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:: TV-Tipp: Abramakabra

Es hat lange keine „TV-Tipps“ mehr gegeben, obwohl sie eine der frühesten Kolumnen dieses Blogs waren. Einen Grund für die jahrelange Pause wüßte Herr Sathom nicht einmal anzugeben; auch, daß wieder einmal einer erscheint, ist dem bloßen Zufall zu verdanken.

Denn ARD ONE wiederholt derzeit die Serie Abramakabra von 1972. Leider offenbar nicht in der Mediathek verfügbar, aber hier – mit Wiederholungsterminen – vermerkt, handelt es sich um ein Sketchformat mit Dieter Hallervorden und Helga Feddersen, das bereits vor Nonstop Nonsens produziert wurde – der Serie also, die viel eher mit dem frühen Hallervorden in Verbindung gebracht wird. Es ist kaum bekannt – so wenig tatsächlich, daß Herr Sathom, trotz seines weißen Altmännertums, noch nie davon gehört hatte; anscheinend auch deshalb, weil es bisher nie, mit Ausnahme einzelner Folgen, wiederholt wurde.

Dabei ist Abramakabra eine bemerkenswerte Produktion, ungewöhnlich für ein Comedy-Format jedenfalls, und Nonstop Nonsens vielleicht sogar überlegen (Geschmackssache, zugegeben). Die Sketche sind makaber und schwarzhumorig angelegt, wobei der Humor zuweilen sehr schwarz wird; neben sehr bissiger, intelligenter Satire findet sich dabei auch reine Comedy. Böse und auf den Punkt gebracht sind in der ersten Folge z.B. Uwe Dallmeier als Jagdpächter, der erklärt, was den abendländischen Waidmann vom Metzger oder vom „primitiven“ Urwaldjäger unterscheidet, und sich dabei selbst als der „Wilde“ entlarvt; und eine deutlich auf Axel Springer gemünzte Parodie, in der Dieter Hallervorden als Verleger – höchst eloquent und kultiviert – einem Klempner erklärt, weshalb seine blutrünstigen Zeitungen mit ihren Hetzkampagnen eigentlich den zivilisatorischen Fortschritt fördern.

Die Sketche, die auf bloße Comedy abzielen, sind etwas einfacher gestrickt; die Nummer mit dem Banküberfall hätte so auch als „Gespielter Witz“ bei Nonstop Nonsens laufen können. Allerdings sind die Pointen clever und überraschend – „Witzigkeit“ à la „Ha ha, er ist hingefallen“ fehlt zumindest in der ersten Folge völlig.

Der Titel der Serie ist vielleicht insofern irreführend, als Zauberei nicht vorkommt, deutet aber treffend den makabren Zug an. Heutzutage erfordert die Serie daher vielleicht eine Trigger-Warnung. In drei Sketchen kommen Morde vor; einer davon thematisiert Gewalt gegen Frauen in einer auf die Spitze getriebenen Weise, die m.E. deutlich feministisch ist, aber von überempfindlichen, leicht zu triggernden Zeitgenoss*innen ohne Unterscheidungsvermögen mißverstanden werden könnte (ich will hier nicht noch mehr spoilern, als ich schon verraten habe; aber die Darstellung beider Figuren und die „Botschaft“ sollten deutlich genug sein).

Wie gesagt ist diese Empfehlung reiner Zufall; Herr Sathom, an sich kein großer Hallervorden-Fan, ist reingezappt. Und hängen geblieben; erst, weil es gerade nichts anderes gab und er beim Essen TV glotzen wollte, dann, weil es ihm überraschend gut gefiel.

Daß die Serie – zumindest bis zu diesem Zeitpunkt – nicht in der Mediathek bereitgestellt wird, ist bedauerlich; da sie im Rahmen der „Großen Hallervorden Fernseh-Edition“ auf DVD erschien, stehen dem vermutlich rechtliche Gründe entgegen, was hieße, daß hier auch keine Nachbesserung zu erwarten ist. Immerhin gibt es Wiederholungstermine, die der Website der ARD entnommen werden können (s.o.). Alternativ bieten Seiten wie fernsehserien.de auch eine Terminvorschau an.

