Archiv der Kategorie: Diverses

:: Und noch’n Freihandelsabkommen

Sie geben wirklich keine Ruhe.

Nach TTIP, CETA und TISA stimmt der EU-Ministerrat diese Woche über JEFTA, ein Freihandelsabkommen mit Japan, ab. JEFTA birgt neben den altbekannten Problemen solcher Vereinbarungen auch die Gefahr zukünftiger Trinkwasser-Privatisierungen – mit den bekannten, negativen Folgen; hinzu käme ein sehr früher, noch stärkerer Einfluß von Konzernlobbyisten auf Gesetzgebungsverfahren.

Sollte der Ministerrat diese Woche zustimmen, wäre eine Ratifizierung des JEFTA-Abkommens bereits am 11. Juli möglich. Noch kann man bei Campact! eine Petition unterschreiben, in der die SPD aufgefordert wird, sich der Zustimmung zu enthalten (was die Ratifizierung blockieren und Nachverhandlungen erforderlich machen könnte).

Ob dergleichen irgendeine Erfolgschance hat, sei dahingestellt; schaden kann der Versuch nicht. Fest steht jedoch etwas anderes – daß nämlich die Vertreter des totalen, globalen Neoliberalismus, samt ihrer gläubigen Anhänger in der Politik, im stillen Kämmerlein beharrlich ihre Vorhaben vorantreiben. Es ist, als würden sie nie schlafen, niemals Pause machen oder Feierabend; und während sich die Öffentlichkeit von angeblichen Flüchtlingsinvasionen samt drohender Apokalypse ablenken läßt, bleiben sie bei der Sache und verlieren nie ihre Ziele aus den Augen.

Womöglich haben sie uns das ja voraus.

Denn vielleicht hat Herr Sathom ja bloß nichts mitbekommen, weil er einige Zeit zwecks Lebensunterhalt extrem viel ackern mußte; aber ihm scheint, daß JEFTA zwar nicht gänzlich unbemerkt blieb – die üblichen Verdächtigen wie LobbyControl und die Gewerkschaften machten sich dagegen stark –, jedoch im Vergleich zu früheren Freihandelsabkommen weitgehend unbemerkt ausgehandelt werden konnte. Unbemerkt von einer Öffentlichkeit und Medien, die sich lieber mit der Late-Life-Crisis eines Horst Seehofer beschäftigen, der sich als heimlicher Kanzler profilieren möchte; von einer Bevölkerung, die so besessen am Boden des Maßkrugs nach ihrer verlorenen „Heimat“ sucht, daß sie um sich herum nichts mehr wahrnimmt. Bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Und das kommt dann eben davon.

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:: Viel Lärm um nichts

It is a tale // Told by an idiot, full of sound and fury, // Signifying nothing.
– Shakespeare, Macbeth, 5. Akt, 5. Szene

Nur eine Randbemerkung zum Asylstreit zwischen CDU und CSU: Das Magazin quer des BR brachte am 21.06. einen angenehm unaufgeregten Beitrag (ca. ab Min. 16:30) zu dem Phänomen, daß derzeit Politiker (vornehmlich der CSU) sich verbal gebärden, als ginge Deutschland in einer Asylantenflut unter, die eine Spur der Verwüstung in Form völliger Auflösung des Rechtsstaats, allgemeinen Chaos und kompletten Zusammenbruchs jeglicher Ordnung hinter sich herziehe. Man müsse „die Lage in Deutschland wieder in den Griff bekommen“ (Markus Söder), „damit wieder Ordnung an unseren Grenzen herrscht“ (Alexander Dobrindt), heißt es da etwa – ganz so, als würden tagtäglich Flüchtlingshorden gegen die deutschen Grenzen branden, nicht weniger als den Untergang des Abendlandes im Gepäck. „Staat überfordert! Behörden machtlos! Deutschland kaputt!“ schallt es nicht nur aus den Reihen von AfD- und Pegida-Anhängern. Nur daß es die Flüchtlingsmassen, die das angeblich verursachen, nun, sagen wir – irgendwie nicht gibt.

Gähnende Leere an der bayerischen Landesgrenze, dito leerstehende Flüchtlingsunterkünfte; und darüber könnte man ja mal nachdenken: Weshalb aktuell vielerseits, auch in einschlägigen Boulevardmedien, die asylgeborene Apokalypse beschworen wird, während in Wirklichkeit – nichts dergleichen passiert.

Der Weltuntergang läßt sich nirgends besichtigen, was für Liebhaber dystopischer Filme vielleicht auch wieder’n bißchen schade ist; doch die Ängste, daß er längst da sei, oh ja, die muß man natürlich berücksichtigen. „Die“ Bevölkerung hat sie nämlich, diese Ängste, wer immer und wie viele das sein auch sein sollen – die ganze Bevölkerung wohl, versucht man wenigstens zu suggerieren. Daß es Furcht vor sozialem Abstieg ist, die da in Sorge um die eigene Identität umgedeutet wird, auch von den Betroffenen selbst, ist natürlich praktisch, für sie wie für die Politik: Man muß nichts ändern am ungerechten System des Spätkapitalismus, dem eigentlichen Verursacher, von dem man jedoch insgeheim immer noch mitzuprofitieren hofft. Man braucht sich nur einzureden, an allem – marode Schulen, Wohnungsnot, Altersarmut etc. – wären irgendwie die Flüchtlinge schuld. Wäre man die erst alle los, schwupps gehörte man kraft der eigenen „Identität“ (sprich: ethnischen Herkunft) wieder zu den Privilegierten mit Traumjob, tonnenweise Kohle und Luxusappartement. Träumt weiter, Leute.

