:: Der Dieter mal wieder (Part II: Dieter Nuhr vs. Alice Hasters)

Denn er verbreitet ein herrschaftstragendes Narrativ: Kapitalismus ist gut, Kritik daran nur durch biologisch verursachten „Neid“ bedingt; Rassismus gibt es keinen; Meckerer sind bloß hysterisch. Kurz, mit der herrschenden Ordnung (eben der, in der sich seine Fans bequem eingerichtet haben), ist alles ok. Um dieses Weltbild zu stützen, greift er immer wieder auf die oben beschriebenen Mittel zurück (für die sich noch viele weitere Beispiele finden lassen): Personen falsch zitieren, Fakten falsch darstellen, insbesondere wissenschaftliche Studien verdrehen; und dann das von ihm entworfene Zerrbild genüßlich als Irrsinn Anderer denunzieren.

Oder, wie der volksverpetzer schreibt: „Dieter Nuhr inszeniert die Forderungen von Minderheiten und Klimaaktivist*innen, die sich gegen mächtige Konzerne und ihre Lobbys stellen, als Extremismus und reproduziert somit gesellschaftliche Machtverhältnisse.“ Sich selbst stellt er dar als von Ruhe und Besonnenheit geprägten Aufklärer, der „vor dem Sprechen nachdenkt.“

Aber Dieter Nuhr kann noch mehr. Er wird nicht müde, zu betonen, daß Wissenschaft keine endgültigen Wahrheiten verbreite, um so Seitenheibe gegen Andersdenkende zu verteilen, die sich auf Wissenschaft berufen (speziell Greta Thunberg, deren Ausruf „Follow the science!“ er auf diese Weise angreift). Immer dann jedoch, wenn es ihm paßt, verkauft er seine Ansichten als „wahr“, weil eben „wissenschaftlich begründet“ – bloß, daß er es mit dem wissenschaftlichen Forschungsstand dann gern nicht so genau nimmt. Hier geht die Heuchelei full circle – die Berufung auf eine autoritative Instanz, der man zugleich nicht gerecht wird, typisches Merkmal eines bürgerlichen Denkens, für das „Bildung“ vornehmlich ein sozialer Gestus ist, ohne daß Substanz hinter dem Selbstanspruch stünde.

Auch vor Geschichtsverdrehungen schreckt D.N. nötigenfalls nicht zurück – etwa, wenn er lästert, Waldsterben und Ozonloch wären ja auch nicht gekommen, die Klimapanik also reine Hysterie; und dabei vergißt, daß sie deshalb nicht kamen, weil man diese Bedrohungen ernst genommen, und etwas dagegen getan hat (und das Ozonloch sind wir noch nicht mal wirklich los, Leute).

Letztlich macht Nuhr Affirmationstheater für ein sattes, privilegiertes Bürgertum, das keinen Änderungsbedarf am status quo sieht, und dem er ständig versichert, daß alle Meckerer und Querulanten nur hysterische Äffchen sind, man selbst aber vom Gipfel aufgeklärter Ratio auf das Treiben der Welt hinabsieht, wo sie sich tummeln, die ganzen Unverständigen und Verrückten. Macht es euch gemütlich im Ohrensessel eurer Vorurteile, Privilegien und schon immer gewußten Wahrheiten, flüstert er seinen Anhänger*innen als Gutenachtgeschichte zu. Nuhr und seine Anhängerschaft kennen keine soziale Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit, Diskriminierung oder politischen Mißstände – nur privates „Schicksal“, selbstverschuldet vielleicht oder vom großen Roulette im Himmel zugewiesen; nichts jedenfalls, das man ändern müßte oder überhaupt könnte, weshalb alle, die sich darüber aufregen, eben nur nichts kapiert haben. Der Markt ist ihm „ein Naturgesetz wie die Tatsache, dass das Wasser von oben nach unten läuft“. Überhaupt ist nichts systembedingt oder menschengemacht, sondern alles nur „Natur“ – auch die „Hysterie“ der Anderen eine menschliche Grundeigenschaft, genetische Mitgift also, die eben alles erklärt, den „Neid“ z.B. Denn so etwas wie gesellschaftlich produzierte Probleme existiert im Nuhriversum nicht. Bloß Natur und Schicksal, die allen ihren Platz in der Welt zuweisen, was eben manche auf den Wackelhocker gesetzten Verlierer nicht akzeptieren mögen. Die Herrschaftsordnung aber, die das Bürgertum bevorzugt, ist gewissermaßen Ausdruck von Naturnotwendigkeiten, was die Wissenschaft belegt.

Und so ist es auch keine erlaubte satirische Zuspitzung oder polemische Übertreibung, was er da treibt; denn Nuhr ist stets auf Seiten der Macht, gegen die Kleinen und die da unten, während Satire traditionell die Mächtigen angreift. Nicht jedoch Dieter Nuhr – eher ein Hofnarr als ein Kabarettist ist er, wenn auch der unkritischste Hofnarr, den ein König wohl je hätte haben können.

Next: Godzilla und Immanuel Kant gegen Dieter Nuhrs Robotmonster aus der Hölle!

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