Da Herr Sathom bisher nur die erste Folge gesehen hat, kann er für die weitere Serie nicht garantieren; erfüllt diese das Versprechen, kann er hoffentlich demnächst sagen: Abramakabra ist ein zu Unrecht vergessenes Fernsehjuwel der frühen 1970er (ähnlich wie Loriots Cartoon), das heute so vielleicht nicht mehr produziert würde – clever, boshaft, schwarzhumorig bis hin zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit gegenüber den moralischen Überzeugungen oder Empfindungen des Publikums; gut, daß es aus der Mottenkiste geholt wurde und nun noch einmal besichtigt werden kann. Eine Augenscheinnahme wird jedenfalls empfohlen.

:: TV-Tipps: Steig ein in die Zeitmaschine und fahr

Rainald Grebe, Supersong. Aber das nur am Rande. Es folgen zwei Hinweise zum Zeitreisen:

Doctor Who: Wer noch nicht gemerkt hat, daß Einsfestival die BBC-Kultserie seit Ende Febuar ausstrahlt, ist eigentlich selbst schuld. Trotzdem nochmal der Hinweis auf die Free-TV-Wiederaufnahme (nach einigen kurzen Intermezzi bei diversen Privatsendern). Nachdem die fünfte Staffel/Serie im Schnellverfahren durchgeheizt wurde, hat man sich inzwischen auf eine Folge pro Mittwoch verlegt, was nur als zuschauerfreundlich gelten kann; Serien sollten Spaß machen, und nicht in „TV-Event“-induzierten Streß ausarten.

Herr Sathom ist zwar nach wie vor der Auffassung, daß von den Doktoren der NuWho-Serien David Tennant der beste war, und ihm Christopher Eccleston dichtauf folgte (den allseits gelobten Peter Capaldi hat er leider noch nicht gesehen), doch auch Matt Smith ist einen Blick wert. Weiterlesen

:: World Wildlife Fund – Das Imperium schlägt zurück

Angesichts der kürzlich in der ARD-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“ (Herr Sathom berichtete) gegen den  World Wildlife Fund erhobenen Vorwürfe hat der WWF mittlerweile eine „Faktencheck“-Seite online gestellt, welche die erhobenen Anschuldigungen (der WWF ermögliche Greenwashing, zertifiziere umweltzerstörende Projekte als nachhaltig, sei an Zwangsumsiedlungen indigener Bevölkerung beteiligt u.v.m.) widerlegen soll.

Eine Reaktion auf diesen „Faktencheck“ stellt wiederum der von Greenpeace als „Fakten-Faktencheck“ bezeichnete Blog-Artikel „WWF wehrt sich – mit Lügen“ der Journalistin Kathrin Hartmann dar, welcher seinerseits Teile der Darstellung des WWF kritisch unter die Lupe nimmt. Frau Hartmanns Blog „Ende der Märchenstunde“ befaßt sich generell mit Themenkomplexen wie Greenwashing, Lifestyle-Öko-Einstellung und Methoden der Industrie, die von dieser Lebensphilosophie befallenen über den Löffel zu balbieren (ja, das heißt so, und nicht barbieren, Herr Sathom hat nachgeschaut); inwieweit sich die Autorin auch weiterer Rechtfertigungsargumente des WWF als der an o.a. Stelle behandelten annehmen wird, bleibt abzuwarten, ebenso, was der WWF noch nachlegt.

Kritische Töne zum „Faktencheck“ des WWF findet man auch auf der Greenpeace-Website, wo auf Frau Hartmanns Artikel verwiesen wird; ebenfalls dort findet sich das Link zum „Pakt mit dem Panda-Wiki“, das sich anheischig macht, in der Art des Guttenplag-Wiki und ähnlicher Seiten die vom WWF vorgelegten „Fakten“ jeweils einzeln zu widerlegen. Wie viele andere NGOs (BUND etc.) steht Greenpeace dem WWF extrem kritisch gegenüber, anders als die Neue Züricher Zeitung, die dem Schweizer WWF-Chef hier Gelegenheit gibt, gegenüber einem ausgesprochen entgegenkommenden Interviewer seine Sicht des Ganzen darzulegen, aber immerhin am Fuß des Interviews auch ein Video-Link zu einem Interview mit Wilfried Huismann anbietet, was immerhin für etwas Ausgewogenheit sorgt. Zumindest der Interviewende – dessen Meinung ja nicht die des Blattes wiedergeben muß – jedoch verwendet so häufig die Formulierung, daß die Dokumentation etwas „suggeriere“, daß schon peinlich deutlich wird, wie Leserin und Leser den Beitrag doch bitte auffassen mögen. Neutral berichtet die Online-Ausgabe des „Spiegel“ und äußert Zweifel, ob die erhobenen Vorwürfe an der Popularität des WWF bei seinen Anhängern allzuviel ändern werden, Zweifel, die Herr Sathom angesichts der professionellen PR des Funds allerdings teilt.

