:: TV-Tipp: Die Zeichentrick-Enterprise

Anläßlich des fünfzigsten Jubiläums der Star Trek-Franchise wiederholt der Sender Tele 5 aktuell die Zeichentrickserie Die Enterprise, die – soweit Herr Sathom weiß – bisher in Deutschland nur einmal im ZDF, und anfangs der 2000er Jahre schon einmal auf Tele 5 lief.

Allerdings strahlt Tele 5 diesmal nicht die ZDF-Fassung, sondern die ungeschnittene, neu synchronisierte Version aus, die 1994 für die Videoauswertung hergestellt wurde, was nicht ganz unwichtig ist (siehe unten).

Herr Sathom hat sehr gemischte Kindheitserinnerungen an diese Version des Enterprise-Mythos, die er beim erneuten Angucken teilweise bestätigt findet. Da sind die zugegebenermaßen lausigen Animationen, die dem typischen Standard der Filmation-Produktionen der 60er, 70er und 80er Jahre entsprechen (Masters of the Universe etc.); aber auch die faszinierenden, oft surreal wirkenden Umgebungen, in die ein ungewöhnliches Artwork die Enterprise-Crew versetzt, ein Universum oft organisch wirkender Maschinen, Raumschiffe und Bauten, die an Cover von Science-Fiction-Pulps der Ära erinnern, und nicht selten beinahe psychedelisch anmuten; von den nonhumanoiden Aliens, die sich tricktechnisch in der Realfilmserie nie hätten umsetzen lassen, ganz zu schweigen.

Eine andere Erwartung hingegen wird erfreulicherweise enttäuscht. Viele von Herrn Sathoms Altersgenossen haben die animierten Abenteuer der Enterprise in eher schlechter Erinnerung; in seinem Fall gilt diese besonders der Handlung einzelner Episoden, die oft keinen Sinn zu ergeben schien. Das ist um so erstaunlicher, als amerikanische Fans die Serie, die sogar einen Emmy gewann, z.T. recht positiv bewerten. Erst Jahre später erfuhr Herr Sathom, daß das ZDF die Folgen von 25 auf 15 Minuten kürzte, und sie dabei entsprechend verstümmelte (im Fall einer Folge, die er noch lebhaft erinnert, fehlte schlichtweg das Ende; Herr Sathom hoffte vergeblich, die Handlung würde in der nächsten Folge vielleicht fortgesetzt, und weiß bis heute nicht, was da nun mit diesem Felsenmonster wurde). Eine blödsinnige Synchronisation im damals beliebten Schnodder-Sprachstil, angelehnt an die Synchronuntaten Rainer Brandts, verdarb einem mit dümmlichen Kalauern zusätzlich den Genuß.

Für die hier verwendete Home-Video-Veröffentlichung wurden die Synchronsprecher der Originalserie verpflichtet und die Dialoge neu, und weitgehend originalgetreu übersetzt; eine Gelegenheit, diesen Klassiker neu zu entdecken.

Star Trek: The Animated Series hält Überraschungen wie das später in The Next Generation eingeführte Holodeck bereit und ersetzt Raumanzüge durch Gürtel, die einen atmosphärengefüllten Individualschutzschirm projizieren (der Filmation-typische Grund bestand darin, sich das Zeichnen der Raumanzüge zu sparen); viele in der Serie etablierte Fakten wurden später aus dem Kanon gestrichen, dann allerdings in Serien wie DS9, Star Trek: Enterprise und sogar in J.J. Abrams‘ Star Trek von 2009 wieder eingeführt bzw. referenziert. Auch in Trek-Romanen sowie Computer- und Tabletop-Spielen hinterließ die gezeichnete Enterprise ihre Warpsignatur, und wurde inzwischen offiziell als kanonisch akzeptiert (was zum Trek-Kanon gehört und was nicht, hing offenbar u.a. von Gene Roddenberrys Tageslaune und der Herrschaft eines von ihm ernannten „Archivars“ ab; die Entwicklung des Kanons stellt eine Geschichte für sich dar, die einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Franchise gestattet). Während Trek-Fans die animierte Serie gewiß ohnehin längst kennen, dürfte es sich für Gelegenheitsgucker und nostalgisch an den 70ern interessierte Zuschauer lohnen, diesem Klassiker einen Blick zu gönnen.

Herr Sathom hat das Ganze natürlich zielstrebig fast verpaßt (Dank an seinen Bruder für den Hinweis). Der Spaß läuft schon seit Anfang September, doch war mag, kann jetzt noch ein Auge voll nehmen, sich an alte Zeiten erinnern oder bisher völlig unbekannte Trek-Welten entdecken (und im übrigen zeigt eine Online-Suche nach den Ausstrahlungsterminen, daß man zumindest bis zum 10.10. auf das Privatsender-Prinzip der Wiederholungsschleife hoffen darf).

Advertisements

:: Campact! klärt über AfD auf

Noch einmal zu einem Thema, das wir hier schon hatten: Das Programm der AfD und die Frage, wie sozial diese Partei, die sich gern als die der „kleinen Leute“ gibt, wirklich ist.