Nun ja. Das hier ist jedenfalls (noch) bloß Satire.

:: Blogger Recognition Award

Das neue Blogging-Jahr beginnt mit reichlicher Verspätung und einer riesigen, zutiefst zerknirschten Entschuldigung.

Bereits Ende letzten Jahres wurde Herrn Sathoms kecke Meckerecke für den Blogger Recognition Award nominiert – vielen Dank an Der Fuchsi für die Nominierung, gepaart mit einem riesengroßen Sorry, daß ich erst jetzt angemessen reagiere –, wobei leider eine Reihe von Umständen dazu führte, daß meine Blogaktivitäten kurz darauf – und für mich wider Erwarten – völlig zum Erliegen kamen. Zunächst erforderten Personalmangel und krankheitsbedingte Ausfälle Mehrarbeit im neuen Job, der eigentlich als Teilzeitarbeit mehr Zeit und Freiräume hätte schaffen sollen; hinzu kamen private bzw. familiäre Verpflichtungen, die endgültig an Zeit und Energie fraßen, was dann noch übrig blieb. Zugleich erwischte mich die Nominierung zu einem Zeitpunkt, an dem ich ernsthaft über Sinn und Unsinn der Bloggerei nachdachte und mit dem Gedanken spielte, endgültig aufzugeben – befeuert durch die o.g. Umstände mag es da auch an Motivation gefehlt haben.

Inzwischen hat sich die berufliche Lage so eingependelt, wie es ursprünglich gedacht war, und aus den Zweifeln wurde der gefestigte Entschluß, das Blog weiterzuführen (mit welcher Regelmäßigkeit und in welchem Umfang, wird sich noch zeigen müssen).

Doch zunächst, um endlich einer zu lange versäumten Pflicht zu genügen, zum Award.

Worum handelt es sich?

Der Award dient dazu, Blogger miteinander zu vernetzen. Eine „Nominierung“ bedeutet, daß man andere Blogger/Blogs im eigenen Blog empfiehlt, womit man sie quasi bereits auszeichnet (es gibt also keinen „Gewinner“, der unter allen Nominierten gewählt wird). Die Idee ist, daß die Nominierten wiederum andere Blogs empfehlen und sie damit unter den Teilnehmern bekannt machen.

Der Award wird also nicht von einer Institution verliehen, bei der die Nominierten vorgeschlagen oder angemeldet würden. Er stellt jedoch ein Gütesiegel dar, welches ein Blog von anderen Bloggern erhalten kann. Die nominierten Blogger benennen (im Idealfall) weitere 10 bis 15 Blogs und so fort. Da es eine freiwillige, nicht institutionalisierte Veranstaltung ist, existiert natürlich auch keine Anmeldefrist oder Teilnahmepflicht; dito wird man nicht wie bei einem Kettenbrief mit Fluch und Pestilenz bis ins siebente Glied der Nachkommenschaft gestraft, wenn man „die Kette unterbricht“ (hoffe ich).

Wie geht das?

Folgende Regeln gelten:

1. Verlinke den/diejenige/n, der/die dich nominiert hat – Bedanken nicht vergessen! (erledigt)

2. Präsentiere den Award in einem Artikel (erledigt)

3. Schreibe, wie und/oder warum du mit dem Bloggen angefangen hast (erledigt, siehe unten)

4. Teile deine Weisheit mit zwei Tipps für neue Blogger (erledigt – well, sort of)

5. Nominiere 10 – 15 andere Blogs für diesen Award (ähem – siehe unten)

6. Sag den nominierten Bloggern, dass du sie nominiert hast und verlinke deinen Artikel zum Award (nee den zweiten Teil dieses Satzes versteh ich auch nicht; soll vermutlich heißen, daß man einen Link zu den nominierten Seiten setzen soll)

Wieso, weshalb, warum

„Aber Chandler hat ja immer was zu meckern“ – so oder ähnlich schrieb einmal der große Raymond Chandler; und da sich Herr Sathom gewiß nicht für einen ebenso großen Autor, mindestens aber für einen verhinderten Philip Marlowe hält, kann er natürlich auch nicht anders. Seine Motivation beruht also hauptsächlich auf angehäuften Unzufriedenheiten mit sozialen und politischen Gegebenheiten, also dem Zustand der Gesellschaft und der Welt im Allgemeinen.

Aber im Ernst: Die Gründe, ein Blog zu betreiben, sind natürlich vielfältig. Manche sind Experten auf bestimmten Gebieten, andere wollen ihre Begeisterung für ein Hobby oder eine nostalgisch erinnerte Zeit teilen (besonders beliebt: die 1970er und 80er); oder es geht um den Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe, darum, zum öffentlichen Diskurs beizutragen. Herr Sathom möchte da einfach manchmal seine zwei, drei Cent mit auf den Tisch werfen, empfindet es gelegentlich sogar als Pflicht. Das kann natürlich auf eine „Was ich schon immer mal sagen wollte, mich aber nie jemand gefragt hat“-Schiene führen; aber da Herr Sathom nicht einmal wirklich gern bloggt, hofft er, daß ihm das nicht zu oft passiert. Immerhin brabbelt er noch nicht in der U-Bahn vor sich hin und erzählt wildfremden Leuten, was sie nicht hören wollen (aber wer weiß, kommt vielleicht auch noch).

