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:: TV-Tipp: The Reel Injun

Am 14.06. wiederholt arte um 10:55 Uhr die Dokumentation „Hollywood-Indianer“, in die Herr Sathom, eitel faulenzend vor der Glotze festgefroren, neulich abend zufällig hineinzappte und gebannt daran hängenblieb; Cree-Filmemacher Neil Diamond (der wirklich so heißt, ohne etwas mit dem gleichnamigen Sangesbruder zu tun zu haben) beleuchtet darin nicht nur die historische Entstehung der Indianer-Klischees im Hollywood-Film und deren Abweichen von der Realität indigenen Lebens und Selbstverständnisses damals wie heute, sondern auch die propagandistisch verleumderischen Aspekte des dort gezeichneten „Indianer“-Bildes bis hin zu den vereinnahmenden, in gewisser Weise ebenfalls kolonialistischen Positivklischees der „Indianer“-Fans, namentlich derjenigen, die der Hippiebewegung zuzurechnen waren und, „Indianer“ sein wollend, selbigen auf den Pelz rückten (Zitat eines älteren indigenen Zeitzeugen: „Wir duldeten sie, weil sie immer das beste Gras hatten“). Damit nicht genug, befaßt sich Diamond ebenfalls mit der Wirkung, welche die Darstellung der „Indianer“ eigentlich auf diese selbst, insbesondere auf ihre Kinder hatte bzw. hat: so berichtet ein älterer Mann davon, wie es für ihn und seinen Bruder war, als Kind im Kino mit anzusehen, wie als Happy End manches Westerns die bösen Rothäute von der guten US-Kavallerie wie Karnickel massenhaft abgeschossen wurden, und eine Sequenz der Dokumentation, die Herrn Sathom alles andere als ungerührt ließ, zeigt die Reaktion von Kindern einer Crow-Grundschule auf ein ihnen vorgeführtes Massaker an Indianern aus dem Film „Little Big Man“ – alles in allem sehr verstörende Einsichten in das, was man sich manchmal ohne Nachzudenken so anguckt, die Herrn Sathom wohl solche Szenen nicht mehr betrachten lassen werden, ohne sich dabei bewußt zu sein, wie sie auf die – wenn auch nachträglich – Betroffenen wirken, und was da eigentlich gezeigt wird: Genozid als Unterhaltung. Zu guter Letzt erfährt man auch noch Einiges über die indigene Filmkultur und deren cineastisches Schaffen, das Schicksal einiger schauspielerischer „Hollywood-Indianer“, echter wie ganz und gar unechter, sowie das politische Erwachen der indigenen Gemeinschaft während der 1960er, 70er und folgender Jahre.

Insgesamt meint Herr Sathom, daß „Hollywood-Indianer“ nicht nur erkenntnisträchtig ist, sondern durchaus auch unterhaltsam (nicht nur, aber auch, was einige Auftritte indigener Comedians anbetrifft), und für einige Aha-Erlebnisse sorgen kann. Oder wußten Sie,

  • Daß die Ureinwohner (zumeist) gar keine Stirnbänder trugen, sondern diese erfunden wurden, um die Indianerperücken der Darsteller am Kopf zu befestigen, auf daß sie diese auch in actionreichen Szenen nicht verlieren mögen?
  • Daß es mitten im 20. Jahrhundert eine zweite Schlacht am Wounded Knee gab, und was Marlon Brando, die „Oscar“-Verleihung und ein sturzbesoffener John Wayne damit zu tun hatten?
  • Wie es aussieht, wenn ein Haufen weißer Kids unter Anleitung von Betreuern, die von den Ureinwohnern grad mal wissen, was ihnen im Suff ein kleiner Kobold erzählt hat, sich in US-Feriencamps mit Farbe vollschmiert und wie eine Horde vom Affen gebissener Idioten aufführt in dem Glauben, so machten es die „Indianer“?
  • Daß indigene Darsteller im Film ihre weißen Auftraggeber gern verarschten, indem sie in ihrer Sprache Dinge sagten, die weder dem Drehbuch noch den im Film dann eingeblendeten Untertiteln entsprachen (sondern bei denen es sich gern um Beleidigungen der weißen Schauspieler handelte, mit denen sie gerade sprachen)?

Sehnse. Dann wird’s aber Zeit.

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