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:: Das Papandreou-Manöver

Leute, was sagt Ihr zu diesem Papandreou? Ist er nicht der Schärfste? Ein Eulenspiegel, der Mann.

Forderte er doch – die sich eben noch gegenseitig auf die Schultern klopfenden Griechenland-Retter begannen, flatternd umherzurennen wie kopflose Hühner – tatsächlich sein eigenes Volk auf, selbst über seine Zukunft zu entscheiden, darüber zumal, ob unter das von anderen ihm auferlegte Joch es sich zu fügen gedenke. Der unisono geäußerte Tenor der Reaktionen: Demokratie?! Wo kämen wir hin! In diesem Aufschrei einig waren sich Politik und Wirtschaft, und was die Medien angeht: selbst Klaus Kleber standen, als er im „heute-journal“ die Meldung behandelte, beinahe die Schweißperlen auf der Stirn.

Inzwischen wurden dem Premierminister wie zu erwarten die Ohren langgezogen, und mittlerweile ist er auch zurückgerudert: noch vor der Abstimmung über die Vertrauensfrage im griechischen Parlament hat er von der Idee eines Volksentscheids Abstand genommen.

Was Papandreou in der gegenwärtigen Lage zu seinem Vorstoß wie auch seinem Rückzieher bewogen haben mag, wissen nur er und – vielleicht – der Geist von Sigmund Freud.

Was die Reaktionen über den desaströsen Zustand des Demokratieverständnisses in der westlichen Zivilisation aussagen, darüber, in welchem Ausmaß Freiheit und Bürgerrechte gegenüber ökonomischen Interessen mittlerweile abgewertet wurden und als zweitrangig, wenn überhaupt von Bedeutung, gelten, dazu fand sich im Sturm der allgemeinen Panik in überraschend kluger und besonnener Weise ein Kommentar Frank Schirrmachers in der FAZ. Papandreou tue das Richtige, hieß es dort – zwei Tage, bevor er von diesem Richtigen wieder zurücktrat.

Die Situationsbeschreibung des Kommentars trifft dennoch zu, ist vielleicht sogar noch zu milde – [Weiterlesen]

:: Volksentscheid zu Pro Reli (2)

Das ist schon einer, der Herr Sathom, ein ewig Unzufriedener, immer findet er was zu meckern – und da geht es auch schon wieder los. Denn der Volksentscheid ist vorüber, die Stimmen ausgezählt, und der Gesetzentwurf von Pro Reli e.V. vom Tisch, wie Herr Sathom erleichtert feststellt. Allein erleichtert heißt nicht gleich befriedigt – denn ein triumphierendes Hah! bleibt Herrn Sathom im Halse stecken, blickt er auf die Wahlbeteiligung. Nun gut, mag man meinen – die Gegner des Gesetzentwurfes hatten eine geringfügige Mehrheit, stimmten also wie der Herr Sathom selbst, so daß es auch ein echtes – wenn auch knappes – Ergebnis ist und nicht nur eines dank geringer Wahlbeteiligung, und ein kaum nennenswerter Zuspruch überhaupt teilnehmender Wähler ist ja in diesem Fall tatsächlich auch ein Votum gegen das Gesetz, bedeutet er doch, daß nicht genügend Menschen motiviert oder interessiert werden konnten, für dieses zu stimmen. Man könnte sich also – auch und gerade ob der Wahlbeteiligung an sich, die auch eine Art von Meinungsäußerung ist – befriedigt zurücklehnen.

Denkste, meint Herr Sathom. [Weiterlesen]

:: Frömmleranschlag auf die Freiheit

Herr Sathom ist einigermaßen mißvergnügt, muß er doch, wiewohl Agnostiker und somit vom sonntäglichen Kirchgangszwange freigestellt, dennoch am kommenden solchen seine Freizeit opfern, um bei einem Volksentscheid dem Ansinnen eines Häufleins religiöser und weltanschaulicher Aktivisten entgegenzutreten, welche der Freiheit und dem Pluralismus eins auszuwischen ausgezogen sind. Er hofft, daß recht viele so stimmen mögen wie er, auch gläubige Menschen, denn gleich ob religiös oder ungläubig müßte jeder, der die „Argumente“ jener Dreisten geprüft und wohl bedacht hat, sich über deren schwachen Gehalt im Klaren sein, welchen Herr Sathom im Folgenden eingehend nachzuweisen gedenkt. (Insofern sei gesagt, daß Herr Sathom hier keineswegs daran gelegen ist, gegen religiöse Menschen zu wettern, wiewohl er deren Glauben nicht teilt; des Herrn Sathom Zorn gilt allein denjenigen, die verantwortliche Veranstalter des derzeitigen Affentheaters sind.) [Weiterlesen]