Herrn Sathoms Ratschläge

Hm. Schwierig. So ein Blogging-Profi ist Herr Sathom nicht, daß er da perfekte Tipps wüßte. Vielleicht dies: „Recherche ist der Feind der Meinung“, so vor einiger Zeit der Kabarettist Timo Wopp, und unabdingbar ist sie auch. Gerade heutzutage erregen sich viele gern über flüchtig gelesene, vielleicht nur als Überschrift wahrgenommene Nachrichten, und auch Herr Sathom hat schon erlebt, daß ein vermeintliches Aufregerthema sich bei näherer Betrachtung als nicht vorhanden entpuppte, man sich einen Artikel also sparen konnte. Was Ihr schreibt, sollte auf fundierten Informationen beruhen, und die Mühe, solche Recherchen anzustellen, ist unverzichtbar. Das gilt natürlich auch bei reinen Hobbythemen.

Ebenso: redaktionelle Bearbeitung. Lest Euer Zeug ruhig noch ein, zweimal durch, bevor Ihr es veröffentlicht. Ein Artikel kann/muß nicht perfekt sein, aber orthographische Fehler sind peinlich, an Satzbau, Klarheit und Argumentationsgang läßt sich ggf. immer noch etwas feilen. Lest Ihr einen Eurer Texte und fragt Euch nach zwei Absätzen selbst, worum zum Teufel es da eigentlich geht, solltet Ihr vielleicht nochmal am Aufbau feilen.

Herrn Sathoms Nominierungen (Was?!? Fünfzehn??? Aargh!)

Nu geht’s ja los. Ein so intensiver Blogleser ist Herr Sathom nämlich auch nicht, daß er da mal eben fünfzehn Kandidaten aus dem Ärmel schütteln könnte. Hinzu kommt, daß das Problem fehlender Zeit, das Herr Sathom für sich anführen mußte, offenbar auch andere Blogs betrifft. Einige, die er hätte nominieren wollen (z.B. das des Kassenmädchens), entpuppten sich als mittlerweile verwaist, eines wurde kurz nach der Nominierung für Herrn Sathoms Blog von der Betreiberin vom Netz genommen. Was besonders schade ist, denn Naked Men, Happy Women (NMHW) war ein ganz hervorragendes Projekt, das sich nicht nur mit dem weiblichen Blick auf das männliche Gemächt den männlichen Körper, sondern auch mit weiblicher Sexualität, Gender- und Beziehungsfragen sowie alternativen Lebensstilen befaßte. Die klug geschriebenen, oft humorvollen, sehr reflektierten und engagierten Artikel beeindruckten Herrn Sathom immer wieder, und dazu gab’s massenweise Galerien, natürlich für die Ladies, Ihr wißt schon, also, es war hochgradig lesens- und sehenswert. Leider blieb dieses Blog – im Gegensatz zu anderen – auch nicht verwaist online, kann also auch nicht mehr „museal“ eingesehen werden; die Gründe dafür sind nachvollziehbar, da die Betreiberin offenbar auch nicht mehr von Mails, Anfragen oder kommentierenden Idioten behelligt werden wollte, aber schade ist es dennoch.

Kurz, es scheint auch ohne den kollateralen Fallout der neuen Datenschutzverordnung einen Rückgang privater Blogs zu geben. Ob man angesichts all dessen von einem regelrechten Blogsterben sprechen muß, weiß Herr Sathom nicht; ihm scheint aber, daß sich eine zunehmende Professionalisierung der Blogosphäre beobachten läßt, mit anderen Worten: Blogs betreibt, wer es sich leisten kann, entweder, weil das berufliche Verhältnis von Zeit und Verdienst es erlaubt, oder weil das Blog selbst als Einkommensquelle dient. So oder so mußte er beim Sichten seiner alten Lieben feststellen, daß die meisten verschwunden sind. Andere Blogs, die er hätte empfehlen wollen, waren im Zuge der gerade rollenden Awardwelle bereits nominiert worden, na geil.

Herr Sathom entschuldigt sich daher erneut, daß er im Augenblick nicht mit eigenen Nominierungen dienen, und das ihm erwiesene Gute auf diese Art weitergeben kann – und dafür, daß es bezogen auf NMHW leider nur für einen ehrenvollen Nachruf reicht. So bleibt ihm aktuell nur das Versprechen, an dieser Stelle oder in späteren Artikeln nachzuliefern, sollte ihm etwas Empfehlenswertes unterkommen.

Tja, soviel dazu; und alles weitere wird man dann mal sehen, ne.

:: Die CEOs und das sinkende Schiff

So. Nachdem Herr Sathom nun schon längere Zeit aus diversen Gründen (geht euch nix an) blogverhindert war, wird’s Zeit, endlich mal wieder loszutippen. Dazu muß er zunächst einige Erzeugnisse seines nikotinberauschten Hirns nachliefern, die in den letzten Wochen liegengeblieben sind; aufgewärmter Kaffee also, doch da es sich um Themen handelt, die ins Allgemeingültige führen, hoffentlich trotz der verstrichenen Anlässe relevant.