Die Organisation Campact! hat einige diesbezügliche Punkte des AfD-Grundsatzprogramms näher beleuchtet, und das Ergebnis als lesenswerten Beitrag auf ihrer Website veröffentlicht. Ein ebenfalls vorhandenes, recht hübsches Video reißt dieselben Fragen natürlich nur an (schnelle Information und Knappheit sind ja Zweck solcher Spots); zusätzlich zu dem witzig animierten Filmchen sollte man daher ruhig den Blogbeitrag lesen, der die AfD-Vorstellungen übersichtlich, tiefgehender und doch kurz gefaßt mit der sozialen Wirklichkeit konfrontiert, und nach Konsequenzen einer AfD-Politik fragt, die solche programmatischen Punkte umsetzen würde.

:: Marathon der Wahlplakate

In knapp einer Woche wird in Berlin gewählt, und wie jeder verantwortungsbewußte Wahlbürger fragt sich auch Herr Sathom: Wen nehmwa denn?

Vielleicht können die Wahlplakate helfen. Die SPD wirbt mit dem Slogan Müller, Berlin; welche politischen Inhalte werden dem Unentschlossenen da zwecks Entscheidungsfindung mitgeteilt? Anfangs sah man Szenen mit mehreren Leuten beiderlei Geschlechts, von denen irgend jemand Herr oder Frau Müller hätte sein können, oder auch nicht; inzwischen lächelt von einigen ein einzelner Mann, andere aber zeigen eine entschlossen blickende ältere Dame in edlem Zwirn, sowie eine Transgender-Person. Auch diese Plakate nennen in der Ecke rechts unten eine(n) gewisse(n) Müller aus Berlin. Rätsel über Rätsel. Wer oder was ist Müller? Qualifiziert ihn (oder sie) der Umstand, ein außerirdischer Gestaltwandler zu sein? Es wäre immerhin eine Fähigkeit, mit der nicht alle Kandidaten prahlen können. Oder handelt sich bei dem Schriftzug einfach um eine Signatur, irgendwer muß diese Plakate ja gemacht haben? Foppt uns am Ende gar ein Kollektiv? Abgesehen von diesen Möglichkeiten weiß Herr Sathom auch nicht so recht. (Klugscheißer aufgemerkt: klar sollen uns die Plakate vermitteln, wofür Herr Müller steht; aber trotzdem.)

Natürlich stimmt, was kürzlich ein Freund so sinngemäß zu Herrn Sathom sagte, nämlich, daß ein uncharismatischer Beamtentyp, so lang er seinen Job ordentlich macht, besser sei als das Party-Animal Klaus „Was für’n Flughafen?“ Wowereit; nur hätte die SPD dann vielleicht ihren Wahlkampf nicht einzig auf die Person Müller abstellen sollen. Ein Gesichtsloser eignet sich nicht als Marke (außer es gelänge, ihn gerade deshalb als verläßlich zu verkaufen).

Na gut, weiter. Womit die Grünen werben, kann Herr Sathom sich nicht mal erinnern, obwohl er die Plakate täglich sieht. Irgendwas muß es wohl sein, aber vermutlich wurscht, denn ob die Partei noch irgendeine Klientel außer satten Gentrifzierungs-Gewinnern mit gutem Öko-Gewissen repräsentiert, ist ohnehin fraglich.

Der NPD fällt nix Neues ein, außer daß sie sich in Köpenick als Verfechter der Fankultur aufzuspielen versucht; ausschließlich nahe der Alten Försterei (soweit Herr Sathom wahrnehmen konnte) hetzt sich nicht nur gegen Ausländer, sondern auch gegen die Kriminalisierung von Pyrotechnik (Köpenick ist Hochburg des FC Union; ob der und seine Fans aber glücklich über diese Schützenhilfe sind, steht auf einem anderen Blatt). Wie jedes Jahr verkündet ein gelockter Siegfried: „Ich sage, was Sie denken“; ein toller Trick, findet Herr Sathom und wünscht eine erfolgreiche Karriere als Varietézauberer. Auch ansonsten das ewig Selbe, vielleicht ergänzt durch einige Varianten, z.B. den Spruch „Die kriegen Alles – und Ihr?“ Abgesehen davon, daß im Kapitalismus sowohl zugewanderte als auch eingeborene Arme letztlich einen Scheiß kriegen, bekommt Herr Sathom einen Döner ohne Gurke, bitte.

Die CDU hatte anfangs auch so allerhand mit Sicherheit und Polizei und so, hat sich aber eine Woche vor der Abstimmung ebenfalls auf Köpfe verlegt, die uns nachbarlich und damit wahlwürdig vorkommen sollen. Wie bei Herrn Müller gilt aber auch hier: WER ZUM TEUFEL SIND DIESE LEUTE EIGENTLICH? Immerhin fordert die CDU ein „Starkes Berlin“ – vielleicht sollte jemand Herrn Klings Känguru mit den roten Boxhandschuhen aufstellen. Das würde Herr Sathom sofort wählen; es wäre aber halt nicht in der CDU (es sei denn aus subversiven Gründen).

