:: TV-Tipp: Willkommen in Gravity Falls

Ich hatte ja kürzlich berichtet, daß ich mit einiger Verspätung die Serie Star gegen die Mächte des Bösen entdeckt habe. Inzwischen konnte ich nun auch eine weitaus gravierendere Bildungslücke schließen: Denn Willkommen in Gravity Falls (im Original schlicht Gravity Falls) lief bereits von 2012 bis 2016. Ja, das sind sechs Jahre seit dem Serienfinale.

Und das, obwohl Gravity Falls keine Serie ist, die ich übersehen oder zuvor nie wahrgenommen habe – schon vom Start der Originalfassung bei Disney an ist mir die Aufregung, die die Serie bei Nerds in Online-Foren auslöste, keineswegs entgangen. Daß sie erwachsene Fans von Populärkultur anspräche, an Mystery-Formate wie Akte X erinnere, und unheimlich clever gemacht sei – das habe ich durchaus bemerkt; sie wurde als regelrecht bahnbrechend beschrieben und gilt tatsächlich bis heute als Blaupause, die Serien wie Star, Steven Universe, Willkommen im Haus der Eulen, Amphibia und nicht zuletzt Rick und Morty mindestens inspiriert, wenn nicht ermöglicht hat.

Das sind eine Menge Lorbeeren; und es war eher Mangel an Zeit und Gelegenheit, die mich jahrelang hinderten, einen Blick auf die Serie zu werfen. Bis jetzt. Also – sind die Lorbeeren gerechtfertigt?

Kurze Antwort: Ja.

Es ist nun allerdings schwierig, diese Einschätzung zu begründen, ohne allzuviel zu spoilern (ich wende mich hier ja an Leute, die Gravity Falls ebenfalls – aus welchen Gründen auch immer – bisher verpaßt haben); vielleicht daher kurz das: Die Serie hat in ihrer ursprünglichen Laufzeit zwei Emmy Awards, drei Annie Awards und einen BAFTA Children’s Award gewonnen und wurde für zahlreiche andere Preise nominiert, von denen sie ebenfalls einige gewann (die komplette Liste findet sich hier); sie hinterließ ein bis heute aktives Fandom, das mit weiterhin erscheinenden Büchern, Comics und Merchandise-Artikeln bei Laune gehalten wird.

Ich wäre allerdings vorsichtig, was den im Wikipedia-Artikel behaupteten Einfluß auf andere Serien angeht, insbesondere, wenn man recherchiert, was deren Autorïnnen selbst als Inspirationsquellen angeben, oder auf die Erscheinungsdaten der jeweiligen Serien blickt, die z.T. fast parallel laufen; ich halte das eher für einen Zufall, der schlicht damit zu tun hat, daß eine junge Generation von Nerds und Fans als Autorïnnen und Produzentïnnen auf den Markt drängte. Sicher hat Gravity Falls allerdings demonstriert, was man heutzutage mit Zeichentrickserien machen kann – also serienübergreifende Plots erzählen, tiefergehende Charakterisierung der Figuren und Persönlichkeitsentwicklung einbauen, genderinklusive Geschichten erzählen (ich bin mir z.B. nicht sicher, welche Geschlechtsidentität die Figur Grenda hat und ob sie ggf. als „Butch“ gemeint ist); und nicht zuletzt durch populärkulturelle Verweise auf Fantasy-RPGs, Computerspiele, andere Fernsehserien und Filme das Ganze auch für ein entsprechend interessiertes Publikum ansprechend machen.

Insofern hat Gravity Falls möglicherweise andere Macherïnnen ermutigt, ähnliche Projekte anzugehen, und Senderverantwortliche, entsprechende Drehbücher anzunehmen. Ganz gewiß dürfte es innerhalb des Disney-Konzerns eine neue Tradition begründet haben, die zu frecheren, mutigeren Formaten geführt hat (wie Star und Owl House z.B.) – mit dem ironischen Resultat, daß Disneys Zeichentrickserienproduktion generell interessanter und spannender ist als der Kitsch, den das „Haus der Maus“ nach wie vor regelmäßig auf die Kinoleinwände scheißt. Auf jeden Fall aber stellt die serie den Vorreiter, gewissermaßen die Speerspitze einer Entwicklung dar, die uns heute Serien wie The Owl House oder Star beschert.

Aber was kann man nun (ohne, wie gesagt, zu spoilern) inhaltlich sagen? Nochmal in aller Kürze: Ich bin begeistert. Und das aus einer Vielzahl an Gründen – die swohl die Handlung, die Charakterzeichnung, den Humor und die Spannung, aber auch die nerdig-popkulturellen Verweise betreffen.

Nur einige Worte zur Handlung: Gravity Falls begleitet die Zwillinge Dipper und Mabel Pines, die ihre Sommerferien bei ihrem Großonkel Stan auf dem Land verbringen müssen (nichts, worauf sie sich gerade gefreut haben); „Gronkel“ Stan betreibt dort den „Mystery Shack“, eine Touristenfalle, in der ausgestopfte Viecher und angeblich magische Objekte angeboten werden – kurz, er ist ein Betrüger, und überhaupt ein hinterhältiger, eigensüchtiger Halunke (der natürlich nach und nach sein weiches Herz für die Kinder entdeckt). Allerdings gehen in der Kleinstadt Gravity Falls und Umgebung tatsächlich Dinge vor, die nicht ganz geheuer sind; bewaffnet mit einem von drei Tagebüchern eines mysteriösen Autors, dessen weitere Bände es aufzuspüren gilt, untersuchen unsere Heldïnnen die Vorfälle und geraten schließlich in eine Geschichte, die – gemildert durch witzige Ereignisse und das Auftreten ziemlich schräger Charaktere – geradezu Lovecraftsche Ausmaße annimmt. Am Ende steht nichts Geringeres als das Schicksal der Welt auf dem Spiel – und die einzigen, die es aufhalten können, sind die Pines-Familie und ihr Ensemble liebenswert-schräger Freundïnnen; antreten muß die Außernseitercrew gegen einen diabolischen, zugleich witzigen Tricksterdämon, der mich persönlich vom Auftreten und seinen Zielen her an Lovecrafts Figur Nyarlathotep erinnert.

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