Man hört ja übrigens aus Entenhausen in letzter Zeit auch so gar nichts mehr, wenigstens nicht viel; vielleicht, weil der Donald nach Charlottesville von seinem Umfeld geknebelt und an einen Stuhl gefesselt wurde, dieser General Kelly da macht ja womöglich einen ganz ordentlichen Job. Oder dem Präsidenten fehlt sein Einbläser Steve Bannon, womit wir auch schon beim Thema wären.

Reden wir über die Nachbeben von Charlottesville.

Weil Donald Trump Schluckbeschwerden bekommt, wenn er sich von rassistischen, gewalttätigen Demonstranten eindeutig distanzieren soll, haben sich kürzlich zahlreiche Wirtschaftsgrößen aus seinen business councils, den beiden wirtschaftlichen Beratergremien, verabschiedet; so lange, bis Trump diese – unter dem Vorwand, den Druck von den verbliebenen Mitgliedern nehmen zu wollen – aufgelöst hat. Und sich zuletzt, vielleicht nachdem John Kelly lange genug „Tausend Stecknadeln“ mit ihm gespielt hat, auch von seinem bösen genius familiaris Bannon trennte.

So weit, so gut. Belegt das, daß die global und kapitalistisch ausgerichtete Wirtschaft für Weltoffenheit, Toleranz und Menschenwürde steht, ein Gegengewicht zum nationalistischen Abschottungswahn darstellt, wie es neoliberale Kreise gern behaupten, wenn sie Emmanuel Macron oder Christoph Lindner als Antidot für Le Pen und Pegida anpreisen? Zeigten die Konzerngrößen hier moralische Haltung, ethische Überzeugung? Haben sie den US-Präsidenten aus hehren Gewissensgründen aufgegeben, wie etwa Kenneth Frazier, Chef des Pharmakonzerns Merck, für sich in Anspruch nahm?

Man könnte das meinen, bis man sich klarmacht, daß dieselben Leute sich durch die bisherigen Parolen und Verhaltensweisen dieses Präsidenten keineswegs gehindert fühlten, in seinen Gremien zu sitzen. Es ist ja nicht so, als hätte Trump seit Amtsantritt oder bereits im Wahlkampf Zweifel an seiner Fremden- und Frauenfeindlichkeit, oder seinen homophoben Ansichten aufkommen lassen. Mexikanische Mauer, „Muslim Ban“, „Grab their pussies!“ – all das war deutlich sichtbar, und rührte an niemandes Gewissen.

Stephen Colbert von der Latenight-Show A Closer Look hatte schon recht, als er nach den Austritten witzelte, daß für den abgesprungenen Richard Trumka, der Trumps Verhalten als „the last straw“ bezeichnete, die bisherigen Ausfälle des Präsidenten wohl nur „fun straws“ – witzig-bunte Designstrohhalme – gewesen seien. Nun ist Trumka allerdings Gewerkschaftler (dem auch erst nach Charlottesville, also nach Monaten der Zusammenarbeit, plötzlich auffiel, daß Trumps Manufacturing Council nie dazu gedacht gewesen sei, Arbeitern wirklich zu helfen); was für ihn gilt, betrifft aber die Konzernvertreter ebenso.

Wenn sich also Kenneth Frazier auf „persönliche Gewissensgründe“ beruft, kann man durchaus fragen, weshalb sein Gewissen vorher schwieg. Hat er, der nach den Ereignissen von Charlottesville als erster ging, den Rassismus des Präsidenten bzw. eines Teils seiner Anhänger zuvor nicht bemerkt? Lebten alle Beteiligten bis zu Trumps erster Rede zu den Ausschreitungen unter einem Stein?

:: Faschismus und Bürgertum oder: Wer wählt Le Pen?

Morgen entscheidet Frankreich, wer das Land die nächsten Jahre als Präsident/in führt: Marine Le Pen, die für Abschottung, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsruck und gegen Europa steht, oder Macron, auch hier in Deutschland erhoffte Lichtgestalt und Messias, der braunen Gefahr zu wehren, dabei zugleich mit dem Finanzkapital verbandelt und bereit, „notwendige Reformen“ durchzuführen, die an die hiesige Agenda 2010 erinnern, wobei er sein geplantes, drastisches Strafsystem pausbäckig als „Recht auf Arbeitslosigkeit“ verbrämt (der Trick: Arbeitslosengeld bekäme auch, wer selbst kündigt – jedenfalls so lange, bis er zweimal eine Tätigkeit, für die er vielleicht gar nicht qualifiziert ist, abgelehnt hat). Was Macron mangels eigener Partei und parlamentarischer Unterstützung genau bewirken kann, bleibt dabei zunächst unklar, aber auch gleichgültig – für alle, die ein Regime Le Pen zu Recht fürchten, ist er der Heiland des Augenblicks, für seine Mission schon mit dem passenden Vornamen gesegnet, Emmanuel, in der christlichen Tradition eine Bezeichnung für den auferstandenen Herrn. Ein Erlöser, so strahlend, daß Herr Lindner von der FDP gern der deutsche Macron würde, allein, das Zeug dazu hat er wohl so wenig wie dereinst Rolf Kauka das zum „deutschen Walt Disney“, zu dem man ihn gern stilisiert hätte. Ob man mit Macron/Le Pen nicht lediglich die Wahl zwischen Teufel und Beelzebübin hat, fragen sich andere, und eine Bewegung, die zum Nichtwählen bzw. zur Abgabe ungültiger Stimmzettel aufruft, gerade das als Ausdruck politischen Willens ansieht, findet ebenfalls viele Anhänger.

