:: Abkackende Wahlplakate: Number Five.

Abspann: Apokalypse Resterampe

Okay, ehrlich: Diese Artikelreihe muß unvollständig bleiben. Es gäbe noch viel mehr Parteien, zu deren Wahlplakaten etwas zu sagen wäre – wie zum Mißverhältnis zwischen Wahlkampfthemen und real drängenden Problemen überhaupt; aus arbeitsbedingtem Zeitmangel blieb leider nichts übrig, als nur diese kursorischen Schlaglichter zu werfen. Hier noch ein paar Resteindrücke, und dann leider Schluß:

Manche Wahlwerbungen zeigen den Anflug von Verzweiflung. In Berlin-Neukölln, Johannisthaler Chaussee, sind das z.B. gelbe Handzettel, die man nicht wirklich Plakate nennen kann, und die am Zaun auf dem Mittelstreifen zwischen den richtigen klemmen; sie werben für einen Herrn Christian Pape und tragen eine Webadresse sowie den Slogan „Wähler:innen wählen“. Und das war’s. Tja, was auch immer, Herr Pape. Try harder next time.

Was soll man zur AfD sagen? Da bleibt eigentlich nicht viel, vielleicht, daß ihr Slogan „Deutschland. Aber normal.“ ziemlich nichtssagend wäre, wüßte man nicht, was diese Partei mit „normal“ meint. Nämlich nicht den häufigsten Fall oder das statistische Mittel, sondern eine rigide Vorstellung davon, was „naturgemäß“ richtig oder „gesund“ sei – eine bestimmte Sexualität zum Beispiel; was eine lebhafte Vorstellung davon vermittelt, wie es unter einer AfD-Regierung denjenigen erginge, die gemäß dieser Definition nicht „normal“ sind. Die Plakate der Partei sind ansonsten diesmal ziemlich langweilig, und liefern die zu erwartenden Parolen ab. Nur ein einziges ist Herrn Sathom dadurch aufgefallen, daß es versucht, clever zu sein: „Dürfen wir noch nach Kreta, Greta?“ fragt es listig, doch die Frage wirkt auf Herrn Sathom kurios; er kann er sich nämlich nicht erinnern, daß Greta irgendwann versucht hätte, ihm zu verbieten, nach Kreta zu fahren. Das Problem ist wohl eher, daß man vielleicht irgendwann nicht mehr nach Kreta fahren kann, weil es z.B. im ansteigenden Meer abgesoffen, oder in der Glut der Klimakatastrophe zum Wüsteneiland verödet ist – oder weil man zu beschäftigt damit ist, sich mit anderen postapokalyptischen Mutanten um die letzten Wasserlöcher zu kloppen, um noch ans Verreisen zu denken.

Herr Sathom imaginiert sich mal schnell als nietenbelederten Biker, der mit seiner Gang versucht, den Schergen des Tesla-Konzerns die letzte vorhandene Trinkwasserquelle Mitteldeutschlands zu entreißen. Nur kurz. Zur Entspannung.

Ahhh gut. Ähem. So, weiter. Die Frage ist auch deshalb bescheuert, weil Greta hierzulande gar nicht zur Wahl steht, hinterher also gar nichts verbieten könnte. Ja, ja, schon klar, es geht um Angstmache vor der Ökodiktatur und so, aber irgendwie funktioniert die Pointe nicht; das Gefuchtel mit der bösen Greta-Handpuppe ist einfach zu neben der Realität (dürfte bei Stammwählerïnnen vermutlich gerade deswegen funktionieren).

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