:: Immer mit der Panik, Leute

Mann, Mann, Mann. Da widmet sich Herr Sathom mal den Sommer über seinem literarischen Schaffen – oder was er so nennt – und der dringend nötigen Erholung, und kaum ist er aus seiner privaten Sommerpause zurück, findet er alle völlig durchgedreht vor.

„Sicherheit“ lautet der Schlachtruf, den auf den Lippen sich die konservative Politik durchs Sommerloch gewurstelt hat; und Junge, hat sie da ein paar einfallsreiche Konzepte hervorgebracht.

Burkaverbot – wahnsinnig wichtig, weil es in ganz Deutschland geschätzte drei Frauen gibt, die in Ganzverhüllung durch die Landschaft gespenstern; darauf hingewiesen, daß das mit Sicherheit grad mal gar nix zu tun hat, ist dann plötzlich die Rede davon, daß es unsere Kultur zu schützen gälte. Also dieses Dings, das keiner definieren kann, weil diejenigen, die das Wort am lautesten brüllen, ihren Lebtag noch nie in ein Buch geguckt haben. Dazu Kameras mit Gesichtserkennung – damit man den zerlegten Selbstmordattentäter wiederfindet oder was soll das, und uns auch sonst alle gut im Blick hat. Dann Einsatz der Bundeswehr im Landesinneren, und schließlich die Top-Idee überhaupt: Wir sollen uns als Hamsterkäufer mit Fressalien eindecken, besonders Mehl und Nüssen. Für den Katastrophenfall. Schließlich wissen wir alle, wie man Brot bäckt, besonders ohne Strom (Fladenbrote, ironischerweise, auf dem Gartengrill gingen allerdings. Gut, wenn die Katastrophe im Winter kommt; draußen backen, das härtet ab). Und wieso eigentlich Nüsse?

Vermutlich munkeln die Verschwörungstheoretiker gerade was von Kriegsvorbereitungen (Herr Sathom wird sich nicht den Nerv rauben, indem er nachsieht); was natürlich Blödsinn wäre. Kein Krieg wurde je vorbereitet, indem man ihn die Bevölkerung schon vorab ahnen läßt. So etwas verkauft man als Resultat eines Überraschungsangriffs des Gegners (das Überraschende belegt seine Heimtücke), nachdem man selbst sich vorher nach bestem Gewissen bemüht hat, alles friedlich zu regeln, und bis zum letzten Augenblick verkündete, daß man da froher Hoffnung sei (Wilhelm II. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs: „Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“).

Diese „Sicherheitskonzepte“ sind natürlich dennoch vollkommener Quatsch. Einen Keller voller Studentenfutter braucht kein Mensch, wenn anderswo im Land einer Amok läuft. Und wenn nebenan an eine Atombombe hochgeht, dann viel Spaß mit den verstrahlten Nüssen. In jeder Hinsicht.

Worum geht es also wirklich? Politiker wie Thomas de Maizière sind – leider oder zum Glück – von eher profanen Motiven geleitet, als von machiavellistischen Masterplänen; sie wären auch kaum imstande, welche auszuhecken. Und da kommen wir der Sache schon näher. S’ist nämlich Wahlkampf.

Heute wählt man in Meck-Pomm, demnächst in Berlin, und einmal mehr bemüht sich die konservative Mitte, den Rechtspopulisten hinterher zu hecheln – ihre Themen aufzugreifen, die von ihnen geschürten Ängste weiter anzufachen, und sich als den kompetenteren Bewältiger der angeblichen Gefahren zu präsentieren. Vermutlich hatte der Kabarettist (Herr Sathom hat vergessen, welcher, vielleicht Christoph Sieber) recht, der gestern abend in den Mitternachtsspitzen des WDR meinte, die AfD müsse überhaupt keine Wahlen gewinnen; ihre Absichten verwirklichten schon Andere für sie. Nebenbei kann man durch das Geschwafel von Bundeswehreinsätzen im Landesinneren prima davon ablenken, daß man in den letzten Jahren neben Schulen und anderen öffentlichen Institutionen auch die Polizei kaputtgespart hat. Die Motive sind also keineswegs verschwörerisch, sondern eher kleinlich, kurz gedacht, und zudem kontraproduktiv; unsere „Werte“ schützt man nicht, indem man sie verrät und einen Überwachungsstaat fördert (im Sinne des Kapitals ist es allemal – der Staat soll sich möglichst aus Allem raushalten, also z.B. nicht regulieren, aber in Sicherheitsbelangen „stark“ sein, wünscht der Konservative wie der Neoliberale gern).

Wurscht, ob die Themen überhaupt einen Bezug zu landespolitischen Fragen haben; Hauptsache, man kann niedere parteipolitische Interessen verfolgen, indem man sich auf Angstphantasien und Weltuntergangsprophezeiungen draufhockt, diese womöglich noch verstärkt.

Nee wirklich. Hört doch auf, Leute; hört doch auf.

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2 Kommentare zu “:: Immer mit der Panik, Leute”

    1. Stimmt. Diese verdammten Eichhörnchen. Fressen uns die Nüsse weg, dann die Jobs, und krabbeln unsere Frauen hoch. Elende rote Eichhörnchen 😆

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