Die anstehende Schicksalswahl – die diese Bezeichnung zur Abwechslung verdient – soll hier als Anlaß dienen, einen kurzen Rückblick auf den Erfolg des Rechtspopulismus in den vergangenen Jahren zu werfen, und dabei eine seiner Merkwürdigkeiten zu beleuchten.

Im letzten TV-Duell vor der Wahl hielt Le Pen ihrem Gegner u.a. vor, er stünde als Ultraliberaler für einen „Krieg aller gegen alle“. Diese Äußerung ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert.

Einerseits verbirgt sich hinter der Äußerung, auch wenn sie hier als eher flapsige Parole daherkommt, eine beklemmend realistische Einschätzung der kapitalistischen Gesellschaft. Auch Herr Sathom hat in diesem Blog schon vor längerer Zeit die These aufgestellt, der Euphemismus der „Wettbewerbsgesellschaft“ beschönige einen wirtschaftlichen Bürgerkrieg Jeder gegen Jeden; verhülle, daß wir es nicht nur normal, sondern richtig finden, daß es in der Gesellschaft „Gewinner“ und „Verlierer“ gäbe, wobei die letzteren – anders als im spielerischen Wettbewerb – Elend und Not, gegebenenfalls den Kältetod als Obdachloser, zu gewärtigen haben, gerechte Strafe des „Lebens“ für diejenigen, die „zu spät kommen.“ Der Gedanke ist uns so eingefleischt, daß wir ihn nicht einmal in Frage stellen, unsere Kinder von einem Förderkurs in den nächsten hetzen (sofern wir es uns leisten können), um sie zu Supersoldaten für den globalen Leistungskampf von Morgen abzurichten; daß wir uns selbst ständig zu „optimieren“ suchen, uns entsolidarisiert haben, beständig gegeneinander statt miteinander leben. Geführt wird dieser Krieg nicht nur zwischen den einzelnen Individuen, sondern auch den Schichten: Die „Abgehängten“, „Geringqualifizierten“, die „Globalisierungsverlierer“ sind vom gesellschaftlichen Mainstream eben nicht nur „vergessen“ worden, wie es jetzt allenthalben heißt, sondern aktiv bekämpft. Sie wurden in demütigende Minderlohnverhältnisse gezwungen, um Teilhabe und und Rechte gebracht, als Faulpelze und Sozialschmarotzer verleumdet; mit dem Vorurteil, sie würden nur jammern und die Verantwortung für ihr Versagen auf andere abschieben wollen, hat man sie effektiv geknebelt und jeglicher Mitsprache beraubt.

Andererseits stehen die Rechte, und mit ihr Mme. Le Pen, kaum für einen gesellschaftlichen Zustand, der nicht kriegerisch wäre. Der Krieg ist für die Zeit nach der Wahl bereits erklärt – den Zuwanderern sowieso, den Homosexuellen, dazu all jenen, die nicht das klassische, bürgerliche Familienmodell leben, und überhaupt den Frauen, ob sie nun allein erziehen, abtreiben oder sonst etwas tun müssen oder wollen, daß ihrer „naturgewollten“ Rolle widerspricht. Ein von der Rechten regiertes Land – das beweist u.a. Ungarn – befindet sich allerdings in einem dauernden Kriegszustand gegen Teile der Bevölkerung, wie er jedes autoritäre Regime, auch Putins Rußland oder Erdogans Türkei, kennzeichnet. Auch der Vorwurf des wirtschaftlichen Liberalismus ist eigentümlich. Wirft man einen Blick in die Parteiprogramme – auch das der deutschen AfD – zeigt sich schnell, daß gerade die Rechte wirtschaftsliberale Positionen vertritt, die mit sozialer Gerechtigkeit unvereinbar sind. Was sie den Vertretern eines globalen Freihandelskapitalismus vorwirft, propagiert sie selbst, zeigt sich gnadenlos gegenüber den ärmeren Schichten; verschoben ist lediglich der Fokus.

:: Erfolgsmodell Persönlichkeitsstörung

Nun also auch hier doch noch einmal Trump; hilft ja nix. Allerdings nicht, um sich unter die Chronisten der Katastrophenmeldungen zu reihen – nicht, daß die ersten Amtstaten des neuen US-Präsidenten nicht katastrophal genug wären, doch es hieße, lediglich zu wiederholen, was derzeit aus allen Medienkanälen über uns hereinbricht, und von beinahe jeder anderen Thematik ablenkt –, sondern weil ein spezifischer Aspekt der Debatten über Trump verdient, in größeren Bezug gesetzt zu werden.

Es geht um eine Frage, die derzeit viele Trump-Gegner in den USA umtreibt, und teils wie eine verzweifelte Hoffnung auf Amtsenthebung, teils ängstlich, teils mit Häme diskutiert wird; eine Frage, die längst auch deutsche Diskussionen erreicht hat. Drücken wir es „volkstümlich“ aus:

Ist Donald Trump verrückt?

