:: Adieu Marcel – Goodbye Robert

Robert Vaughn – verstorben am 11.11.2016 – gehörte einem Schauspielertypus an, der weitgehend geschwunden scheint. Wie Peter Cushing und Lee van Cleef war er eins der Faces – jener Darsteller, deren Gesichter nicht zwingend attraktiv, jedoch so markant waren, daß schon ein einmaliger Auftritt genügte, sie für immer einzuprägen.

Herrn Sathoms früheste Erinnerung gilt nicht der Serie The Man from U.N.C.L.E. (Solo für O.N.C.E.L.), in der Vaughn als Napoleon Solo gegen die Mächte des Bösen kämpfte; diese hat er erst später im Zuge von Wiederholungen bewußt wahrgenommen. Sie gilt The Protectors (Kein Pardon für Schutzengel), einem typischen Vorabend-Produkt, das einen Hauch der großen, weiten Welt in die Wohnzimmer der 70er wehte (die keineswegs so kunterbunt und sexy waren, wie man sie sich nostalgisch vorstellt; wer eine Derrick-Folge jener Tage mit ihren ausgebleichten Farben sieht, darf sich den wirklichen Lebensalltag ähnlich blaß vorstellen). Mehr als exotische Drehorte und schnittige Autos trug die unvergleichliche Nyree Dawn Porter als mondän-verführerische „Contessa Caroline di Contini“ dazu bei, dem Kind der bleigrauen RAF-Epoche eine klischeehafte und doch irgendwie befreiende Vorstellung einer Welt voller schicker Damen und schneller Flitzer zu vermitteln, die es jenseits steifer Gardinen ohne „Goldkante“, muffiger Klassenzimmer und grauer Innenstadtstraßen irgendwo da draußen gab; geben mußte, damit man nicht verrückt wurde.

The Man from U.N.C.L.E. war dann schon eher ein retrospektives Erlebnis, das allerdings gefiel. Daß Vaughn alias Solo (Han Solo? Fällt Herrn Sathom jetzt erst auf) trotz des einsamwölfischen Namens einen russischen Partner namens Illya Kuryakin (David McCallum) hatte, war nicht nur in den 60ern ungewöhnlich; als Wiederholung kennengelernt, beeindruckte die Organisation U.N.C.L.E. auch und gerade in der Reagan-Ära durch ihre Internationalität. War die Serie auch nicht per se parodistisch angelegt, liebte Herr Sathom – damals begeisterter Clever & Smart-Leser – doch auch ihre teils absurden Elemente, etwa die „geheimen“ Zugänge zur U.N.C.L.E.-Zentrale (in einer Schneiderei dreht man einen Kleiderhaken, um eine gepanzerte Geheimtür zu öffnen), die auch sonst mit Schnickes wie einer Laserkanone auf dem Dach (warum auch nicht?) aufwarten konnte.

Vaughn gehörte nicht zu Hollywoods A-Riege; näher als durch seine Rolle in Die glorreichen Sieben ist er diesem Status, trotz Auftritten in vielen Spielfilmen und Serien, nie gekommen. Er war sich nicht zu schade, in Roger Cormans nicht ganz ernst gemeinter Weltraumklamotte Battle Beyond the Stars (Sador – Herrscher im Weltraum), die deutlich an The Magnificent Seven angelehnt ist, eine ähnliche Rolle zu spielen; wie andere B-Film-Größen kam er auch um Rollen in Schrottfilmen wie Starship Invasions (Invasion der Raumschiffe, eine Räuberpistole, an der auch Christopher Lee mitwirkte) nicht herum. Sein kühles Understatement verlieh ihm dabei eine Ausstrahlung, die – ähnlich wie das Falkengesicht eines Peter Cushing – selbst in billigsten Machwerken noch Wirkung entfaltete. Politisch aktiv, gilt er als der erste prominente Schauspieler, der öffentlich gegen den Vietnam-Krieg Stellung bezog; seine 1972 veröffentlichte Dissertation Only Victims: A Study of Show Business Blacklisting arbeitete die Auswirkungen der McCarthy-Ära aufs Showgeschäft auf.

Keiner der ganz großen also vielleicht; aber ein Gesicht seiner Zeit, deren Ausdruck, indem er ihren jeweiligen Träumen sein eigenes lieh – ob nun als jet-settender Protector oder als Geheimagent in einem Jahrzehnt, in dem die Bond-Phantasien noch Purzelbäume schlagen durften. Und mehr als ein Schauspieler; ein persönlich engagierter Mensch.

Einer, der das Comic-Genre prägte und einer, mit dem sich zumindest für Herrn Sathom liebgewordene Erinnerungen verbinden. R.I.P. Marcel Gotlieb und Robert Vaughn.

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