:: Nachtgedanken: Warum es ein Nichts geben muß (oder einmal gegeben haben muß)

Das passiert, wenn man nachts zu lange auf bleibt: Man kommt so ein bißchen ins Philosophieren. Man treibt also Metaphysik. Oder Ontologie. Was auch immer.

Und manchmal hat man (wenn man Herr Sathom heißt) dabei ziemlich wirre Ideen. Eine davon treibt mich jetzt schon eine Weile um, und ich will sie nun endlich mit einer verblüfften Welt teilen.

Übrigens vorab: Ich behaupte nicht, der Erste oder Einzige zu sein, der jemals auf diese Idee gekommen ist; und ich bin zu faul, es zu recherchieren. Kann also sein, daß das gar kein so neuer oder origineller Einfall ist. Wenn, dann will ich nicht so getan haben, als ob ich der Urheber wäre.

Jetzt aber los. Also:

Eine der grundlegenden Fragen der Philosophie lautet: Warum existiert Etwas anstelle von Nichts? Die bekannteste Fassung dieser Frage ist wohl die, die Leibniz in seiner Theodizee verwendet: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? („Pourquoi il y a plus tôt quelque chose que rien?“).

Die Frage an sich ist natürlich viel älter, und von anderen Philosophen unterschiedlich formuliert worden; und sie ist durchaus berechtigt. Denn schon bei oberflächlicher Überlegung ist es ja keineswegs selbstverständlich, daß überhaupt etwas existieren sollte. Warum gibt es dieses Etwas (z.B. unser Universum), und nicht einfach nur gar nichts? Wäre das nicht sogar plausibler – außer, es gäbe einen Anlaß für dieses „Etwas“?

Leibniz nimmt diese Frage natürlich zum Anlaß, die Existenz Gottes zu beweisen bzw. diesen Gott zu rechtfertigen: Alles Leid in der Welt, durch Naturkatastrophen, Krankheiten usw., auch die menschliche Bosheit, die Leiden verursacht, sind unvermeidlich; ein geordneter Kosmos kann nur so funktionieren, wie der unsere, oder gar nicht; oder das Leben darin wäre noch schlimmer. Man kann diese Unbilden nicht Gott zur Last legen, denn er ist allwissend und gütig, und hat die Welt so gestaltet, wie sie noch am günstigsten für den Menschen funktioniert; wir leben, so Leibniz, in der „besten aller möglichen Welten.“

Als Atheist muß ich diese Gottesrechtfertigung natürlich ablehnen. Selbst wenn man einen – vorab angenommenen – Gott auf diese Weise rechtfertigen kann (als einen guten Gott, der das Böse nicht aus fieser Absicht in die Welt eingebaut hat), läßt sich aus der Existenz der Welt keineswegs ableiten, daß es überhaupt einen Schöpfer geben muß. Ihre Entstehung könnte ja auch einfach so „passiert“ sein. Z.B. durch einen Urknall. Was in der Art halt.

Es gibt auch andere Antworten, etwa die, daß ein Zustand absoluten Nichts unmöglich sei; studierte Hirnakrobaten sich zu dem schon Thema alles Mögliche einfallen lassen, vieles davon gewitzterer hergeleitet, als ich das könnte.

Wie auch immer: Mir ist zu später Stunde noch eine weitere, mögliche Antwort auf besagte Frage eingefallen; nicht erst gestern, und manchmal sucht sie mich in anderen, zu langen Nächten noch heim.

Also: Warum existiert Etwas anstelle von Nichts?

Antwort: Es existiert Etwas, weil Nichts existiert.

Umkehrschluß: Weil etwas existiert, muß zwingend notwendig ein Nichts existieren (oder ursprünglich existiert haben).

Häh?

Ok, ok. Dahinter steckt folgender Gedankengang:

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