Weisen seine persönlichen Angriffe, das Nachäffen eines körperlich beeinträchtigten Journalisten, die verbalen Ausfälle gegen Frauen, seine manische Twitter-Besessenheit (der er sich offenbar lieber widmet, als Entscheidungen sorgfältig zu überlegen), seine Meinungswechsel (Zweistaatenlösung in Palästina hüh, dann hott), seine unbeendeten Sätze und vieles mehr, auf eine Persönlichkeitsstörung hin? Lügt Trump, wenn er behauptet, bei seiner Amtseinführung wären Menschenmassen anwesend gewesen, wenn er „alternative Fakten“ präsentiert, oder leidet der Präsident an Realitätsverlust?

Grundsätzlich lassen sich drei Strömungen unterscheiden. Die einen halten Trump schlichtweg für durchgeknallt. Unterschiede gibt es hier lediglich in der Frage nach Grad und Natur der Störung: Der bezwingend witzige Keith Olbermann vom GQ-Magazin nennt in seiner YouTube-Serie The Resistance durchaus beunruhigende Symptome, um sich auf eine explizite Diagnose festzulegen: „He’s mad.“.Andere Vertreter dieser These vermuten beim 69-jährigen Trump frühe Anzeichen von Alzheimer bzw. Demenz; und in der Sendung Hart aber fair zählt der Psychiater Borwin Bandelow Indizien für eine narzißtische Persönlichkeitsstörung auf (von ca. Min. 39:22 – 48:48), wenn er auch mit einer Ferndiagnose vorsichtig bleiben will.

Die Gegenposition besteht in der Auffassung, daß Trumps Verhalten nichts mit „Aussetzern“ oder mangelnder Impulskontrolle zu tun hätte. Es handele sich um Verhandlungsmethoden, die er bereits als Geschäftsmann verwendet habe; die Unsicherheit, was er tun werde, die Einschüchterung und Verächtlichmachung anderer, all das wären Verhaltensweisen, die den businessman Trump kennzeichnen, und die er nun ins politische Leben übertrage. Die Kognitionspsychologin Elisabeth Wehling wiederum betrachtet alles,was Trump tut oder sagt, als sorgfältig geplant, choreographiert; bei seinem scheinbar unzurechnungsfähigen Verhalten handele es sich um eine als framing bezeichnete Methode der psychologischen bzw. sprachlichen Manipulation, bei der an tiefsitzende Ressentiments (gegen Latinos, Afrikaner, Frauen, Homosexuelle etc.) der Zielgruppe appelliert werde – eben an deren Gedankenwelt, ihren „frame“.

:: Von hier an: Trump

Keine Sorge, das kommt auch noch vor. Der neue US-Präsident wird heute eingesetzt; zu ihm hangeln wir uns schon hin.

Befassen wir uns aber zunächst mit einer besonders lustigen AfD-Forderung. Nein, nicht dem Mist, den Björn Höcke verzapft hat, und der im Augenblick alle so aufregt, von wegen es bräuchte eine erinnerungspolitische Wende, und das Berliner Holocaust-Mahnmal sei ein „Denkmal der Schande“ – das alles hätte man längst wissen können. Wes Geistes Kind die AfD-Führungsriege ist, lag lange schon offen, und auch das Ausmaß ihrer ideologischen Bräune; wer da jetzt erstaunt tut oder sich erst nach Höckes Anfall von Ehrlichkeit empört, hat die vergangenen Jahre unter einem Stein verbracht.

Es klingt daher zwar gewitzt, wenn Sascha Lobo, jener leicht überschätzte Erklärer der platzeprallen sozialen Harnblasen des Internet, auf Spiegel Online fordert, sich Höckes Rede aber auch ja anzusehen, damit diesmal keiner hinterher sagen könne, er habe nichts gewußt; Herr Lobo liegt gern schon einmal halb daneben, diesmal aber völlig richtig – nur ist er leider zu spät dran. Wissen kann man das, was sich da nun so offensichtlich zeigte, schon lange. Herr Lobo hat allerdings recht, wenn er schreibt, daß fünf Nazis in einer Gruppe von hundert Leuten diese zwar nicht insgesamt zu Nazis machen, daß jedoch das Verhalten der restlichen fünfundneunzig, sobald diese wenigen ihre Fahnen und Parolen sprechen lassen, durchaus bedeutsam sei. Verbannen sie die fünf nicht aus ihrer Gruppe, könne oder müsse dieses Verhalten sehr wohl als „Absichtserklärung der gesamten Gruppe verstanden werden.“ Stimmt. Diejenigen AfD- und Pegida-Anhänger, die darauf beharren, nur „besorgte Bürger“ statt Nazis zu sein, müssen erklären, weshalb sie dann mit welchen gemeinsam marschieren. Warum sie ihre Besorgnisse – ganz gleich, wie berechtigt diese sind – nicht in säuberlicher Scheidung von jenen vortragen. Wer NPD-Kader und andere Rechte in seiner Mitte duldet, hat keine Ausrede. Oder, wie das amerikanische Sprichwort sagt: You lie down with dogs, you get up with fleas; ohne Tiervergleiche in seiner hiesigsprachigen Entsprechung: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das könnten sich auch jene Politiker und Journalisten einmal sagen, die dafür plädieren, nicht alle „in eine Topf zu werfen“ – da hineingeworfen haben die sich nämlich längst selbst. Insofern auch das nichts Neues, aber gut und offenbar notwendig, daß Herr Lobo noch einmal daran erinnert.

