:: Volksentscheid zu Pro Reli (2)

Das ist schon einer, der Herr Sathom, ein ewig Unzufriedener, immer findet er was zu meckern – und da geht es auch schon wieder los. Denn der Volksentscheid ist vorüber, die Stimmen ausgezählt, und der Gesetzentwurf von Pro Reli e.V. vom Tisch, wie Herr Sathom erleichtert feststellt. Allein erleichtert heißt nicht gleich befriedigt – denn ein triumphierendes Hah! bleibt Herrn Sathom im Halse stecken, blickt er auf die Wahlbeteiligung. Nun gut, mag man meinen – die Gegner des Gesetzentwurfes hatten eine geringfügige Mehrheit, stimmten also wie der Herr Sathom selbst, so daß es auch ein echtes – wenn auch knappes – Ergebnis ist und nicht nur eines dank geringer Wahlbeteiligung, und ein kaum nennenswerter Zuspruch überhaupt teilnehmender Wähler ist ja in diesem Fall tatsächlich auch ein Votum gegen das Gesetz, bedeutet er doch, daß nicht genügend Menschen motiviert oder interessiert werden konnten, für dieses zu stimmen. Man könnte sich also – auch und gerade ob der Wahlbeteiligung an sich, die auch eine Art von Meinungsäußerung ist – befriedigt zurücklehnen.

Denkste, meint Herr Sathom. Den Grund hierfür lieferte ihm gerade einer jener, die nicht teilnahmen, indem er, in der Flimmerkiste zum Volksentscheid befragt, eine Antwort gab, daß es einen gruseln möchte: daß das mit der Religion ja Privatsache sei, und man es nicht politisch regeln könne, erzählte da ein junger Mann, lässig im sonnendurchluteten Park hingelümmelt. Richtig, meint Herr Sathom, es ist privat und kann (ja sogar: darf) nicht politisch geregelt werden – nur hat der smarte junge Sonnenanbeter leider vergessen, daß in einem solchen Fall, in dem nämlich andere versuchen, eine politische Regelung zu erzwingen, die Gefahr besteht, daß jemand anderes Deine Privatsachen zur Gesetzesangelegenheit erklärt und für Dich regelt, mein Lieber. Und dagegen galt es aufzustehen – denn ob nicht Heerscharen von Gesetzesbefürwortern zur Wahlurne gepilgert wären, um dort für uns Andere zu entscheiden, inwieweit derlei privat sei oder nicht, konnte man ja vor der Stimmauszählung nicht wissen, n’est-ce pas? Aber so weit reicht das politische Bewußtsein nicht, zu erkennen, daß eben auch das etwas ist, wofür man vielleicht mal kurz ein- und aufstehen muß, nämlich die eigene Privatsache gegen jene zu verteidigen, die sie nicht ganz so privat haben wollen. Denn sonst ist man vielleicht nicht ganz flugs, aber ein Schrittchen mehr wieder im Gottes- oder Gesinnungsstaat angekommen, in welchem andere einem vorschreiben, was man anzuziehen oder wessen Bild man an der Wand hängen haben muß, und wehe, der Kontrolleur erwischt einen ohne. Klingt überzogen? Nun, die Freiheit unserer privaten Sphäre und Überzeugungen – und deren Ausnahme von, und Schutz vor herrschaftlichem Zugriff Gesinnungsgängelei – sind gar nicht so selbstverständlich, und wir verdanken sie nicht dem Umstand, daß jene, die sie über Generationen hinweg erkämpften, nasepopelnd auf dem Hintern herumsaßen und dachten „is ja privat, macht ja nüscht.“ Aber so war er und so ist er, der deutsche Michel – immer noch die alte Schlafmütze auf dem Kopf, aber später im Alter am Stammtisch nörgeln, wie man dirigiert und überfahren wird, und was „die da oben“ sich so alles mit einem erlauben. Ist ja auch viel einfacher, als seinen Allerwertesten mal in Bewegung setzen, wenn einem schon die Möglichkeit zur Mitbestimmung gegeben wird. Herr Sathom möchte seufzen über dieses Volk, tröstet sich aber mit dem Abstimmungsergebnis, weil er heute keine Lust mehr hat, sich zu ärgern.

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