Schlagwort-Archive: Religion

:: Kurzer Gedanke zum religiösen Gefühl

Aus aktuellem Anlaß:

Wer religiöse Gefühle besonderen Schutzes für würdig hält; sie zu verletzen als anderen – schwerer wiegenden – Tatbestand ansieht, als die Verletzung sonstiger Gefühle; postuliert damit eine Zweiklassengesellschaft.

Denn: Das religiöse Gefühl gilt ihm als höherwertig, verglichen mit dem areligiöser Menschen. Gläubigen räumt er ein größeres Recht ein, gekränkt zu sein, als etwa dem Marxisten angesichts einer Marx-Karikatur, dem Philosophen vor einer Schmähung des Sokrates. (Und: Ist es nicht merkwürdig, wie leicht beleidigt dieses religiöse Fühlen ist, wie so viel empfindlicher – wehleidiger? – als anderen zugestanden wird?)

Wer also religiöse Gefühle für besonders schützenswert hält – nicht bloß für ebenso wie andere – erklärt: Daß es eine Gruppe von Menschen gebe, deren Empfinden wertvoller ist; deren Gefühle mehr zu gelten hätten, als die anderer Menschen. Und deren Glaube mehr bedeutet als der eines, der etwa „nur“ an die Freiheit glaubt; oder den gleichen Wert aller Menschen.

:: Religion vs. Aufklärung 1:0

Nachdem kürzlich das Kölner Landgericht die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen zur strafbaren Körperverletzung erklärte, war der weitere Verlauf der Ereignisse durchaus vorhersehbar.

Daß Religionsvertreter sich medienwirksam und lautstark empören, der Rechtsstaat schließlich einknicken und – wie mittlerweile geschehen – eine rechtliche Neuregelung in Aussicht stellen würde, erfolgte mit solcher Zwangsläufigkeit, daß man die Vortäuschung einer entsprechenden öffentlichen Debatte und die damit verbundenen Talkshows ebenso gut überspringen, und sofort eine Gesetzesänderung hätte durchwinken können.

Die Kampagne, die zu diesem Ergebnis führte, wurde von den Vertretern der großen Religionen mit professioneller Empörung und routiniertem Spiel auf der emotionalen Klaviatur der eigenen Gläubigen geführt; medial geschickt und wirkungssicher wurden alle Register, von verletzten Gefühlen zutiefst verunsicherter, im Innersten erschütterter Gläubiger über den Holocaust, bis hin zu Ängsten vor internationalen Reaktionen, gezogen.

Dabei wurden im Verlauf dieses emotionalisierten Feldzugs gerade von den Vertretern der Religionsgemenischaften prekäre Fragen an die Religion, die das Kölner Urteil aufwirft, vollkommen ignoriert – Fragen, denen der deutsche Staat und seine Politiker, die sich unisono auf die Seite der Religion schlugen, in ihrer aktuellen Reaktion ebenso wenig Beachtung schenken.

Fatal an dieser Entwicklung, so vorhersehbar sie auch sein mochte, ist Einiges.

1.) Die Interpretation der Religionsfreiheit

Die Frage, ob bestimmte Handlungen, sobald sie von den Ausführenden religiös begründet werden, nicht ansonsten geltenden rechtlichen Bestimmungen unterliegen sollen, läßt sich nur absolut beantworten: entweder positiv für jede religiöse Handlung, oder für keine. Wenn die die Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion, Brigitte Zypries, verlauten läßt, es könne nicht sein, „dass Jahrtausende alte Traditionen von Millionen von Menschen auf diese Weise in Deutschland infrage gestellt werden“ (Quelle: tagesschau.de), dann müssen sämtliche auf religiösen Vorstellungen basierenden Rituale und Verhaltensweisen vom Strafrecht ausgenommen werden; alles andere würde bedeuten, daß man bestimmten Religionsgemeinschaften mehr Religionsfreiheit zugesteht, als anderen.

