:: Die CEOs und das sinkende Schiff

So. Nachdem Herr Sathom nun schon längere Zeit aus diversen Gründen (geht euch nix an) blogverhindert war, wird’s Zeit, endlich mal wieder loszutippen. Dazu muß er zunächst einige Erzeugnisse seines nikotinberauschten Hirns nachliefern, die in den letzten Wochen liegengeblieben sind; aufgewärmter Kaffee also, doch da es sich um Themen handelt, die ins Allgemeingültige führen, hoffentlich trotz der verstrichenen Anlässe relevant.

Man hört ja übrigens aus Entenhausen in letzter Zeit auch so gar nichts mehr, wenigstens nicht viel; vielleicht, weil der Donald nach Charlottesville von seinem Umfeld geknebelt und an einen Stuhl gefesselt wurde, dieser General Kelly da macht ja womöglich einen ganz ordentlichen Job. Oder dem Präsidenten fehlt sein Einbläser Steve Bannon, womit wir auch schon beim Thema wären.

Reden wir über die Nachbeben von Charlottesville.

Weil Donald Trump Schluckbeschwerden bekommt, wenn er sich von rassistischen, gewalttätigen Demonstranten eindeutig distanzieren soll, haben sich kürzlich zahlreiche Wirtschaftsgrößen aus seinen business councils, den beiden wirtschaftlichen Beratergremien, verabschiedet; so lange, bis Trump diese – unter dem Vorwand, den Druck von den verbliebenen Mitgliedern nehmen zu wollen – aufgelöst hat. Und sich zuletzt, vielleicht nachdem John Kelly lange genug „Tausend Stecknadeln“ mit ihm gespielt hat, auch von seinem bösen genius familiaris Bannon trennte.

So weit, so gut. Belegt das, daß die global und kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft für Weltoffenheit, Toleranz und Menschenwürde steht, ein Gegengewicht zum nationalistischen Abschottungswahn darstellt, wie es neoliberale Kreise gern behaupten, wenn sie Emmanuel Macron oder Christoph Lindner als Antidot für Le Pen und Pegida anpreisen? Zeigten die Konzerngrößen hier moralische Haltung, ethische Überzeugung? Haben sie den US-Präsidenten aus hehren Gewissensgründen aufgegeben, wie etwa Kenneth Frazier, Chef des Pharmakonzerns Merck, für sich in Anspruch nahm?

Man könnte das meinen, bis man sich klarmacht, daß dieselben Leute sich durch die bisherigen Parolen und Verhaltensweisen dieses Präsidenten keineswegs gehindert fühlten, in seinen Gremien zu sitzen. Es ist ja nicht so, als hätte Trump seit Amtsantritt oder bereits im Wahlkampf Zweifel an seiner Fremden- und Frauenfeindlichkeit, oder seinen homophoben Ansichten aufkommen lassen. Mexikanische Mauer, „Muslim Ban“, „Grab their pussies!“ – all das war deutlich sichtbar, und rührte an niemandes Gewissen.

Stephen Colbert von der Latenight-Show A Closer Look hatte schon recht, als er nach den Austritten witzelte, daß für den abgesprungenen Richard Trumka, der Trumps Verhalten als „the last straw“ bezeichnete, die bisherigen Ausfälle des Präsidenten wohl nur „fun straws“ – witzig-bunte Designstrohhalme – gewesen seien. Nun ist Trumka allerdings Gewerkschaftler (dem auch erst nach Charlottesville, also nach Monaten der Zusammenarbeit, plötzlich auffiel, daß Trumps Manufacturing Council nie dazu gedacht gewesen sei, Arbeitern wirklich zu helfen); was für ihn gilt, betrifft aber die Konzernvertreter ebenso.

Wenn sich also Kenneth Frazier auf „persönliche Gewissensgründe“ beruft, kann man durchaus fragen, weshalb sein Gewissen vorher schwieg. Hat er, der nach den Ereignissen von Charlottesville als erster ging, den Rassismus des Präsidenten bzw. eines Teils seiner Anhänger zuvor nicht bemerkt? Lebten alle Beteiligten bis zu Trumps erster Rede zu den Ausschreitungen unter einem Stein?

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