:: Onkel Rolf und Onkel Rudolf

Ach ja, Fi** und Fo**i. Richtig, ich kann mir diesen pornographischen Pennälerwitz nur halb verkneifen. Aber mir ist grad so, aus Gründen, die gleich folgen.

Also jetzt ganz ernsthaft: Man weiß ja schon seit geraumer Zeit, daß Rolf Kauka, Verleger der zwei halbstarken Fuchsbengel, politisch ein eher dubioser Charakter war (oder sagen wir es offen: Er war stramm rechts). Aber wie das so ist, wenn Leute nachforschen, neues Material zutage fördern und dann Bücher schreiben – manchmal zeigt sich dann: Es ist alles noch viel schlimmer.

Also, Rolf Kauka. Mal wieder. Schon als Kind hegte ich eine Art Haßliebe zu Fix & Foxi, einer notdürftig mit frankobelgischen Comics aufgehübschten Ramschpublikation (in der auch schon mal frech behauptet wurde, Comics wie Spirou und Fantasio (dort: Pit und Pikkolo) oder Lucky Luke stammten tatsächlich aus Kaukas Feder – wohl, um seinen Ruf als „deutscher Walt Disney“ zu mehren). Was mich aber wirklich zeitweise verstörte, waren die einleitenden Grußworte von „Onkel Rolf“ an seine „Lieben Freunde“ (heute würde man Editorial dazu sagen).

Daß er die DDR meinte, wenn er in einem dieser Ergüsse von deutschen Brüdern und Schwestern sprach (oder so ähnlich, die Erinnerung verschwimmt), die nebenan quasi in Sklaverei gehalten würden, habe ich mit sechs Jahren nicht mal verstanden; frage mich aber bis heute, was dieser apokalyptische Text, mag man ihm auch zustimmen, in einer Publikation für kleine Kinder zu suchen hatte. „Onkel“ Rolf war, was seine Art angeht, sich an das gerade schulfähige Lesepublikum zu wenden, manchmal regelrecht wie entfesselt – völlig distanzlos und ohne realistische Einschätzung, was man Kindern zumuten kann. Oder würden Sie wollen, daß ein fremder „Onkel“ zur Tür hereinspaziert und ihren Kindern erzählt, daß gleich die roten Gruselmonster kommen, um sie aufzufressen?

Nach dem Motto „Das erklären wir dir, wenn du größer bist“ bzw. „das verstehst du noch nicht“ wurden wir ja damals noch zur Ahnungslosigkeit erzogen – wußten also als Fünf- bis Sechsjährige vermutlich nicht einmal, wovon genau die Rede war. Kauka, den das nicht zu kümmern schien, fiel mit Wortgewalt über seine unschuldige Leserïnnenschaft her, um sie früh zu indoktrinieren. Dazu gleich noch mehr; aber jetzt zum Eigentlichen.

Daß Kauka die gallischen Helden Asterix und Obelix zu Germanen namens Siggi und Babarras umsynchronisierte, war ja schon bekannt; was an sich nicht so schlimm wäre (nur irgendwie scheiße), hätte er es dabei belassen. Aber nichts da. Den Römern wurde ein anglo-amerikanischer Akzent verpaßt, um sie den von Kauka so gesehenen „Besatzern“ anzuähneln, Obelix‘ (bzw. Babarras‘) Hinkelstein in einem Dialog als „Schuldkomplex“ gedeutet, den man in Germanien endlich mal loswerden müßte, und unsympathische bzw. verräterische Gestalten durch eine „jiddische“ (oder was die Redakteure dafür hielten) Sprechweise als Juden dargestellt. Das führte zu einem Skandal, der den Entzug der deutschen Rechte an der Serie zur Folge hatte – und Asterix-Erfinder Goscinny veranlaßte, die erste von Gudrun Penndorf für den Ehapa-Verlag übersetzte Asterix-Folge ins Französische rückübersetzen zu lassen, nur um sicherzugehen, was die Boches da womöglich wieder trieben.

Aber das wußte man alles schon – das Meiste davon jedenfalls. Auch, daß Kauka – womit wir wieder beim lieben Onkel wären – in einem Weihnachtsgruß kaum verhüllt (er redet von „unschuldig Gefangenen in Spandau“) den Wunsch nach Freilassung von Rudolf Heß äußerte.

Aber jetzt ist da dieses Buch. Es fügt dem Bekannten einiges hinzu; einiges, das auch über die Person Kaukas hinaus bedeutend ist, indem es ein politisches Sittenbild der damaligen Bundesrepublik zeichnet.

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