Herrn Sathoms derzeitiger persönlicher Eindruck ist, daß der „Faktencheck“ und andere WWF-Verlautbarungen den immerhin durch – teilweise schockierende – Interviews mit Betroffenen vor Ort und andere Recherchen extrem plausibel gemachten Vorwürfen lediglich Behauptungen entgegensetzen, den Nachweis für deren Charakter als „Fakten“ jedoch schuldig bleiben.

Sehr schön illustrieren läßt sich die Taktik des WWF nach Herrn Sathoms Auffassung beispielsweise am Fall der Plantage Rimba Harapan Sakti: laut ARD-Doku soll die Plantage vom WWF als nachhaltig zertifiziert werden, weil man lächerliche 80 Hektar Regenwald stehen ließ. Im WWF-„Faktenecheck“ finden sich dazu widersprüchliche Angaben – einmal sollen es tatsächlich 5.000 (Startseite), einmal 4.000 Hektar (siehe hier) sein, die intakt bleiben sollen (zumindest zu dem Zeitpunkt, da Herr Sathom dies liest – eventuell wird der WWF die Angaben noch korrigieren). Interessant ist dabei die hyperbolische Argumentation: daraus, daß die Zertifizierung geplant sei, wird im „Faktencheck“ hier gefolgert, daß die Aussage, es würden nur 80 Hektar bestehen bleiben, falsch sei – die geplante Zertifzierung wird also als Beweis dafür ausgegeben, wie groß die Fläche sei, obwohl es in der Dokumentation ja eben um fälschliche Zertifizierungen geht. Weil man zertifiziere, könne die Fläche gar nicht nur 80 Hektar umfassen, soll der/die geneigte Leser(in) des „Faktenchecks“ verstehen. Was etwa so ist, als sei der Himmel grün, nur weil Herr Sathom das sagt und ein Zertifikat darüber ausstellt.

Die Liste ließe sich fortsetzen: eine WWF-Mitarbeiterin, die in der Dokumentation verräterische Aussagen macht und indirekt zugibt, daß die besagte Fläche tatsächlich nur 80 Hektar groß sei (indem sie diesen Flächenumfang nämlich rechtfertigt), wird im o.g. NZZ-Interview vom Schweizer WWF-Chef als – Zitat – „untere Charge“ abqualifiziert, die keine „repräsentative Sprecherin“ darstelle – und dies, obwohl besagte Dame als WWF-Vertreterin auf einem Kongreß der Bio-Ethanol-Wirtschaft interviewt wurde, was für Herrn Sathom die Frage aufwirft, ob der WWF denn seine unfähigsten Charaktere zu derlei Events entsende. Weitere solche Widersprüche sind nach Herrn Sathoms Meinung so einige in den Reaktionen des WWF zu finden; wenn dessen Vetreter dann in der NZZ davon redet, daß man besser erklären und kommunizieren müsse, dann riecht Herr Sathom zudem den Odem der PR-Profis und ihrer Agenturen – die werden wohl zu tun bekommen, um einmal mehr die Realität zu einer Frage der Perspektive zu machen.

Insgesamt also meint Herr Sathom, daß momentan Glaubwürdigkeit eher den Kritikern des WWF zuzusprechen ist; er hofft aber, daß dank o.a. Quellen alle sich ihre jeweils eigene Meinung zu bilden vermögen.

:: TV-Tipp (sort of): Der WWF mal anders – gegen Regenwälder und Ureinwohner

Der WWF schützt Pandas, Tiger und Orang Utans – so erzählen es aufwendig hergestellte Werbespots in kitschig-emotionaler Manier und heischen Spendengelder. Der gute Ruf der Seriosität eilt der Umweltorganisation dabei voraus, Resultat gelungener Öffentlichkeitsarbeit, erfolgreicher Hochglanz-PR.

