:: #alledichtimhirn oder was?!?

Insbesondere dürfte diese Behandlung – die ständige Erniedrigung, Verleumdung, und Existenznot – die betroffenen Bevölkerungsschichten nachhaltig traumatisiert haben. Die Profiteure aber auch: es hat sie zu Monstern gemacht. Grausam, mitleidlos oder gleichgültig, zynisch aus Selbsterhaltungsnot. Es waren Jahrzehnte, in denen Parolen wie „Jeder ist sich selbst der Nächste“ oder „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ fröhliche Urständ feierten. Mit fatalen Folgen auch für die, die solche Floskeln bejahen würden – denn sie bedeuten, daß wirklich alle „eigenverantwortlich“ sind, man selbst also, wenn man sozial abstürzt, keine Hilfe oder Gnade erwarten darf; dieses Schicksal ganz allein selbst ausbaden muß. Und so lauert hinter dem verächtlichen Gestus gegenüber den Gescheiterten die eigene existenzielle Angst.

Es gälte, endlich ein Trauma aufzuarbeiten, das bisher völlig verdrängt wurde; ja, nicht einmal als vorhandenes Trauma wahrgenommen wurde. Eines, das tiefe, zerstörerische Wurzeln in die gesamte Gesellschaft getrieben hat; so zerreißende, daß da kaum noch „Gesellschaft“ ist, außer in Lippenbekenntnissen, oder als sprachliche Gewohnheit.

Und das noch wirkt: Die Floskel der „Unzufriedenen“ kommt immer mal wieder auf, die der „bildungsfernen Schichten“ (die als absichtlich ungebildet dargestellt werden, nicht als Opfer schlechter Bildungschancen); na und so weiter.

Als Margaret Thatcher im Großbritannien der 1980er die Macht erhielt, trat sie mit der Parole an, es gäbe keine Gesellschaft, nur Individuen; faßt man das nicht als Tatsachenbehauptung, sondern als Programm auf, könnte man sagen: Der Neoliberalismus hat es erfolgreich verwirklicht. Die Pandemie macht das, einmal mehr, nur sichtbar.

Immerhin, es gibt Hoffnung: Schließlich hat man sich über #alleschmachtlappen empört. Falls die Empörung der Sache gilt, nicht nur deren Sichtbarwerden. Aber diese Aufarbeitung wird nötig werden, früher oder später; eine unversöhnte Gesellschaft treibt in immer gefährlichere Gewässer.

„Wir werden einander viel zu verzeihen“ haben, orakelte Jens Spahn zu Beginn der Pandemie; da hast Du einen Mund voll gesagt, Freundchen. Vielleicht wolltest Du dich mit diesem Satz bloß schon vorab aus der Affäre ziehen, falls die Politik Mist baut, aber sei’s drum; er stimmt dennoch. Nur werden wir uns weitaus mehr als ein paar Corona-Fehler zu verzeihen haben. Was von denen, denen es zu verzeihen gilt, natürlich Einsicht verlangt (und da sehe ich schwarz). So oder so haben wir da einiges zu verdauen. Guten Appetit.

P.S. Den Kommentaren unter dem Böhmermann-Video auf YouTube kann man recht gut entnehmen, welchen irrsinnigen Zwangsmaßnahmen Hartz-IV-Empfänger ausgesetzt sind, bis hin zur Verhinderung von Weiterbildung, von „sozialem Aufstieg“ also. Wer unten ist, soll unten bleiben: Agenda 2010.

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