Schlagwort-Archive: Angela Merkel

:: Danke gleichfalls für nix

Es gibt so Sätze zum Ausflippen, wie neulich Sascha Lobo im Spiegel festgestellt hat. Ich und meine Spaltpersönlichkeit Mr. S. könnten weitere aufzählen (z.B. „Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen“, ein Satz, der i.d.R. von Leuten kommt, die ihn als einzige garantiert nicht enger schnallen werden); besonders bei manchen Äußerungen zur Pandemie könnten wir ausflippen. Und diesmal gleich bei mehreren – nämlich allen aus der „Danksagung“ Angela Merkels an das niedere Arbeitsvolk für seinen Einsatz in der Pandemie.

Mrs. Merkel hat ja schon in der Vergangenheit gern immer mal wieder, in betulichem Tonfall, Dinge von sich gegeben, die deutlich zynisch waren (etwa, als sie geheimnisvoll raunend andeutete, die Fridays for Future-Bewegung könnte eine Art russisch gelenkter Deppenkolonne sein); auch solche, die dem Zynismus noch Hohn hinzufügten (wie ihre Aufwärmtipps an frierende Schülerïnnen). Aber bei ihrer „Dankesrede“ anläßlich des 1. Mai lief sie zu seltener Spitzenform auf.

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:: Messianische Auferstehung

Heute auf dem Spielplan: Guttenberg und kein Ende, und ganz unten auch noch Neues zur beliebten „Bild“-Werbekampagne.

But first things first: Hat Herr Sathom es vorausgesagt? Er hat es vorausgesagt. Gut, zugegeben – schwierig vorherzusehen war’s nicht, bedurfte weder prophetischer Gaben, noch hätte dazu irgendwer den Kaffeesatz konsultieren müssen: kaum einen Tag nach dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs setzt sich die Weißwäscherei fort.

Im SAT.1-Text vom 02.03.11 liest Herr Sathom, daß auf die TED-Frage, ob Guttenbergs Rücktritt richtig gewesen sei, 87,2% der mündigen Bürger (ja, eh klar) mit „Nein“ antworteten. Repräsentativ ist das Ganze freilich nicht; eine EMNID-Umfrage (siehe hier) liefert ein ausgeglicheneres, teilweise für jeden Menschen von klarem Verstand jedoch immer noch bestürzendes Bild, etwa wenn sich 59% der Befragten „menschlich nicht enttäuscht“ zeigen (aber na gut, vielleicht heißt das ja nicht, daß sie Schummelei läßlich finden, sondern sie einfach erwarteten?). Und auch eine bekannte Berliner Boulevardzeitung (Herr Sathom meint, es sei Springers B.Z. gewesen, will’s aber nicht beeiden, da er nur am entsprechenden Aufsteller vorm Zeitungsladen vorbeirauschend dies wahrnahm) ließ sich nicht lumpen: „Adel verzichtet“ titelte man dort gleichentags neben dem Bild eines gesenkten Hauptes abgelichteten Freiherrn, und stilisierte den längst überfälligen (und aus Herrn Sathoms Sicht scheinheiligen) Rücktritt damit zur großmütig-noblen Geste des tragikgeschüttelten  Edelmenschen. Auch des Edlen Widersacher wurden flugs mit Dreck beworfen: weiter unten sieht man den bei irgendeiner Gelegenheit in grinsender Pose mit ineinandergelegten Händen fotografierten Jürgen Trittin neben der Überschrift: „Wie seine Gegner sich die Hände reiben“. So ein Schurkenpack, möchte der emotionalisierte Leser da sicher rufen und kocht bestimmt vor gerechter Empörung.

Übrigens: auf den Titel „Adel verzichtet“ war die Süddeutsche Zeitung schon einen Tag früher gekommen (siehe hier). Ähem.

Die Krone allerdings setzte die Kanzlerin dem Ganzen auf.
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