A propos säuberlich: Es gehört ja zu den beliebten Erzählmotiven der Rechten, daß die Scheidung zwischen Rechts und Links nicht mehr existiere. Von Seiten der Rechten ist diese Behauptung eine rein taktische; sie liefert jedem, der sich AfD, Pegida, „Identitären“ usw. anschließen will, eine nützliche Ausrede, weshalb er deswegen nicht „rechts“ sei. Erstaunlich jedoch ist, wie beflissen teils auch bürgerliche Medien und Politiker diese gedanklich schlampige, unsachliche Entdifferenzierung übernehmen. Vielleicht, weil sie dem Establishment ermöglicht, linke und andere Kapitalismuskritik gleich mit abzuqualifizieren, sie mit dem gemeinsamen Etikett „Populismus“ zu versehen? Hier scheint es ganz genehm, unterschiedliche Dinge in denselben Topf zu werfen und kräftig umzurühren.

Aber wie gesagt – lassen wir das. Widmen wir uns lieber etwas Ulkigem an diesem Tag, da John Carpenters Escape from L.A. – oft als ernst gemeinter, aber schlecht gemacher Apokalypsenfilm mißverstanden, tatsächlich eine Satire – Wirklichkeit zu werden droht. Wenn die Welt schon untergeht, dann wenigstens lustig.

Die AfD möchte nämlich auch gern, und hier beweist sie Sinn für Humor, daß das pfälzische Dorf, dem Donald Trumps Vorfahren entstammen, touristischer Wallfahrtsort werde. Die Einwohner des Örtchens sind, von Ausnahmen abgesehen, eher wenig begeistert. Für Deutschlandradio Kultur ist die Forderung Anlaß zu ein wenig Ahnenforschung. Und siehe da: Trumps Großvater war ein illegaler – nun, nicht Einwanderer, sondern Auswanderer. Er drückte sich nämlich darum, von seinem Landesfürsten und Leibeigner die Erlaubnis zum Verduften einzuholen, weshalb dieser ihn später auch nicht zurückhaben wollte. Auch der Prinzregent Luitpold habe sich auf entsprechende Anschreiben ungnädig gezeigt, heißt es; gewissermaßen eine Ablehnung des Asylgesuchs eines Rückkehrers. Damit nicht genug – den Grundstein zum trumpschen Vermögen legte der Opa offenbar unter anderem durch Bordellbetrieb. Ja da schau her. All das ist vielleicht nicht notwendig zu wissen, und ebenfalls nicht neu – aber zumindest noch einmal eine pikante Fußnote, kurz bevor das Tier 666 der nächste Präsident den Thron besteigt. Wird Senator Palpatine Donald Trump die galaktische Republik zerschlagen Amerika wieder groß machen, und Europa zerlegen? Popcorn, bitte.

Kommt alles, wie von Carpenter prophezeit? Seine andere Satire, Sie leben!, hat das Wüten des Finanzkapitalismus ja inzwischen bestätigt. Wie war das noch in Die Fürsten der Finsternis? „Dies ist eine Warnung aus der Zukunft“? Und kann Trump eine volle Amtszeit durchhalten? Verlassen wir uns hier nicht auf einen Pfuscher wie Nostradamus, hören wir gleich die Experten: Und es wurde ihm ein Mund gegeben, der große Dinge und Lästerungen redete; und es wurde ihm Macht gegeben, zweiundvierzig Monate zu wirken (Offenbarung 13,5). Na, das sieht doch ganz gut aus; im letzten Jahr wird irgendwas sein.

Nun, fröhlich geht die Welt zugrunde; und das ist ja immerhin auch was wert. Das Deutschlandradio weiß dank einer erfolgreichen Totenbeschwörung übrigens auch, was Karl Marx von alledem gehalten hätte: Ein hörenswerter Beitrag.

:: Wer war Jack Chick?

Manfred Krug, Götz „Schimmi“ George – die Liste der in diesem und dem letzten Jahr verstorbenen Stars setzt sich fort. Ein anderer Abschied ist hierzulande – wenn überhaupt – vielleicht nur wenigen älteren Nerds, besonders Fans von Fantasy-Rollenspielen und Comics, aufgefallen. International rief er, besonders im englischsprachigen Raum, in einschlägigen Kreisen durchaus ein größeres Echo hervor.

Jack T. Chick, Mr. Satanic Panic, ist tot.

Rollenspieler alter Schule, die schon seit den 1980ern dabei sind, Comicfans, Atheisten, aber auch Anhänger jeder nicht christlich-evangelikalen Religion von Juden bis Muslimen, kannten ihn – verlacht, gehaßt, aber auch von gläubigen Anhängern umgeben, einen Mann, in dessen hausgemachten Comics – einige auch von seinem Hofzeichner Fred Carter ausgeführt – Vorurteile, Dämonenparanoia und die Drohung ewigen Höllenfeuers brutzelten wie ein reifer Mitesser auf dem Eiterherd.

Wer also war Jack Chick?

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:: TV-Tipp: Die Zeichentrick-Enterprise

Anläßlich des fünfzigsten Jubiläums der Star Trek-Franchise wiederholt der Sender Tele 5 aktuell die Zeichentrickserie Die Enterprise, die – soweit Herr Sathom weiß – bisher in Deutschland nur einmal im ZDF, und anfangs der 2000er Jahre schon einmal auf Tele 5 lief.

