:: Liebe Junge Weiße Männer

Was Ihr hier unter dem Vorwand ausfechtet, euch für andere gesellschaftliche Gruppen oder Entwicklungen einzusetzen, ist in Wirklichkeit nur ein Kampf um Privilegien. Für euch, nicht für die anderen. Ihr reißt Themen an euch, die sie gesetzt haben, nehmt ihnen das Heft aus der Hand; das Ziel: Eure jetzige Konkurrenz, die alten Inhaber der Meinungshoheit, zu verdrängen und euch als deren geeignete Nachfolger zu empfehlen. Die Ihr meint, sind die satt gewordenen Verteidiger ihrer patriarchalen Privilegien, doch statt sie korrekt zu benennen – als Konservative, Bürgerliche, das Establishment o.ä. – schlagt Ihr auf die Alten ein. Und genau das verrät eure eigentliche Absicht. Sicher, die Vorherrschaft der Alten Weißen Männer soll enden (auch wenn einige davon Frauen sind); ersetzt werden soll sie jedoch durch eine Herrschaft der Jungen Weißen Männer, also: Eure. Hauptsache Männer. So daß, letztlich, alles beim – Alten bleibt.

Und so pickt Ihr euch eure Opfergruppen heraus, entscheidet, wer eines sein darf und wer nicht, und wessen Problem ihr im öffentlichen Diskussionsraum mal kurz aufgreift. Damit verfahrt Ihr gerade wie die Alten Weißen Männer, die Ihr angreift; ein weiteres Indiz, daß Ihr nur selbst welche werden wollt. Die Anliegen der Betroffenen vergeßt Ihr schnell, denn kaum wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben, fällt euch das Thema wie eine heiße Kartoffel aus den Fingern.

Aber genug von Landwirtschaft und aus der Mode kommenden Lebensmitteln. Gewiß – auch jeder weiße Mann muß sein Scherflein zur Auseinandersetzung um Rassismus, Misogynie oder Transgender-Fragen beitragen dürfen; dennoch möchte man den eigentlich Betroffenen am Liebsten zurufen: Traut ihnen nicht! Und zwar dann nicht, wenn sie Eure Themen deutlich nur kapern, um sich selbst darzustellen; was Ihr daran erkennt, ob sie bei der Sache bleiben, oder aus jedem Thema eine Altersfrage machen. Und dabei – ob offen im Text, oder als Subtext – ständig auf ihre eigene Jugend verweisen.

Tja, was sagt Ihr nun, Jungs.

Fühlt Ihr euch falsch dargestellt? Über einen Kamm geschoren – unter Generalverdacht gestellt?

Na, dann wißt Ihr ja jetzt, wie das ist.

Und demnächst: Lieber Weihnachtsmann, Liebe Balkonklatscher*innen, Liebe Menschen und Echsenmenschen.

(P.S.: Alle Männer sind strukturell bedingt Arschlöcher – hat neulich eine Frau geschrieben. Guckte ich in den Spiegel und erinnerte mich an mein zwanzig- oder dreißigjähriges Selbst, mußte ich ihr da recht geben (zumal, wenn man das „strukturell bedingt“ berücksichtigt). Hab ich auch nicht geheult. Euer ständiger Verweis auf eure Jugend ist auch ein Versuch, diesen Blick in den Spiegel zu vermeiden.)

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