:: Retrogaming: Metamorphosis – Mystery of the Creator

Rezensiert hat Herr Sathom das Spiel Metamorphosis IV: Earth Warrior – „Labyrinth of the Creator“ im ersten Teil; jetzt aber zum versprochenen Rätsel um das Game und seinen Schöpfer.

Ich erinnere „Labyrinth of the Creator“ als eines meiner ersten C64-Spiele – was allerdings nicht stimmen kann, denn ich hatte es als Diskettenspiel, aber das Floppy-Laufwerk (die VC 1541) konnte ich mir erst ein Jahr nach Kauf des Computers leisten. Bis dahin war ich auf die Datasette angewiesen (beides, 64er und Zubehör, bekam ich nicht geschenkt; ich mußte dafür jeweils in den Sommerferien lang bei Woolworth arbeiten). Auch das Veröffentlichungsdatum (1983) spricht dagegen.

Ich erinnere das Spiel auch nur in Schwarzweiß, obwohl ich es später auf dem 1702er Farbmonitor gespielt haben muß, und nur anfangs mit einem alten S/W-Fernseher, den ich zum Spielen zweckentfremden durfte; aber in dieser graustufigen Optik ist es mir irgendwie im Gedächtnis haften geblieben, weshalb auch immer.

Und ich erinnere mich, daß ich das Spiel nicht richtig „gut“ fand, keinen der Spiele-Hits, die damals jeder haben wollte, und daß ich es dennoch besessen spielte, bis ich es irgendwann gewonnen hatte – und das, obwohl es selbst für die Zeit seltsam halbprofessionell wirkte, wie von einem Amateur programmiert, einem sehr talentierten zweifellos, aber eher ein Self-Publishing-Projekt, ein Eitelkeitsding.

Wie auch immer. Mal wieder im 64er-Nostalgie-Modus und getrieben von vagen Erinnerungen an dieses Spiel und dessen Programmierer, der mir damals öfters unterkam, ging ich auf Spurensuche. Nachdem ich einmal heraus hatte, daß der Programmierer ein gewisser Mike Wacker war (der Name ist mir damals in den 80ern vielleicht aufgefallen, weil er mich an den Comic Willi Wacker – im Original Andy Capp – erinnerte), fanden sich einige weitere Hinweise – nicht viele, und teils widersprüchliche.

Während andere Pioniere (und Pionierinnen) der Computerspielgeschichte gut dokumentierte Biographien auf Wikipedia haben, läßt sich über Mike Wacker schlichtweg nichts herausfinden. Vielleicht, vielleicht auch nicht gehörten ihm die Herstellerfirma Victory Software und der Publisher Mogul Communications, der seine Spiele veröffentlichte (der Umstand, daß er manchmal im Vorspann als Copyright-Inhaber genannt wird, deutet auf Ersteres hin); er produzierte eine Reihe von 64er-Spielen, bis er irgendwann, und scheinbar spurlos, verschwand. Dabei gelangen ihm durchaus einige Erfolge, die größeren Bekanntheitsgrad erlangten: Nämlich das Spiel Fire Ant, eine ziemlich witzige und gelungene Knobelei, und Mushroom Alley, ein passabler Centipede-Klon. (Mobygames listet auch Bagitman – ein ebenfalls sehr witziges, kniffliges und komplexes Game – als Produkt von Mogul Communications auf, das jedoch von Aardvark Action Software, und anderen Programmierern stammte. Mogul spielte hier wahrscheinlich nur die Rolle des Vertriebs.) Wacker war also nicht regelrecht ein Niemand, der bloß im Eigenverlag Eitelkeitsprojekte auflegte.

Der volle Titel des Games lautet eigentlich Metamorphosis IV – Earth Warrior, mit „Labyrinth of the Creator“ als Untertitel. Das Spiel ist also Bestandteil einer Serie. Und hier wird es wirklich seltsam. Angaben über Titel und Anzahl der Teile sind nämlich ziemlich widersprüchlich. Der Titel Metamorphosis IV läßt natürlich an vier Teile denken; die Vorgänger heißen Metamorphosis II – Earth Warrior: Attack on Cyglorx und Metamorphosis III: Earth Warrior – „The Creators Revenge“ (yup, im Englischen müßte da ein apostrophiertes „s“ stehen, tut’s aber nicht; die inkonsistente Verwendung von Doppelpunkten und Anführungszeichen entspricht den Titelscreens der Spiele).  Allerdings zählt Mobygames den zweiten Teil an anderer Stelle nur als Metamorphosis, ohne eine II oder irgendwelche Zusätze im Titel; und mehr als drei Teile scheinen auch nicht zu existieren. Entweder also wurde damals die Nummerierung mit II begonnen – oder es existiert ein erster Teil, über den es schlichtweg keine Informationen gibt. Ohne Hinweise kann man über die Hintergründe nur spekulieren – vielleicht gab es einen nie veröffentlichten Prototyp, oder die Zählung wurde mit II begonnen, um eine schon etablierte Serie zu suggerieren, oder, oder, oder.

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