:: Der Mensch ein Monstrum: The Walking Dead – (Fazit)

Bedingt durch Krankheit, Arbeitsbelastung und zwischenzeitlich aufgekommene, andere Themen, erst jetzt – und endlich – der letzte Teil der Walking Dead-Betrachtung.

Was bleibt? Wir hatten festgestellt, daß TWD Wirklichkeit konstruiert; was man von jeder Serie, jeder Erzählform überhaupt sagen kann. TWD gehört jedoch nicht zu den Erzählungen, die sich mit dem Bau einer eigenen, für die Narration eben benötigten Scheinwelt begnügen, schon gar nicht zu denen, die ihre Scheinhaftigkeit sogar offen eingestehen, bzw. als Stilmittel einsetzen (wie etwa The Avengers alias Mit Schirm, Charme und Melone); sondern zu denen, die durch Handlungsführung und Dialog den Eindruck erwecken, ihre „Wirklichkeit“ beschreibe auch die Welt jenseits der Mattscheibe.

Wir haben erörtert, mittels welcher Tricks ein solches Konstrukt vorgeben kann, Wirklichkeit als solche wiederzugeben; und daß es wesentlich die „wirkliche“ „Natur“ bzw. Daseinsform des Menschen ist, die da zu vermitteln behauptet wird – als einer Bestie nämlich, die er „in Wahrheit“ immer ist, auch in scheinbar geordneten gesellschaftlichen Verhältnissen ohne Zombie-Katastrophe.

Die angebliche, tatsächlich nur aus passenden Versatzstücken errichtete Realität transportiert dabei eine Ideologie, ein Menschenbild; wir fragten, ob dessen Verbreitung notwendig die bewußte Absicht der Serienschöpfer sein müsse, und das Publikum die latente „Botschaft“ der Serie auch so aufnimmt. Endgültig beantworten ließen sich beide Fragen nicht, die erste jedoch plausibel verneinen, für die andere feststellen, daß die Rezeption sehr unterschiedlich ausfällt, was maßgeblich davon abhängt, ob Zuschauer ihre Wahrnehmung auf die Charakterentwicklung der handelnden Figuren fokussieren, oder ob sie die von diesen Figuren geäußerten Meinungen als objektiv zutreffend, also unabhängig von der Persönlichkeit der Helden, rezipieren.

Sind unsere im dritten Teil aufgestellten Thesen damit obsolet?

Nicht ganz.

Wie gesagt handelt eine – gemessen an früheren Zeiten – vergleichsweise große Zahl von Unterhaltungsformaten aktuell vom Bösen im Menschen, und ist gerade damit außerordentlich erfolgreich; scheint also den Publikumsgeschmack, Zeitgeist, wie immer man es nennen will, zu treffen.

Gab es früher nur „Dallas“, sind heutzutage Serien, die nach unseren Moralvorstellungen explizit „böse“ Menschen am Werk zeigen, weitaus häufiger; und was ist Game Of Thrones anderes als Dallas mit Schwertern? Die Verlegung in ein scheinbar realistisches Mittelalter (die Drachen einmal beiseite gelassen) macht die Idee, daß der Mensch grundsätzlich schlecht sei, nur plausibler. Der zivilisatorische Anstrich war, glaubt man, in vergangenen Zeiten dünner; die Natur des Menschen trat unter weniger Farbschichten noch offener zutage. Die archaische Vergangenheit als Handlungszeitraum suggeriert, daß der Mensch unverstellt, näher an seinem vermeintlichen Naturzustand, gezeigt werde; in der postapokalyptischen Erzählung übernimmt der Zusammenbruch der Zivilisation diese Funktion.

Natürlich übt das Böse, üben böse Protagonisten stets eine Faszination aus; doch der betörende Vampirgraf, der einst seinen tödlichen Schmäh versprühte, erotisch unwiderstehlich gerade in seiner Verruchtheit, war ein hochstehender Einzelner, um einen Begriff von Klaus Theleweit zu entführen; einer, der sich über die Moral, und damit die „gewöhnliche Masse“ stellte. Darum war er einsam, darum „geadelt“; weil er sich über die Anderen erhob. Wovon wir hier reden, ist jedoch trotz charmanter Lannisters gerade die Masse der Menschen, die allesamt verkommen sind; ist nicht der romantisch-luziferische Rebell, sondern der Mensch an sich.

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