:: Nach(t)gedanken zu The Walking Dead

Zur Alexandria Safe Zone (Teil II):

Noch eine andere Deutung als die bisher vorgetragenen bietet sich an. Sie beruht auf dem Gefühlsausbruch Sashas während der Willkommensfeier, die für Ricks Gruppe gegeben wird.

In schneller Schnittfolge wechseln Bilder der plaudernden Alexandrier, Tonschnipsel ihrer Gespräche über Kochrezepte und andere Belanglosigkeiten, mit aufblitzenden Erinnerungen Sashas an ihre traumatischen Erfahrungen der letzten Monate, bis sie endlich eine vom Gelingen ihrer Rezepte schwatzende Frau anschreit: „Darüber machen Sie sich Sorgen?“

Jeder, der einmal eine Zeit sozialer bzw. finanzieller Härten, vielleicht sogar der akuten Not, durchstehen mußte, wird diesen Ausbruch vielleicht nachvollziehen können. Gerät man während oder kurz nach einer solchen Phase in eine gesellige Versammlung von solchen Sorgen unberührter Menschen, fragt man sich tatsächlich: Wovon reden die? Haben die überhaupt eine Ahnung?

Tatsächlich sind die Alexandrier, im Gegensatz zu Ricks verwilderter Gruppe, nicht einfach zivilisiert; sie sind die Karikatur vorstädtischer Wohlstandsbürger, die – ohne Kenntnis der Lebenswirklichkeit materiell weniger abgesicherter Menschen – tatsächlich keine anderen Sorgen haben. Die Härten des Lebens außerhalb ihrer sozialen Seifenblase sind ihnen so unbekannt, daß sie die Aggressivität derjenigen, die dieses Leben ertragen mußten, nicht einmal verstehen. Man kann Alexandria also auch als Satire auf die Idylle der (noch) Wohlhabenden interpretieren, denen ein böses Erwachen (der Zerfall der Mittelschicht) erst noch bevorsteht. Ricks entsprechende Warnungen übersteigen ihr Fassungsvermögen.

Widerspricht dies den bisherigen Deutungen?

Nicht zwangsläufig. Eher zeigt es erneut, daß The Walking Dead eine Vielzahl an Interpretationen zuläßt; also, wie schon vermutet, ein Potpourri an Wahrnehmungsmöglichkeiten anbietet, und damit ein möglichst großes Publikum (und entsprechenden kommerziellen Erfolg) erreicht.

Die unbestreitbare Leistung der Serienmacher besteht dabei darin, daß sie dieses Ziel nicht über den berühmten kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern durch Komplexität erreichen.

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