:: Immer mit der Panik, Leute

Mann, Mann, Mann. Da widmet sich Herr Sathom mal den Sommer über seinem literarischen Schaffen – oder was er so nennt – und der dringend nötigen Erholung, und kaum ist er aus seiner privaten Sommerpause zurück, findet er alle völlig durchgedreht vor.

„Sicherheit“ lautet der Schlachtruf, den auf den Lippen sich die konservative Politik durchs Sommerloch gewurstelt hat; und Junge, hat sie da ein paar einfallsreiche Konzepte hervorgebracht.

Burkaverbot – wahnsinnig wichtig, weil es in ganz Deutschland geschätzte drei Frauen gibt, die in Ganzverhüllung durch die Landschaft gespenstern; darauf hingewiesen, daß das mit Sicherheit grad mal gar nix zu tun hat, ist dann plötzlich die Rede davon, daß es unsere Kultur zu schützen gälte. Also dieses Dings, das keiner definieren kann, weil diejenigen, die das Wort am lautesten brüllen, ihren Lebtag noch nie in ein Buch geguckt haben. Dazu Kameras mit Gesichtserkennung – damit man den zerlegten Selbstmordattentäter wiederfindet oder was soll das, und uns auch sonst alle gut im Blick hat. Dann Einsatz der Bundeswehr im Landesinneren, und schließlich die Top-Idee überhaupt: Wir sollen uns als Hamsterkäufer mit Fressalien eindecken, besonders Mehl und Nüssen. Für den Katastrophenfall. Schließlich wissen wir alle, wie man Brot bäckt, besonders ohne Strom (Fladenbrote, ironischerweise, auf dem Gartengrill gingen allerdings. Gut, wenn die Katastrophe im Winter kommt; draußen backen, das härtet ab). Und wieso eigentlich Nüsse?

Vermutlich munkeln die Verschwörungstheoretiker gerade was von Kriegsvorbereitungen (Herr Sathom wird sich nicht den Nerv rauben, indem er nachsieht); was natürlich Blödsinn wäre. Kein Krieg wurde je vorbereitet, indem man ihn die Bevölkerung schon vorab ahnen läßt. So etwas verkauft man als Resultat eines Überraschungsangriffs des Gegners (das Überraschende belegt seine Heimtücke), nachdem man selbst sich vorher nach bestem Gewissen bemüht hat, alles friedlich zu regeln, und bis zum letzten Augenblick verkündete, daß man da froher Hoffnung sei (Wilhelm II. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs: „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“).

Diese „Sicherheitskonzepte“ sind natürlich dennoch vollkommener Quatsch. Einen Keller voller Studentenfutter braucht kein Mensch, wenn anderswo im Land einer Amok läuft. Und wenn nebenan an eine Atombombe hochgeht, dann viel Spaß mit den verstrahlten Nüssen. In jeder Hinsicht.

Worum geht es also wirklich? Politiker wie Thomas de Maizière sind – leider oder zum Glück – von eher profanen Motiven geleitet, als von machiavellistischen Masterplänen; sie wären auch kaum imstande, welche auszuhecken. Und da kommen wir der Sache schon näher. S’ist nämlich Wahlkampf.

Heute wählt man in Meck-Pomm, demnächst in Berlin, und einmal mehr bemüht sich die konservative Mitte, den Rechtspopulisten hinterher zu hecheln – ihre Themen aufzugreifen, die von ihnen geschürten Ängste weiter anzufachen, und sich als den kompetenteren Bewältiger der angeblichen Gefahren zu präsentieren. Vermutlich hatte der Kabarettist (Herr Sathom hat vergessen, welcher, vielleicht Christoph Sieber) recht, der gestern abend in den Mitternachtsspitzen des WDR meinte, die AfD müsse überhaupt keine Wahlen gewinnen; ihre Absichten verwirklichten schon Andere für sie. Nebenbei kann man durch das Geschwafel von Bundeswehreinsätzen im Landesinneren prima davon ablenken, daß man in den letzten Jahren neben Schulen und anderen öffentlichen Institutionen auch die Polizei kaputtgespart hat. Die Motive sind also keineswegs verschwörerisch, sondern eher kleinlich, kurz gedacht, und zudem kontraproduktiv; unsere „Werte“ schützt man nicht, indem man sie verrät und einen Überwachungsstaat fördert (im Sinne des Kapitals ist es allemal – der Staat soll sich möglichst aus Allem raushalten, also z.B. nicht regulieren, aber in Sicherheitsbelangen „stark“ sein, wünscht der Konservative wie der Neoliberale gern).

Wurscht, ob die Themen überhaupt einen Bezug zu landespolitischen Fragen haben; Hauptsache, man kann niedere parteipolitische Interessen verfolgen, indem man sich auf Angstphantasien und Weltuntergangsprophezeiungen draufhockt, diese womöglich noch verstärkt.

Nee wirklich. Hört doch auf, Leute; hört doch auf.