So, wie die parteienübergreifende Zusatimmung und die politische Begründung für eine rechtliche Sonderregelung derzeit formuliert sind, bieten sie keine Handhabe, nicht auch andere Praktiken per Sonderrecht dulden zu müssen, darunter etwa die weibliche Genitalverstümmelung, in deren Vollzug je nach regionaler Spielart Schamlippen und Klitoris entfernt, und in manchen Fällen auch der Scheidenvorhof vernäht wird. Diejenigen, die diese barbarische und die Betroffenen meist schwer traumatisierende Praxis üben, könnten sich ebenso auf die Freiheit ihrer Religion berufen, wie die aktuell betroffenen Religionsgemeinschaften – und sie ihnen zu verweigern, würde bedeuten, bestimmten Religionen mehr Rechte zuzugestehen als anderen. Da zur Zeit die Flucht aus Ländern, in denen die Genitalverstümmelung praktiziert wird, als Asylgrund anerkannt wird, stünde eine Duldung nicht nur im Widerspruch zu jeder abendländisch-aufgeklärten Tradition, sondern hätte auch weitreichende Auswirkungen auf andere Rechtsbereiche (hier: das Asylrecht).

Die Schaffung von Gesetzen, die religiöse Praktiken vom für alle anderen Bürger gültigen Recht ausnehmen, bedeutet letztlich auch eine Kapitulation des in der Tradition der Aufklärung stehenden Staates; und mehr noch: sie bedeutet, daß der Staat sich seiner Verpflichtung entzieht, alle Bürger zu schützen, und einen rechtsfreien bzw. sonderrechtlichen Raum schafft, sobald eine ansonsten strafbare Handlung religiös begründet wird.

Die Konsequenzen für andere Tatbestände – neben der Beschneidung weiblicher Genitalien etwa die gern kritisierten Praktiken neureligöser Kulte, der sogenannten „Sekten“ – sind von den Verantwortlichen offenbar in ihrer panischen Reaktion auf die Lobbyarbeit der großen Religionsgemeinschaften nicht bedacht worden.
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:: Go(d)jira tai Furankenshutain oder: Kreationisten vs. Evolutionisten

Herr Sathom sagt’s ganz offen: er hat von dieser ganzen Scheißdiskussion zum Thema „Schöpfung oder Evolution“ gestrichen die Schnauze voll. Es nimmt einfach kein Ende (erst diese Woche wieder durfte man einen Themenabend mit Diskussion auf arte bewundern) und ist so blöd wie es verlogen ist, weil es unter Vorspiegelung eines Streits um Inhalte lediglich um Interessen geht, ganz profane zumal, die weder mit religiöser Wahrheit noch mit hehrer, dem Wissenschaftsethos verpflichteter Erkenntnis zu tun haben. Weshalb Herr Sathom so denkt, wird er gerne ausführen. Er kann den ganzen Käse, der medial und in Blogs und Foren endlos wieder und wieder durchgekaut wird, als hätten wir nix Besseres zu tun, nämlich nicht mehr riechen.

Zunächst einmal: worum geht es eigentlich bei diesem Gezänk, das sowohl von religiöser wie „wissenschaftlicher“ (d.h.: naturalistischer, sich auf die Wissenschaft berufender) Seite immer wieder hochgekocht wird?

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:: Die guten und die bösen Christen

Eigentlich mag Herr Sathom den Herrn Jürgen Becker, Gastgeber der „Mitternachtsspitzen“ des WDR, mitsamt seinem munter-scharfzüngigen rheinischen Kabarettismus ja ganz gern, und hat sich auch an diesem Wochenende wieder einmal köstlich dank seiner und der genannten Sendung amüsiert, zumal darin nicht nur wie stets Loki und Smokie und der unvergleichliche Wilfried Schmickler, sondern auch der ehrbare Hagen Rether brillierten. Als Herr Sathom jedoch direkt im Anschluß noch Herrn Beckers Soloprogramm „Ja, was glauben Sie denn?“ verfolgte, darin jener so lustig wie gewitzt das Thema Religion erörtert, war Herr Sathom allerdings an einer Stelle etwas enttäuscht, wiewohl er sich ansonsten prächtig unterhielt – denn es fand sich darin etwas, das Herrn Sathom schon lange auf die Nerven geht.

