiter existierte – Gleiches bietet die AfD. Tatsächlich ist sie betont antisozial – und selbst Wähler, die sich mit dem Programm nicht befaßt haben, dürften den Äußerungen der Parteiführung entnehmen können, daß sie wesentlich einen rückwärtsgewandten Nationalismus vertritt, der sich gegen alle Abweichler von einer ultrakonservativen „Norm“ richtet – gegen alle „Anderen“, mögen sie sich nun kulturell, ethnisch, sexuell oder sonstwie von dem unterscheiden, das die eng gefaßten Vorstellungen der AfDler als wünschenswert zulassen. Es sind sehr viele Gruppen, die da von gesellschaftlicher Gleichberechtigung ausgeschlossen, und eine „völkische“ Elite, die allein Nutznießer aller gesellschaftlichen Wohltaten werden soll.

Fazit

Im Erfolg der AfD äußert sich eine Ellbogenmentalität, die in allen Schichten der Gesellschaft, besonders auch in ihrer „mittleren“ (weitere Unterteilungen in obere, untere und irgendwie herum drehende ersparen wir uns mal) verbreitet ist. Es ist die Haltung von Bürgern, die nichts dagegen haben, daß andere Bürger sozial absteigen, gesellschaftlich ausgeschlossen, an den „Rand“ gedrängt werden; die nur jetzt befürchten, es könne sie auch erwischen, nachdem eine neue Gruppe Bedürftiger auf dem Plan erschienen ist. So lange sie selbst sich Profiteure dieses Systems wähnen können, stören sie dessen Kollateralschäden nicht im Geringsten; so meint der Mittelschichtler, wenn er von sozialer Ungerechtigkeit spricht, in der Regel nicht die Begünstigung der Reichen, sondern Sozialleistungen für die Armen, von welchen er sich „beraubt“ fühlt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.