Allerdings strahlt Tele 5 diesmal nicht die ZDF-Fassung, sondern die ungeschnittene, neu synchronisierte Version aus, die 1994 für die Videoauswertung hergestellt wurde, was nicht ganz unwichtig ist (siehe unten).

Herr Sathom hat sehr gemischte Kindheitserinnerungen an diese Version des Enterprise-Mythos, die er beim erneuten Angucken teilweise bestätigt findet. Da sind die zugegebenermaßen lausigen Animationen, die dem typischen Standard der Filmation-Produktionen der 60er, 70er und 80er Jahre entsprechen (Masters of the Universe etc.); aber auch die faszinierenden, oft surreal wirkenden Umgebungen, in die ein ungewöhnliches Artwork die Enterprise-Crew versetzt, ein Universum oft organisch wirkender Maschinen, Raumschiffe und Bauten, die an Cover von Science-Fiction-Pulps der Ära erinnern, und nicht selten beinahe psychedelisch anmuten; von den nonhumanoiden Aliens, die sich tricktechnisch in der Realfilmserie nie hätten umsetzen lassen, ganz zu schweigen.

Eine andere Erwartung hingegen wird erfreulicherweise enttäuscht. Viele von Herrn Sathoms Altersgenossen haben die animierten Abenteuer der Enterprise in eher schlechter Erinnerung; in seinem Fall gilt diese besonders der Handlung einzelner Episoden, die oft keinen Sinn zu ergeben schien. Das ist um so erstaunlicher, als amerikanische Fans die Serie, die sogar einen Emmy gewann, z.T. recht positiv bewerten. Erst Jahre später erfuhr Herr Sathom, daß das ZDF die Folgen von 25 auf 15 Minuten kürzte, und sie dabei entsprechend verstümmelte (im Fall einer Folge, die er noch lebhaft erinnert, fehlte schlichtweg das Ende; Herr Sathom hoffte vergeblich, die Handlung würde in der nächsten Folge vielleicht fortgesetzt, und weiß bis heute nicht, was da nun mit diesem Felsenmonster wurde). Eine blödsinnige Synchronisation im damals beliebten Schnodder-Sprachstil, angelehnt an die Synchronuntaten Rainer Brandts, verdarb einem mit dümmlichen Kalauern zusätzlich den Genuß.

Für die hier verwendete Home-Video-Veröffentlichung wurden die Synchronsprecher der Originalserie verpflichtet und die Dialoge neu, und weitgehend originalgetreu übersetzt; eine Gelegenheit, diesen Klassiker neu zu entdecken.

Star Trek: The Animated Series hält Überraschungen wie das später in The Next Generation eingeführte Holodeck bereit und ersetzt Raumanzüge durch Gürtel, die einen atmosphärengefüllten Individualschutzschirm projizieren (der Filmation-typische Grund bestand darin, sich das Zeichnen der Raumanzüge zu sparen); viele in der Serie etablierte Fakten wurden später aus dem Kanon gestrichen, dann allerdings in Serien wie DS9, Star Trek: Enterprise und sogar in J.J. Abrams‘ Star Trek von 2009 wieder eingeführt bzw. referenziert. Auch in Trek-Romanen sowie Computer- und Tabletop-Spielen hinterließ die gezeichnete Enterprise ihre Warpsignatur, und wurde inzwischen offiziell als kanonisch akzeptiert (was zum Trek-Kanon gehört und was nicht, hing offenbar u.a. von Gene Roddenberrys Tageslaune und der Herrschaft eines von ihm ernannten „Archivars“ ab; die Entwicklung des Kanons stellt eine Geschichte für sich dar, die einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Franchise gestattet). Während Trek-Fans die animierte Serie gewiß ohnehin längst kennen, dürfte es sich für Gelegenheitsgucker und nostalgisch an den 70ern interessierte Zuschauer lohnen, diesem Klassiker einen Blick zu gönnen.

Herr Sathom hat das Ganze natürlich zielstrebig fast verpaßt (Dank an seinen Bruder für den Hinweis). Der Spaß läuft schon seit Anfang September, doch war mag, kann jetzt noch ein Auge voll nehmen, sich an alte Zeiten erinnern oder bisher völlig unbekannte Trek-Welten entdecken (und im übrigen zeigt eine Online-Suche nach den Ausstrahlungsterminen, daß man zumindest bis zum 10.10. auf das Privatsender-Prinzip der Wiederholungsschleife hoffen darf).

:: Campact! klärt über AfD auf

Noch einmal zu einem Thema, das wir hier schon hatten: Das Programm der AfD und die Frage, wie sozial diese Partei, die sich gern als die der „kleinen Leute“ gibt, wirklich ist.

Die Organisation Campact! hat einige diesbezügliche Punkte des AfD-Grundsatzprogramms näher beleuchtet, und das Ergebnis als lesenswerten Beitrag auf ihrer Website veröffentlicht. Ein ebenfalls vorhandenes, recht hübsches Video reißt dieselben Fragen natürlich nur an (schnelle Information und Knappheit sind ja Zweck solcher Spots); zusätzlich zu dem witzig animierten Filmchen sollte man daher ruhig den Blogbeitrag lesen, der die AfD-Vorstellungen übersichtlich, tiefgehender und doch kurz gefaßt mit der sozialen Wirklichkeit konfrontiert, und nach Konsequenzen einer AfD-Politik fragt, die solche programmatischen Punkte umsetzen würde.