Schlagwort-Archive: Qualitätsdebatte

:: Internetschelte und Verlagsverhalten

Herr Sathom hat ja schon davon erzählt (wie viele andere lang vor ihm schon): Vertreter der „Qualitätsmedien“, des „Qualitätsjournalismus“ und der Verlage führen nicht erst seit gestern einen veritablen Kreuzzug wider das Internet, nicht ohne sich dabei die pseudoargumentativen Bälle zuzuspielen: in der „Hamburger Erklärung“ (deren englische Fassung, die der EU-Kommission übergeben wurde, nicht exakt mit dem deutschen Original übereinstimmt; man schaue hier und vergleiche den 6. Absatz jeweils der deutschen und der englischsprachigen Fassung), versuchen die Verlage die EU-Verantwortlichen gegen Internetanbieter einzunehmen, welche ohne Abfuhr von Lizenzgebühren ihre Inhalte weiterverbreiten – was bei kommerzieller Verwertung ja auch nicht unbedingt vertretbar ist. Zugleich wettern „Qualitätsjournalisten“ öffentlich gegen die Weblog-Betreiber, die, gleich ob kommerziell oder nichtkommerziell, Medieninhalte kommentieren und verbreiten, diesen dabei auch kritisch zu Leibe rücken, versuchen sich selbst als die einzig kompetenten Weltdeutungsexperten zu verkaufen und alle, die im Web sich äußern, pauschal als bauchgesteuerte Stammtischpamphletisten hinzustellen, die von Recherche keine Ahnung haben und ohnehin nur ihre irrationalen Vorurteile in den Cyberspace hineinblasen. Denn, so der Tenor, nur man selbst recherchiere ordentlich und präsentiere überprüfte Fakten, kommentiere die dann gar kompetent und veredle sie somit zu Juwelen demokratisch-pluralistischer Meinungsbildung, jene aber schreiben nur ab und labern dann noch irgendeinen Stumpfsinn dazu (im Argument des Abschreibens trifft man sich da mit den Verlegern, welche zwar kommerzielle Anbieter im Auge zu haben angeben, diese aber seltsamerweise nicht nennen können oder wollen – siehe hier). Kurz, die Professionellen des Medienbetriebs zeihen alle, die im Netze publizieren, derjenigen Verfehlungen, welche sie selbst gern begehen, etwa indem sie voneinander abschreiben und Medienmythen generieren, und stellen sich zugleich selbst ein Zertifikat unzweifelhafter Kompetenz und Autorität aus. Last but not least wird viel geschrieben und gesendet über die Web-Welt als ein Reich der Gesetzlosigkeit, darin sich Perverse, Kriminelle und Geisteskranke tummeln, sensationslüstern berichtet darüber, welche Gefahren für persönliche Daten wie eigenes Seelenheil darin lauern.

Lustig, wenn sie sich dann selbst dessen schuldig machen, was sie Anderen vorwerfen, und dabei noch von den ach so schlecht recherchierenden Internetschreibslern erwischt werden.

[Weiterlesen]

:: Spieglein, Spieglein am Kioskstand

Oder: Herr Sathom exemplifiziert einige zuvor gemachte Ausführungen.

Yours sincerely fiel im Nachhinein anläßlich des „Spiegel“-Titelthemas der gerade endenden Woche (dazu unten mehr) nämlich auf, daß die von ihm bereits früher erwähnten Vertraulichkeiten zwischen „Spiegel“- und Axel-Springer-Verlag eigentlich ein wunderbares Exempel darstellen, geeignet, das von ihm kürzlich behandelte Thema hinsichtlich aller damit zusammenhängenden Punkte einmal beispielhaft darzustellen. Denn was haben wir hier?

[Weiterlesen]

:: Der Feldzug wider die Gegenöffentlichkeit

Na, Ihr Lotterbande. Sitzt Ihr schon wieder nutzlos rum und lest Blogs? Tz, tz, tz – das sollt Ihr doch nicht: erklären Euch nicht seit geraumer Zeit schon die Vertreter des „Qualitätsjournalismus“, erfüllt von heiligem Ernst und Eifer, beseelt von ihrer Mission unbestechlicher Wahrheitskündung, daß die Blogszene unseriös, inkompetent und ihre Einlassungen schlecht recherchierte Stammtischpamphlete seien? Daß die im Web kursierenden Meinungen nur bauchgesteuerte Emotionalität widerspiegeln, seelische Rülpser halbgebildeter Amateure gewissermaßen? Daß allein die etablierten „Qualitätsmedien“ sorgfältige Recherche, seriöse Berichterstattung, gedanklich profunden, wohl abgewogenen und sachlichen, demokratische Meinungsbildung fördernden Kommentar des Berichteten gewährleisten? Nee also schämt Euch!