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:: Wirtschaftswundermythos und Migranten

Herr Sathom ist baß erstaunt, will doch offenbar die Bundeskanzlerin – ein Novum, das Herr Sathom bis vor Kurzem nicht für möglich gehalten hatte – am heutigen 12.05.2009 erstmals in der Geschichte dieser schmucken Republik die Verdienste der Migranten beim Aufbau dieses unser aller (und warum eigentlich nicht unser aller?) Landes würdigen. Weniger wundert ihn, daß dies natürlich Gezeter und Getrampel in der rechten Schmollecke auslöst (von welchem man sich ein Bild machen kann, indem man etwa auf wordpress.com nach Tags wie Zuwanderer, Ausländer oder Aufbau Deutschlands sucht – derlei politisch solcherarts ausgerichtete Blogs hier zu verlinken, hat der Herr Sathom keine Lust). Herr Sathom findet, es ist für diese Würdigung höchste Zeit und an sich Zwölfe durch, denn wäre eine solche Anerkennung viel früher ergangen, ja selbstverständlich gewesen, anstatt die „Gastarbeiter“ und ihre Kinder und Kindeskinder jahrzehntelang spüren zu lassen, daß man sie am Liebsten wieder loshätte, ja, hätte man ihnen statt dessen ein Gefühl vermittelt, willkommen zu sein und ihre Verdienste wahrzunehmen, dann wäre der ganze Zores, den wir jetzt an Migrantenproblemen haben, gar nicht erst in dieser Form entstanden – Herr Sathom meint sogar, dieser sei vor allem Resultat einer selbsterfüllenden Prophezeiung, deren Vollzug jene, die es mal wieder schon immer wußten, lang genug herbeigeredet haben. Doch zur Rolle der Migranten beim wirtschaftlichen Aufbau hier mehr, denn für den Augenblick möchte Herr Sathom auf etwas anderes hinaus.

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:: Volksentscheid zu Pro Reli (2)

Das ist schon einer, der Herr Sathom, ein ewig Unzufriedener, immer findet er was zu meckern – und da geht es auch schon wieder los. Denn der Volksentscheid ist vorüber, die Stimmen ausgezählt, und der Gesetzentwurf von Pro Reli e.V. vom Tisch, wie Herr Sathom erleichtert feststellt. Allein erleichtert heißt nicht gleich befriedigt – denn ein triumphierendes Hah! bleibt Herrn Sathom im Halse stecken, blickt er auf die Wahlbeteiligung. Nun gut, mag man meinen – die Gegner des Gesetzentwurfes hatten eine geringfügige Mehrheit, stimmten also wie der Herr Sathom selbst, so daß es auch ein echtes – wenn auch knappes – Ergebnis ist und nicht nur eines dank geringer Wahlbeteiligung, und ein kaum nennenswerter Zuspruch überhaupt teilnehmender Wähler ist ja in diesem Fall tatsächlich auch ein Votum gegen das Gesetz, bedeutet er doch, daß nicht genügend Menschen motiviert oder interessiert werden konnten, für dieses zu stimmen. Man könnte sich also – auch und gerade ob der Wahlbeteiligung an sich, die auch eine Art von Meinungsäußerung ist – befriedigt zurücklehnen.

Denkste, meint Herr Sathom. [Weiterlesen]

:: Frömmleranschlag auf die Freiheit

Herr Sathom ist einigermaßen mißvergnügt, muß er doch, wiewohl Agnostiker und somit vom sonntäglichen Kirchgangszwange freigestellt, dennoch am kommenden solchen seine Freizeit opfern, um bei einem Volksentscheid dem Ansinnen eines Häufleins religiöser und weltanschaulicher Aktivisten entgegenzutreten, welche der Freiheit und dem Pluralismus eins auszuwischen ausgezogen sind. Er hofft, daß recht viele so stimmen mögen wie er, auch gläubige Menschen, denn gleich ob religiös oder ungläubig müßte jeder, der die „Argumente“ jener Dreisten geprüft und wohl bedacht hat, sich über deren schwachen Gehalt im Klaren sein, welchen Herr Sathom im Folgenden eingehend nachzuweisen gedenkt. (Insofern sei gesagt, daß Herr Sathom hier keineswegs daran gelegen ist, gegen religiöse Menschen zu wettern, wiewohl er deren Glauben nicht teilt; des Herrn Sathom Zorn gilt allein denjenigen, die verantwortliche Veranstalter des derzeitigen Affentheaters sind.) [Weiterlesen]