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:: Von hier an: Trump

Keine Sorge, das kommt auch noch vor. Der neue US-Präsident wird heute eingesetzt; zu ihm hangeln wir uns schon hin.

Befassen wir uns aber zunächst mit einer besonders lustigen AfD-Forderung. Nein, nicht dem Mist, den Björn Höcke verzapft hat, und der im Augenblick alle so aufregt, von wegen es bräuchte eine erinnerungspolitische Wende, und das Berliner Holocaust-Mahnmal sei ein „Denkmal der Schande“ – das alles hätte man längst wissen können. Wes Geistes Kind die AfD-Führungsriege ist, lag lange schon offen, und auch das Ausmaß ihrer ideologischen Bräune; wer da jetzt erstaunt tut oder sich erst nach Höckes Anfall von Ehrlichkeit empört, hat die vergangenen Jahre unter einem Stein verbracht.

Es klingt daher zwar gewitzt, wenn Sascha Lobo, jener leicht überschätzte Erklärer der platzeprallen sozialen Harnblasen des Internet, auf Spiegel Online fordert, sich Höckes Rede aber auch ja anzusehen, damit diesmal keiner hinterher sagen könne, er habe nichts gewußt; Herr Lobo liegt gern schon einmal halb daneben, diesmal aber völlig richtig – nur ist er leider zu spät dran. Wissen kann man das, was sich da nun so offensichtlich zeigte, schon lange. Herr Lobo hat allerdings recht, wenn er schreibt, daß fünf Nazis in einer Gruppe von hundert Leuten diese zwar nicht insgesamt zu Nazis machen, daß jedoch das Verhalten der restlichen fünfundneunzig, sobald diese wenigen ihre Fahnen und Parolen sprechen lassen, durchaus bedeutsam sei. Verbannen sie die fünf nicht aus ihrer Gruppe, könne oder müsse dieses Verhalten sehr wohl als „Absichtserklärung der gesamten Gruppe verstanden werden.“ Stimmt. Diejenigen AfD- und Pegida-Anhänger, die darauf beharren, nur „besorgte Bürger“ statt Nazis zu sein, müssen erklären, weshalb sie dann mit welchen gemeinsam marschieren. Warum sie ihre Besorgnisse – ganz gleich, wie berechtigt diese sind – nicht in säuberlicher Scheidung von jenen vortragen. Wer NPD-Kader und andere Rechte in seiner Mitte duldet, hat keine Ausrede. Oder, wie das amerikanische Sprichwort sagt: You lie down with dogs, you get up with fleas; ohne Tiervergleiche in seiner hiesigsprachigen Entsprechung: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das könnten sich auch jene Politiker und Journalisten einmal sagen, die dafür plädieren, nicht alle „in eine Topf zu werfen“ – da hineingeworfen haben die sich nämlich längst selbst. Insofern auch das nichts Neues, aber gut und offenbar notwendig, daß Herr Lobo noch einmal daran erinnert.

A propos säuberlich: Es gehört ja zu den beliebten Erzählmotiven der Rechten, daß die Scheidung zwischen Rechts und Links nicht mehr existiere. Von Seiten der Rechten ist diese Behauptung eine rein taktische; sie liefert jedem, der sich AfD, Pegida, „Identitären“ usw. anschließen will, eine nützliche Ausrede, weshalb er deswegen nicht „rechts“ sei. Erstaunlich jedoch ist, wie beflissen teils auch bürgerliche Medien und Politiker diese gedanklich schlampige, unsachliche Entdifferenzierung übernehmen. Vielleicht, weil sie dem Establishment ermöglicht, linke und andere Kapitalismuskritik gleich mit abzuqualifizieren, sie mit dem gemeinsamen Etikett „Populismus“ zu versehen? Hier scheint es ganz genehm, unterschiedliche Dinge in denselben Topf zu werfen und kräftig umzurühren.

Aber wie gesagt – lassen wir das. Widmen wir uns lieber etwas Ulkigem an diesem Tag, da John Carpenters Escape from L.A. – oft als ernst gemeinter, aber schlecht gemacher Apokalypsenfilm mißverstanden, tatsächlich eine Satire – Wirklichkeit zu werden droht. Wenn die Welt schon untergeht, dann wenigstens lustig.

Die AfD möchte nämlich auch gern, und hier beweist sie Sinn für Humor, daß das pfälzische Dorf, dem Donald Trumps Vorfahren entstammen, touristischer Wallfahrtsort werde. Die Einwohner des Örtchens sind, von Ausnahmen abgesehen, eher wenig begeistert. Für Deutschlandradio Kultur ist die Forderung Anlaß zu ein wenig Ahnenforschung. Und siehe da: Trumps Großvater war ein illegaler – nun, nicht Einwanderer, sondern Auswanderer. Er drückte sich nämlich darum, von seinem Landesfürsten und Leibeigner die Erlaubnis zum Verduften einzuholen, weshalb dieser ihn später auch nicht zurückhaben wollte. Auch der Prinzregent Luitpold habe sich auf entsprechende Anschreiben ungnädig gezeigt, heißt es; gewissermaßen eine Ablehnung des Asylgesuchs eines Rückkehrers. Damit nicht genug – den Grundstein zum trumpschen Vermögen legte der Opa offenbar unter anderem durch Bordellbetrieb. Ja da schau her. All das ist vielleicht nicht notwendig zu wissen, und ebenfalls nicht neu – aber zumindest noch einmal eine pikante Fußnote, kurz bevor das Tier 666 der nächste Präsident den Thron besteigt. Wird Senator Palpatine Donald Trump die galaktische Republik zerschlagen Amerika wieder groß machen, und Europa zerlegen? Popcorn, bitte.

Kommt alles, wie von Carpenter prophezeit? Seine andere Satire, Sie leben!, hat das Wüten des Finanzkapitalismus ja inzwischen bestätigt. Wie war das noch in Die Fürsten der Finsternis? „Dies ist eine Warnung aus der Zukunft“? Und kann Trump eine volle Amtszeit durchhalten? Verlassen wir uns hier nicht auf einen Pfuscher wie Nostradamus, hören wir gleich die Experten: Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, zweiundvierzig Monate zu wirken (Offenbarung 13,5). Na, das sieht doch ganz gut aus; im letzten Jahr wird irgendwas sein.

Nun, fröhlich geht die Welt zugrunde; und das ist ja immerhin auch was wert. Das Deutschlandradio weiß dank einer erfolgreichen Totenbeschwörung übrigens auch, was Karl Marx von alledem gehalten hätte: Ein hörenswerter Beitrag.

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