Aber im Ernst: tatsächlich tobt ja bereits seit geraumer Zeit ein „Krieg“ (so man es so nennen will, der irgendwo im Folgenden verlinkte Herr Niggemeier tut’s, Herr Sathom findet’s eher eine so erbärmliche wie oft auch lächerliche Verleumdungskampagne) der Vertreter des etablierten Journalismus sowie der Verlage, die desselben Elaborate publizieren, wider die Gegenöffentlichkeit im Web; die Zunft der Erstgenannten, so heißt es von Seiten der Propagandisten, recherchiere ordentlich, berichte sachlich, wähle kompetent aus, welche Informationen es wert seien, dem Bürger zwecks weiterer Meinungsbildung präsentiert zu werden (was oft genug in Wirklichkeit heißt: vorab auszuwählen, was dem Rezipienten kund werden dürfe, was dem Zeitgeist entspricht, Meinungen und Emotionen in bestimmte Richtungen zu lenken, widerborstige Fakten auszublenden und vorzuenthalten), die Blogpublizierenden hingegen brabbelten Stammtischgefasel vor sich hin, gleich einem in der Untergrundbahn mit Unsichtbaren schimpfenden Betrunkenen, recherchierten wenn überhaupt, dann schlampig, und seien so oder so nicht ernst zu nehmen.

Herrn Sathom ärgert diese verlogene Kampagne schon lange; denn er verfolgt die Berichterstattung in den Mainstreammedien durchaus mit klarem, gebildetem, kritischem Blick, und allzu oft findet er auch und gerade in den „seriösen“ Medien eben jenes, was den Internetpublizisten vorgeworfen wird (oder Schlimmeres) – sei es nun in  Druckerzeugnissen von unverdientem Ruf, die als qualitativ hochwertige Tages- oder Wochenpublikationen gelten, sei es inmitten dessen, was zur Hauptsendezeit im Fernsehautomaten dargeboten wird. Meinungsmache, tendenziöse Berichterstattung, die von Kommentierung kaum oder gar nicht zu unterscheiden ist, durch Tonfall des Berichtes eingefärbt, Unfug, Halbwissen, dünkelhaftes Vorurteil und vieles mehr prägen und kennzeichnen auch und gerade, was ihm allenthalben aus druckerschwarzen Abgründen wie auch aus der Glotze Flimmern entgegenschlägt. Kurz: er weiß, daß hier ein Esel den anderen Langohr schimpft, und daß, wiewohl die Vorwürfe gegenüber einem Teil der geschmähten „2.0-Bürgerjournalisten“ berechtigt sind, sie umgekehrt auf etablierte Presse und Medien(Kurt Kister in der „Süddeutschen Zeitung“) genau so gut zutreffen – nur daß diese es leugnen, und es dazumal, ehe ihr kritische Konkurrenz im Netz erwuchs, es auch nie ruchbar wurde, ihr ungerechtfertigter Ruf also unangetastet blieb. Denn aufgefallen sind Herrn Sathom der Medien Unglaubwürdigkeit wie auch Tendenzcharakter schon zu Zeiten, da an ein Internet noch nicht zu denken war (s.u.).

Kürzlich nun fand Herr Sathom im Blog des Herrn Stefan Niggemeier, des wohlbekannten Medienjournalisten, mit welchem Herr Sathom durchaus nicht immer konform geht, einen ausgezeichneten Abriß der Scheinargumente, vermittels welcher etablierte Journalistenzunft und Verlagswesen ihre Konkurrenz zu diffamieren suchen. Der Text, Wutmäander zur Qualitätsdebatte geheißen, ist lang, doch beleuchtet Herr Niggemeier darin die Scheinargumente der Hohepriester der angeblichen Qualität, und widerlegt diese Schritt für Schritt, in weit luziderer Weise und klarerer Sprache, als Herr Sathom, seinerseits dem Bandwurmsatz verfallen, es je zu tun hoffen könnte; zudem ist jene Wutmäander, ihrem Titel zum Trotz, durchaus sachlich, betont auch und zeigt auf, daß und weshalb es eines professionellen Journalismus bedürfe, und fordert lediglich, daß dieser seiner Pflicht zur Zuverlässigkeit auch nachkomme, sie tagtäglich beweise, anstatt sie qua Selbstverklärung zu behaupten, sich dabei selbst jedoch zugleich jederzeit Lügen zu strafen. Herr Sathom empfiehlt daher, diesen ausgezeichneten Text sich zu Gemüte zu führen, um so mehr, als dieser Vieles, das sich sonst vereinzelt zum Thema findet, übersichtlich zusammenfaßt.

Anfügen möchte Herr Sathom lediglich einige kommentierende Dinge; und da gleich erstens, wenn denn schon vom Kommentieren die Rede ist, Folgendes: [Weiterlesen]