:: Viel Lärm um nichts

It is a tale // Told by an idiot, full of sound and fury, // Signifying nothing.
– Shakespeare, Macbeth, 5. Akt, 5. Szene

Nur eine Randbemerkung zum Asylstreit zwischen CDU und CSU: Das Magazin quer des BR brachte am 21.06. einen angenehm unaufgeregten Beitrag (ca. ab Min. 16:30) zu dem Phänomen, daß derzeit Politiker (vornehmlich der CSU) sich verbal gebärden, als ginge Deutschland in einer Asylantenflut unter, die eine Spur der Verwüstung in Form völliger Auflösung des Rechtsstaats, allgemeinen Chaos und kompletten Zusammenbruchs jeglicher Ordnung hinter sich herziehe. Man müsse „die Lage in Deutschland wieder in den Griff bekommen“ (Markus Söder), „damit wieder Ordnung an unseren Grenzen herrscht“ (Alexander Dobrindt), heißt es da etwa – ganz so, als würden tagtäglich Flüchtlingshorden gegen die deutschen Grenzen branden, nicht weniger als den Untergang des Abendlandes im Gepäck. „Staat überfordert! Behörden machtlos! Deutschland kaputt!“ schallt es nicht nur aus den Reihen von AfD- und Pegida-Anhängern. Nur daß es die Flüchtlingsmassen, die das angeblich verursachen, nun, sagen wir – irgendwie nicht gibt.

Gähnende Leere an der bayerischen Landesgrenze, dito leerstehende Flüchtlingsunterkünfte; und darüber könnte man ja mal nachdenken: Weshalb aktuell vielerseits, auch in einschlägigen Boulevardmedien, die asylgeborene Apokalypse beschworen wird, während in Wirklichkeit – nichts dergleichen passiert.

Der Weltuntergang läßt sich nirgends besichtigen, was für Liebhaber dystopischer Filme vielleicht auch wieder’n bißchen schade ist; doch die Ängste, daß er längst da sei, oh ja, die muß man natürlich berücksichtigen. „Die“ Bevölkerung hat sie nämlich, diese Ängste, wer immer und wie viele das sein auch sein sollen – die ganze Bevölkerung wohl, versucht man wenigstens zu suggerieren. Daß es Furcht vor sozialem Abstieg ist, die da in Sorge um die eigene Identität umgedeutet wird, auch von den Betroffenen selbst, ist natürlich praktisch, für sie wie für die Politik: Man muß nichts ändern am ungerechten System des Spätkapitalismus, dem eigentlichen Verursacher, von dem man jedoch insgeheim immer noch mitzuprofitieren hofft. Man braucht sich nur einzureden, an allem – marode Schulen, Wohnungsnot, Altersarmut etc. – wären irgendwie die Flüchtlinge schuld. Wäre man die erst alle los, schwupps gehörte man kraft der eigenen „Identität“ (sprich: ethnischen Herkunft) wieder zu den Privilegierten mit Traumjob, tonnenweise Kohle und Luxusappartement. Träumt weiter, Leute.

Nun ja. Das hier ist jedenfalls (noch) bloß Satire.

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4 Kommentare zu „:: Viel Lärm um nichts“

  1. Wer hätte gedacht, das Shakespeare schon die CSU kannte… Vermutlich mitgefahren bei Doctor Who…

    1. Der Kontakt zur CSU dürfte Shakey dann aber fürs Leben mehr traumatisiert haben als die Weltraum-Hexen … 😉
      Auf mich wirkt das Ganze schon nicht mehr wie (wahl-)politisches Kalkül. Eher wie die Late-Life-Crisis eines Ministers, der nach der Demütigung durch seinen Großwesir Söder nun Kanzler anstelle der Kanzlerin spielen möchte.

      1. Tja, wer führt da wohl wen mit dem Nasenring durch die Manege… Wenns nur woanders besser wäre, könnte man ja auswandern. Allein, es ist überall das Gleiche, und oft genug noch schlimmer…

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