:: Der Speckgürtel vor der Wahl

Es ist diese selbstzufriedene gesellschaftliche Pufferschicht, die Veränderungen blockiert; stets jene wählt, die ihr den Erhalt ihres Status versprechen, und nebenbei noch, daß die da unten auch unten bleiben (z.B. daß deren Kinder nicht in die Lage versetzt werden, mit den eigenen Gören auf gleichem Bildungsniveau zu konkurrieren). Die ihre Pfründe schützt, und zu diesem Zweck eben die Oberen, die diese der Mittelschicht günstigen Strukturen zu erhalten versprechen. Ungerechtigkeit wittert sie erst, wenn sie mutmaßt, daß ihr eigenes Wohlergehen gefährdet sei; dann rennt sie los und wählt AfD, bis Mutti Merkel kapiert hat, und eben nicht etwa die Linke, deren Gerechtigkeitsvorstellung ja bedeuten würde, daß man den Verachteten unterhalb des Fettrings was abgeben müßte. Dieser bürgerliche Wohlstandsbauch ist weniger staatstragend, denn herrschaftsstabilisierend; traditionell blickt der Bewohner der Mitte halb bewundernd, halb neidisch nach oben, hofft, ebenfalls dahin aufzusteigen, und sieht den Feind, der sein Wohlergehen bedroht, immer nur unter sich – in den linken Spinnern, den „Sozialschmarotzern“, den „Faulenzern“, wie Frankreichs Schröder-Nachfolger Macron sie jüngst feinsinnig titulierte. Mit denen teilen zu sollen, ist die Zumutung, die ihn ins Schwitzen bringt.

Natürlich sieht der Bürger selbst das am wenigsten ein; daß etwa der Rassismus der Pegida von den „Rändern der Gesellschaft“ in die Mitte gesuppt sein müsse, statt aus eben dieser Mitte zu kommen, wo er jahrzehntelang gut zugedeckelt köchelte, gehört ja zu seinen liebsten Erklärungsmythen. Seine Verachtung der Schlechtergestellten kann willkürlich von einheimischen Hartz-Empfängern zu „Wirtschaftsflüchtlingen“ und zurück pendeln; einen primären Rassismus, der immer eine in die DNA geschriebene Minderwertigkeit bei den Verlierern der Gesellschaft oder der Globalisierung vermutet, gleich welcher ethnischen Herkunft, legt er nie ganz ab. Eingestehen, auch vor sich selbst, würde er ihn allerdings nie; außer er wird ganz sauer, dann heißt es wieder Pegida (Anstoßgeber rechter Bewegungen ist interessanterweise regelmäßig die Mittelschicht, auch wenn sich später ggf. Arbeiter etc. anschließen).

Also: Daß es die Mittelschicht gibt, mindert nicht das Problem der Armut. Wer so argumentiert, täuscht sich selbst, oder will es verschleiern, verkleinern, verniedlichen. Übersieht, daß diese Schicht ungerechte Strukturen stabilisiert, entsprechende Herrschaftsverhältnisse erhält. Und vielleicht noch schlimmer: Daß sie eine Gesellschaft repräsentiert, der es völlig egal ist, was aus einem Teil ihrer Mitglieder wird. Wo es so empathielos zugeht, wird das System immer „Verlierer“ produzieren; wird es stets Arme geben, deren Schicksal gleichgültig ist.

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