Zumindest die ARD-Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“ zeichnet nun ein anderes Bild des World Wildlife Fund: die Organisation, heißt es dort, paktiere mit umweltschädigenden Unternehmen (etwa bei der Errichtung von Monokulturen zur Palmölgewinnung, wobei der Boden durch Pflanzenschutzmittel verseucht wird), ermögliche das Greenwashing zerstörerischer Produktionsmethoden, wobei diese als „nachhaltig“ zertifiziert werden, sorge für die Vertreibung von Ureinwohnern – von einer anstehenden solchen, die 1 Million Menschen betreffen soll, ist die Rede – zwecks Errichtung von Tigerreservaten, in denen Ökotouristen täglich auf „Tigersafaris“ mit über 100 Jeeps durch den Busch pflügen und die vormals unabhängigen Einheimischen nun als Dienstpersonal fronen dürfen, u.v.m.

Daß und weshalb derlei – entgegen dem, was man meinen könnte – auch den Tigern grad mal gar nix nützt, behandelt die Doku ebenso wie das Schicksal der betroffenen Menschen, deren Lebensgrundlage – und eigentlich friedliches Zusammenleben mit Pflanzen und Tieren – dabei zerstört wird; doch immerhin verdient, so die Dokumentation, das WWF-Reisebüro 10.000 Dollar pro Wohlstandstourist, das ist ja auch was.

In Borneo wiederum verseuchen Palmölplantagen eines Konzerns, mit dem der WWF kooperiert, das Trinkwasser der Einheimischen; Bauern, die ihr Land nicht für die Plantagennutzung freigeben, müssen auch schon mal mit Besuch von der Armee rechnen, und im Beisein des Kamerateams erhält ein Öko-Aktivist, der die Ortsansässigen unterstützt, eine Morddrohung per SMS. Daß der WWF von solch extremen Machenschaften überhaupt weiß, kann nun keineswegs unterstellt werden (die oben erwähnte Vertreibung von Ureinwohnern wird hingegen von der Organisation gezielt betrieben) – der Besuch des Filmteams im WWF-Büro in Djakarta ließ allerdings bei Herrn Sathom Zweifel aufkommen, was zumindest die Mitarbeiter vor Ort überhaupt wissen, oder ob es irgendwen interessiert, was die Kooperationspartner nun im Detail so treiben. Ein Interview mit einer deutschen WWF-Abgesandten auf einem Kongreß der Bio-Ethanol-Wirtschaft läßt Herrn Sathom hingegen, was die finanzielle Seite der WWF-Partnerschaften angeht, einen gewissen Zynismus auf den höheren Ebenen vermuten.

Wenn er dann noch erfährt, daß „dank“ WWF die kooperierende Palmöl-Firma von ca. 14.000 Hektar Wald eines Orang Utan-Habitats 80 Hektar stehen ließ, dann bleibt Herrn Sathom schon die Spucke weg (laut Kritikern vor Ort dringen die Tiere, die in diesem Restwald keine Nahrung finden, daraufhin in die Plantagen ein, wo sie erschossen werden); und als sei dies nicht genug, zeigen auch noch weitere unschöne Enthüllungen eine düstere Seite des WWF, darunter weitreichende Verflechtungen mit der Wirtschaft, in Einzelfällen sogar mit Diktaturen. Das zynische Argument des WWF dort, wo er riesige Flächenrodungen unterstützt (etwa auch in Südamerika, wo der Konzern Monsanto sein Gensoja und das dazugehörige, für Menschen erbgutschädigende Pflanzenschutzmittel Roundup – laut Doku eine Weiterentwicklung von Agent Orange – verbreitet): der gerodete Wald sei „minderwertig“ gewesen. Und auch die nächsten Angehörigen eines „Naturvolks“ und ihre Wälder sind, wie das Ende der Dokumentation zeigt, dank WWF-Mitwirkung längst fällig – das Ergebnis der Zerstörung wird sicher als nachhaltig zertifiziert.

Natürlich ist bei solchen Dokumentationen immer zu fragen, inwieweit sie einseitig sind, und der WWF selbst wird das Ganze sicher anders darstellen (wobei wiederum anzumerken wäre: von PR verstehen sie ja was) – immerhin jedoch wartet der Film mit Interviews betroffener Einheimischer, Bauern, Stammesangehöriger und lokaler Öko-Aktivisten auf, die durchaus glaubwürdig wirken.

Die bereits im Fernsehen gelaufene Sendung ist hier in der ARD-Mediathek einsehbar. Herr Sathom meint, man sollte sie ansehen und sich sein eigenes Bild machen.